Round-Up: Double-Double im Fußball

Auf der Suche nach neuen Statistiken zeigen wir euch im heutigen Round-Up das “Double-Double”, erklären wieso Thomas Müller hier der King ist und warum in Dortmund das Magische Dreieck 2.0 spielte.

Im Basketball bezeichnet ein Double-Double die Leistung eines Spielers, der innerhalb einer Partie mindestens zehn Einträge in zwei Statistik-Kategorien hat – meistens zehn Punkte und zehn Rebounds oder zehn Assists.

Für den Fußball haben wir diese Statistik leicht angepasst, da die Werte für ein einzelnes Spiel im langsameren Rasensport geringer ausfallen. Ein Double-Double legen wir daher als Erreichen von mindestens zehn Toren und zehn Vorlagen über eine Saison fest.

Da Assists in der Bundesliga erst zur Saison 1988 notiert wurden, geht die Statistik auch nur bis in dieses Jahr zurück. Für die Datenerhebung wurde auf transfermarkt.de zurückgegriffen.

Thomas “Mr. Double-Double” Müller

Anders als im Basketball, in der verschiedene Spielertypen ein Double-Double erreichen können, werden beim Fußball hier klar Offensivspieler bevorzugt. Dementsprechend findet sich auch kein einziger Verteidiger unter den 70 Spielern, die seit 1988 ein Double-Double geschafft haben.

Für Angreifer ist die Statistik dennoch aussagekräftig. So tauchen hier Stürmer auf, die ebenfalls ein gutes Auge für den Mitspieler haben, und offensive Mittelfeldspieler, die einen starken Torriecher haben. Dies bestätigt sich beim Blick auf die Liste, auf der viele bekannte Namen auftauchen.

Angeführt wird die Liste der meisten Double-Doubles von Thomas Müller. Der Ur-Bayer schaffte bereits fünf Saisons mit mindestens zehn Treffern und zehn Assists. Zuletzt gelangen ihm in der Spielzeit 2014/15 13 Tore und 14 Vorlagen.

Nach zehn Saisons in der Liga liegt Müller sogar im Karriereschnitt bei einem Double-Double. So erzielte Müller pro Saison durchschnittlich 10,2 Tore und bereitete 10,6 weitere Treffer seiner Mitspieler vor. Ohne seine erste Saison, in der er nur 4 Spiele bestritt und an keinem Tor beteiligt war, steigen diese Zahlen sogar auf 11,3 Tore und 11,8 Assists.

Einmal mehr zeigt sich hier die besondere Klasse und besondere Rolle des selbsternannten Raumdeuters. Immer wieder kreiert dieser große Chancen für Mitspieler, legt ihnen Bälle in guten Positionen auf und kommt selbst gefährlich zum Abschluss.

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Nach zwei Jahren auf der Suche nach seiner vermeintlich selbstverständlichen Leichtigkeit hat Müller dieses Jahr seine Rolle in der Münchner Offensivabteilung wieder gefunden. Mit 6 Toren und 10 Vorlagen bei noch acht ausstehenden Spielen ist der Weltmeister von 2014 erneut auf einem guten Weg zu einem sechsten Double-Double.

Die Prinzen des Double-Double

Vier weitere Spieler schafften in ihrer Karriere drei Double-Doubles. Der erste Spieler, dem dies gelang, war Andreas Möller, der auch der erste Spieler überhaupt war, der in einer Saison zehn Tore und zehn Vorlagen schaffte. In den Spielzeiten 89/90 für Dortmund, 91/92 in Frankfurt und 94/95 erneut beim BVB gelang ihm dieses Kunststück. Damit war Möller auch der erste, der ein Double-Double zweimal in seiner Karriere erreichte.

In den vier Jahren von 2003 bis 2006 konnte der Mittelfeld-Regisseur Marcelinho in der Hauptstadt gleich dreifach eine Saison mit mindestens zehn Treffern und zehn Assists beenden. In der Saison 2004/05 traf er gar 18-fach und bereitete 13 weitere Torerfolge vor.

Marcelinho lieferte bei Hertha regelmäßig Double-Doubles ab. Hier tritt er einen Freistoß gegen Bayern.
(Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Miroslav Klose war es dann in Bremen zwischen 2005 und 2007 vergönnt als erster Spieler dreimal in Folge ein Double-Double zu erzielen. Der Stürmer aus der Hansestadt glänzte dabei immer durch sein Auge für den Mitspieler und legte 2006/07 in seiner letzten Saison an der Weser sogar 15 Tore auf.

