Gibt es einen Bayern-Besieger-Fluch?

Im Gegensatz zum empirisch schwer fassbaren »Bayern-Dusel« kann man zum zuletzt öfters diskutierten »Bayern-Besieger-Fluch« eine statistische Aussage treffen.

Der »Bayern-BesiegerFluch« trifft Clubs, die gegen den FC Bayern gewinnen, aber in der Folgezeit underperformen. Ich beschränke meine Analyse auf das nächste Bundesligaspiel dieser Vereine.

Als Vergleichsmaßstab verwende ich das Bundesligaspiel des Bayern-Besiegers, das vor dem Spiel gegen die Bayern gespielt wurde. Dabei gehe ich von der Annahme aus, dass die Qualität des Gegners im Spiel vor und nach dem Bayern-Duell im Mittel gleich ist. Heim- und Auswärtsspiele sollten sich auch die Waage halten. Alle Spielergebnisse werden mit der 3-Punkt-Regel berechnet.

Damit die Analyse jeweils in einer Saison stattfinden kann, werden nur Bayern-Niederlagen vom zweiten bis vorletzten Spieltag gezählt. Als Datenquelle verwende ich die »Subdat«-Bundesligadaten 1963/64-2015/16, die dankenswerterweise von @schwarzundblau zur Verfügung gestellt werden.

Die bis dato einzige Bayern-Niederlage in der Saison 2016/17 gegen den BVB habe ich zusätzlich aufgenommen. In der aktuellsten Datenversion ist sie auch schon enthalten.

Blick in die Statistik

Seit Beginn der Bundesliga bis zum 11. Spieltag der Saison 2016/17 sind 315 Niederlagen des FC Bayern vom zweiten bis vorletzten Spieltag erfasst. Hier die Verteilung der mittleren Punkte der Bayern-Besieger vor und nach dem Spiel gegen die Bayern nach Zeiträumen:

Mittlere Punkte vor und nach einem Sieg über den FC Bayern.(Grafik & Auswertung: Stefan Gawrich)
Mittlere Punkte vor und nach einem Sieg über den FC Bayern.
(Grafik & Auswertung: Stefan Gawrich)

Ergebnis: In den letzten Jahren ist der »Bayern-Besieger-Fluch« deutlich sichtbar. Über die Jahrzehnte ist der Trend uneinheitlich, ein erster Blick zeigt aber, dass der „Fluch“ wohl in erfolgreichen Zeiträumen stärker ist. Es ist unklar, wie das Phänomen erklärt werden kann.

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Leserkommentare
  1. Phorus-E

    Ich würde das Phänomen mental erklären. Ein Team das grade die Bayern geschlagen hat verliert vielleicht ein klein wenig die Bodenhaftung und nimmt den folgenden Gegner unterbewusst etwas weniger Ernst. Da macht es auch Sinn, dass der Effekt größer ist wenn die Bayern grade in einer erfolgreichen Phase sind. Je unmöglicher es erscheint gegen sie zu gewinnen desto mehr “hebt” man ab wenn es dann doch gelingt.

    1. Kita

      genau so hab ich mir dieses Phänomen auch immer erklärt. Freut mich dass mich die Statistik nun bestätigt.

  2. Marco05

    Finde ich ziemlich stark, dass ihr euch diesem Thema mal angenommen habt, da das ja bis dato immer mehr ein gefühlter Wert war und schon gar nicht hat man tiefgreifende Erinnerungen daran.

    Ich könnte mir vorstellen, dass das Ergebnis sogar noch deutlicher wird, wenn man irgendwie die gegnerische Leistung auch bei gewonnenen (oder unentschieden geendeten) bewerten könnte – was aber schwierig bis unmöglich ist. Wie oft habe ich (gerade in den letzten Jahren) die unterlegene Mannschaft mit ihren Fans feiern gesehen oder das Punktgewinne wie die Meisterschaft gefeiert wurden, Stichwort: “auf diese Leistung kann man aufbauen” oder “wenn sie immer so spielen würden stünden sie nicht…”

    In dieser Saison fiel das vor allem gegen Schalke (gegen uns “gut” verloren, danach weiter verloren aber mit deutlich schwächeren Leistungen), Ingolstadt und Hamburg auf.

    Wie ist der Effekt zu erklären. Ich denke eine Mischung aus “Spiel des Jahres” und “nichts zu verlieren” im direkten Duell sowie ein warum auch immer einkehrender Spannungsabfall in der Folge. Wir erleben ja grade ähnliches auf höherem Niveau und kennen das auch aus der Vergangenheit, dass man nach Meisterschaften oft deutlich schlechter angefangen hat. Nicht umsonst wurde bspw. der CL-Titel noch nicht verteidigt. Könnte psychologisch vermutlich relativ simpel erklärt werden. Fraglich ist nur, warum dies – zumindest gefühlt – nicht bei anderen Spitzenteams funktioniert.

