VfL Wolfsburg – FC Bayern 1:6 (1:1)

Steffen Trenner 09.03.2014

Ein absurdes Ergebnis für ein über 60 Minuten ausgeglichenes Spiel. Bayern begann mit Müller in der Spitze und Shaqiri in der Götze-Rolle. Ribéry kehrte nach Gesäß-OP ebenfalls in die Startelf zurück. Wolfsburg zwang die Münchener mit exzellentem Pressing von Beginn an zu einem hohen Aufwand und hoher Konzentration im Passpiel.

Gleichzeitig zogen die Wölfe ein recht schnörkelloses Angriffsspiel auf, bei dem Sie meist ohne Umschweife den Weg in Richtung Dost suchten, der mit dem Rücken zum Tor exzellent agierte und die nachrückenden Offensivakteure bediente. Der Plan der Hecking-Elf ginge lange Zeit auf – Wolfsburg erspielte sich bis zur 60. Minute gar ein leichtes Chancenplus. Zu diesem Zeitpunkt stand es nach Treffern von Naldo und Shaqiri (Nach einer Ecke) 1:1.

Es zeigt wie gefestigt die Guardiola-Elf inzwischen ist, dass sie bis dato trotz des hohen Wolfsburger Drucks insgesamt nur wenig Fehler machte und geduldig auf ihren Moment wartete. Was sich nach der Münchener Führung zum 2:1 abspielte war das, was es in dieser Saison schon einige Male zu beobachten gab. Wolfsburg zollte dem hohen Aufwand der ersten Stunde Tribut und glaubte nach dem 1:2-Rückstand nicht mehr an die eigene Chance. Ohne die letzte Überzeugung und Konsequenz brach der Wolfsburger Plan schnell in sich zusammen. Der kurz zuvor von Guardiola eingewechselte Thiago leitete mit einem Geistesblitz das 2:1 durch Müller ein (63.). Der ebenfalls eingewechselte Mandzukic mit zwei Treffern, Ribéry und erneut Müller machten am Ende innerhalb von 20 Minuten den Kantersieg perfekt.

3 Dinge, die auffielen:

1. Neuers Wert als mitspielender Torwart

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Der VfL bot am Samstag-Nachmittag zumindest über knapp 60 Minuten im Prinzip eine Blaupause für eine funktionierende Strategie gegen den FC Bayern. Das Ziel der Wolfsburger war es mit ihrem extrem hohen und breitem Pressing Bayerns Aufbauspiel durch die Mitte zu verhindern und früh nach Außen zu zwingen. Dies gelang zumindest im beschriebenen Zeitraum exzellent. Die Folge war eine Aneinanderreihung von Quer und Rückpässen, zwischen der Viererkette, dem im Verlauf des Spiels immer stärker abkippenden Lahm und Torwart Neuer. 212 Pässe spielte Bayern im eigenen Defensivdrittel. Boateng spielte 40 seiner 83 Pässe quer oder zurück. Rafinha 39 von 62. Insgesamt hatte Manuel Neuer 63 Ballkontakte – im Schnitt sind es in dieser Saison nur 39. Auch das unterstreicht wie oft Bayern in der Angriffsinitiation den Rückwärtsgang einlegen musste und häufig den Umweg über Neuer wählte.

Manuel Neuer unterstrich dabei seinen Wert als mitspielender Torwart. Neuer spielte 38 Pässe – mehr als jeder Wolfsburger oder zum Beispiel Thomas Müller (34). Der Bayern-Torwart brachte 95% seiner Pässe zu einem Mitspieler. Er schlug dabei keinen Ball über die Mittellinie. Man kann sich kurz vorstellen wie dieses Spiel gelaufen wäre wenn zum Beispiel Oliver Kahn noch Torwart des FC Bayern gewesen wäre. Kahn schlug in seiner gesamten Karriere fast jeden Rückpass hoch und weit nach vorne. Die Chance den Ball so in den eigenen Reihen zu halten ist extrem gering. Neuer trug am Samstag mit seinem sicheren, trotzdem nicht immer risikolosem Passspiel mit dazu bei, dass Wolfsburg sich in der ersten Stunde des Spiels kaputt rannte und Bayern nur knapp 15 lange Bälle aus der eigenen defensive schlug. Bayern bleib geduldig, machte insgesamt wenig Fehler im Spielaufbau und hatte ein wenig Glück, dass Wolfsburg beim Stand von 1:1 keine seiner 3 Halbchancen im Tor unterbrachte. Als das 2:1 fiel war Wolfsburgs Widerstand und der unbedingte Wille den Ball zu jagen gebrochen. Der Rest war eine Demonstration. Neuers Rolle als Ballverteiler und zusätzliche Option im Aufbauspiel sollte dennoch nicht unter den Tisch fallen.

