Spiel des Lebens #07: Die emotionalste Meisterschaft

Dennis Trenner 04.01.2020

Artikel wurde geschrieben von Alex Feuerherdt.

Die Situation vor dem Spiel

Als am vorletzten Spieltag der Saison 2000/01 die 90. Minute anbrach, deutete alles darauf hin, dass der FC Schalke 04 und der FC Bayern vor der finalen Runde punktgleich sein würden, allerdings mit einem Vorsprung der Gelsenkirchener bei der Tordifferenz von immerhin fünf Treffern. Die Ausgangslage wäre für die Münchner dadurch wesentlich schlechter gewesen, zumal sie nach Hamburg zum HSV reisen mussten, während Schalke sein letztes Spiel vor eigenem Publikum gegen den Tabellensechzehnten, die SpVgg Unterhaching, bestreiten konnte. 

Doch in dieser 90. Minute änderten sich die Vorzeichen komplett, und das auf spektakuläre Art und Weise: In Stuttgart kassierten die Schalker das 0:1 durch Krassimir Balakov, exakt sieben Sekunden später besorgte in der gleichzeitig stattfindenden Partie im Münchner Olympiastadion der erst kurz zuvor eingewechselte Alexander Zickler für die Bayern mit einem Gewaltschuss den Siegtreffer zum 2:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Dadurch lag der Rekordmeister nun drei Zähler vor den „Knappen“, ein Punkt in Hamburg würde also auf jeden Fall zur 17. deutschen Meisterschaft und zum dritten Titel-Hattrick der Roten in der Geschichte genügen.

Doch nichts war in dieser Spielzeit so beständig wie die Unbeständigkeit des FC Bayern München. Bereits neun (!) Niederlagen standen in der Liga zu Buche, darunter solche vollkommen unerwarteten und unnötigen wie jene zu Hause gegen Rostock und auswärts in Unterhaching (jeweils 0:1). Dafür lief es auf internationaler Bühne umso besser: Zwei Jahre nach der traumatischen Last-Minute-Niederlage im Champions-League-Finale von Barcelona gegen Manchester United gelang den Münchnern erneut der Einzug ins Endspiel, wo sie in Mailand auf den FC Valencia treffen sollten, vier Tage nach der Begegnung in Hamburg.

Falls ihr es verpasst habt

Die Aufstellungen

HSV-Trainer Frank Pagelsdorf musste auf Mittelfeldspieler Niko Kovač und Verteidiger Milan Fukal verzichten, dafür rückten Jochen Kientz und Ingo Hertzsch ins Team. Beim FC Bayern nahm Coach Ottmar Hitzfeld im Vergleich zum Spiel gegen Kaiserslautern drei Änderungen vor: Für Roque Santa Cruz, Ciriaco Sforza und den gelbgesperrten Hasan Salihamidžić spielten Giovane Elber, Mehmet Scholl und Willy Sagnol.

Die Hamburger liefen vor Ersatztorwart Matthias Schober, der zu seinem dritten Bundesligaspiel in dieser Saison kam, mit einer Vierer-Abwehr auf, wobei sich Nico Jan Hoogma zentral hinter den anderen drei Verteidigern positionierte. Außen hatte es Hertzsch mit Scholl, der sich immer wieder ins Mittelfeld zurückfallen ließ, und Bernd Hollerbach mit Carsten Jancker zu tun, in der Mitte war Elber bei Tomáš Ujfaluši fast völlig abgemeldet. 

Der Bayern-Zentrale mit Owen Hargreaves und Stefan Effenberg setzte der HSV mit Kientz und Stig Töfting vor allem Physis entgegen. Hinter dem Hamburger Drei-Mann-Sturm mit Torjäger Sergej Barbarez in der Mitte und Mehdi Mahdavikia (rechts) sowie Roy Präger (links) agierte Marek Heinz. Die Münchner Defensive bildete vor Keeper Oliver Kahn wie so oft eine Dreierkette aus Thomas Linke, Patrik Andersson und Sammy Kuffour, flankiert von den offensiv ausgerichteten Außenverteidigern Willy Sagnol (rechts) und Bixente Lizarazu (links). 

Erste Halbzeit

Der Anpfiff verzögerte sich, weil aus dem Publikum mehrere Dutzend Bananen in den Strafraum von Oliver Kahn geworfen worden waren – zu dieser Zeit ein so dümmliches wie befremdliches Ritual bei Auswärtsspielen der Bayern – und erst einmal beseitigt werden mussten. Kurz nach Spielbeginn folgte eine mehrminütige Unterbrechung, weil dicke Pyro-Rauchschwaden durchs Stadion zogen. Danach übernahmen die Hausherren, im Niemandsland der Tabelle angesiedelt und damit bar aller Sorgen und Hoffnungen, die Initiative, angetrieben von einem emotionalen Publikum, das nach der Sensation gierte. Die Bayern ließen den HSV kommen und setzten darauf, bei eigenem Ballbesitz das Tempo zu verschleppen.