    1. Das Lob geben wir gern direkt an Stefan weiter. Wir sind nur die Glücklichen, die seine Arbeit als Gastbeitrag veröffentlichen durften! :)

  3. Ralph

    “Heim- und Auswärtsspiele sollten sich auch die Waage halten.” Ohne das komplett durchdacht zu haben, nagt an mir der Gedanke, ob es einen Unterschied macht, ob ich die Bayern zuhause geschlagen habe und anschließend höchstwahrscheinlich auswärts ran muss, oder ob ich in München gewonnen habe, und anschließend ein Heimspiel habe. Meine These wäre, dass auf den Auswärtssieg eher ein Heimsieg folgt, während auf einen Heimsieg auswärts nicht auch noch gewonnen wird…

    Und ist es nicht auch so, dass die Abweichung in den Linien zwar schon “deutlich sichtbar” ist – dahinter aber faktisch nur relativ wenig (und auch unterschiedlich viele) betrachtete Spiele pro Saison stehen? Irgendwas in mir sträubt sich noch ein wenig, hier wirklich mehr als ein statistisches Artefakt zu sehen.

    (Trotzdem natürlich: Respekt für die ganze Arbeit und für eine interessante Auswertung, @nobilor!)

  4. pitvonbonn

    Es war mir schon immer klar, dass nachdem die Mannschaften, die mit 110% gegen die Bayern gespielt haben, egal ob nach Sieg, Unentschieden oder Niederlage, deren Ergebnisse wesentlich schlechter sind, als in der Zeit vor dem Kräftemessen mit den Bayern.
    Die 110% schlauchen diese Gegner mehr als die Bayern, die dann aber zusätzlich noch ein Spiel in der Wochenmitte zu verkraften haben.
    Schön dass ihr das mal statistisch erfasst habt.

  5. Ohne81

    Aber genau das hat die DFL doch vor der Saison gewollt.
    So wird die Liga ja noch spannender:
    Bayern wird nicht mit 15 Punkten Vorsprung Meister, da Mannschaften sofort bestraft werden wenn sie sich für “wichtigere” Spiele (z.B. Spiele gegen den Tabellennachbarn) schonen.
    Und durch die dadurch verlorenen Spiele rücken alle noch ein bissel zusammen.

    -> okay vielleicht doch etwas zu einseitig / ironisch gedacht und so nicht belegbar. Aber wenn so die Liga spannend bleibt und die DFL ihre “Drohung” jedes Jahr gegen den amtierenden Meister ausspricht solls mir recht sein.
    Das Thema hat mich aber auch schon immer interessiert, daher vielen Dank dafür!!

  6. Apokalyptika

    Dann zieht euch mal warm an. RB schont sich weder vor der Partie gegen die Bayern, noch haben wir ein Spiel danach.

  7. grullit

    des is doch so einfach zu erklaeren. gegen bayern, in zeiten wo bayern erfolgreich ist, wird sehr motiviert gespielt. mehr km gelaufen. und von einer extra motivation aus gefighted. nach dem sieg ist mental und koerperlich abbau van spannung. sodass der selbe biss in der naechsten woche nich wiederholbar ist

  8. Ju

    Eine tolle Sache, dieser Artikel.
    Wie bereits weiter oben erwähnt wäre es noch schöner, wenn man auch auf Mannschaften schauen würde, die unentschieden gespielt, oder gut spielend verloren haben. Es leuchtet aber ein, dass das extrem aufwendig wäre.

    Um noch kurz meinen Senf zum Thema anzubringen: Eine Mannschaft, die gegen Bayern gewinnt, muss zwangsläufig einige Qualitäten mitbringen: Passende Abstände zwischen den Linien und den Spielern, passendes Abwehrpressing, Strafraumverteidigung.

    Nun kommt es reichlich selten vor, dass eine miese Mannschaft pünktlich zum Spieltag, an dem Bayern kommt, das verschieben lernt. Die Mannschaften, die etwas mitnehmen, müssen also diesbezüglich gewisse Vorleistungen in den genannten Kompetenzen haben. Diese Kompetenzen leben jedoch erheblich von der Intensität, mit der sie ausgeführt werden, ohne die die gruppentaktische Sauberkeit nicht mehr gegeben ist.

    Gegen schwächere Gegner kommt dann anschließend der Bayern Kater, bei dem der Kopf dem Menschen vorgaukelt, dass das heute auch mit 95 Prozent reicht- wenn es gegen Bayern mit 100 geklappt hat. Dabei vergisst der Kopf aber, dass man gegen die vorherigen Gegner auch 100 Prozent gebracht hat und nur damit die Punkte geholt hat. Ziemlich gemein eigentlich.

