Wer ist eigentlich Robert Lewandowski? – Vom kleinen Biber zum Stürmerstar

Er ist aktuell eine der polarisierenden Figuren der Fußballwelt. Mit seinem Fünferpack in neun Minuten im Spiel gegen den VfL Wolfsburg schoss sich Robert Lewandowski in die Geschichtsbücher der Bundesliga. Doch die Karriere des Polen ging nicht immer nur steil bergauf, sie war vielmehr geprägt von Höhen und Tiefen. Wir nehmen den Werdegang des 27-Jährigen einmal etwas genauer unter die Lupe und beantworten die Frage: „Wer ist eigentlich Robert Lewandowski?“

Als Robert Lewandowski am 21. August 1988 das Licht der Welt erblickt, war bereits klar, dass Sport eine zentrale Rolle in seinem Leben spielen würde. Vater Krzysztof war aktiver Judoka und wurde unter anderem Junioren-Europameister, Mutter Iwona spielte jahrelang in der höchsten polnischen Volleyball-Liga. Seine Lehrer in der Schule finden, dass er das Zeug zum Leichtathleten hat, doch “Bobek” (polnisch: ‘kleiner Biber’), wie er aufgrund seiner schmächtigen Statur genannt wird, entscheidet sich für den Fußball.
Mit sieben Jahren tritt er seinem ersten Verein bei: Partyzant Leszno, dem Club seines damaligen Wohnorts. Ein ganzes Jahr lang jagt der kleine Robert dort dem Ball hinterher. Und zwar mit mehr Ehrgeiz als die anderen Jungs. Jeden Tag steht er dort mit voller Leidenschaft auf dem Rasen und hat ein Ziel vor Augen: für das große Legia Warschau zu spielen. Doch Lewandowski ist zu diesem Zeitpunkt noch zu jung für die Jugendabteilung des Erstligisten.

Deshalb meldet ihn sein Vater 1997 stattdessen beim Schülersportverein Varsovia Warschau an. Zum Training gibt es nur einen alten Ascheplatz und danach keine warme Dusche. Auch die unbeheizte Umkleidekabine, welche aus einem alten Container besteht, ist eine kalte Angelegenheit, weshalb sich Robert im Winter lieber im Auto umzieht.

Vielleicht hat er schon damals bemerkt, dass er anders ist als all die anderen Jungs. Nicht weil er der kleinste ist, sondern weil er bereit ist mehr für seinen geliebten Fußball zu geben. So trainiert er drei Mal die Woche. Wenn ihn niemand fahren kann, nimmt er den Bus – zwei Stunden hin und zurück.
Seinen Spitznamen “Bobek” wird er wegen seinen körperlichen Defiziten dennoch nicht los. “Er war unglaublich dünn. Seine Beine waren wie Stelzen, ich hatte immer Angst, dass sie ihm irgendwer bricht. Ich wollte, dass er robuster wird, und habe immer gemeint, er müsse mehr Speck essen!”, verrät sein damaliger Trainer Krzysztof Sykorski gegenüber UEFA.com.

In den sieben Jahren, in denen er bei Varsovia Warschau seine Fußballschuhe schnürt, verpasst er kein einziges Training. Trotz seines unbglaublichen Ehrgeizes bleibt Lewandowski ein Team-Player. “Er verstand, dass man nur gemeinsam gewinnen kann”, sagt Sykorski. So trägt er seinen Teil zum Team bei und schon damals besitzt er einen unglaublichen Torriecher. “In einer Saison haben wir mal 158 Tore geschossen, Robert hat die Hälfte davon gemacht”, so Sykorski weiter.

Doch der Weg ins Profigeschäft ist steinig und schwer. Als Robert mit 15 Jahren allmählich zu alt für die Jugendabteilung von Varsovia ist, sucht er nach einem neuen Verein. Er klopft beim Nachbarn und Erstligisten Polinia Warschau an, doch erhält eine Absage. Der Grund: zu schmächtig. Ein Urteil, wie ein Schlag ins Gesicht. Trotz seines ungeheuren Ergeiz und unbändigen Willens, steht ihm sein eigener Körper im Weg und sein Traum vom Profifußball droht wie eine Seifenblase zu zerplatzen, noch bevor er richtig angefangen hat.

Doch Lewandowski hat Glück im Unglück, denn Andrzej Trzeciakowski sieht das Potential, dass in dem Jungen steckt und holt ihn in die dritte polnische Liga. Dort unterschreibt er bei Delta Warschau seinen ersten Profivertrag. “Wir wussten bereits, dass er ein großer Spieler wird, als wir ihn das erste Mal gesehen haben. Ich bin sehr stolz, dass Robert bei uns seinen ersten Profivertrag unterschrieben hat”, sagte Trzeciakowski gegenüber UEFA.com.

