Reform der Nachwuchsarbeit – Bayern baut neue Jugendakademie

Steffen Trenner 04.02.2014

Nachdem am Dienstag fälschlicherweise berichtet worden war, dass der FC Bayern die Säbener Straße verlassen wolle, ist inzwischen etwas Licht ins Dunkle gekommen. Geplant ist offenbar der Umzug des Nachwuchsbereichs in ein neues Trainingszentrum in der Nähe der Allianz Arena. Von einem modernen Campus für die Jugendakademie ist die Rede. Auch ein eigenes Stadion als Spielstätte für die Jugendmannschaften soll dort wohl entstehen. Vergleiche zur legendären Jugendakademie La Masia des FC Barcelona wurden bereits gezogen. Neu sind die Pläne im Übrigen nicht – schon im Mai hatte Sportchef Matthias Sammer auf entsprechende Gedankenspiele verwiesen. Die Auslagerung ist offenbar aus Platzgründen notwendig geworden. Natürlich können durch die örtliche Nähe der Nachwuchsabteilungen zu den Profis Synergien genutzt werden – zuletzt schien das Platzproblem aber so akut geworden zu sein, dass professionelles Arbeiten teilweise unmöglich wurde. Für alle Jugendmannschaften von der U8 bis zur U19 stehen nur vier Plätze und eine Halle zur Verfügung.

Die geplante bauliche Veränderung kann als Startschuss der Reform der Jugendarbeit unter Matthias Sammer gesehen werden. Der Sportchef hatte bei seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren bereits angekündigt, dass die Bestandsaufnahme und die darauf folgenden Umstrukturierungen Zeit brauchen werden. In den vergangenen Monaten war der ein oder andere im Umfeld des FC Bayern trotzdem ein wenig nervös geworden, ob der fehlenden Lösungen für die Umstrukturierung im Nachwuchsbereich. Sportlich sind diese bitter nötig. Die letzten Titel im Nachwuchsbereich liegen einige Jahre zurück. Die U19 und die U17 des FC Bayern spielen in dieser Saison unter ferner Liefen in der Junioren-Bundesliga. Die A-Jugend trennt sogar nur ein Punkt von den Abstiegsrängen in der Südstaffel. Der Ruf von zwei verlorenen Jahrgängen macht bereits die Runde. Sicherlich ein zu hartes Urteil. Trotzdem: Spätestens in 3 bis 4 Jahren, wenn die goldene Generation um Schweinsteiger und Lahm ihre Karriere langsam beenden wird, müssen Eigengewächse mit internationalem Format nachrücken. Ein Umbruch auf höchstem Niveau gelingt nur mit einem entsprechenden Unterbau – das hat die Erfahrung im europäischen Klubfußball des letzten Jahrzehnts gezeigt.  

Eine umfassende Reform des Nachwuchsbereichs angekündigt wurde bereits unter dem ehemaligen sportlichen Leiter Christian Nerlinger, der diese aber nie wirklich anpacken durfte. Seitdem fehlte beim FC Bayern vor allem eins: Personelle Konstanz. Hans-Jörg Butt der als Nachwuchskoordinator eingesetzt wurde, gab nach nur wenigen Monaten im Amt auf. Auf ihn folgte mit Wolfgang Dremmler eine bewährte, aber doch recht unambitionierte interne Lösung. Der ehemalige Bundesliga-Trainer Marcus Sorg, der mit großen Vorschußlorbeeren die U17 des FC Bayern übernahm und inzwischen als Nachfolger von Hansi Flick als Co-Trainer der Nationalelf im Gespräch ist, verließ den Verein ebenfalls nach nur einem Jahr wieder. Marc Kienle, der vor der Saison extra aus Stuttgart weggelockt wurde, blieb ebenfalls nur einige Monate, um dann den abstiegsgefährdeten SV Wehen Wiesbaden in der 3. Liga zu übernehmen. Der ehemalige Co-Trainer von Mehmet Scholl bei den Amateuren, Sören Osterland, der als eins der größten Trainertalente des Landes gilt, wurde mit der Aussicht auf einen Cheftrainer-Posten nach Hannover, zu den dortigen Amateuren gelockt.

Sammer hat zwei Schlüsselpositionen im Nachwuchsbereich inzwischen mit einem persönlichen Vertrauten (Heiko Herrlich, U17) und einem alten Bekannten (Heiko Vogel, U19) besetzt. Gemeinsam mit Dremmler und dem Sportlichen Leiter Michael Tarnat sollen sie mittel- und langfristig das Gerüst der Nachwuchsabteilung bilden.

Die Erwartungen an Sportvorstand Matthias Sammer, der die Hauptverantwortung für die Neuausrichtung der Nachwuchsabteilung hat, sind riesig. Mit dem geplanten millionenschweren Neubau der Jugendakademie und einer komplett neuen Trainings- und Spielstätte unterstreicht der Rekordmeister seine großen Ambitionen in diesem Bereich. Erfolg oder Misserfolg der Neuausrichtung im Nachwuchsbereich werden auch maßgeblich über die zukünftige Entwicklung des gesamten Vereins entscheiden. Auch insofern sind die Nachrichten des heutigen Tages bedeutsam.

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