Es schien auch nicht unbedingt erforderlich, ein Risiko einzugehen, denn im Gelsenkirchener Parkstadion gingen die Unterhachinger überraschend mit 2:0 in Führung. In Hamburg kamen die Gastgeber derweil zu zwei guten Torchancen durch Barbarez, die Kahn jedoch gewohnt reaktionsschnell vereitelte. Auf der Gegenseite scheiterte Jancker zweimal an Schober. Es blieb zur Pause beim torlosen Remis, während Schalke kurz vor dem Ende der ersten Hälfte noch zu zwei Treffern kam und das Zwischenresultat damit auf 2:2 stellte.

Zweite Halbzeit

Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild: Der HSV tat mehr für das Spiel, die Münchner versuchten vor allem, die Bälle zu halten, und beschränkten sich auf sporadische Vorstöße. Bei einem davon in der 61. Minute verlängerte Jancker eine Hereingabe von Lizarazu ins Gehäuse der Hamburger, doch der Treffer zählte nicht, weil sich der Torschütze im Abseits befunden haben soll – eine Fehlentscheidung. Auf Schalke gingen die Hachinger unterdessen erneut in Führung, doch die Gastgeber drehten die Partie schließlich und lagen kurz vor Schluss mit 5:3 vorne. Nun war klar, dass die Bayern ihr Spiel nicht verlieren durften.

Das stachelte die Hanseaten zusätzlich an, und tatsächlich schien den Münchnern die sicher geglaubte Meisterschale in letzter Minute zu entgleiten: Hargreaves und Kuffour bekamen zwei Hereingaben nicht entscheidend geklärt, und beim dritten Versuch setzte sich Barbarez im Kopfballduell gegen Patrik Andersson durch. Vom rechten Pfosten sprang der Ball zum 1:0 ins Tor der Gäste. Damit wäre der FC Schalke 04 Deutscher Meister gewesen. Der FC Bayern versuchte nun mit dem Mute der Verzweiflung, das Unheil abzuwenden, doch seine Angriffe waren zu planlos.

Ohne Worte. Nur Anspannung.
(Bild: Andreas Rentz/Bongarts/Getty Images)

Bis Stefan Effenberg in der dritten Minute der Nachspielzeit einen Außenristpass auf den für Scholl eingewechselten Paulo Sergio spielte und Ujfaluši den Ball in höchster Not zu Schober zurückspitzelte. Statt die Kugel einfach wegzuschlagen, nahm der Keeper sie mit den Händen auf – ein Verstoß gegen die sogenannte Rückpassregel. Schiedsrichter Markus Merk entschied deshalb zu Recht auf indirekten Freistoß zehn Meter vor dem Hamburger Tor. Und wie schon vor Wochenfrist schlugen die Bayern in buchstäblich letzter Sekunde zu: Effenberg tippte den Ball an, und Patrik Andersson drosch ihn durch eine Lücke in der Mauer ins Tor. 1:1, Bayern war Meister. Unfassbar.

Dinge, die auffielen

Weiter, immer weiter! 

„Ich habe das 0:1 gekriegt und mir eigentlich gar nichts gedacht. Und dann schoss es mir durch den Kopf: Es geht bestimmt noch drei Minuten. Da dachte ich mir, wir müssen weitermachen! Immer weitermachen! Immer weiter! Wieso sollten wir es nicht noch schaffen? Was da noch alles passieren kann! Wir haben noch in der 90. Minute an uns geglaubt, mit einem immensen Willen. Man kann die Dinge anscheinend erzwingen. Genau dieser Charakter hat uns zum Meister gemacht.“ So hat es Oliver Kahn damals nach dem Spiel gegenüber dem Kicker formuliert. 

Die Geburtsstunde des “weiter, immer weiter!”
(Bild: Andreas Rentz/Bongarts/Getty Images)

Tatsächlich war es keine Meisterschaft, die auf Eleganz und spielerischer Klasse beruhte, sondern eine, bei der es zum Schluss auf wilde Entschlossenheit und rohe Gewalt ankam. Die Tore von Zickler und Andersson, also die entscheidenden beiden letzten Treffer der Bayern in dieser Bundesligasaison, waren ein sinnbildlicher Ausdruck davon. Die Münchner wussten seit dem Champions-League-Finale zwei Jahre zuvor aus eigener, bitterer Erfahrung, wie es sich anfühlt, einen Titel in letzter Minute zu verlieren. Sie zerbrachen daran jedoch nicht, sondern machten sich diese Erfahrung vielmehr zunutze: Solange der Schiedsrichter nicht abgepfiffen hat, ist alles möglich.