Sieben Jahre später in der Saison 2013/14 zog Marco Reus nach. Der Ex-Gladbacher schloss ebenfalls seine dritte Spielzeit in Folge mit mindestens zehn Einträgen in beiden Kategorien ab. Über diese drei Jahre hatte Reus einen Schnitt von 16 Toren und 12 Vorlagen pro Saison.

Dortmunder magisches Dreieck

Legendär ist das Stuttgarter magische Dreieck. Ende der 90er-Jahre mischten Giovanne Elber, Krasimir Balakov und Fredi Bobic gemeinsam beim VfB gegnerische Hintermannschaften auf.

Dies zeigt sich auch beim Blick auf die Double-Double-Statistik. In der Saison 1996/97 konnten alle drei Spieler ein Double-Double erzielen. Der spätere Sportdirektor Bobic steuerte mit 19 Toren und 11 Vorlagen dabei die meisten Scorerpunkte bei.

Drei Spieler von einem Verein mit einem Double-Double in der gleichen Saison ist also wahrlich magisch. So magisch, dass dies bis zur Saison 2012/13 kein weiteres Team schaffte.

In dieser Saison konnten sowohl Marco Reus als auch Mario Götze und Jakob Blascykowski mehr als zehn Tore und zehn Vorlagen verbuchen. Die Saison beendete der BVB mit 71 Punkten als Zweiter hinter dem späteren Triple-Sieger aus München.

Münchner Double-Doubles

Während Thomas Müller, wie bereits oben erläutert, der Spieler mit den meisten Double-Doubles in der Bundesliga seit Beginn der Datenerfassung ist, sind im restlichen Kader der Münchner Double-Doubles rar gesät.

Als erster Spieler in einem rot-weißen Trikot konnte Jürgen Klinsmann in der Saison 1996/97 mehr als zehn Treffer und zehn Assists in derselben Saison verbuchen.

Anschließend sollte es acht Jahre dauern bis Roy Makaay mit 22 Toren und 13 Vorlagen in diesen elitären Club aufstieg. Seit 2010 hat Bayern mit der Ausnahme der Saison 2015/16 in jeder Saison einen Double-Double-Spieler im Kader gehabt.

Neben Müller glänzten hier mit Arjen Robben (2011 und 2017) und Franck Ribery (2012 und 2013) die üblichen Verdächtigen. Besonders bemerkenswert ist Riberys Saison 2011/12 in der er neben 12 Toren auch 21 Tore vorbereitete.

Auch in dieser Statistik glänzen also die beiden Flügelstürmer, die in den vergangenen Jahren das Spiel der Münchner prägten wie nur wenige andere.

Außen vor, statt mittendrin

Die Liste der Spieler mit einem Double-Double umfasst nahezu alle großen Offensiv-Spieler der Bundesliga in den letzten zwanzig Jahren. Neben Weltmeistern wie Thomas Häßler (1998: 12 Tore/12 Vorlagen), Europameistern wie Mario Basler (1995: 20/12) und internationalen Stars wie Lincoln (2005: 12/10), Diego (2007: 13/14 und 2008: 12/10) und van der Vaart (2008: 12/10) tauchen auch Exoten wie Miriuta (2001: 11/11) und Cardoso (1995: 16/10) auf.

Zwei Spieler vermisst man jedoch direkt beim Betrachten der Liste. So taucht der langjährige Nationalmannschaftskapitän und Doppel-Meister mit Bayern Michael Ballack nicht auf. Der gebürtige Görlitzer scheiterte gleich mehrmals knapp. Am nächsten kam er wohl in seiner letzten Saison für Bayer Leverkusen als er 2002 die Werkself mit 17 Toren und 8 Vorlagen zum Vize-Titel führte.

Zwei Größen der Bundesliga blieben ohne Double-Double: Johan Micoud und Michael Ballack
(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Ebenfalls vergeblich Ausschau hält man nach dem Mittelfeld-Dirigenten von der Weser: Johan Micoud. Das Hirn der Bremer Meistermannschaft von 2004 kam in seinen vier Saisons für Werder nie ganz zu einem Double-Double. Gleich dreimal verfehlte er es knapp: 2004 10 Tore/8 Vorlagen, 2005 8/9 und 2006 8/14.

