Fazit: Das Frühjahr mit den FC Bayern Amateuren

Beim Amateurderby im November besuchten wir zum ersten Mal unsere zweite Mannschaft. Seit dem Jahreswechsel ist daraus eine schöne Regelmäßigkeit geworden die uns zu fast allen Heimspielen ins »Exil« Sportpark Heimstetten geführt hat. Ein richtiges Urteil über die Amateure möchte ich mir nach einem knappen halben Jahr noch nicht erlauben, aber einige Punkte gern ansprechen und aufschreiben.

Das Ziel »Aufstieg« haben die Jungs unter Trainer Mehmet Scholl leider verpasst bzw. verspielt. Besonders ärgerlich daran ist, dass die blaue Stadtkonkurrenz die Saison am ersten Tabellenplatz abgeschlossen hat. Gegen Elversberg schaffte diese den Aufstieg nicht, also wird es auch in der nächsten Spielzeit zwei Stadtderbys geben. Nunja, natürlich wäre es für die FC Bayern Amateure und auch Fans fantastisch in besseren / größeren Stadien statt dem Sportpark zu spielen und auf namhaftere Gegner zu treffen. An einigen Stellen zeigten die Amateure aber auch, dass es hier und da noch an der Idee, der Konzentration oder der letzten Abgebrühtheit mangelt. Ein weiteres Jahr Bayernliga wird der Entwicklung einiger Spieler keinen Abbruch tun, Anderen aber zu langsam sein. Nicht nur deshalb wird es Veränderungen im Kader geben (müssen).

Einige Spieler sind mir bei den letzten Spielen besonders aufgefallen bzw. wurde genauer beobachtet. In Zukunft werden wohl noch viele Eindrücke dazukommen:

Allesandro Schöpf (19)

Der Österreicher (auch U19 Nationalteam) im zentralen Mittelfeld (10er) mit Zug zum gegnerischen Tor ist seit Juli 2012 im Team und kam mir in vielen Berichten über die Amateure des FC Bayern zu kurz. In 29 Spielen schoss er 11 Tore und bereitete 8 Treffer für Kollegen vor. Er macht einen technisch guten Eindruck und ist immer flott unterwegs, wenn es heißt Bälle abzulaufen oder schnell nach vorn zu spielen. Dabei gehört Schöpf zu denjenigen die auch kurz vor Spielende noch einmal Akzente setzen wollen. Das imponierte mir. Seine Ballannahme ist nicht immer perfekt, was dazu führt, dass die Zeit zwischen Kontrolle und nächstem Schritt noch verbessert werden kann. Fortschritte waren hier definitiv schon im letzten halben Jahr zu sehen und das richtige Auge für Raum, Gegenspieler und die Aktion des Teamkollegen hat er.

Marius Duhnke (19)

Im Jahr 2012 und 2013 absolvierte er nach schlechtem Start 26 Spiele für FC Bayern II und schoss dabei als Stürmer 15 Tore. Duhnke wechselt zur nächsten Saison nach Unterhaching. Seinen Wechselentschluss begründet er in der TZ mit der Möglichkeit sich in Liga 3 weiterzuentwickeln:

Ich denke, dass es etwas anderes ist, in der 3. Liga seine Erfahrungen zu sammeln. Die Regionalliga hat schon enorme Qualitäten, besonders die zweiten Mannschaften. Ich denke aber, dass eine Liga höher noch einmal ein anderes Niveau herrscht.

Die ersten Schritte im Herrenfußball sind getan und hoffentlich kann Duhnke sich auch in Unterhaching durchsetzen. Sein Einsatzwille war stets zu spüren und er steigerte sich im Laufe der Saison. Vielleicht wird eine Rückkehr zum FC Bayern möglich, wobei seine Chancen als Stürmer hier eher gering aussehen und er den Sprung in die Profilaufbahn – über die Station Unterhaching – mit größerer Wahrscheinlichkeit schaffen könnte.