  9. Osrig

    Den Überlegungen kann ich mich anschließen und denke auch, dass das Gefühl des Sieges über den FCB im nächsten Spiel unbewusst dazu führen kann, ein paar Prozente nachzulassen. Kein Wunder, wenn man als Spieler eine Woche lang ständig auf die Schulter geklopft bekommt und einen Zentimeter über dem Boden schwebt. Da ist es schon schwer, sich dann zu hundert Prozent auf den nächsten Gegner zu fokussieren.

    Ich bin sogar der Meinung, dass es Gegnern nicht nur bei Siegen so geht, sondern grundsätzlich dann, wenn Teams gegen uns alles heraushauen und über ihrem Limit spielen. Bestes Beispiel ist für mich Werder Bremen: Da treten sie mit voller Kapelle und voller Pulle gegen den FCB an, spielen für ihre Verhältnisse – immerhin in deutlicher Abstiegsgefahr – einen prima Ball, verlieren aber trotzdem! Am Wochenende darauf treten die Bremer in Hamburg an, und was passiert. Die Stellinger als Mitabstiegskonkurrent besiegen die Bremer, weil den sichtlich die Luft ausgeht, und tragen so zu deren Rettung bei! Wären die Werderaner nicht gegen uns sondern gegen den HSV mit dem sprichwörtlichen “Messer zwischen den Zähnen ” aufgetreten, hätte es vermutlich ein anderes Ergebnis gegeben. Aber so waren die Bremer halt platt.
    Unter dem Strich habe ich schon Verständnis dafür, wenn Gegner mit Blick auf kommende Spiele darauf achten, gegen uns nicht zu überziehen. Was nicht heißen darf, dass Spieler der Gegnermannschaften reihenweise dafür sorgen, gegen uns gesperrt zu sein, oder der Gegner nur noch mit der zweiten Mannschaft aufläuft. Passiert aber sicher nur sehr selten, dafür ist die Aussicht auf Punkte gegen uns doch zu verlockend^^

  10. @nobilor

    Vielen Dank für die Kommentare und Hypothesen zur Auswertung. Ein paar davon, die mit den Daten zu klären sind, möchte ich noch aufgreifen:

    1) Eine m. E. interessante Hypothese war die Frage, ob es sich vielleicht um einen allgemeinen “Bayern-Gegner-Fluch” unabhängig vom Resultat handelt. Die Daten stützen dies jedoch nicht.

    2) Im Text steht die Annahme, dass sich Heim- und Auswärtsspiele die Waage halten. Dies bezieht sich nicht auf die Bayern-Niederlagen, die wie zu erwarten mehrheitlich für Bayern auswärts erfolgen. Es bezieht sich auf die beiden in die Berechnung eingehenden Spiele der Bayern-Bezwinger. Da diese mehrheitlich daheim gegen Bayern gewinnen, gehen zumeist davor und danach zwei Auswärtsspiele in die Berechnung ein. Ausnahmen sind natürlich durch den Spielplan möglich. In diesem Fall sind die Punktechancen in beiden Spielen ungleich. Im Mittel sollte sich dies wie bei der Stärke der Gegner aber aufheben.

    3) Der Hinweis auf eine geringe Zahl von Ereignissen insbesondere im letzten Zeitintervall (Saison 2010/11 – 2015/16 plus der Niederlage gegen den BVB aus der aktuellen Saison) ist berechtigt.
    Es gab in diesem Zeitraum nur 24 Bayern-Niederlagen vom zweiten bis vorletzten Spieltag.
    Die vorgefundene mittlere Punktedifferenz von 0,58 ist bei einem Paired T-Test noch nicht statistisch signifikant.
    Dies führt nicht zum Verwurf der Aussage, da ja alle Bayern-Niederlagen analysiert wurden und das Ergebnis ein Fakt ist. Es bleibt aber eine statistische Unsicherheit, dass es sich um einen Zufallsbefund handelt.

    Weitere Bayern-Niederlagen sind abzuwarten, um die Aussagekraft des Ergebnisses zu steigern. Dann wird es ein Update dieser Untersuchung geben.

    Zu hoffen ist, dass dies noch sehr lange dauern möge.

  11. Draft

    Interessante Analyse. Ist teilweise schon angeklungen: Um den Unterschied “vor Bayernspiel vs. nach Bayernspiel” auf den Bayern-Besieger-Fluch zurückzuführen, dürfen nicht nur die Siege betrachtet werden. Man müsste die mittleren Punkte vor und nach einem Sieg als Differenzwert berechnen (2,08-1,5=0,58) und diesen mit dem Differenzwert bei einem Unentschieden und bei einer Niederlage gegen die Bayern vergleichen. Erst wenn hier ein (signifikanter) Unterschied besteht, kann dieser Unterschied auf einen Bayern-Besieger-Fluch zurückgeführt werden.

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