2. Müller und Mandzukic on a Mission

Die beiden Bayern-Angreifer haben maßgeblichen Anteil an den Erfolgen der Münchener in 2014. Sie vollenden im Strafraum das, was die Guardiolas-Elf mit aufwändigem Kurzpassspiel vorbereiten. Müller schoss seine Pflichtspiel-Tore 6 und 7 im Jahr 2014. Mandzukic gar seine Treffer 8 und 9. Und das obwohl beide aus unterschiedlichen Gründen zuletzt Spiele verpasst hatten. Während Mandzukic seine Treffer fast ohne Ausnahme mit dem ersten Kontakt erzielt und damit als echter Zielspieler im Strafraum agiert, ist Müller vielseitiger. Er trifft aus dem Gewühl, aus dem Lauf, per Kopf oder wie auch immer. Die Ruhe mit der er nach Thiagos genialem Pass Benaglio umkurvte und einschoss beeindruckte. Müller war schon im Spieljahr 2013 bester Münchener Torschütze und  kann seine Fähigkeiten auch unter Guardiola voll zur Geltung bringen. Mandzukic, der insgesamt 16 Bundesliga-Tore auf dem Konto hat kämpft derweil mit Nachruck um die Torjägerkanone und sammelt weiter gute Argumente warum er trotz der Verpflichtung von Robert Lewandowski ein wichtiger Baustein für den FC Bayern bleiben sollte. Mandzukic bewies erneut, dass er auch als Einwechselspieler effizient sein kann. Nicht nur durch seine Tore, sondern auch durch die Physis gegen den Ball, die er mit seiner Einwechslung ins Spiel brachte.

3. Shaqiri mit Licht und Schatten

Es war mal wieder eine Gelegenheit von Anfang an für den kleinen Schweizer. Shaqiri begann auf dem rechten Flügel – zog mit zunehmender Spieldauer aber immer mehr in die Mitte. In der ersten Halbzeit erfüllte er seinen Job Torgefahr zu erzeugen recht gut. 4 Torschüsse gab Shaqiri ab, 2 davon hätten eigentlich ein Tor sein müssen. Beide Male schoss Shaqiri aber zu zentral auf Benaglio. Das Tor zum 1:1 wird zudem ihm zugerechnet, da der Ball schon bei seinem Abschluss hinter der Linie war. Trotzdem erwischte es Shaqiri nicht zu unrecht als Ersten, als Guardiola beim Stand von 1:1 neue Akzente setzen wollte. Was mir fehlt in seinem Spiel ist der konstante Wille Situationen zu erzwingen und sich auch in kritischen Phasen ins Spiel einzubinden. 28 Ballkontakte sind für einen knapp 60-minütigen Auftritt zu wenig. Thiago hatte in den verbleibenden 30 Minuten fast doppelt so viele. In den kritischen zehn Minuten nach der Halbzeit tauchte Shaqiri ab – Guardiolas Auswechslung war auch deshalb konsequent. Ich halte nach wie vor viel von Shaqiri und bin davon überzeugt, dass er sich beim FC Bayern zu einem Spieler entwickeln kann, der pro Saison 10-15 Tore schießt und 10-12 Tore vorbereitet. Das ist die Region in der sich Franck Ribéry nun über knapp 6 Jahre bewegt. Das ist der Maßstab, auch für Shaqiri.

VfL Wolfsburg Benaglio – Ochs, Naldo, Knoche, Rodriguez – Caligiuri (79. Schäfer), Medojevic – Arnold (79. Polak), De Bruyne (85. Malanda), Perisic – Dost
Ersatz Grün, Klose, Olic, Kutschke
FC Bayern Neuer – Rafinha, Boateng, Dante, Alaba – Lahm (67. Martínez), Kroos (57. Mandzukic) – Robben, Shaqiri (56. Thiago), Ribéry – Müller
Ersatz Starke, van Buyten, Pizarro, Schweinsteiger
Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden)
Zuschauer 30.000 (ausverkauft)
Tore 1:0 Naldo (17.), 1:1 Shaqiri (26.), 1:2 Müller (63.), 1:3 Mandzukic (66.), 1:4 Ribéry (71.), 1:5 Müller (78.), 1:6 Mandzukic (80.)
Gelbe Karten Medojevic / –

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