MSR135 Geisterspiel Fußball

Justin Trenner 16.03.2020

Zum dritten Mal in Folge verlassen wir unser eigentliches Kerngebiet: Das Spielfeld, auf dem Fußball gespielt wird. Da das im Moment nicht passiert, schauen wir uns mal an, welche Folgen der Stillstand des Fußballs für die Branche hat und was da noch alles dranhängt.

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  1. Einfach jedem Profi nur noch sagen wir 10% Gehalt auszahlen -> schon wäre es erstmal kein Problem. Sollte das weltweit so geschehen und von der FIFA durchgezogen werden könnten alle gut damit (über)leben.

    Antwortsymbol16 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. So einfach ist das nicht, weil die Profis Arbeitnehmer sind, die wie viele andere von Gewerkschaften vertreten sind. Machen die es also nicht von selbst, kannst du es nicht einfach durchdrücken. Die Verträge sind eindeutig.

      Klar ist aber, dass das zu den Mitteln zählt, die ich ansprach und dass der Profifußball hier eben andere Mittel hat als andere Branchen.

      1. Kann ein Bundesliga-Klub Kurzarbeit beantragen?

      2. Gewerkschaft ist hier eigtl. irrelevant, da es ja keine “Tarifabschlüsse” gibt. Aber das Arbeitsrecht greift ja so oder so, und da geht das nicht so einfach.
        Für Bayernspieler wäre das weniger das Problem. Aber ein Profi von Paderborn/Freiburg wird zwar gut verdienen, aber auch nicht so viel, dass er mal locker einen 90%-Verlust verkraften kann.

      3. RWO will jetzt Kurzarbeitergeld einführen. Für Vereine dieser Größenordnung könnte das ein interessanter Weg sein. Aber auch das nur in Abstimmung mit den Spielern.
        Für einen Bundesligaverein dürfte das (mal unabhängig von dem öffentlichen Aufschrei) kaum diskutabel sein. Die infrage stehenden Beträge wären aufgrund der Bemessungsgrenzen für die meisten Spieler kaum mehr als Rundungsdifferenzen.
        Da ist es sicher sinnvoller zu versuchen einen individuellen Weg mit der Mannschaft oder den einzelnen Spielern zu finden.

    2. Meine schon, dass allein von den geflossenen Summen die allermeisten Profis das eine Zeitlang aushalten können müssten. Es sei denn, Sie haben Ihre vergleichsweise nicht so schlechten Gehälter sinnlos wegkonsumiert. was wahrscheinlich ist.

      1. Das wird von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein.
        Ich kann mich an eine Insiderinfo von vor 3,4 Jahren erinnern. Danach wurden einem sehr bekannten BL-Profi von seinem Verein jeden Monatsersten 300.000 € überwiesen. Am Monatsende war das Konto dann komplett leergeräumt. Und leergeräumt bedeutete nicht Sparbuch oder so.
        Mit so jemanden wirst du sehr schwer über freiwillige Gehaltskürzungen reden können.

    3. Es wäre generell mal Anlass, über Gehaltsobergrenzen im Profisport nachzudenken. Es muss ja nicht jeder das gleiche verdienen, aber als jemand, der mit 30T/Jahr (brutto) sehr gut über die Runden kommt, kann ich mir nicht vorstellen, dass es einen riesigen Unterschied macht, ob man 1Mio/Jahr oder 10Mio/Jahr verdient. Dazu kämen dann natürlich eh noch Sponsoring-Deals etc, so dass sich die Herren auch weiter goldene Steaks leisten könnten.

      1. Die Frage ist doch aber, wohin fließt das Geld dann? Die Umverteilung würde dazu führen, dass die Klubs und Verbände noch mehr Geld anhäufen. Und dann?

      2. Denke dass Gehaltsobergrenzen rechtlich gar nicht möglich sind. Gehälter sind nunmal frei verhandelbar (dort wo es keine Gewerkschaft gibt). Wieso sollte es für Sportler hier eine Ausnahme geben?
        Das müsste zudem noch europaweit durchgeführt werden, sonst gehen die Profis einfach nach England/Spanien/etc., weil sie sich das eben aussuchen können und rechtlich auch dürfen.

        Und das Franchise-System bei den US-Profiligen ist nunmal komplett anders und hier in der Form m.E. nicht umsetzbar, bzw. wäre ich sowieso fundamental dagegen.

        @Justin: Das mit dem Geld anhäufen sehe ich anders, zumindest auf Klubebene. Jeder Klub investiert seine Einnahmen in Spieler und Infrastruktur (und ggf. Risikopuffer).

