Miasanrot Stats Corner: Saisonrückblick Teil 1 – Teamstatistiken

Lukas Trenner 09.06.2021

Als erstes betrachten wir hierzu einige allgemeine Statistiken für die Bundesliga. Ob ein Verein nun 80 oder 90 Tore erzielen konnte, mag für manche Geschichtsbücher und Zahlenfanatiker (mich eingeschlossen) von Interesse sein; spannender ist jedoch stets der Vergleich mit den direkten Wettbewerbern. In den folgenden Grafiken stellt jeder Punkt das finale Abschneiden eines Bundesligisten dar. In rot markiert ist jeweils die Leistung des FC Bayern München.

Ein erster Überblick

Dieser erste Überblick gibt bereits eine gute Indikation, was die Bayern unter Hansi Flick und hier insbesondere in der abgelaufenden Saison ausgemacht hat.

Die Statistiken für die Offensive suchen ihresgleichen. Die Grafik links oben zeigt die Anzahl und Güte der herausgespielten Chancen auf der y-Achse, sowie die Effizienz in deren Verwandlung in Tore auf der x-Achse. Weder in einzelnen Dimensionen, noch in der Kombination gibt es andere Vereine, welche den Bayern hier nahe kamen.

Die andere Seite der Medaille ist jedoch die Defensive. Die Grafik rechts oben zeigt auf der y-Achse die Zahl und Güte der zugelassenen Chancen (wobei der obere Bereich hier geringere Werte darstellt). Die x-Achse zeigt, wieviele tatsächliche Tore im Verhältnis zu den Chancen zugelassen wurden. Vereine im oberen rechten Quadranten, ließen also wenige Chancen zu und kassierten zudem aus den wenigen Chancen weniger Tore als im Schnitt zu erwarten wäre. Vereine im unteren linken Bereich auf der anderen Seite kassierten einerseits mehr Tore als aufgrund der Chancen zu erwarten gewesen wäre und hatten zudem eine Defensive, welche den Gegner zu sehr vielen Torchancen kommen lies.
Der FC Bayern ist hier nur im Mittelfeld der Bundesligisten zu finden.

Die Grafiken unten links und rechts gehen nun eher auf den gespielten Stil der Bayern ein. Geprägt von aggressivem Gegenpressing mit gleichzeitig guten Mitteln gegen gegnerisches Pressing und einem Offensivspiel, welches sich hauptsächlich in der gegnerischen Hälfte abspielte und immer wieder auf tiefe Pässe in die Spitze ausgelegt war, spielten sich die Bayern trotz wackeliger Defensive am Ende zur Meisterschaft.

Im folgenden betrachten wir die Offensiv- und Defensivleistung noch etwas genauer.

Tore und Gegentore im historischen Vergleich

Vergleichen wir die Anzahl zugelassener Tore, sowie die der erzielten Tore mit den Meistern der letzten 27 Jahre, wird erneut deutlich, wie außergewöhnlich die Saison war.

Der Torrekord aus dem letzten Jahr wurde zwar nicht ganz gebrochen, jedoch konnten die 98 Tore aus der vorletzten Triple-Saison 2012/13 am Ende noch um eines überboten werden. Die Gegentore suchen ebenfalls ihresgleichen. Kein Meister ließ seit 1993/94 mehr zu als die Bayern.

Die hohe Zahl der geschossenen Tore half den Bayern jedoch vieles zu kaschieren. Ein Blick auf die Tordifferenz zeigt die Dominanz seit 2012. In diesem Zeitraum erreichte der FC Bayern am Ende immer mindestens eine Tordifferenz von +55. Ein Wert, welcher im betrachteten Zeitraum zuvor von anderen Vereinen nur einmal erreicht (und nie geschlagen) wurde – von Borussia Dortmund 2011/12.

Gegentore bei Meistern und Absteigern

Die hohe Zahl der Gegentore bleibt selbst dann außergewöhnlich, wenn wir den zu analysierenden Zeitraum erweitern.

Obige Grafik enthält nun jeden Meister seit Gründung der Bundesliga im Jahr 1963. Jeder grüne Punkt steht hierbei für die Zahl der Gegentore eines einzelnen Meisters. Zusätzlich in blau zu finden, sind die beiden jeweils letztplatzierten Teams der finalen Tabelle.

