DFB-Pokal-Viertelfinale: 1. FC Saarbrücken - FC Bayern München Frauen 0:15

Frauen: Pokal-Kantersieg in Saarbrücken

Nach dem klaren 0:15-Auswärtssieg gegen den 1. FC Saarbrücken trennt die Frauen noch ein Spiel vom Einzug ins Pokalfinale.

Am Dienstagabend stand nach der Länderspielpause für die Frauen in Quierschied die Partie im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten 1. FC Saarbrücken an.

Falls Ihr es verpasst habt

Trainer Tom Wörle brachte im Vergleich zum Auswärtsspiel gegen den SC Freiburg mit Leonie Maier, Nicole Rolser, Jill Roord und Melanie Behringer für Viktoria Schnaderbeck, Dominika Škorvánková, Gina Lewandowski und Mandy Islacker vier neue Spielerinnen. Mit der Besetzung unterstrich das Trainerteam, dass es den Gegner – Saarbrücken hegt durchaus Aufstiegsambitionen – nicht unterschätzte.

Und tatsächlich – nach 30 Sekunden überrumpelte ein langer Pass die gesamte Bayernabwehr und eine gegnerische Spielerin hatte freistehend vor Manuela Zinsberger die Chance zur Führung auf dem Fuß, verzog aber ganz knapp. Wie Wörle später kommentierte, war das der „Hallo-Wach“-Effekt für sein Team. Die Bayern nahmen fortan das Heft in die Hand und konnten bereits im Gegenzug durch Roord die Führung erzielen. In der 11. Minuten konnte Rolser bereits durch einen sehenswerten Lupfer in das lange Eck das 2:0 erzielen. In der Folgezeit entwickelten die Bayern ein dominantes und vor allem sehr dynamisches Spiel. Nachdem die Saarbrücker Torhüterin eine sehenswerte Volleyabnahme von Maier parieren konnte, fiel in 21. Minute nach einem Kopfball durch Roord bereits das 3:0. Die Niederländerin legte dann nach toller Vorarbeit durch Verena Faißt zum 4:0 (25.) nach.

Anschließend entwickelten die Bayern immer mehr Druck, so dass die Saarbrücker kaum über die Mittellinie kamen. Rolser scheiterte nach Balleroberung an der Torhüterin, die trotz der Gegentore eine solide Leistung bot und beispielsweise einen sehenswerten Fernschuss von Maier aus dem Eck kratzte. Nach Freistoß von Sara Däbritz köpfte Kristin Demann zum 5:0 ein. Rolser scheiterte Rolser mit einem Lupfer aus etwa 16 Metern, diesmal an der Latte. Fridolina Rolfö erhöhte zum 6:0, Rolser kurz vor dem Halbzeitpfiff zum 7:0.

DFB-Pokal-Viertelfinale: 1. FC Saarbrücken - FC Bayern München Frauen 0:15

Carina Wenninger, Jill Roord, Tom Wörle – DFB-Pokal-Viertelfinale: 1. FC Saarbrücken - FC Bayern München Frauen 0:15

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In der zweiten Halbzeit sollte das Schützenfest unverändert weitergehen. Rolser scheiterte zunächst im Eins-gegen-Eins an der Torhüterin und Leupolz aus 18 Metern an der Latte. Rolser war dann aber doch der erste Treffer der zweiten Halbzeit vorbehalten, nachdem Rolfö einen Pass von Faißt mustergültig durchließ. Anschließend gab Wörle den Nationalspielerinnen Däbritz und Faißt eine Pause und brachte mit Lineth Beerensteyn und Leah Galton zwei frische Kräfte. Islacker ersetzte wenig später Rolfö in der Spitze. Nach einem Doppelpack von Roord (70., 73.) holte die eingewechselte Saarbrücker Keeperin Rolser unsanft von den Beinen geholt. Den fälligen Elfmeter verwandelte Islacker souverän.

Danach kreierten die Bayern eine Vielzahl weiterer Chancen und erhöhten durch die Tore von Rolser (83.) und Roord (84.) im Minutentakt auf 13:0. Islacker ließ zunächst noch einige Möglichkeiten aus – wie beispielsweise eine Traumflanke von Maier – verwertete in den Schlussminuten dann aber tolle Zuspiele von Beerensteyn zum 14:0 und zum 15:0.
Eine Saarbrücker Spielerin verletzte sich in den Schlussminuten schwerer, was den gelungenen Abend für die Bayern etwas überschattete. Und auch wenn es gegen eine sehr junge Zweitligamannschaft ging, hatte der FCB jeden Grund, sich über diese gelungene Leistung zu freuen.