        Das ist vielleicht bei ein paar englischen Klubs (Manchester United/Glazier) anders, aber für die deutschen Klubs geht’s nicht um Gewinnmaximierung (Ausschüttung des Gewinns an die Eigentümer) sondern um maximalen sportlichen Erfolg. Hat Dortmund denn schonmal eine Dividende ausgezahlt, ich glaube nicht. Hat die Profiabteilung von Bayern je an die Eigentümer (eV, Allianz, etc.) Dividenden ausgeschüttet? Glaube ich auch nicht.

      3. Von Dividenden oder Ausschüttung an Einzelne war in meiner Nachfrage ja auch nicht die Rede. Fakt ist aber, dass die Differenz zum vorherigen Gehalt dann ein erheblicher Mehrbetrag wäre. Den Klubs geht es in der Größenordnung, von der wir hier reden, im Allgemeinen schon recht gut (womit ich vor allem jene meine, die keine Misswirtschaft betreiben, was leider einige betrifft). Was passiert dann mit dem “Mehr”? Was macht ein FC Bayern mit den Millionen, die übrig bleiben? Und ist es wirklich besser, wenn das dann in andere Bereiche fließt als in die, die hauptsächlich für die Unterhaltung und das Tagesgeschäft verantwortlich sind? Ich denke, dass man das beachten sollte.

      4. Also da bin ich durchaus bei Justin: wenn so viel Geld im System ist, dann sollte es auch an die Spieler ausgegeben werden, sonst landet es nur in den Taschen von Funktionären und Beratern. Die Profis sind ja nunmal die “Hauptattraktion”, die meistens ihre gesamte Jugend für die vage Hoffnung, Profi zu werden, investiert haben.

        Aber in der momentanen Lage könnten die Jungs tatsächlich locker durch einen geringen “Lohnverzicht” ihre eventuell wirtschaftlich gefährdeten Klubs retten. Mindestens jeder Spieler, der 1 Mio aufwärts pro Jahr verdient, müsste auch bei 20-30% weniger weder Villa noch Ferrari verkaufen …

      5. Der Basketball (in den USA) macht es übrigens wunderbar vor. Dort verzichten bereits einige Profis auf Gehalt, um die aktuelle Übergangsphase für all jene zu decken, die sich nicht so locker selbst helfen können.

      6. Ok, dann habe ich da zuviel in Deine Aussage hineininterpretiert.
        Aber mal als Gedankenspiel, was würde denn ein Klub wie Bayern (dessen Hauptziel sportlicher Erfolg ist) machen wenn Sie plötzlich mehr Geld hätten und das nicht für Gehälter nutzen können?
        – höhere Ablösesummen zahlen
        – mehr Geld in sportliche Infrastruktur (Stadion, Trainingsplätze, Scouting, Jugendarbeit etc.)
        – Höhere Rücklagen
        Mehr Möglichkeiten bleiben da gar nicht, wenn man Ausschüttung an die Eigentümer ausschließt (da dies keinen sportlichen Erfolg bedingt).

        Gehaltsobergrenzen sind zwar eine schöne Idee, m.E. aber weder rechtlich noch praktisch umsetzbar, außer man führt ein europaweites Franchise-System wie in den USA ein oder eben gleich Kommunismus. Sind für mich beides aber keine attraktiven Alternativen ;)

      7. Ja, Gehaltsobergrenzen sind vermutlich zu kurz gedacht und rechtlich schwierig. Mit deutlich höheren Spitzensteuersätzen ließe sich aber natürlich arbeiten, dann bleibt das Geld auch nicht im Fußball.

      8. @Max:
        “Hat Dortmund denn schonmal eine Dividende ausgezahlt, ich glaube nicht. Hat die Profiabteilung von Bayern je an die Eigentümer (eV, Allianz, etc.) Dividenden ausgeschüttet? Glaube ich auch nicht.”

        Haben beide Vereine schon gemacht. Allein von unserer letzten Dividendenzahlung könnte man den gesamten Kader von Paderborn bezahlen (oder einen Lewandowski).
        Der BVB hat seine geneigten Anleger, u.a. darum auch schon mit einer Gewinnwarnung wg. Corona verschreckt. Der Aktienwert hat sich mittlerweile halbiert.

        @Liza:
        Die Bundesliga startete in den 60-er Jahren mit Gehaltsobergrenzen, Transferlimitationen o.ä.
        Im Ergebnis wurde getrickst, gemauschelt und gelogen, dass sich die Balken nur so bogen. Das will keiner mehr haben.