Für diese Haltung stand neben Kahn, der sich vor der Freistoßausführung zwecks Einschüchterung durch die halbe Hamburger Mannschaft rempelte, vor allem Stefan Effenberg. „Ich habe auf die Stadionuhr geschaut, sie zeigte genau 17.16 Uhr“, sagte er dem Kicker. „Da dachte ich, wir müssen noch ein-, zweimal vor das Hamburger Tor kommen. Und dann dieser Rückpass, dieser Pfiff.“ Es war der damals 32-Jährige, der entschied, dass Patrik Andersson den Freistoß aufs Tor bolzen muss. „Aus dieser Entfernung ist es das Beste, voll draufzuhauen, also kam nur noch Patrik in Frage. Da habe ich ihn gerufen und gesagt: Komm her, hau das Ding rein, dann fahren wir nach Hause. Es hat wunderbar geklappt.“

Das wichtigste Tor seiner Karriere

Als die Bayern Anfang März 2001 in der Champions League mit 0:3 bei Olympique Lyon baden gingen und Klubpräsident Franz Beckenbauer bei seiner anschließenden Bankettrede ätzte, das Team habe „Altherrenfußball“ gespielt wie „die Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft“, war damit auch Patrik Andersson gemeint. Der Innenverteidiger hatte keine gute Figur abgegeben, überhaupt war die Saison für den schwedischen Nationalspieler auch aufgrund von Verletzungen bis dahin alles andere als optimal verlaufen. Doch Andersson, zur Saison 1999/2000 für vier Millionen Mark von Borussia Mönchengladbach zum FC Bayern gewechselt, steigerte sich nach dieser desaströsen Partie wie das gesamte Team. Er wurde zur defensiven Säule, zum Abwehrchef.

“Ich habe keine Lücke gesehen, sondern wollte den Ball einfach nur durchpressen.”
(Bild: Andreas Rentz/Bongarts/Getty Images)

Torgefahr ging von ihm beim FC Bayern jedoch nicht aus, deshalb kam es durchaus überraschend, dass er es war, der in Hamburg den indirekten Freistoß aufs Tor zimmern sollte. „Als ich vorgegangen bin, dachte ich mir: Cool bleiben, jetzt liegt es an dir“, sagte Andersson später. „Ich versuchte nur, den Ball sauber zu treffen. Ich habe keine Lücke gesehen, sondern wollte den Ball einfach nur durchpressen. Mit Gewalt eben. Und dann war er drin. Dann ist in meinem Kopf alles geplatzt, es war die totale Explosion.“ Das Tor war sein einziges für den FC Bayern – und das wichtigste seiner Karriere. 

Im Champions-League-Finale vier Tage später wäre Patrik Andersson beinahe zur tragischen Figur geworden: Schon nach zwei Minuten verschuldete er durch ein Handspiel einen Strafstoß, den der FC Valencia zur Führung verwandelte, später scheiterte er im Elfmeterschießen an Torwart Santiago Cañizares. Am Ende aber triumphierte der seinerzeit 29-Jährige wie schon in Hamburg. Mit diesem Double verließ er München nach nur zwei Jahren wieder: Für eine Ablösesumme von 15 Millionen Mark ging er zum FC Barcelona.

Fußball ist geil – und grausam

Um 17.18 Uhr und zwölf Sekunden ertönte im Gelsenkirchener Parkstadion der Schlusspfiff – der letzte überhaupt bei einem Bundesligaspiel an dieser Stätte. Der FC Schalke 04 hatte seine Partie gegen Unterhaching mit 5:3 gewonnen, die Bayern lagen zu diesem Zeitpunkt hinten. 44 Sekunden später machte die (Falsch-)Meldung die Runde, dass die Partie in Hamburg abgepfiffen worden sei. Daraufhin brachen auf Schalke alle Dämme. Tausende strömten auf den Rasen und feierten euphorisch die erste Meisterschaft seit 43 Jahren. Es waren unbeschreibliche Szenen voller Glückseligkeit. Wie hätte man diesen Menschen den Erfolg ernsthaft missgönnen können?

Doch plötzlich flackerten die Bilder aus Hamburg über die Videowand im Stadion: Die Begegnung dort lief doch noch. Wer hinschaute, sah, wie der Ex-Schalker Matthias Schober den Ball nach dem Rückpass von Ujfaluši mit den Händen aufnahm. Wie Markus Merk daraufhin pfiff. Wie Stefan Effenberg sich den Ball zurechtlegte. Wie Patrik Andersson traf. Wie die Bayern jubelten. Schalke war nur vier Minuten lang Meister, dann wich die Euphorie erst lähmendem Entsetzen und schließlich hemmungsloser, abgrundtiefer Trauer. Ein Schuft, wer da als Bayernfan bei aller Freude keine Empathie empfand – ein ähnliches Gefühl war den meisten ja nach dem Drama von Barcelona zwei Jahre zuvor bekannt. Fußball kann eben geil sein. Und unfassbar grausam.

Die Bedeutung des Spiels

Man kann die Behauptung natürlich nicht beweisen, aber abwegig dürfte sie auch nicht sein: Hätte der FC Bayern in Hamburg die Meisterschaft verspielt, dann wäre wahrscheinlich auch das Champions-League-Finale verloren gegangen. Zumindest wäre es für Ottmar Hitzfeld eine fast übermenschliche Aufgabe gewesen, die Mannschaft zwei Jahre nach dem Drama von Barcelona innerhalb von wenigen Tagen nach einem weiteren Last-Minute-Titelverlust so weit wieder aufzurichten, dass sie im Endspiel eine Chance hat. So aber nahm sie Euphorie und Selbstvertrauen mit nach Mailand. Um dort erneut den Widrigkeiten zu trotzen: Früher Rückstand durch einen Elfmeter und einen eigenen Strafstoß verschossen, danach einen weiteren verwandelt und schließlich im Elfmeterschießen gewonnen, vor allem dank eines Oliver Kahn in Weltklasseform.

