Freiburg – Wenn sie lernen, können wir zufrieden sein

Unentschieden, aber 10 Punkte aus 4 Spieltagen. Kein Trost? Wie niedrig ist denn inzwischen die Frustrationsschwelle für den Fußball im Allgemeinen oder die Ergebnisse des FC Bayern im Speziellen? Wir müssen einsehen, dass es eine Saison wie die letzte auf absehbare Zeit nicht mehr geben wird. Das heißt: Sich von romantischen Vorstellungen verabschieden und auf das wesentliche, also das Spielgeschehen, konzentrieren. Da findet man Kritikpunkte, aber muss nicht alles schlechtreden.

Der Spielverlauf der Dienstagabendpartie in Freiburg lässt sich recht einfach beschreiben. Schlecht gestartet, zur Ruhe und dem eigenen Spiel gefunden, das Führungstor erzielt, sich zurückgelehnt und darauf ausgeruht, um letztendlich kurz vor Schluss das böse Erwachen zu haben. Nicolas Höflers Ausgleich in der 86. Minute war die Ohrfeige für 85 Minuten Inkonsequenz. Und es war eine verdiente Ohrfeige. Solange die Mannschaft daraus lernt, können wir aber zufrieden sein. Xherdan Shaqiri fügte sich zum Beispiel blendend in die Startformation ein und war ständig präsent und mit einer Idee unterwegs. Einige Dinge liefen besser als zuvor und an anderen Stellen muss weiter hart gearbeitet werden.

Zur Schwächephase am Spielbeginn möchte ich folgendes bemerken: Wie hoch ist die Erwartungshaltung an unsere Jungs, dass man ihnen keine Zeit für Eingewöhnung auf dem fremden Platz lässt? Natürlich ist es etwas anderes, wenn man plötzlich zu Rafinha statt Philipp Lahm oder Diego Contento statt David Alaba auf die Außenbahnen spielt. Vielleicht sind sie 1-2 Schritte schneller oder langsamer als ein anderer, schlagen einen leicht anderen Weg ein und befinden sich dadurch einfach an einem anderen Platz. Es dauerte nicht einmal 30 Minuten bis sich unsere Mannschaft darauf eingestellt hatte. Der zumindest auf Twitter viel kritisierte Schweinsteiger spielte 87% seiner Pässe erfolgreich und auch Rafinha und Contento waren unwesentlich »schlechter« (3-4% unter Schweinsteiger). Unseren beiden neuen Startelf-Außenverteidigern ist die fallende Formkurve über den Spielverlauf und Fehlerpotential in der Raumbewegung anzukreiden. In Zukunft wird diese Phase kürzer werden. Ballbesitz und Ballsicherheit sind Guardiolas Credo. In weiten Phasen des Spiels konnten wir daraus auch Defensivstärke ableiten und haben nur in der Bewegung nach vorn das Toreschießen vergessen.

Leider gefiel mir Claudio Pizarro in seinen 88 Spielminuten selten. Er wirke mit Ball am Fuß nicht sicher in seinen Aktionen, gehetzt und mit unüberlegten Handlungen. Vor dem gegnerischen Strafraum konnten lange Bälle nicht anständig behauptet und, denn das ist der wichtigere Punkt, direkt gut verteilt werden. Sobald er sich etwas zurückfallen ließ um am Kombinationsspiel teilzuhaben, wurden Bälle vertänzelt oder eher schlechte spielerische Lösungen gefunden. Mario Mandzukic hat in den letzten Wochen entscheidenden Anteil am Erfolg der Mannschaft gehabt indem er Lücken stopfte und seine kämpferische Natur einsetzte. Pizarro konnte ihn nicht gleichwertig ersetzen. Ein anderer Schachzug war für Guardiola mit Blick auf das Supercup Spiel am Freitag aber nicht möglich.

Bastian Schweinsteiger musste in der 79. Minute den Platz verlassen. Heute wurde eine Stauchung im Sprunggelenk diagnositiziert und damit sein Einsatz gegen Chelsea in Frage gestellt. Sollte er länger ausfallen gibt es auch im dicht besetzten Mittelfeld Engpässe. Thiago ist mit einem Syndesmosebandriss außer Gefecht gesetzt und Javi Martínez kämpft weiterhin mit Adduktorenbeschwerden. Jan Kirchhoff braucht mehr Zeit und nun scheint Toni Kroos die erste Wahl auf der Sechserposition zu sein. Einen Einsatz von Philipp Lahm wie gestern Abend für gut 10 Minuten kann ich mir nicht als ernsthafte Lösung vorstellen.

Die Bewegungen einzelner Spieler oder auch zusammen mit einem Nebenmann gefallen inzwischen recht gut. Jerome Boateng scheint das beste Beispiel für eine Leistungssteigerung zu sein und sogar Arjen Robben hat noch ein paar Prozentpunkte drauflegen können. Kollektivbewegungen, also bei Ballverlust alle in ihre Defensivpositionen oder im Angriff in Richtung gegnerisches Tor, sind beim FC Bayern weiterhin verbesserungswürdig. Mal werden Räume schlecht oder zu spät besetzt, es gibt erst spät gute Anspielstationen im Lauf nach vorn und Positionen im Mittelfeld bleiben offen. Es hakt hier und da, aber das ist völlig normal. Die Mannschaft hat nach der erfolgreichster Saison aller Zeiten den Tapetenwechsel gebraucht und wird neue Vorgaben in den nächsten Wochen meistern. Sind wir doch mal ehrlich.. das Triple reicht auch alle zwei Jahre.

SC Freiburg – FC Bayern München 1:1 (0:1)
SC FreiburgBaumann – Sorg, Diagne, Ginter, Günter – Schuster (61. Höfler), Fernandes – Schmid, Laprevotte (60. Kerk) – Guedé (75. Hanke), Freis
FC BayernNeuer – Rafinha, Van Buyten, Dante, Contento – Schweinsteiger (79. Ribéry) – Müller, Götze (62. Lahm), Kroos, Shaqiri – Pizarro (88. Mandzukic)
BankStarke, Alaba, Boateng, Robben
Tore0:1 Shaqiri (33.), 1:1 Höfler (86.)
KartenGelb: Höfler, Günter / Van Buyten
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