Im Vergleich mit allen Meistern seit Bestehen der Bundesliga, schafften es nur drei Vereine, mehr Tore zuzulassen als die Bayern in der aktuellen Saison (44 Gegentore): der 1. FC Kaiserlautern in der Saison 1990/91 sowie der Hamburger SV in der Saison 1981/82 (jeweils 45 Gegentore). Und der FC Bayern selbst in der Saison 1973/74 mit unglaublichen 53 Gegentoren.

Mit Borussia Mönchengladbach schaffte es in der Saison 2006/07 sogar ein Verein, mit der selben Zahl an Gegentoren wie der FC Bayern in der laufenden Saison (44), als letzter der Tabelle in die 2. Bundesliga abzusteigen.

Nachdem wir nun die Gegentore mit anderen Meistern verglichen haben, wollen wir nun noch einen kurzen Vergleich mit den letzten Saisons der FC Bayern selbst aufzeigen.

Gegentore des FC Bayern

Diese Grafik lässt nun einige Trends und Besonderheiten identifizieren.

Zunächst einmal wird offensichtlich wie dominant der FC Bayern insbesondere in den Saisons 2011/12 bis 2016/17 aufgetreten ist. Auch wenn es im ersten Jahr noch nicht zur Meisterschaft reichte, konnte der FC Bayern stets auf eine extrem starke Defensive zählen.

Gleichzeitig ist jedoch auch zu bemerken, dass sich die Zahl der Gegentore seit der Rekordsaison 2015/16 stets verschlechterte und sich nun in einem Bereich zu befinden scheint, welcher üblicherweise nicht ausreicht, um sich am Ende der Saison zum Meister zu krönen.

Wie bereits aufgezeigt, ergibt sich das ganze Bild jedoch erst, sobald auch die erzielten Tore mit in die Betrachtung einfließen.

Tore des FC Bayern

Eine Betrachtung der erzielten Tore zeigt auf den ersten Blick bereits die offensivfreudigsten Phasen des FC Bayerns auf. Die Saisons 1971/72 bis 1973/74 sowie 2012/13 bis 2020/21 sind klar ersichtliche Peaks. Die erste wirkliche Höhephase in den 1970er Jahren, sollte hier auch als eine Warnung dienen, wie schnell eine Rekorde brechende Offensive von einer Saison zur nächsten einbrechen kann. Und dies ganz ohne einen großen personellen Umbruch (zwar verlor der FC Bayern zur Saison 1974/75 u.a. Paul Breitner an Real Madrid, mit Uli Hoeneß und Gerd Müller blieben die Top-Torschützen aus dem Vorjahr jedoch erhalten).

Neben der Durchschlagskraft der Offensive zeigt die Grafik auch die Dominanz des FC Bayerns in der Bundesliga auf. Die zuletzt neun Titel in Folge gab es noch nie und diese sind auch im internationalen Vergleich herausragend.

Schon wieder Deutscher Fußballmeister

Folgende Visualisierung zeigt die Meister der größten fünf europäischen Ligen in den letzten 50 Jahren, jeweils sortiert nach Anzahl der Meisterschaften in diesem Zeitraum.

Jede Liga scheint hier eine eigene Charakteristik aufzuweisen. Die englische Meisterschaft ist geprägt durch zwei lange Ären: die des FC Liverpool zwischen 1973 und 1989 und die Ära von Manchester United beginnend mit der Gründung der Premier League 1992/93 und endend mit dem Abgang von Sir Alex Ferguson nach der Saison 2012/13. Auch wenn in beiden Zeiträumen jeweils der Großteil der Meisterschaften an die zu dem Zeitpunkt dominanten Mannschaft ging, gelang es doch immer wieder anderen Clubs einzelne Titel zu erringen. Insgesamt konnten sich der FC Liverpool und Manchester United 25 der 50 Meisterschaften sichern.

