Ein Fußballspiel für 60 Minuten – der FC Bayern München in Wolfsburg

Vor dem Spiel sorgte ein Stromausfall, der die gesamte Stadt lahmlegte, für Aufsehen – inklusive des gesamten Volkswagen Werkes. Sogar das Spitzenspiel zwischen dem Tabellenführer und dem Fünften der Bundesliga stand auf der Kippe. Aber Gott sei Dank konnten die Probleme behoben werden und die Stadt Wolfsburg erlebte ein aufregendes Fußballspiel.

Pep Guardiola änderte nach dem 5:1 gegen Schalke seine Mannschaft auf fünf Positionen. In der Abwehr spielte das Duo Dante/Boateng, auf der alleinigen „6“ spielte Lahm – seine Kollegen auf der „8“ waren Shaqiri und Kroos. Die Offensivreihe wurde durch Ribery, Müller und Robben gebildet. Schon vor dem Spiel analysierte unser Trainer, dass das Hinspiel gegen Wolfsburg das schwächste Spiel der Hinrunde war. Dies liegt wohl daran, dass Dieter Hecking sich für den FC Bayern immer etwas ganz Besonderes überlegt. War es im im besagten Spiel ein sehr passives 4-4-2, dass sich wie ein Bus vor dem Strafraum aufbaute, so setzte diesmal Hecking auf ein aggressives Pressing. Dabei fing er die Gelbsperre von Ex-Bayernspieler Gustavo im defensiven Mittelfd durch Maximilian Arnold auf – eigentlich einen reinen Offensivspieler. Hecking setzte alles auf die Karte totales Pressing.

Wolfsburg begann das Spiel furios und war der erhoffte Gegner. Schon nach 30 Sekunden attackierten bis zu sechs Wolfsburger das Aufbauspiel der Bayern. Dies endete oft im Dreiecksspiel von Alaba, Dante/Boateng und Neuer. Sie wurden dabei geschickt von Dost, Perisic und de Bruyne angelaufen. Gerade in den ersten 30 Minuten ging dieser Plan gut auf. Der FC Bayern konnte kaum gelungen aufbauen. Das Spiel fand überwiegend in der eigenen Hälfte statt. Richtige Torchancen waren allerdings Mangelware – auf beiden Seiten. Daher ist es wenig überraschend, dass die Tore in der ersten Halbzeit durch Standardsituationen gefallen sind. Zunächst für Wolfsburg – Müller klärte einen Eckball in die Mitte, dort gelang der Ball zu de Bruyne – der nicht attackiert wurde und unbedrängt aus dem Halbfeld flanken durfte. Da die Abwehr nach dem Eckball nicht gut genug raus schob, hatte Naldo leichtes Spiel den halbhohen Ball ins Tor zu schieben (17.).

442 Paesse Neuer WOBFCB

Knapp 10 Minuten später gab es auf der Gegenseite fast eine gleiche Situation. Wolfsburg gelang es nicht, den Ball nach einem Eckball vernünftig zu klären. Und so stocherten Shaqiri bzw. Müller einen Abpraller zum Ausgleich ins Tor (26.). Der Ausgleich war für den FC Bayern der Büchsenöffner. Wolfsburg konnte das Pressing der ersten halben Stunde nicht mehr so konsequent durchziehen, da auch Lahm nun besser nach hinten abkippte und den Spielaufbau geschickter kontrollierte. Dennoch fiel auf, dass das Zusammenspiel der Mittelfeldachse Lahm, Shaqiri und Kroos nicht optimal funktionierte. Zum einen, weil Shaqiri seine Rolle wohl zu offensiv interpretierte und daher selten als Anspielstation zur Verfügung stand. Der zweite Grund war Toni Kroos, der sich von Arnold ziemlich abkochen ließ und große Probleme mit dem Pressing hatte. Negativer Höhepunkt war ein „Ausrutscher“ von Kroos, der Wolfsburg eine 3 gegen 3 Situation bescherte. Boateng konnte den Schuss von Arnold im Stile eines Eishockeyspielers blocken (38.).

In der zweiten Halbzeit begann wiederum der VfL Wolfsburg offensiver. Pep Guardiola beorderte zwar Shaqiri weiter zurück, um das Aufbauspiel zu stärken und das Pressing ins Leere laufen zu lassen. Dies ging allerdings nicht vollends auf. So reagierte Pep bereits in der 56. Minute mit einem Doppelwechsel. Thiago und Mandzukic kamen für Kroos und Shaqiri. Pep knows best.

Schon in den ersten 180 Sekunden wurde klar, dass sich das Spiel jetzt ändern wird. Thiagos Ball- und Passsicherheit waren der entscheidende Schlüssel. Wolfsburgs Offensivreihe bekam keinen Zugriff mehr. Die fünf/sechs Wolfsburger in der Bayernhälfte hinterließen große Lücken in den eigenen Reihen. Vor allem in der Mittelfeldzentrale. Thiago nutzte das mit einem Sahnepass auf Müller, der umkurvte Benaglio und besorgte die Führung (63.).