      9. @Jo, glauben heißt ja nicht wissen, von daher Danke an die Aufklärung ;)
        Beim BVB wundert mich das aber, bzw. warum machen die das. Die Mehrheit der Aktien dürften ja Fans haben und denen sind die paar Dividenden egal, bzw. würden es lieber sehen wenn diese in Spieler investiert werden. Kann mir letztlich auch egal sein.

        Bei uns würde ich eher vermuten, dass man den eV dadurch (und dadurch auch die Jugend/Campus) mitfinanziert. Das ein Teil deswegen an Allianz & Co. geht ist aber natürlich ärgerlich.

  2. Zum Thema Solidarität: (gerade bei kicker gelesen)
    Laut des Online-Portals “The Athletic”: Die UEFA will scheinbar ca. 300 Millionen Euro von den Klubs und Ligen für die Verschiebung der EM auf nächstes Jahr. Laut UEFA wollen die Vereine die Verschiebung ja, weil sie dann mehr Zeit haben, ihren Spielbetrieb fortzuführen.
    Bin gespannt, ob die UEFA heute diesen Bericht bestätigt. Der größte Gewinner bei einer Verschiebung wäre doch eh die UEFA, weil für 2021 zumindest eine Chance besteht, das Turnier mit Zuschauern auszurichten. Sollte das mit der Kompensationsforderung für eine Verschiebung wirklich stimmen, würde ich mir wünschen, dass alle Nationalspieler aller qualifizierten Teams sich krank melden und die UEFA ihre EM geplant spielen lässt. Eine EM ohne Stars und ohne Zuschauer würde die UEFA wohl an den Rand des Ruins treiben.
    Ein Traum wäre es, wenn diese ganze Krise dazu führen würde, dass es zuerst die Verbände wie UEFA und FIFA in ihren bisherigen Strukturen komplett zerlegt.

  3. Die Geisterspielthematik wird allmählich Fahrt aufnehmen.

    Geisterspiele sind alternativlos

    Die Bundesliga darf froh sein, wenn die UEFA auf ihrer Krisensitzung am Dienstag eine Verschiebung der Europameisterschaft (ab 12. Juni) beschließen wird. Dann gewinnt die Bundesliga nämlich Zeit, um bis Ende Juni die neun Spieltage, die fehlen, unterzubringen. Wenn alle drei Tage ein Spiel stattfindet, werden 27 Tage benötigt. 105 Tage bleiben von heute an bis zum 30. Juni noch.
    Das wird nur mit Geisterspielen gehen. Niemand sollte die Hoffnung hegen, dass die Coronakrise bis April oder Mai überstanden ist. …

    Quelle: https://www.sport1.de/fussball/bundesliga/2020/03/conakrise-sport1-chefredakteur-pit-gottschalk-ueber-geisterspiele-in-der-bundesliga

    Wie schon vor dem 26. Spieltag angemerkt, halte ich das auch für zielführend. Allerdings hat das Ganze einen (gewaltigen) Haken: wenn nämlich Spieler eines Vereins sich kurz vor oder während einer eventuellen Geisterspiel Phase mit Corona infizieren. Das ist für mich die große Unbekannte.

  4. @willythegreat
    Sehe ich auch so. Ich hoffe, wir sehen hier gerade den Anfang vom Ende des UEFA, FIFA und BL-Geldwahnsinns. Das was die UEFA da von sich gibt, könnte der letzte Tropfen gewesen sein. Falls die Groß-Vereine/Konzerne und die 1 Mio EUR/Monat Profis sich jetzt nicht schnell signifikant solidarisch organisieren und dementsprechend handeln, werden die Leute sich das merken. Zumal der nötige ShutDown der Corona-Krise für viele Klein- und Mittelständler konkrete existenzielle Nöte bedeutet. Da werden sehr wenig Profis irgendeine Empathie empfinden können. Selbst Großkonzerne wie die Lufthansa schaffen das nicht mal eben so. Das Gejammere und die Drohgebärden der DFL finde ich unerträglich.

  5. EM ja verschoben…und die UEFA natürlich so:

    https://pixabay.com/de/illustrations/hände-aufhalten-geld-dollar-3563067

    Vielleicht ist es jetzt, in Zeiten der Corona-Krise, endlich mal an der Zeit Verbände, wie die UEFA und FIFA zu zerschlagen… Alte Männer an den Hebeln, die sich die Taschen nicht genug voll machen können. Man könnte sich bestimmt auch ohne diese Dachverbände organisieren!!