3 Dinge die auffielen:

1. Melanie Leupolz – der neue „Aggressive Leader“ im Mittelfeld

Ottmar Hitzfeld hatte einst für Mark van Bommel den Begriff des Agressive Leaders eingeführt. Während man derzeit eher einen Arturo Vidal bei Bayern damit in Verbindung bringt, zeigt sich bei den Frauen in den letzten Spielen immer mehr, dass Leupolz derzeit diese Rolle einnimmt.

In den ersten beiden Spielen konnte man schon merken, dass in Abwesenheit von Behringer die Namensvetterin die Marschroute vorgab und auch in schwierigen Phasen mal ein Zeichen setzte, indem im Mittelfeld schon mal eine Gegnerin umgegrätscht wurde.
In Saarbrücken standen sowohl Behringer als auch Leupolz gemeinsam auf dem Platz, wobei Leupolz anfangs eher die defensivere Rolle einnahm und so Behringer den Rücken freihielt. Meinst unterband die Offensivbemühungen der Saarbrücker bereits vor der Mittellinie. In den Phasen der drückenden Überlegenheit schaltete sie sich auch immer gefährlich nach vorne ein und hatte die eine oder andere Torchance.

Man merkt ihr an, dass ihr vor allem die Pause in der Nationalelf guttat und sie nach ihren Verletzungen immer mehr zur alten Stärke zurückfindet. In der Form dürfte sie eine zentrale Säule des Bayernspiels bleiben.

2. Die dynamische Grundordnung sticht

Grundformationen DFB-Pokal-Viertelfinal Frauen: 1. FC Saarbrücken - FC Bayern München FrauenGrundformationen: Saarbrücken 5-3-2 – Bayern 4-5-1

War es gegen Freiburg noch eine Fünferkette mit drei eher defensiv orientierten Mittelfeldspielerinnen, so stellt Wörle das System auf eine Viererkette und ein Fünfer-Mittelfeld um. Während die Innenverteidigerinnen Kristin Demann und Carina Wenninger so ziemlich jeden Ball bereits an der Mittellinie abfingen, konnten die Außenverteidigerinnen Verena Faißt und Maier ihre Offensivqualitäten gut einbringen. Leupolz hielt Behringer für Offensivaktionen frei.

Sah man in der Vergangenheit oftmals ein eher statisches und vorsichtiges Kombinationsspiel von hinten raus, so überzeugten diesmal die hohen Diagonalpässe aus der Zentrale auf die Außen. Bayern gelang es so, das Spiel sehr schnell zu machen.
Ebenfalls auffällig war, dass nicht mehr Behringer jeden Standard schoss, sondern häufig auch Däbritz oder Roord zum Zuge kamen. Diese Varianten waren nicht nur sehenswert, sondern boten die Option, dass die sonst eher entfernt stehende Behringer Abpraller so selbst aus zweiter Reihe aufs Tor feuern konnte.

Zwar lässt sich nur schwer beurteilen, wieviel sich aus dem Match gegen den klar unterlegenen Gegner auf das Spitzenrennen in der Bundesliga übertragen lässt, dennoch kam diese offensivere Ausrichtung dem Bayernspiel entgegen. Vielleicht sollten sich die Bayern häufiger auf ihre offensiven Stärken konzentrieren.

3. Unablässig bis zum Schluss

Stellt der FC Bayern oftmals bei hohen Führungen das Spiel weitestgehend ein, so ließen die Frauen am Dienstag nie nach, sondern wollten bis zum Schluss immer mehr. In den sozialen Medien konnte man den einen oder anderen Kommentar darüber lesen, ob so eine Demontage denn nötig gewesen sei, da der Gegner eine sehr junge Mannschaft stellte. In Anbetracht dessen, dass sich in dem Pokalspiel endlich auch Spielerinnen präsentieren konnten, die zuletzt zum Teil einen etwas schwereren Stand hatten, geht dieser Vorwurf allerdings fehl. Nach langer Winterpause und erneuter Unterbrechung durch Landerspiele müssen die Bayern jede Gelegenheit nutzen, um ins Rollen zu kommen und Automatismen zu entwickeln.

Rolser und Roord nutzen dabei die Chance, sich auch für weitere Spiele von Anfang an zu empfehlen. Die eingewechselten Beerensteyn und Galton zeigten sofort sehr engagierte Leistungen und Islacker konnte durch ihre Tore wieder zusätzliches Selbstvertrauen tanken. Auch Maier, die auf der Bank hatte schmoren müssen, überzeugte mit ihrem Auftritt. Gerade die Spielerinnen, die zuletzt nicht oder nur selten auf ihre Einsatzzeiten kamen, dürften Wörles Personalentscheidungen für die nächsten Spiele erschweren.