Emre Can (19)

Mit seiner »Kampfansage« in der BILD ist der 1,86 große Mittelfeldmann / Innenverteidiger zuletzt aufgefallen. Bei der U21 möchte er sich nun präsentieren. So äußerte er sich über seine Zukunft bzw. die Regionalliga:

Ich will nicht noch mal so ein Jahr wie das letzte erleben. Bei den Profis trainieren, aber dann bei den Amateuren spielen. […] Es fällt mir schon schwer, mich in der 2. Mannschaft zu motivieren, wenn man nur gegen Dorfvereine spielt. Das soll aber keine Beleidigung sein.

Unabhängig vom aktuellen Gerücht einer Rückkehr in seine Heimat zu Eintracht Frankfurt können wir Spiele von ihm aus der vergangenen Saison betrachten. In der Bundesliga stand er gegen Nürnburg und Freiburg auf dem Platz und spielte auch im DFB-Pokal gegen Kaiserslautern. Bei den Amateuren kommt er auf 14 Einsätze mit 2 Toren und ebenso vielen Vorlagen. Das Jahr 2012 bedeutete für ihn auch zwei Verletzungen. So zog er sich im Frühjahr einen Muskelriss zu und war von November bis Dezember wegen einem Bänderriss im Sprunggelenk ausgefallen.

Seine Aussagen gefallen mir nicht wirklich. Als junger Spieler in der zweiten Mannschaft des FC Bayern würde ich mir – so wie es Höjbjerg macht – mehr Ruhe und Demut wünschen. Vielleicht reagiere ich da aber auch zu sehr auf der Sammer-Linie. Kampfansagen sind unnötig und der Überflieger war er auch nicht. Egal. Er spielt gut und mit Blick für Gegner wie Mitspieler. Eine gewisse Arroganz kann man seinem Auftreten auf dem Platz nicht absprechen. Dieser Eindruck ist höchst subjektiv, aber in einigen Momenten wirkt er mir zu lässig, zu cool und dadurch nicht konzentriert genug. Bei den Profis resultierte das in einigen Ballverlusten, bei den Amateuren wurde es seltener entscheidend bestraft. Spannend wäre seine Entwicklung auf der 6er Position zu sehen. In Heimstetten spielte er meist Innenverteidiger. Dafür hat er optimale körperliche Voraussetzungen und gleichzeitig die Fähigkeit ein Spiel zu eröffnen.

Vladimir Rankovic (19)

Mit 1,72 gehört der deutsch-serbische Abwehrspieler nicht zu den größten Spielern, aber das muss er auf der rechten (manchmal auch linken) Außenposition nicht. Seine kräftige muskulöse Statur fällt aber auf. Seinen Körperbau kann er geschickt gegen den Gegner stellen. Mit einem guten Antritt und dem Wunsch Offensiv mitzumischen ist er wie Schöpf jemand der nicht stark in der Presse aufgefallen ist, aber unbedingt im Auge behalten werden muss. Seit 2012 ist er im Team und mit einem Vertrag bis 2014 ausgestattet. Er war einer der Youngsters im Wintertrainingslager der Profis zur Saison 2012/13 und rückt hoffentlich wieder bzw. weiter in den Fokus.

Pierre-Emile Højbjerg (17)