Für viele, die den letzten Spieltag der Saison 2000/01 als Bayernfan verfolgt haben, ist diese Meisterschaft bis heute die emotionalste überhaupt. Die Dramatik der letzten beiden Spieltage ist schwerlich zu steigern und noch heute kaum zu fassen. Überhaupt war die Jahrtausendwende für die Fans des Rekordmeisters eine irre Zeit: Ein Jahr nach der so schmerzlichen Niederlage gegen ManUnited gelang dem FC Bayern am letzten Spieltag doch noch die Titelverteidigung, weil Bayer 04 Leverkusen in Unterhaching völlig überraschend verlor, und mit dem Pokalsieg gegen Werder Bremen die Revanche für die Niederlage ein Jahr zuvor. Und nun dieses Double aus Meisterschaft und europäischer Krone, jeweils in letzter Sekunde.

Dass nach diesen überaus intensiven Triumphen inklusive exzessiver Feiern die Luft raus war, ist nur allzu verständlich. Das Team wusste genau, dass es in den Jahren 1999 bis 2001 auf seinem Zenit war und zumindest nicht in der Lage sein würde, seinen internationalen Erfolg zu wiederholen. Mit dem Sieg über den FC Valencia wurde die grausame Nacht von Barcelona wettgemacht, mit dem Meisterschafts-Hattrick nach einer in der Bundesliga eher durchwachsenen Saison deutlich gemacht, dass man die Konkurrenz, wie schon im Vorjahr, notfalls am letzten Spieltag auf die Plätze verweist. Das Sahnehäubchen folgte schließlich Ende November mit dem Gewinn des Weltpokals gegen die Boca Juniors aus Buenos Aires durch ein Tor von Sammy Kuffour in der Verlängerung. Die Bayern machten es damals oft besonders spannend.

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»Eier, wir brauchen Eier!«

— Oliver Kahn

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  1. Sehr schön geschrieben.
    Für mich die geilste Meisterschaft aller Zeiten.
    Mein Mitleid mit den Schalkern hielt sich allerdings arg in Grenzen, nachdem meine Begleiter und ich in der Sportsbar direkt nach Abpfiff mit Flaschen, Gläsern und Aschenbechern beworfen wurden.

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    1. Mein Mitleid hielt sich auch in Grenzen. Das hing damit zusammen, dass 2 Jahre vorher beim CL-Drama gegen ManUnited, das ich mir im Urlaub in Italien anschaute, ein paar Schalke-Fans zusammen mit ein paar Club-Fans nach Solskjaers Tor jubelten als gäbe es kein morgen. Die Tränen der Schalker 2001 waren somit Teil 2 meiner persönlichen Rache. Teil 1 hatte sich der Club schon drei Tage nach dem CL-Finale 1999 eingebrockt, als die Nürnberger überraschend am letzten Spieltag, der erst nach dem CL-Finale angesetzt war, noch abstiegen, indem sie von Rang 12 nach dem 33. Spieltag noch auf Rang 16 abrutschten.
      Natürlich war es für Schalke bitter, vor allem vor dem Hinterund, dass viele glaubten, das Spiel in Hamburg wäre schon zu Ende. Allerdings müssen sich die Schalker schon auch kritisch hinterfragen und feststellen, dass ihre Saison halt auch nicht unbedingt meisterwürdig war. Die Kür haben sie eindrucksvoll gemeistert. 2 Siege gegen Bayern sind schon mal nicht so schlecht, wobei Sieg 2 auch deshalb zu Stande kam, weil Bayern wegen des in dieser Reihe schon beschriebenen Duells gegen den BVB 4 Leistungsträger nicht einsetzen konnte, weil sie sich in Dortmund entweder eine rote Karte (Effenberg), eine gelb-rote Karte (Lizarazu) oder die 5. gelbe Karte (Linke und Elber) abgeholt hatten. Die Pflicht war dann aus Schalker Sicht sehr durchwachsen. 56 Punkte gegen die restlichen 16 Teams der Liga sind nicht mal im entferntesten meisterlich und hier haben die Schalker ja dann auch den Titel verpasst. Ein paar Punkte mehr gegen Abstiegskandidaten oder Mittelfeldteams und Andersson hätte den Freistoß auch im Handstand verwandeln können, ohne dass es einen interessiert hätte.

      1. Witzig. Auch ich war damals in Italien am Gardasee mit einem Spezl und in der Bar waren fast nur Bayern Hater. Ich kann mich noch an die leicht verwirrten Gesichter der Italiener erinnern, die nicht ganz verstanden, wer jetzt genau welcher Fan war, weil ja fast nur Deutsche anwesend waren. Jede Aktion des Gegners wurde frenetisch bejubelt. Als das letzte Tor dann fiel, bin ich völlig wutentbrannt aus der Bar gestürmt – das einzige mal in meinem Leben dass ich eine Zeche geprellt hatte. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Das Paket an diesem Abend war schlichtweg zu viel.