Super Double-Double

Zum Abschluss packen wir noch eins drauf. Ein Super-Double-Double würde ein Double-Double bezeichnen, bei dem der Spieler sogar 20 Tore und 20 Vorlagen aufgelegt hat. Da dies in der bisherigen Historie jedoch noch nicht vorgekommen ist – nicht einmal eine 15/15-Saison konnte bisher erreicht werden – wird an dieser Stelle noch kurz auf die Spieler mit mindestens 20 Tore und 10 Vorlagen bzw. 10 Treffer und 20 Assists eingegangen.

13 Spieler konnten dies bisher erreichen. Zehn davon schafften die 20 Treffer und nur drei die 20 Assists, die hier als Cut gewählt wurden.

Dementsprechend ist die Gruppe auch in Stürmer wie Huntelaar (2012: 29/11) und Sand (2001: 22/10) sowie Mittelfeldspieler wie De Bruyne (2015: 10/21) und Mkhitaryan (2016: 11/20) geteilt.

Für Bayern tauchen in dieser elitären Auswahl nur Makaay und Ribery auf. Mit insgesamt vier Spielern – Lewandowski (x2), Mkhitaryan und Chapuisat – taucht Dortmund hier am häufigsten auf.

Kommen wir zu den Links für diese Woche

Das dreckige halbe Dutzend | Stephan Reich & Tobias Ahrens | 11Freunde

Müller: Müssen Heynckes danken | Martin Volkmar & Stefan Kumberger | Sport1

Laudehr: “Meine Fußballschuhe stehen im Wohnzimmer und starren mich an” | FC Bayern

Zuerst will Heynckes nichts verraten – dann wird es richtig interessant | TZ

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Leserkommentare
  1. FR7

    Maurice, danke für den geilen Artikel. Hat echt Spaß gemacht den zu lesen und habe wieder mal was dazugelernt. Müller ist Müller und einzigartig, so jemanden sucht man in ganz Europa vergebens, da hat Don Jupp schon Recht.

  2. Gestrandedinberlin

    Danke auch.
    Eine Frage zum Thema Statistiken, falls ihr euch damit auskennt.
    Als ich letztens ein PL Spiel bei Dazn gesehen hab meinten die, dass in der PL neuerdings die Kategorie assist zum assist führen, was ja für die Spielstruktur eine mega spannende Kategorie ist. Gefühlt hätte ich gedacht, dass dies eine Kategorie für Leute wie Thiago und Kroos ist. Hab aber keine Statistiken für die BL gefunden, gibt es die nicht?

    1. wohlfarth

      Hab ich mir früher auch oft gewünscht, eine “zweiter assist”-Statistik wie im Eishockey. Mittlerweile bin ich aber insgesamt etwas davon abgerückt, Spieler und Leistungen nach Statistiken zu bewerten. Lieber schau ich mir ein Spiel 90 Minuten intensiv an und sehe welchen Wert ein Spieler für die Mannschaft und den Erfolg hat.
      Es gibt Spieler die glänzen nicht durch Tore und Vorlagen, bestreiten und gewinnen wenig Zweikämpfe, sind aber enorm wichtig fürs Team. Sie stehen und laufen einfach richtig, gewinnen Bälle ohne Zweikampf und bereiten ohne Aufsehen den Mitspielern ein Fundament, auf dem diese glänzen können. Ich liebe diese Spieler.

    2. FR7

      Spannende Sache. Xabi Alonso muss 2015/16 der beste Vorlagen-Vorlagengeber gewesen sein mit seinen göttlichen Diagonalbällen. Man was hat er mich immer sauer gemacht wenn er einfach übberlaufen wurde und Pep mal wieder ein Kontertor kassierte… der gute alte Xabi <3

    3. Lukas

      In den letzten 8 Jahren hat Messt Özil weltweit die meisten “Tore kreiert”. Die Statistik beinhaltet Assists, als auch Pre-Assists. Das fand ich sehr interessant, Özil ist da deutlich vor Messi und Anderen.

      1. Lukas

        Es gibt von Opta auch noch die Erhebung Torchancen Kreieren. Da hat Özil in der Saison 15/16 mit absolut unfassbaren 142 Torchancen einen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt.

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