In Frankreich sind die dominanten Ären deutlich kürzer und auf mehrere Mannschaften verteilt. AS Saint-Étienne konnte sich in den 1970er Jahren fünf Mal als Meister auszeichnen. Olympique Marseille gelang dies zwischen 1989 und 1993 (wobei ihnen der letzte Titel aufgrund der sogenannten „Affäre OM-VA“ nachträglich aberkannt wurde. Die meisten Meisterschaften in Serie konnte Olympique Lyon zwischen 2002 und 2008 erringen. 2013 begann dann die dominante Zeit von Paris Saint-Germain, kurz unterbrochen von Monaco und von OSC Lille in der abgelaufenen Saison. Insgesamt gelang es keinem Verein mehr als neun Meisterschaften in den letzten 50 Jahren für sich zu gewinnen. Dies ist einzigartig in den betrachteten fünf Ligen Europas.

In der deutschen Meisterschaft führt kein Weg vorbei am FC Bayern. Nur in der Bundesliga gelang es einem Verein mehr als die Hälfte der letzten 50 Meisterschaften zu gewinnen. Die Dominanz des Rekordmeisters ist so groß, dass es keinem anderen Verein wirklich gelang eine längere Ära zu prägen. Borussia Mönchengladbach in den 70ern, der Hamburger SV zu Beginn der 80er Jahre, sowie Borussia Dortmund Mitte der 90er und zwischen 2010 und 2011, hatten kurze Phasen von Dominanz. Dies wurden jedoch stets schnell wieder gebochen – zumeist vom FC Bayern.

Ein ähnliches Bild ergibt sich in Italien. Juventus Turin zeigte sich in den letzten 50 Jahren sehr dominant und erlaubte es nur den beiden Mailänder Vereinen für kurze Phasen eigene Siegesserien zu entwickeln.

Spanien ist schließlich geprägt vom Zweikampf zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid. Anders als in England kommen andere Vereine hier auch nur selten in den Genuß in den Zweikampf der beiden Giganten eingreifen zu können.

Meister der Herzen – Meister der Zahlen

Auch wenn es zwischenzeitlich so aussah, als könnte das Meisterschaftsrennen diese Saison knapper werden als in den Jahren zuvor, hatte der FC Bayern den Vorsprung auf das zweitplatzierten Leipziger am Ende doch wieder auf stattliche 13 Punkte ausgebaut. Man kann also getrost von einer eher eindeutigen Meisterschaftsentscheidung sprechen. Oder ist es nicht so eindeutig?

Expected Goals

Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf die “Expected Goals”. Diese Metrik hat es in den letzten Jahren geschafft von einer statistischen Spielerei bis in den Fußball-Mainstream zu kommen. In Bundesliga-Übertagungen werden heute regelmäßig “Torwahrscheinlichkeiten” eingeblendet. Nichts anderes sind Expected Goals. Basierend auf Informationen wie Abschlussposition, Anzahl an Verteidigern zwischen Ball und Tor, Art der Vorlage und vielen weiteren Faktoren, wird jedem Abschluss eine Wahrscheinlichkeit auf Torerfolg zugewiesen. Dies geschieht durch die Analyse großer Datenmengen von Abschlüssen. Als einfachstes Beispiel zur Erklärung wird hier häufig der Elfmeter herangezogen. Elfmeter werden im Schnitt zu ~77 % verwandelt. Nicht in Betracht gezogen werden individuelle Stärken einzelner Spieler. Daher liegt die Torwahrscheinlichkeit (oder der “Expected Goal”-Wert, kurz xG) eines Elfmeters immer bei 77 %, unabhängig davon welcher Schütze am Ende antritt.

Die Summe sämtlicher Torchancen einer Mannschaft ergeben dann den Expected-Goals-Wert für das Spiel. Basierend hierauf ist es nun möglich eine Saison zu simulieren. Die einfachste Methode wäre es nun einfach die Expected-Goals-Werte der beiden gegeneinanderspielenden Mannschaften zu vergleichen und der Mannschaft mit dem höheren Wert drei Punkte zuzuschreiben (so zum Beispiel vom Kicker vor kurzem gemacht). Dass dieses Vorgehen etwas zu kurz gedacht ist, wird schnell klar, wenn in einem fiktiven Beispiel eine Mannschaft keine einzige Chance erspielen konnte (xG = 0) und eine andere Mannschaft einen einzelnen Abschluss mit xG = 0.5 aufweist. In diesem Beispiel wäre es zu einfach zu sagen, die Mannschaft mit dem einen Abschluss gewinnt das Spiel. Tatsächlich würde diese das Spiel nur zu 50 % gewinnen und zu 50 % würde das Spiel torlos unentschieden enden. Für unsere Simulation haben wir daher die vergangene Saison mehrere 10.000 Male simuliert, und basierend auf den erzielten Expexted Goals jeweils die resultierenden Abschlusstabellen analysiert. Das Ergebnis hierzu ist beeindruckend und zeigt Leipzig im Schnitt auf Platz 1:

TeamAverage Predicted PositionActual PositionWinning chanceAverage Predicted PointsActual Points
RB Leipzig1.99249.4 %67.565
Borussia Dortmund2.86323.8 %63.464
FC Bayern München3.12118.9 %62.478
VfL Wolfsburg5.543.8 %55.561
Eintracht Frankfurt5.9652.2 %54.360

In fast 50 % der Simulationen konnte RB Leipzig am Ende die Meisterschaft feiern. Noch überraschender landet Borussia Dortmund in den meisten Fällen sogar auf dem zweiten Platz und weißt insgesamt eine höhere Wahrscheinlichkeit auf einen Meisterschaftsgewinn als der FC Bayern aus.

Potentielle Schlussfolgerungen

Zunächst einmal ist es für den Gewinn der Meisterschaft natürlich entscheidend tatsächliche Tore zu erzielen und nicht nur kalkulierte “Expected Goals”. Aber ist diese Analyse dadurch komplett hinfällig? Um diese Frage zu beantworten, sollten wir einen Blick auf mögliche Ursachen einer Diskrepanz zwischen den tatsächlichen Ergebnissen und den Ergebnissen nach Expected Goals werfen.

Ein Blick auf die tatsächlich gewonnenen und die durch das Modell prognostizierten Punkte, zeigt, dass Dortmund und Leipzig recht nah am erwarteten Ergebnis liegen, während der FC Bayern die im Durchschnitt erwarteten Punkte um über 15 übertroffen hat.

Wie bereits beschrieben, werden zur Berechnung von Expected Goals, die individuellen Stärken (und Schwächen) von einzelnen Spielern ignoriert. In Realität ist dies natürlich nicht der Fall. Dass ein Robert Lewandowski eine höhere Chance hat eine bestimmte Torchance zu verwandeln als andere Spieler, steht außer Frage. Nicht umsonst zahlen Vereine dreistellige Millionensummen um Spieler zu verpflichten. Wenn wir also hypothetisch annehmen, dass Spieler des FC Bayern im Schnitt aus einem Expected Goal mehr tatsächliche Tore erzielen, als Spieler anderer Vereine, kann dies eine erste Erklärung dafür sein, dass die Tabellensituation nach Expected Goals schlechter ausfallen würde, als das tatsächliche Abschneiden.

Ähnlich könnte auch angenommen werden, dass z.B. RB Leipzig nach dem Abgang von Timo Werner über weniger Durchschlagskraft verfügt (kein Leipziger Stürmer war in den Top-10 der Bundesliga-Torschützen) und daher aus Torchancen nicht ganz so viel herausholt als die Konkurrenz im Süden. Diese Argumentation wirkt zwar weniger überzeugend, wenn Borussia Dortmund und mit diesen Erling Haaland in die Betrachtung gezogen werden, dennoch übertraf der FC Bayern, wie schon zu Beginn des Artikels festgestellt, die Expected Goals auch im Vergleich zu anderen Bundesligisten deutlich.

Wir können also feststellen, dass es durchaus zu erwarten ist, dass überdurchschnittlich gut besetzte Vereine, besonders häufig ihre Expected Goals übertreffen. Gleichzeitig sollte man sich beim FC Bayern auf diesem Fakt jedoch keinesfalls ausruhen und so die “Expected Meisterschaft” von RB Leipzig ignorieren. Unter dem Strich bedeutet das Ergebnis dieser Analyse immerhin, dass es den Leipzigern gelang, mehr und bessere Torchancen zu generieren (oder diese zumindest besser auf die wichtigen Spiele zu verteilen). Leipzig konnte jedoch elf Spiele trotz Überlegenheit nach Expected Goals nicht gewinnen. Beim FC Bayern waren dies nur fünf Spiele. Mit etwas mehr Glück im Abschluss, einem besseren Stürmer oder auch nur etwas weniger Weltklasse durch einen Robert Lewandowski, hieße der Meister diese Saison also RasenBallsport Leipzig.