    2. Das ist uns zum Glück nicht passiert. Mir ging es aber ähnlich, nachdem Assauer sich die ganze Saison über hinter dem Statement versteckt hatte, Meister würden am Ende eh die Bayern. Da fand ich es nicht ganz unpassend, dass er Recht damit behielt. Wer Meister werden will, soll die Ambitionen auch offen anmelden und sich daran messen lassen, das passiert in der Bundesliga leider viel zu selten.

      Ich fand dieses ganze “Meister der Herzen”-Narrativ danach auch, ehrlich gesagt, komplett daneben. Als ob man Anspruch auf einen Titel hätte, weil man ihn sich so sehr gewünscht hat – das ist schliesslich bei allen Mannschaften und ihren Fans der Fall. Sportlich hatten die Schalker sicherlich die Erwartungen übertroffen, wären aber eben ein noch schlechterer Meister als Bayern gewesen (und wir hatten glaube ich schon den schlechtesten Punkteschnitt aller europäischen Meister 2001).

  2. Diesen Titel werde ich nie vergessen. Saß in meinem alten roten Polo an unserem Sportplatz, während 8 oder 10 Leute neben den offenen Türen standen und mitlauschten. Nach der Verzweiflung dann die Emotionsexplosion. Mit 63 Punkten Meister. Wird es auch lange nicht mehr geben. Und zum Schluss reißt der Titan die Eckfahne raus – Weiter! Immer Weiter!

  3. @Dennis: bitte beim Teil über Andersson noch das Wort “unberechtigt” ergänzen: Der Handelfmeter in Mailand, den Andersson verursachte, war ein absoluter Witz. Der würde wohl nicht einmal in Zeiten des VAR gepfiffen. Andersson lag am Boden und hatte die Arme an den Körper angelegt. Der Spanier stocherte wie wild herum und die niederländische Pfeife entschied auf Elfmeter. Der Elfer, den Scholl dann verschoß, war übrigens eigentlich auch keiner, aber zumindest keine so klare Fehlentscheidung.

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    1. …und der ball lag bei schollie’s 11er in ner tiefen delle. schollie holt ihn da raus und die niederlaendische pfeiffe legt ihn zurueck in das tal das tiefer war als die tiefsten taeler in holland

  4. Schade, dass es MSR zu der Zeit noch nicht gab. Rein taktisch gesehen hätte man sich spätestens seit der Endphase der Saison 1999/2000 die Finger wund schreiben können über Hitzfeld und seine Entscheidungen. Bis zum Abschied von Lothar Matthäus gen New York war Bayern quasi das Topteam in Europa. 1999 wurde der CL-Titel noch knapp und sehr unglücklich verpasst. In der Saison drauf schlug Bayern in der Zwischenrunde Real Madrid zwei Mal. Das 4:2 in Madrid war eine absolute Sternstunde und hätte hier einen eigenen Bericht erwähnt und auch der 4:1 Heimsieg (Lothars letztes Heimspiel) war ein Superspiel. Dann begann der Eiertanz des Ottmar H., ein Drama (auch wenn es gut ausging) in 5 Akten.
    1. Versuch: Matthäus wurde einfach durch Jeremies positionstreu ersetzt. Jeremies war ein grandioser Kämpfer im Mittelfeld, der auch den Libero spielen konnte, aber letztendlich einfach zu fehleranfällig war. Er hatte einige kapitale Böcke drin, die uns fast die Meisterschaft 1999/2000 gekostet hätten. Haching sei Dank fiel beispielsweise sein Slapstick-Eigentor, das die Derbyniederlage gegen die Blauen besiegelte, in der Endabrechnung nicht ins Gewicht. Schlimmer war da schon sein Eigentor zum 0:2 beim Halbfinale in Madrid, das mit Schuld dran war, dass Bayern trotz dreier Siege in vier Spielen gegen Real in nur einer Saison nicht ins Finale einzog. Das brachte auch Hitzfeld zum Umdenken.
    2. Versuch: Viererkette mit Andersson und Linke in der Mitte. Dieses System funktionierte prima und rettete letzendlich den Titel in der Liga, brachte einen souveränen Erfolg im DFB-Pokalfinale ein und auch im Rückspiel gegen Real hatte man wieder alles im Griff, wenngleich es “nur” zu einem 2:1 reichte.
    3. Versuch: Zur neuen Saison kam Sforza auf Hitzfelds Wunsch zum zweiten Mal nach München und sollte dort wie in Kaiserslautern den Libero geben. Sforza war also als Nachfolger von Matthäus als spielstarker Libero eingeplant . Das funktionierte aber auch nicht wirklich überzeugend und es folgten eine Niederlage auf die andere, ehe Hitzfeld wieder umstellte.
    4. Versuch: Viererkette, wenngleich mit fragwürdiger Positionszuteilung. Hitzfeld ließ tatsächlich Sforza und Andersson in der Zentrale ran, quasi zwei Abwehrchefs. Andersson hatte wenigstens Erfahrung mit der Kette und auch die Statur für einen Innenverteidiger. Sforza war für diese Position gänzlich ungeeignet. Das Tempo der beiden war auch unterdurchschnittlich, sogar für den Fußball von vor 20 Jahren. Gegen diese beiden würden Javi Martinez und Jerome Boateng heute als Sprinter durchgehen. Mit dieser Abwehr schied man u.a. in der 2. Runde des DFB-Pokals in Magdeburg aus. Den absoluten Tiefpunkt stellte aber das 2:3 auf Schalke dar. Wieder einmal mit der Innenverteidigung Sforza und Andersson und dafür Linke und Kuffour auf der Bank erlitt man kapitalen Schiffbruch gegen den wuchtigen Sand und den pfeilschnellen Mpenza. Es sollte noch einige Wochen und einige verlorene Spiele mehr brauchen, ehe Hitzfeld eine weitere Umstellung wagte, die dann endgültig eine vernünftige Lösung brachte.
    5. Versuch: Andersson ging in die Mitte einer Dreierkette, quasi als defensiv orientierter Libero. Mit dieser Taktik gewann man alle 4 Spiele in der CL KO-Phase gegen ManUnited und Real und verlor auch in der Liga nicht mehr so häufig. Meisterschaft 2001 und CL-Triumph waren die Krönung.
    Von März 2000 (letztes Spiel von Matthäus) bis Rückrunde 2001 (Umstellung auf eine Dreierabwehr mit Andersson in der Mitte) war es ein Herumgeeiere sondersgleichen, mit dem uns Hitzfeld mMn um das CL-Finale 2000 brachte. Zudem hätten uns diese permanenten Umstellungen fast die Meisterschaften 2000 und 2001 gekostet. Nur Unterhachings Sieg gegen Leverkusen 2000 und Anderssons Tor in Hamburg retteten uns diese Titel.
    Heute egal. Man kann eher sagen, dass uns Hitzfelds “taktische Expertise” zwei Meisterschaften einbrachte, die in Sachen Emotionalität kaum zu toppen waren. Hätte er die naheliegende Entscheidung mit Andersson als 1:1 Ersatz für Matthäus schon im Frühjahr 2000 getroffen, wären es wohl zwei eher unspektakuläre Titel geworden.