  6. Habe jetzt die Zeit gefunden, den Podcast anzuhören.

    Das Thema “Möglichkeit von infizierten Spielern”, das Ihr ja angesprochen habt, kann dann letzten Endes doch nur in der Konsequenz enden, dass so lange kein Fussball mehr gespielt werden kann, bis es eine Impfung gibt bzw. zumindest der größte Teil der Spieler immunisiert ist. Denn an der Ausgangslage, mit deren Begründung jetzt die Spiele abgesagt wurden, wird sich weder in vier, acht oder zwölf Wochen etwas geändert haben.

    Die einzig logische Konsequenz, nachdem man jetzt diesen Weg eingeschlagen hat, kann also nur die sein, Europaweit die Fussball Saison komplett zu beenden. Alles andere ist Augenwischerei – es wird unter diesen Umständen keinen regulären Spielbetrieb in den nächsten Monaten geben; vermutlich ist sogar der Beginn der nächsten Saison in Gefahr. Damit wäre die vertragliche Situation von Spielern und Trainern zum 30.06. gelöst. Alle hätten Planungssicherheit und alle Ligen würden dasselbe “Schicksal” teilen.
    Zu klären wäre dann, wie man mit der abgebrochenen Saison umgeht – da bin ich der Meinung, dass die Lösung “Annullierung” wohl die am Ende sinnvollste Variante sein wird. Die Saison 19/20 wird dann eben komplett aus den Fussball Geschichtsbüchern gestrichen.

    Letzten Endes sehe ich nicht, warum der FCB nur “wahrscheinlich” die Krise gut überstehen wird. Wir hatten für den Sommer einen Invest von 200 Mio. geplant. Gesetzt den Fall, die jetzige Saison fällt komplett flach (wovon ich inzwischen ausgehe, s.o.), dann reduziert sich halt unser Transferbudget. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen dürften wir zu den wenigen Clubs in Deutschland zählen, die diese Krise gut überstehen werden. Von daher bin ich der Ansicht, dass wir – und auch weitere, besser aufgestellte Vereine – sogar auf Fernsehgelder verzichten bzw. bereits erhaltene Gelder zum Teil zurück zahlen sollten, zB. in einen Solidaritätsfond. Dass das Watzke (und uns wahrscheinlich auch) etwas ärgert, ist verständlich. Aber um Bundesliga weiter mit einem vernünftigen sportlichen Niveau spielen zu können, wird das nicht anders gehen. Sowohl wir als auch der BVB haben unsere Einnahmen ja auch der Tatsache zu verdanken, dass es eben die anderen Vereine gibt (auch wenn die schlechter gewirtschaftet haben).

    Antwortsymbol3 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Es ist ja selten, dass ich mit dir einer Meinung bin, aber in diesem Fall sehe ich die Situation ähnlich.

      Wie schlussendlich nach einer Einstellung des Spielbetriebs und der damit einhergehenden Annullierung der Saison mit Auf- und Abstieg sowie der Qualifikation für die Europapokalplätze verfahren wird, dürfte genauso in den Sternen stehen, wie auch die Antwort auf die Frage nach dem Ablauf des sommerlichen Transfermarkts oder auch die Antwort auf die Frage, ob bzw wann die nächste Saison gespielt werden kann.
      Dass wir in Deutschland bzw Europa in zwei Monaten allmählich wieder zur Normalität zurückkehren können, bezweifle ich doch stark.

    2. Crazy Thought: Da Profi-Fußballspieler ja mit überragend hoher Wahrscheinlichkeit eine Infektion sehr gut überstehen, könnte man auch alle Profis à la Masernparty mit den bereits Infizierten drei Wochen zusammenstecken und Herdenimmunität für diesen sehr speziellen Teil der Bevölkerung aufbauen. Würde nur ein völlig falsches Vorbild für den Rest der Gesellschaft abgeben…

      Im Ernst: Es gab ja hier auch schon Vorschläge, den Kalender völlig zu reformieren und auf Jahresbetrieb umzustellen. Das hieße: Die Saison 19/20 wird in den letzten Monaten 2020 zu Ende gespielt und nach kurzer Winterpause fängt dann die Saison 2021 an, die nur von der EM unterbrochen wird und dann Oktober/November endet. Dann kommt die Spielzeit 2022, wo man ja eh die Winter-WM hat. Einziges Problem dabei ist dann die Sommerhitze, wenn man Juni-August durchspielen würde.

      1. Der Gedanke hat (nicht nur einen) entscheidenden Haken ;-)

        Es geht ja nicht nur um die Profis, sondern das ganze Betreuer Team drum herum.

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