Bei Delta Warschau gibt Bobek richtig Gas – so stark, dass ihn sein neuer Trainer ausbremsen muss. Dennoch spielt er immer von Beginn an, zum einen, weil das Spiel dann geordneter abläuft, zum anderen, weil er trotz seines geringen Alters bereits der Beste im Team ist. Wenn seine Kräfte nachlassen, wird er ausgewechselt, was ihm laut Trzeciakowski “meist gar nicht schmeckt”.

Während Lewandowski für Delta auf Torjagd geht, schmiedet der Verein große Pläne. Um den Aufstieg in die 2. Liga zu ermöglichen, will man das Vereinsgelände vergrößern, doch der Club erhält keine Genehmigung – der Traum vom Aufstieg fällt ins Wasser. Hinzu kommt, dass Delta Warschau sich finanziell übernommen hatte und nach einem Jahr bedeutet das das Aus für die junge Mannschaft. Innerhalb weniger Monate prallt Lewandowski auf den harten Boden der polnischen Fußballrealität.

Zu allem Unglück stirbt dann auch noch sein Vater. Mehrere Schicksalsschläge so kurz hintereinander – wo andere daran kaputt gehen würden, bleibt Robert stark. Kraft nimmt er von Gott: “Der Glaube hilft mir nicht nur im Bereich des Fußballs, sondern auch außerhalb, dass ich ein guter Mensch sein möchte und so wenige Fehler wie möglich begehe.” Zwar hat er zahlreiche Angebote von Vereinen aus ganz Polen, doch er lehnt ab, denn er möchte in dieser schweren Phase unbedingt für seine Familie da sein.

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Dann die Anfrage, die alles verändern sollte. Das goße Legia Warschau will Lewandowski verpflichten. Schweren Herzens lässt Andrzej Trzeciakowski sein Sturmtalent ablösefrei ziehen – der Transfervertrag ist dem Delta Präsidenten heute noch ein Heiligtum.

Bobek ist zu diesem Zeitpunkt außer sich vor Freude, denn für ihn wird ein Kindheitstraum wahr. Doch die Freude ist nicht von langer Dauer, denn bald wird klar, dass er nur für die 2. Mannschaft eingeplant ist. Es kommt aber noch dicker: Nach nur einer Saison wird er vom damaligen Manschaftsarzt ausgemustert. Die Gründe sind die üblichen: zu schlank, zu schmächtig. Eine Entscheidung, die der Club später bereut. Bis heute möchte niemand im Verein darüber reden. Für Lewandowski bricht erneut eine Welt zusammen, seine Karriere liegt in Trümmern.
Doch er ist ein Kämpfer und gibt nicht auf. Nachdem ihm der polnische Vorzeige-Club eine Abfuhr erteilt hat, heuert er für ein Monatsgehalt von 1250 Euro beim Drittligisten Znicz Pruszkow an – einem Warschauer Vorstadtclub mit einem jungen Team und großen Zielen. Hier schießt er sein Team auf Anhieb auf Platz eins, was sein Durchbruch sein sollte. Trotz des Erfolges hebt Lewandowski nicht ab, sondern bleibt am Boden, wie sich sein ehemaliger Sturmkollege Adrian Paluchowski erinnert.

Znicz Pruszkow stellt sich als perfektes Sprungbrett heraus. Bobek reift hier vom Talent zum Star und wird bereits in seiner ersten Saison Torschützenkönig. Nach dem Aufstieg in Liga zwei erzielt er auch dort die meisten Treffer und schnappt sich erneut die Torjägerkanone. Die logische Konsequenz: der Wechsel in Liga eins. Lech Posen überweist 380.000 Euro und Robert zählt mit dem zurück, was er am besten kann – nämlich Tore schießen.

Im zweiten Jahr wird Lewandowski polnischer Meister. Er selbst steuert ganze 18 Tore zu und ist damit der erste Spieler, dem es gelingt in allen drei Ligen Torschützenkönig zu werden. Bei so vielen Toren werden natürlich auch die europäischen Clubs aufmerksam. Schließlich streckt Borussia Dortmund seine Fühler nach dem damals 22-jährigen Robert aus. Ganze 4,75 Millionen überweisen die Schwarz-Gelben an Lech Posen – damals Rekordablöse in der Extraklassa. “Roberts Wechsel war nur logisch, wir wussten, dass er zu gut ist, um in Polen zu bleiben.”, so sein damaliger Coach Jacek Zielinski.

Der kleine Bobek scheint endlich oben angekommen zu sein. Doch wie so oft in seiner Karriere ist aller Anfang schwer. In Dortmund sieht er sich Lucas Barrios gegenüber, der einen unangefochtenen Stammplatz besitzt. So ist er das erste halbe Jahr nur Ergänzungsspieler und wird 15 Mal eingewechselt. Ausgerechnet im Revierderby gegen den FC Schalke 04 erzielt er dann sein erstes Bundesliga-Tor – das Spiel endet 3:1 für die Borussen. In der Rückrunde kann er seinem Trainer Jürgen Klopp weiter imponieren, denn als Joker trägt er acht Tore zur Überaschungs-Meisterschaft des BVB bei. Als dann Sturm-Konkurrent Barrios längere Zeit ausfällt, hat Roberts Stunde geschlagen – endlich darf er von Beginn ran. In der folgenden Saison bestreitet Lewandowski jede Partie von Beginn an und erzielt ganze 22 Tore. Borussia Dortmund wird erneut deutscher Meister – unter anderem aufgrund der starken Leistungen des Polen. Mit seinen drei Toren beim 5:2-Sieg im DFB-Pokalfinale gegen die Bayern setzt er dann das i-Tüpfelchen auf eine grandiose Saison.