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    1. Danke! Kann mich gut erinnern.

    2. Willst Du damit etwa andeuten, dass Fußball keine Mathematik ist? ;-)

      Ich hatte ja schon bei den letzten Spielen mal angedeutet, dass “Gottmar” heute bei MSR keinesfalls unumstritten wäre: Ein sehr defensiver, robuster Ansatz ohne die ganz klare Linie. Dazu immer Rotation, die dann ja auch Killer-Kalle seinen Spitznamen einbrachte.

      Allerdings hatte Gottmar immer Führungsspieler wie Lodda, Effe, Kahn oder auch Liza, Jeremies, Brazzo, die die Mannschaft nach vorne trieben. Und er war so intelligent, Fehler nicht stur durchzuziehen, sondern beizeiten zu korrigieren.

      Der FCB war damals ein eher “nerviger” Gegner, der nur selten spielerisch zu überzeugen wusste. Der Titel wäre 1999 mMn spielerisch verdienter gewesen, als im Kampf- und Krampfjahr 2001 – aber zur Mutter aller Niederlagen, die Lodda seinen Nachruhm kostete, kommen wir ja sicher noch.

      1. Kampf- und Krampfjahr trifft 2001 ganz gut. Allerdings stellt dieses Jahr für die Hitzfeldära schon eine gewisse Ausnahme dar. Ich finde, dass wir in den ersten beiden Jahren unter Hitzfeld sehr offensiven Fußball zu sehen bekamen und die Gegner teilweise offensiv überrannten. Es wirkte damals auf mich vielleicht auch zu einem gewissen Grad deswegen so, weil es in den zwei Trappatoni-Jahren zuvor doch eher defensiv zuging.
        Auch nach dem CL-Sieg 2001 spielte man wieder mehr nach vorne. Eine der besten Phasen unter Hitzfeld hatten wir mMn im Herbst 2001, als es eine Reihe überzeugender Siege am Stück gab. Insgesamt gewann man von Mitte August bis Anfang November 9 Ligaspiele in Folge. Über weite Strecken dieser Phase fehlte Effenberg verletzt. Als er wieder dabei war, gab es von Mitte November bis Ende des Jahres keinen Sieg mehr in den restlichen sechs Ligaspielen.
        Die Anzahl der erzielten Tore pro Saison in den sechs Spielzeiten der ersten Hitzfeldphase zeigt auch, dass das Jahr 2000/01 schon eine leichte Ausnahme darstellt und es vorher und nachher wieder etwas offensiver zuging:
        1998/99:76 Tore
        1999/00: 73 Tore
        2000/01: 62 Tore
        2001/02: 65 Tore
        2002/03: 70 Tore
        2003/04: 70 Tore
        Hitzfeld war sicherlich der größte Pragmatiker, den wir in den letzten 20 Jahren auf der Trainerbank hatten. Er wusste allerdings meistens ganz genau, welche Art von Fußball man mit dem aktuellen Kader spielen kann. Für ihn zählte der Erfolg, weil er sehr gut wusste, dass ihn auch nur der Erfolg längerfristig auf der Bank halten wird.