Das Glück der Münchner wird umso deutlicher, wenn die letzten Saisons mit in die Analyse einbezogen werden.

“Expected Meisterschaften” des FC Bayern

Hier ist klar zu sehen, dass es keinesfalls Standard für den FC Bayern ist, nur durch Übertreffen der Expected Goals die Überhand zu gewinnen. In den letzten sechs Saisons, konnte sich der FC Bayern die simulierte Meisterschaft stets mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50 % sichern. In fünf der letzten sechs Saisons lag die Wahrscheinlichkeit sogar bei mindestens ca. 75 %.

Heimvorteil

Zum Abschluss dieses ersten statistischen Saisonrückblicks, sollten wir auch kurz auf die große Besonderheit der Saison zu sprechen kommen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, fanden sämtliche Partien Corona-bedingt vor leeren Rängen und somit ohne Unterstützung der Fans statt. Dies ist sicherlich aus vielen Gründen erwähnenswert und hoffentlich nicht nur die erste sondern auch die letzte Saison unter diesen Bedingungen; dennoch möchten wir hier in erster Linie kurz über den Einfluss auf den Heimvorteil sprechen. Im Durchschnitt der letzten 5 Jahre konnte eine Heimmannschaft in den größten europäischen Ligen in etwa 60 % der zu gewinnenden Punkte sichern. Als Erklärung hierfür wird häufig aufgeführt, dass Spieler angefeuert von eigenen Anhängern etwas bessere Leistung zeigen, als in einem Auswärtsspiel. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch eine mögliche Einschüchterung der Gäste durch die Heimfans.

So ist es wenig überraschend, dass dieser Heimvorteil in Stadien ohne Fans nicht zum Tragen kommt und somit ein deutlicher Rückgang mit Beginn der “Geisterspiele” zu erkennen ist. In England und Frankreich scheint der Heimvorteil fast völlig verloren gegangen zu sein. In Deutschland, Italien und Spanien ist zwar auch ein signifikanter Rückgang zu erkennen, jedoch bleibt hier trotzdem ein statistischer Heimvorteil. Dies ist insofern sehr interessant, dass es in der Vergangenheit nur begrenzt möglich war, mögliche Einflussfaktoren zu isolieren und zu untersuchen. Nun scheint klar, dass andere Effekte wie geringere Reisebelastung, mehr Selbstvertrauen im eigenen Stadion, etc. ebenfalls signifikanten Einfluss zu haben scheinen. Auch wenn vielleicht nicht in jeder Liga auf ähnlicher Weise.

Fazit

Mit der abgelaufenen Saison ging also eine auf viele Arten außergewöhnliche Saison zu Ende. Wir sahen nicht nur eine hervorragende Offensive sowie überraschend ausbaufähige Defensivleistungen, sondern konnten auch eine rekordhaltende neunte Meisterschaft in Folge bestaunen. Der Wechsel auf der Trainerposition, Abgänge von Leistungsträgern und die verlorene “Expected Meisterschaft”, versprechen zudem eine mindestens ebenso spannende Saison 2021/22.

Im nächsten Teil dieser kurzen Serie wollen wir uns den Spielerstatistiken der abgelaufenen Saison widmen und insbesondere die Leistungen der Spieler des FC Bayern etwas genauer unter die Lupe nehmen.