Das Notstromaggregat der Wolfsburger schien nun geplatzt zu sein. Die Abstimmung ging bei Wolfsburg völlig flöten, während vorne noch versuchte wurde zu pressen, öffneten sich dahinter weiter die Räume. Die bis dahin recht blassen Ribery und Robben hatten nun viel Platz in 1:1 Situationen ihre Sprintstärke auszuspielen, da die Wolfsburger Abwehr noch immer hoch stand, konnten die Bayern immer wieder gefährliche vertikale Pässe spielen. Dies nutzte drei Minuten später Robben, der den Ball zu Rafinha passte, dessen Flanke nahm Mandzukic in der Mitte direkt und traf aus 13 Metern ins rechte Eck – 1:3. Jetzt ging es förmlich im Minutentakt weiter und die Mannschaft spielte sich in einen Rausch.
Robben stand nach einem Zuckerpass von Müller frei vorm Tor – auch er umkurvte den Torwart, allerdings wurde der Winkel zu spitz. Robben legte zurück auf Ribery und der markierte das 1:4. Nach einer Flanke von Robben sorgte Müller für das 1:5 (78.). Wenig später glänzte Müller dann als Vorbereiter für Mandzukic 1:6 (80.). Der FC Bayern München zerfleischte die Wolfsburger mit fünf Toren in 17 Minuten.

WOBFCB Mannschaft jubelt mit Fans

Als Fan kann man nur dankbar sein, dass ein Spiel nicht schon nach fünf Minuten entschieden ist. Der FC Bayern wurde gefordert, wie er auch in den nächsten Wochen vor allem in der Champions League geprüft werden wird. Nicht jeder Gegner wird sich bereits beim Anpfiff auf den Rücken legen. Dabei gelingt es Pep Guardiola immer besser, seinen Kader zu moderieren. Zwar merkte man, dass fünf Änderungen im Vergleich zum Schalke Spiel wohl etwas zu viel waren, allerdings konnte Pep mit einigen Änderungen in der Halbzeit bzw. kurz nach einer Stunde reagieren. Es folgte ein weiterer souveräner Sieg, der 16te in Folge. Natürlich ein neuer Bundesligarekord. Auch den ‚Startrekord‘ von Bayer Leverkusen (24. Spiele in Folge ungeschlagen) wurde eingestellt. Selbigen kann man am Samstag den Rekord entreißen und einen weiteren Schritt Richtung Meisterschaft gehen.

Unter der Woche geht es allerdings weiter mit der Champions League – das Rückspiel gegen Arsenal steht an. Zwar wurde das Hinspiel mit 2:0 gewonnen, allerdings spielten die Gunners die Bayern vor allem in der Anfangsphase an die Wand. Man darf gespannt sein, welche Lehren Pep Guardiola zieht. Wolfsburg war damit ein gelungener Test.

VfL Wolfsburg – FC Bayern 1:6 (1:1)
VfL WolfsburgBenaglio – Ochs, Naldo, Knoche, Rodriguez – Caligiuri (79. Schäfer), Medojevic – Arnold (79. Polak), De Bruyne (85. Malanda), Perisic – Dost
BankGrün, Klose, Olic, Kutschke
FC BayernNeuer – Rafinha, Boateng, Dante, Alaba – Lahm (67. Martínez), Kroos (57. Mandzukic) – Robben, Shaqiri (56. Thiago), Ribéry – Müller
BankStarke, van Buyten, Pizarro, Schweinsteiger
Tore1:0 Naldo (17.), 1:1 Shaqiri (26.), 1:2 Müller (63.), 1:3 Mandzukic (66.), 1:4 Ribéry (71.), 1:5 Müller (78.), 1:6 Mandzukic (80.)
KartenGelb: Medojevic / –
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Leserkommentare
  1. Möchte an dieser Stelle nochmal eine Lanze für Philipp Lahm brechen, der zumindest auf Twitter richtig viel Kritik einstecken musste. Toni Kroos war ebenfalls mit scharfen Worten bedacht worden.

    Habe deshalb zur Halbzeit mal auf die Statistiken geschaut und Lahm hatte gerade einmal drei Fehlpässe gespielt, 2/2 Tackles und 1/1 Kopfballduelle gewonnen. Absolut okay, die Probleme konnte man keinesfalls nur an ihm festmachen, was viele aber versuchten.

    Irgendwie ist es ziemlich stark, wie gut die Anpassungen im Spiel gegriffen haben und im Endeffekt halt einfach die Qualität des Kaders voll durchschlägt. 6:1 gibt ja die starke erste Hälfte der Wolfsburger absolut Null wieder, aber eine Partie gegen den FCB muss man eben 90 Minuten durchhalten. Immerhin hatten sie einen Plan und kamen nicht wie ein Fisch am Strand auf den Platz um sich zu ergeben. Respekt an Hecking – er findet wirklich immer irgendetwas, das uns weh tun kann.

  2. […] Miasanrot.de: Ein Fußballspiel für 60 Minuten – der FC Bayern München in Wolfsburg […]

  3. […] über eine tolle Stimmung und eine tolle 1.Halbzeit. Die Freude teilen sich die Wolfsburger mit Miasanrot, wo man 60 Minuten einen “erhofften Gegner” bespielen durfte. Der Bayern Blog lobt vor […]

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