      2. Ich finde 2001 war durchaus verdient. Das Finale selbst war ein Grottenkick von beiden Seiten, aber in Halb- und Viertelfinale wurde ManU und Real, die beiden Vorjahressieger, mit vier Siegen weggekegelt. 99 hatten wir hingegen ein relativ einfaches KO-Programm.
        Die 2000er CL Runde war natürlich bitter, aber gegen Real im Halbfinale zu scheitern kann eben passieren.

        Das 2001er Meisterschaftsfinale war der natürlich der reinste Wahnsinn, so richtig verdient hatte es in diesem Jahr aber keine Mannschaft, mit so geringer Punktzahl wurde selten jemand Meister. 2000 fand ich irgendwie trotzdem besser, Daum war für mich damals die absolute Hassfigur.

    3. In der Zeit war Bayern tatsächlich defensiv aussergewöhnlich anfällig, was eigentlich nicht so in die Hitzfeld-Ära passt – von der ist mir sonst vor allem solide Verteidigung und pragmatische Ergebnisverwaltung in Erinnerung. Aber zu seiner Verteidigung: Deutschland hatte sich wie kaum ein anderes Land dem Libero-System verschrieben, die besten Spieler wurden für diese Position ausgebildet, und andere Mannschaften hatten mit ihrem Abgang oder Verlust noch heftiger zu kämpfen. Dortmund erlebte ohne Sammer einen Absturz, der letztendlich fast zum Bankrott führte; Leverkusen ohne Nowotny wurde vom Triple-Anwärter zum Abstiegskandidaten; und die Verzweiflungstat, Matthäus nach Monaten in New York nochmal bei der EM 2000 aufzubieten, dürfte auch zu dem damaligen Debakel beigetragen haben. Verglichen damit hat Bayern die Turbulenzen nach Loddars Abgang sehr gut überstanden, auch wenn speziell das Experiment mit Sforza unnötig Zeit und Punkte gekostet hat.

      1. Da ist schon was dran. Im Nachhinein redet man sich auch immer leicht. Trotzdem noch ein witziger Fakt am Rande:
        Als Bayern im Frühjahr 2000 bei Lothars letztem Heimspiel Real mit 4:1 schlug hieß die Abwehrreihe Kuffour, Matthäus, Linke. In der 90. Minute ersetzte Andersson dann Matthäus, um Lothar noch einen besonderen Applaus zu gewähren. Man könnte also sagen, dass die Abwehrreihe, die dann im Frühjahr 2001 kaum mehr zu überwinden war und den CL-Sieg sicherte, schon über ein Jahr vorher auf dem Feld stand, Hitzfeld aber fast ein ganzes Jahr brauchte, um die Qualität dieser Dreierrreihe zu erkennen. Die Episoden mit Jeremies und Sforza als Libero hätte man sich also sparen können.

  5. Ja, das war schon ein unvergleichliches Saisonende. Ich habe das entscheidende Tor in Hamburg nicht gesehen – es war ein wunderschöner Tag, meine Jungs soielten unten im Hof. Und als Hamburg das 1-0 erzielte und Schalke damit Meister war, war ich so unendlich frustriert, weil der Titel damit für mich futsch war. Da ich keine jubelnden Schalker (und Hamburger) sehen wollte, hab ich den Fernseher ausgemacht und bin runter zu meinen Jungs.

    Nach ein paar Minuten kam dann meine Tante vorbei und erzählte irgendwas von “Duselbayern”. Ich konnte es erst nicht glauben und bin dann noch zurück in die Wohnung gerannt. Wenn ich heute die Bilder vom jubelnden Hitzfeld und Beckenbauer sehe, kriege ich immer noch Gänsehaut…

  6. Ich war an diesem Tag im Stadion… mit HSV Fans bzw. “nicht FCB-Sympathisanten”. Gefühlt entwickelte sich die Dramatik in Hamburg während des Spiels auch aufgrund des Spielverlaufes in Gelsenkirchen, da Schalke das Spiel gegen Unterhaching drehte…

    Je länger das Spiel dauerte, umso mehr kroch Angst in mir hoch, noch einmal die Häme wie 1993 in Gelsenkirchen zu spüren, als Bremen Meister wurde und die Schalker sich vor allem über unsere verlorene Meisterschaft freuten. Stichwort: deja vu.

    Nach dem Tor von Barbarez bin ich raus, vor´s Stadion, voller Trauer und Wut. Wieder einmal hatte ich die Meisterschaft verpasst. Dann aber Jubel aus dem Stadion, kein lauter, sondern eher Jubel einer Minderheit: als ich zurück auf die Tribüne stürze, sehe ich Olli mit der Eckfahne auf dem Boden liegen. Mein Jubel kannte keine Grenzen…

    Dieses Erlebnis, diese Freude, die sich vier Tage später noch einmal steigerte, werde ich nicht vergessen.