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  1. Beim Blick auf die Meisterschaften fällt mir ein Aspekt auf, der auch zum Teil erklärt, warum es in der Bundesliga zuletzt bis auf die Saison 2018/19 kaum Spannung im Meisterrrennen gab: Fast alle unsere nationalen Konkurrenten, die in den letzten 50 Jahren Meister wurden, sind nach ihrem Triumph ein- oder sogar mehrfach abgestiegen. Nur Wolfsburg und dem BVB blieb dieses Schicksal erspart, wenngleich Wolfsburg mehrere Male und der BVB zumindest einmal knapp am Abstieg vorbeischrammten. Nun darf man nicht von jedem Verein erwarten, dass er jedes Jahr um die Meisterschaft mitspielen kann. Dass man allerdings so katastrophal mit seinen Ressourcen umgeht, dass man als ehemaliger Meister absteigt, ist irgendwie auch nicht normal. Teilweise lagen nicht einmal besonders viele Jahre zwischen Meisterschaft und Abstieg. In anderen Ligen schafften es viele Teams in ihren schwächeren Jahren zumindest im gesicherten Mittelfeld zu “überleben” und dann wieder durchzustarten, wie es beispielsweise in Deutschland dem BVB gelang. Von der Mittelstation zur Bergstation ist es halt nur halb so weit, wie wenn man den Aufstieg von ganz unten neu beginnen muss (um in Metaphern zu sprechen). Nicht umsonst war ein Abstieg eigentlich immer gleichbedeutend damit, dass die entsprechende Mannschaft nie wieder in Reichweite der Meisterschaft kam. Die einzige Ausnahme hier ist Kaiserslautern, die nach ihrem ersten Abstieg noch einmal Meister wurden, seitdem allerdings den tiefsten Fall aller Meister der letzten 50 Jahre hinter sich haben.

    Antwortsymbol8 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Nach dem Abstieg von Werder ging eine Statistik rum, die dazu passt und die ich extrem erstaunlich fand.
      Wer ist aktuell in der BL am längsten durchgängig vertreten:

      Bayern seit 1965
      BVB seit 1976
      Bayer seit 1979

      dann schon ein großer Sprung

      Wolfsburg seit 1997

      und noch mal ein Sprung

      Hoffenheim seit 2008

      Also Wolfsburg und Hoffenheim gehören schon zu den großen Traditionsvereinen der BL. Und mit 13 Jahren Zugehörigkeit bist du schon in den TOP 5.
      Interessant oder vielmehr ärgerlich für Traditionalisten, dass unter den TOP 5 mittlerweile schon 3 sog. Plastikklubs zu finden sind.
      Auch eine Aussage.

    2. Interessanter Aspekt, der gut darlegt, dass bei vielen Konkurrenten im Erfolg vieles falsch lief. Man sollte bei der Bewertung aber auch nicht außer Acht lassen, dass viele Mannschaften schlicht auseinanderfallen, wenn sie mehr oder weniger überraschend Meister werden. Schlüsselspieler gehen, Trainer sind plötzlich begehrt, auch die Spielweise der Gegner ändert sich zwangsläufig. Dass es viele Beispiele dafür gibt, dass „überraschende“ Meister schnell wieder abstürzen muss nicht zwingend damit zusammenhängen, dass sie einfach nur inkompetent sind. Ich glaube, dass es unfassbar schwer ist, sich da oben zu halten und die gestiegenen Ansprüche zu erfüllen. Da muss wie beim BVB unter Klopp vieles zusammenlaufen. Und wenn die Ansprüche nicht mehr erfüllt werden, hat man oft teure Kader, anderweitig hohe Kosten und stürzt schneller ab, als einem das lieb sein kann.

      1. Da hast du natürlich absolut recht. Andererseits bekommen die “überraschenden” Meister oft ziemlich viel Geld für die Spieler, die dann für andere Klubs interessant werden, setzen es allerdings falsch ein. Es war und ist immer wieder zu beobachten, dass Teams, die plötzlich deutlich mehr Geld zur Verfügung haben, als sie es aus früheren Transferfenstern gewohnt waren, mit diesem Geld viel häufiger Spieler kaufen, die überhaupt nicht zum Team passen als in den Phasen, in denen sie noch kleinere Brötchen backen mussten. Da werden dann entweder teurere Spieler aus dem Ausland geholt, die dann überhaupt nicht zurechtkommen oder man holt sich die namhafteren Spieler von “kleineren” Teams aus der Liga, die aber ebenfalls außerhalb ihrer “Komfortzone” keinerlei Verstärkung darstellen. Gerade der BVB unter Klopp und auch später hat da einige Fälle gehabt, z.B. Immobile oder Ginter, die beide für sich sehr gute Fußballer sind, aber eben in Dortmund überhaupt nicht funktionierten. Der BVB konnte sich das wegen CL-Einnahmen und vor allem Transfergewinnen leisten. Bei anderen Klubs wird es da schon schwieriger. Dass man allerdings dann so gravierend abstürzt, verwundert mich schon irgendwie. Zwischen Titelkandidat und Absteiger wären eigentlich schon noch ein paar Nischen frei. Scheinbar ist der freie Fall von ganz oben nicht so leicht aufzuhalten. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass für Abstiegskampf andere Tugenden gefragt sind und viele den Kulturschock nicht packen und dann völlig untergehen, siehe Schalke in diesem Jahr.

