Rückrundenauftakt: Was Mönchengladbach so gefährlich macht

Steffen Trenner 23.01.2014

Wer Guardiola bei der obligatorischen Pressekonferenz über den Gegner am Freitag-Abend sprechen hörte, der weiß wie groß der Respekt des Katalanen vor dem ersten Gegner in der Rückrunde ist. Im Januar 2012 trat Bayern letztmals zum Auftakt einer Rückrunde im Borussia-Park an. Auch damals war es ein Spiel am Freitag-Abend. Der Sieger hieß nach 90 einseitigen Minuten Borussia Mönchengladbach. 1:3. Eine Klatsche. Natürlich hat sich seitdem viel verändert. Der FC Bayern hat seit dem Frühjahr 2012 eine enorme Entwicklung hinter sich – und die Leistungsträger bei der Borussia heißen auch nicht mehr Dante oder Reus – trotzdem ist Mönchengladbach extrem gefährlich.

Es ist Lucien Favre gar nicht hoch genug anzurechnen, was er aus einem Verein, der sich über Jahre Mühe gab, dem Label Fahrstuhlmannschaft gerecht zu werden, gemacht hat. Es ist eine der Erfolgsgeschichten der vergangenen drei Jahre und es hat viel damit zu tun, wie heute moderner, erfolgreicher Fußball funktioniert. Mit klarem, laufintensivem System. Mit kluger Kaderplanung und der Mischung aus hungrigen Talenten und erfahrenen Führungsspielern.

Favres variables 4-2-4

Favre lässt in dieser Saison häufig mit einem variablen 4-2-4 agieren. Mit dem exzellenten Kramer und dem immer stabileren Xhaka als Verbindungsspieler im Zentrum und der technisch herausragenden Offensive mit Herrmann (3 Tore, 5 Vorlagen), Arango (5 Tore, 4 Vorlagen), Raffael (9 Tore, 4 Vorlagen) und vor allem Kruse (8 Tore, 7 Vorlagen). Wenn Bayern in der Hinrunde defensiv Schwächen offenbarte, hatte das viel mit der Systemumstellung Guardiolas zu tun. Durch das höhere Pressing und den fehlenden zweiten 6er, ist der Raum zwischen dem offensiven Mittelfeld und der Viererkette in der Breite häufig nicht besetzt. Überwindet der Gegner die erste Pressingreihe, war häufig das jeweils ballnahe Mitglied der Viererkette gezwungen die Kette zu verlassen und den ballführenden Spieler unter Druck zu setzen. Durch das Heraus- oder Einrücken entstehen wiederum Lücken, die den Angreifern Raum bieten. Gerade in der Anfangsphase der Hinrunde, aber auch im letzten Test gegen Salzburg wurde deutlich, wie gefährlich es für Bayern wird, wenn der Gegner diesen Raum mit schnellen Pässen und hohem Tempo bespielt. Mönchengladbach beherrscht das, vor allem auf Grund der Kombination aus exzellenten Spielmachern (Arango, Raffael) und extrem schnellen Offensivakteuren (Herrmann, Kruse) sehr gut.

Die Borussen haben 8 ihrer 9 Heimspiele mit einer Tordifferenz von 25:7-Treffern gewonnen und liegen in der Heimtabelle damit nur knapp hinter dem FC Bayern. Das Favre-Team ist in der Bundesliga seit Oktober ungeschlagen. Dass bei den Münchenern Bastian Schweinsteiger, Javi Martínez und Franck Ribéry ausfallen macht die Ausgangslage nicht gerade leichter.

Wackler im Spielaufbau bei hohem Druck

Guardiola, der sich akribisch auf jeden Gegner vorbereitet, wird jedoch auch die Schwächen der Favre-Elf kennen. Die Abwehr verliert bei hohem Pressingdruck im Spielaufbau gelegentlich die Ruhe und ist gerade gegen kleine, schnelle Kombinationsspieler nicht immer sattelfest. Hinzu kommt, dass Favre durch den Ausfall von Tony Jantschke improvisieren muss. Als wahrscheinlich gilt, dass Dominguez, der seit Oktober nicht mehr in der Startelf stand, in die Innenverteidigung rückt.

Das beste Mittel gegen die offensiven Edeltechniker wie Arango und Raffael ist wohl sie so lange wie es geht vom Ball fern zu halten. Ball und Gegner unerbittlich über den Platz zu verfolgen, zählt nicht zu ihren liebsten Aufgaben. Auch Xhaka (8 Gelbe Karten) ist nicht für seine Geduld bekannt. Lange Ballzirkulationen und permanent hoher Druck auf die Defensivformation sind also auch gegen Mönchengladbach ein adäquates Mittel, um zum Erfolg zu kommen.

Klar ist aber schon jetzt: Es wird kein lockerer Aufgalopp. Es wartet vielleicht schon das schwerste Auswärtsspiel der Rückrunde direkt zum Auftakt. Der FC Bayern sollte vorbereitet sein.

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