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    1. Das ist etwa so wie der 11.September.
      Da weiß auch noch jeder, wo er mit wem war und wie er diesen Tag erlebt hat.
      Einfach Wahnsinn und etwas, was man niemals vergessen wird.
      Krieg immer noch Gänsehaut, wenn ich an den Tag denke.

  7. Bayern-Dusel, Schiri-Glück, Merk auf der Payroll bei Bayern: So geht bis heute die Legendenbildung um dieses Spiel. Um es noch einmal zusammenzufassen: Bayern wurde von Merk ein reguläres Tor verweigert. Der indirekte Freistoß am Ende war korrekt. Das Spiel lief noch, weil es krasse Verzögerungen in HZ2 gab (Bananen im Strafraum, dreistes Zeitspiel der Hamburger). Das Remis war hochverdient.

  8. ..ich war nach dem 0:1 so wuetend dass die das regulaere jancker tor aberkannt hatten. wenn ich mich richtig erinnere hatten die schiries in der endfase dieser meisterschaft 4 oder 5 jancker tore aberkannt…es war zum heulen,…. und dann der freistoss … unglaublich

  9. An den Tag erinnere ich mich wie gestern. Ich war damals alleine zum Fußballgucken in einem Biergarten in Köln-Ehrenfeld, die damalige Dame wollte sich keinesfalls in die Nähe von Fußball-Orks begeben, meinen schaumweinspendierenden Angeboten zum Trotz. Ehrenfeld war eindeutig feindliches Gebiet; alle waren lautstark für die Schlümpfe, ich hatte mich vorsichtig, im Sinne von Fairplay als Roter ge-outet und hatte hernach bei dem ein oder anderen Torjubel ziemlich viel fremdes Bier aufs Textil abbekommen. Ich tu’ mich sonst nicht so schwer, beim Anbandeln mit anderen Fußballadepten in der Fremde, aber an dem Tag war ich auf absolut verlorenem Posten. Die Stimmung war fast schon feindselig.
    Dann der Endstand im Parkstadion, kurz nach dem Einsnull von Barbarez. Der gesamte Biergarten ging richtig steil, Assauers’ feistes Grinsen lief über die Großbildleinwand, Yellow Submarine ertönte in der bayrischen-Beinkleider Variante – bis die Typen von Premiere nach einer gefühlten Ewigkeit wieder nach Hamburg schalteten, wo das Spiel zur Überraschung Aller noch lief. Hoffnung keimte seicht auf. Dann jener indirekte Freistoß, ein Raunen ging durch den Biergarten. Ich dachte nur: scheisse, der Mehmet ist schon ausgewechselt, wer soll den denn schießen? Effe? Oh nein – nicht doch dieser Rumpelfuß Andersson, nicht euer Ernst…
    Und Bumm.

    So laut war ich nie wieder nach einem Tor. Ich stand brüllend auf dem Tisch, die Faust in den rheinischen Himmel gestreckt. Um mich herum zerstoben die Träume, wie in Zeitlupe sah ich die fassungslosen Gesichter – bis ich merkte, dass ich wohl der einzige war, den das Geschehen so offensichtlich erfreute. Ich habe mich dann ziemlich schnell verpisst, nach Bier stinkend und unter den Verwünschungen der ehemaligen Tischnachbarn.
    Ich glaube, die hassen mich heute noch.

  10. Eine Woche vorm Spiel fragte ein Kumpel ob ich mit nach Hamburg wollte…. Karte kostet 150 Mark! 150 Mark??? Never… Am Ende bin ich doch mit und durfte live im Stadion das geilste und emotionalste Bundesliga Finale aller Zeiten verfolgen… Als Barbarez das Tor macht ist das Stadion explodiert… Unfassabare Atmosphäre und Trauer sowie auch wirklich einige Tränen… Und dann kommt Anderson und haut das Ding rein… Wir haben im Fanblock über und untereinander gelegen… Ach war das geil… Premiere hat übrigens eine Doku „5 Minuten im Mai“ dazu gemacht die ein paar Jahre später ausgestrahlt worden ist… Schaue ich immer noch ab und zu..

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  11. Fantechnisch gesehen die unglaublich heftigsten Tage meines Lebens.
    Zum Heimspiel gegen Kaiserslautern als Fanclub-Vorsitzender eine 50-Mann Fahrt von Bochum nach München organisiert.
    Am Donnerstag vor dem Hamburg-Spiel dann Mannschaftsfahrt nach Norderney.
    Samstag früh dann von der Insel alleine nach Hamburg, dort dann die Fanclub-Freunde getroffen.
    Vor dem 1-1 im Auswärtsblock ca. 3-letzte Reihe, nach dem Tor hat dann erst der Zaun zum Spielfeld meinen Jubel-Sturm gebremst.
    Montag Abend dann als Organisator mit 120 Mann in zwei Bussen Richtung Mailand.
    Über die fast zwei Wochen könnte ich ein Buch schreiben.

  12. Umgebauter Volkspark
    Erstes modernes reines Fußballstadion
    Stimmung unglaublich

    https://m.youtube.com/watch?v=bQsr_mZjgaA

  13. […] SPIEL DES LEBENS #07: Die emotionalste Meisterschaft | Alex […]

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