Saarbrücken – Bayern
SaarbrückenEhl (46. Chládeková) – Dörr (65. Grünnagel), Hauck, Rippberger (46. Franz), Martin, Tröster – Eybe, Selensky, Reifenberg – Griffin, Steimer
BankBecky, Danilova, Hager, Ditscheid
BayernZinsberger – Faißt (60. Beerensteyn), Wenninger, Demann, Maier – Rolfö (70. Islacker), Leupolz, Roord, Behringer, Däbritz (60. Galton) – Rolser
BankWeimar, Schnaderbeck, Škorvánková, Georges
Tore0:1 Roord (3.), 0:2 Rolser (12.), 0:3 Roord (22.), 0:4 Roord (26.), 0:5 Demann (31.), 0:6 Rolfö (40.), 0:7 Rolser (45.), 0:8 Rolser (63.), 0:9 Roord (71.), 0:10 Roord (73.), 0:11 Islacker (76., Elfmeter), 0:12 Rolser (83.), 0:13 Roord (85.), 0:14 Islacker (86.), 0:15 Islacker (90.)
KartenGelb: Chládeková (76.) / –
Schiedsrichter­innenKaroline Wacker (Marbach am Neckar), Melissa Joos (Leinfelden-Echterdingen), Silke Adelsberger (Abtsgmünd)
Zuschauer550
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Leserkommentare
  1. Ralph

    “Saarbrücken hegt durchaus Aufstiegsambitionen”

    Der FCS hat mit allen Mannschaften immer große Ambitionen – und in der Regel scheitert man absurd daran. ;-) Aktuell liegt die Damenmannschaft (mit einem Spiel weniger) mit 9 Punkten Rückstand auf den Tabellenführer auf Platz 5 der Liga. Wenn sie sich für die eingleisige zweite Liga qualifizieren, ist das Maximum erreicht. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass die noch ernsthaft auf den Aufstieg hoffen.

    “In den sozialen Medien konnte man den einen oder anderen Kommentar darüber lesen, ob so eine Demontage denn nötig gewesen sei, da der Gegner eine sehr junge Mannschaft stellte. ”

    Keine Ahnung, ob man in so einem Fall einen Gang zurückschalten sollte. Ich bezweifele aber auch, dass so ein Spiel hilfreich ist, “um ins Rollen zu kommen und Automatismen zu entwickeln.” Letztens war von den FCS-Damen zu lesen, dass einige Spielerinnen die Trainings versäumten, weil sie beruflich verhindert waren. Eine Meldung, die man vom FCB eher selten zu lesen kriegt. Da klaffen einfach Welten zwischen der ersten und den beiden zweiten Ligen, nehme ich an.

    Trotzdem natürlich ein krasses Ergebnis!

  2. Hi Ralph, merci für Deinen Kommentar.
    Zu Deinem letzten Punkt kann ich sagen, dass Du da im Großen und Ganzen natürlich recht hast. Allerdings hab ich im Gespräch mit Wörle vor etwa drei Jahren noch zu hören bekommen, dass sich die Trainingssituation langsam verbessert und er jetzt in den meisten Trainings fast alle Spielerinnen dabei hat.
    Soll heißen, auch bei denen machen Ausbildung, Studium und Schule zuweilen einen Strich durch die Rechnung. Mittlerweile gilt das aber vor allem für die Schülerinnen, bei denen das Zeitregime ab striktesten ist – so weit ich weiß. Aber wie gesagt, Dein Punkt stimmt generell: Der Frauenfußball hat sich in Liga 1 professionalisiert.

  3. Ande

    Hallo Ralph,
    bezüglich der Aufstiegsambitionen: klar haben sie auf den Ersten einen großen Rückstand, aber beim Tabellenführer handelt es sich ja um eine nicht austiegsberechtigte Mannschaft (wie auch bei zwei weiteren Mannschaften vor ihnen). Auf den direkten Konkurrenten Bayer Leverkusen sind es nur 6 Punkte Rückstand bei – wie Sie schon angemerkt haben – einem Spiel weniger… wenn sie das Spiel gewinnen, denke ich mir, ist durchaus noch alles drin. Zumal es kommenden Sonntag schon durchaus nur noch 3 Punkte Differenz sein könnten. Auch wenn es sich bei so einem Ergebnis komisch anhört, Saarbrücken hat sich durchaus gut verkauft.

  4. […] Frauen konnten den Schwung aus dem Pokalspiel mit in die Liga nehmen und besiegten den 1.FC Köln auswärts mit 0:8. 0 […]

  5. […] women were able to take the momentum from the cup game into the league and defeated 1.FC Köln away with a 0:8. Author: Andi • Translator: Marc 0 […]

  6. […] vertraute Wörle auf die gleiche Aufstellung wie gegen Saarbrücken und gegen Köln. Schon in der zweiten Minute hatte Fridolina Rolfö die erste große Chance. Nur […]

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