Was schreibt man am besten über Höjbjerg? Vom größten Talent seit langer Zeit bis zum komplettesten und aussichtsreichsten Spieler (besonders auf sein Alter bezogen) im Team wurde allerhand berichtet. Neben Emre Can war auch er im Trainingslager der Profis und trainiert regulär mit der ersten Mannschaft. Das ist eine Auszeichnung und dafür revanchiert er sich regelmäßig bei den Amateuren. Mitunter ist es beeindruckend wie gut seine Physis und Spielverständnis ausgeprägt sind. Er agiert auf der 6er Position im zentralen Mittelfeld, schoss 8 Tore und legte eines vor. Sein Spiel ist unaufgeregt und auf diese besonnene Art und Weise findet oder schafft er Räume für seine Mitspieler. Technisch ist er stark unterwegs. Natürlich gelingt ihm noch nicht alles, aber sein Torabschluss ist wirklich gut. Nur 8 Tore in 30 Partien klingt wenig, ist aber seiner zentralen Position geschuldet und mehr Treffer sind nicht notwendig. Als ich zum ersten Mal von ihm hörte dachte ich er sei aufgrund seiner Schnelligkeit eine Art 10er. Bei den Bayern Amateuren spielte er eine erstklassige Saison als Organisator im zentralen Mittelfeld und übernahm den offensiveren Part der 6er.
Mich beeindruckt seine ruhige, besonnene und demütige Art und Weise. Im Gegensatz zu Can sieht man in keinem Moment irgendetwas »Abgehobenes«. Aufgrund seiner bisherigen Leistungen und dem Privileg sogar zwei Einwechslungen in der ersten Bundesliga erlebt zu haben, was ihm zum jüngsten Debütanten beim FC Bayern machte, könnte man das eventuell meinen. Nein, nicht bei Höjberg. Durch die Nähe zum Spielfeld und den Spielern konnten wir mehrmals kurz mit ihm plaudern. Gleichzeitig ist er gern gesehener Gast für ein kurzes Kommentar bei Fussball-Vorort.de. Stets betonte er, dass er sich weiter auf seine Leistung im Training und Spiel konzentrieren wird, noch viel lernen muss, auf seine Chancen wartet und diese dann nutzen will. Hoffentlich schafft er bald den Sprung in die erste Mannschaft oder kann über eine Leihe Erfahrung in einer höheren Liga sammeln. Man muss Mehmet Scholl beipflichten, wenn er sagt »Er hat zu viel Qualität. Für diese Liga ist sein Talent auf Dauer verschenkt. Das ist schade für mich, aber sehr gut für diesen jungen Spieler.«

Mehmet Scholl geht und Eric ten Hag kommt

Mehmet Scholl ist für mich noch immer das Idol aus Kindheitstagen. Ein Spieler, dem man mit glänzenden Augen zuschaute. Als Trainer ist er impulsiv an der Seitenlinie unterwegs, regt sich über den Schiedsrichter, den Gegner oder die Leistung seiner Spieler auf. Lobt dennoch beinahe väterliche gute Aktionen oder baut ausgewechselte Kicker wieder auf. Kurzum: mir gefällt seine Arbeit an der Linie. Das klare Ziel »Aufstieg« hat er aber früh abgeschrieben und letztendlich auch verpasst. Das passt nicht zum FC Bayern. Im Kreis der aktiven Fans hat Scholl wenig Befürworter. Das wurde beim Saisonabschluss gegen die Würzburger Kickers deutlich. Neben einigen Schmährufen lebt dort der große Wunsch nach Hermann Gerland auf der Trainerposition. Servus Scholl! Ich bin gespannt wo und in welcher Position es für ihn weitergehen wird.

In der nächsten Spielzeit wird der Niederländer Eric ten Hag auf der Bank sitzen. Er ist eine Überraschung und mir persönlich quasi nicht bekannt. Mit einem Vertrag bis 2015 ausgestattet soll er den Aufstieg schaffen. Als Co-Trainer war er bei Twente Enschede und PSV Eindhoven tätig, mit den Go Ahead Eagles Deventer stieg er in die erste holländische Liga auf.

Weitere Veränderungen im Kader

Verlassen den Verein: Daniel Müller, Maximilian Riedmüller, Antonio Pangallo, Fabian Hürzeler, Marius Duhnke (zu Unterhaching), Dale Jennings (Rückkehr nach England)

Rückkehrer: Tobias Schweinsteiger (von Unterhaching, Leihe)

Neuzugänge: Andreas Rössl (von Ismaning)

Die Amateure starten schon am 10.06. mit dem Trainingsauftakt in die neue Saison. Das Ziel ist klar: Aufstieg! Mit der Regelmäßigkeit der Amateurebesuche im letzten halben Jahr soll es auch künftig weitergehen. Vielleicht gibt es dann auch regelmäßigere Berichte und Einschätzungen von den Jungs unserer zweiten Mannschaft.

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