Sein Marktwert schnellt in die Höhe. Plötzlich ist der kleine Bobek aus Leszno, der eben noch in der polnischen Extraklassa auf Torejagd ging, 28 Millionen Euro wert. Er ist auf der großen Fußballbühne angekommen und greift mit dem BVB nach den Sternen. Zwar führt in der darauffolgenden Spielzeit in der Bundesliga kein Weg am Rekordmeister FC Bayern München vorbei, doch in der Champions League sorgt das Team von Jürgen Klopp für Furore.

Der Höhepunkt: Das Halbfinal-Hinspiel, als Lewandowski die Königlichen aus Madrid mit seinen vier Treffern im Alleingang an die Wand spielt. Noch nie zuvor hat ein Spieler in einem Halbfinale der Königsklasse so viele Tore erzielt wie er. “Er war schon immer sehr professionell und hatte seine Ziele immer vor Augen”, so Zielinski. “Ich wusste er würde sich in der Bundesliga durchsetzen. Auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass er vier Treffer gegen Real Madrid erzielen könnte. Ich sah das Spiel und dachte nur: ‘Das gibt es nicht, das träume ich jetzt.’ Einer meiner ehemaligen Spieler schießt ganz alleine Real Madrid ab. Er hat wie von einem anderen Planeten gespielt.”

Spätestens ab diesem Zeitpunkt steht Bobek bei zahlreichen europäischen Topclubs hoch im Kurs. Auch beim FC Bayern befindet sich der Pole ganz oben auf dem Wunschzettel. Doch die Vereinsführung um Joachim Watzke will den Stürmer nicht ziehen lassen und schiebt einem möglichen Transfer in diesem Sommer den Riegel vor.

Nach einem weiteren Jahr beim BVB läuft sein Vertrag aus und er wechselt schließlich ablösefrei zum Liga-Konkurrenten an die Isar. In seiner Debüt-Saison bei den Münchner erzielt er in allen drei Wettbewerben insgesamt 25 Treffer und beweist erneut dass er weltweit zu den besten Stürmern zählt.

Vor kurzem ist er nun in seine zweite Spielzeit bei den Bayern gestartet. Nach sieben Spieltagen führt Lewandowski mit zehn Toren, darunter dem Fünferpack in neun Minuten in der Partie gegen den VfL Wolfsburg, die Torjägerliste an. Doch man kann sich garantiert sicher sein, dass in dieser Saison noch zahlreiche weitere Treffer folgen werden – denn laut seinem bisherigen Karriereverlauf, legt er im zweiten Jahr richtig los.

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Leserkommentare
  1. Bayer

    Vielen Dank für diesen Artikel. Einfach Klasse :)

    1. Danke für die positive Rückmeldung! Freut mich, wenn dir der Artikel gefällt.

  2. Marco05

    Dem schließ ich mich an. Sehr schön und wunderbar geschrieben, chapeau!

    Ich mochte ihn eigentlich schon zu BVB-Zeiten, weil er eine allgegenwärtige Bescheidenheit ausstrahlt. Nie überheblich oder arrogant wirkt, auch wenn er noch so netzt. Seine ganze Geschichte, die hier sehr gut aufgezeigt wird, bestätigt das nochmal. Ein bodenständiger, ehrlicher Arbeiter, ein Kämpfer vor den Herrn. Sensationeller Typ!

    1. Stimme dir da absolut zu. Lewandowski ist ein super sympathischer Typ und auch nach seinem historischen Fünferpack kein bisschen abgehoben.

  3. Moin
    auch mal von meiner Seite ein dickes Lob! Nicht nur dieser Artikel, sondern eigentlich alles hier ist einfach top. Eure Analysen super und gut geschrieben dazu! Weiter so!
    Gleiches gilt natürlich für Lewa ;-).
    Grüße
    Der Rolf

  4. Jo

    Toller Artikel mit einigen neuen Infos (zumindest für mich) über Lewy.
    Ein erstaunlicher Karriereweg, der so in Deutschland fast gar nicht mehr vorstellbar ist. Erklärt vielleicht auch einiges über seinen Charakter.

    1. Danke für dein Lob. Mir ging’s genauso. Als ich recherchiert habe, habe ich ebenfalls viel neues über Lewandowski erfahren. Gerade die Zeit bevor er zum BVB wechselte, dürfte in Deutschland Vielen eher unbekannt sein.

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