      2. Auch das ist sicher wahr. Nur ist es hier ebenfalls ein bisschen komplexer. Wenn Spieler A überragend gespielt hat und ein Top-Klub für ihn viel Geld zahlt, dann kann man davon ausgehen, dass der Spieler ein Top-Level hatte in der entsprechenden Saison (wenn da keine grobe Fehleinschätzung vorliegt). Diese Leistung muss dann kompensiert werden. Ja, Dortmund kriegt beispielsweise sehr viel Geld für diese Spieler und zur Wahrheit zählt sicher, dass sie davon teure Spieler wie Schürrle oder andere gekauft haben, die schlicht nicht funktioniert haben. Aber wenn Götze, Hummels und Lewandowski beispielsweise gehen, dann hast du es als BVB auch mit 100 Millionen Euro Budget schwer, auch nur einen davon adäquat zu ersetzen. Warum? Weil der BVB eben kein Top-Klub ist. Deshalb gehen sie ja den Weg, den sie eben gehen: Junge Talente holen. Das ist immer auch eine Wette, die mal mehr, mal weniger funktioniert. Aber einen Top-Spieler zu holen, können sie sich trotz des Geldes eben nicht leisten (Gehaltsgefüge) und/oder sie bekommen ihn einfach nicht, weil sie zu klein sind. Und so sind sie dann ein Stück weit gefangen in einem Teufelskreis einer sich immer in der Entwicklung befindenden Mannschaft. Konstanz und vor allem der Höhepunkt der Entwicklung sind fast nie möglich, weil die Spieler vorher abspringen. Mal sehen, ob sie es diesen Sommer mal schaffen, keinen wichtigen Spieler zu verlieren.

        Ich denke, dass auch das eine Rolle dafür spielt, dass gute Mannschaften von Nicht-Top-Klubs nur selten stabil bleiben.

      3. “Scheinbar ist der freie Fall von ganz oben nicht so leicht aufzuhalten.”
        Ist das Bocks- oder Schwanengesang? Du bist so herrlich subversiv, Willy!

      4. @Justin: Kleine Ergänzung zum BVB. Den Weg mit den Toptalenten gingen sie meines Wissens erst dann konsequent, als sie merkten, dass sie mit den etablierten und etwas namhafteren Spielern, die sie Mitte der 2010er Jahre holten, nicht wirklich weiter kommen. Zu den bereits genannten Immobile, Schürrle, Ginter etc. könnte man auch noch Yarmolenko oder Philipp dazuzählen, die auch alle nicht gerade billig waren und von denen man sich sicherlich mehr erhofft hatte. Von den ganzen relativ teuren Neuzugängen in der Zeit nach 2013 hat eigentlich nur Mkhitaryan mit Abstrichen gut gepasst und der auch erst gegen Ende seiner Zeit in Dortmund, so dass man ihn noch gewinnbringend verkaufen konnte. Wie du schon sagst: ans oberste Regal kamen die Dortmunder nicht ran. Neben dem Gehaltgefüge spielt wohl auch die fehlende Attraktivität für die ganz großen Namen eine Rolle. Mit Transfers von Spielern, die schon längere Zeit ihre Tauglichkeit in anderen großen Ligen nachgewiesen haben, fuhren sie wie gesagt nicht so gut und deshalb ging man den Weg mit den hoffnungsvollen Talenten, denen man im europäischen Kontext momentan eben mit das beste Gesamtkonzept bieten kann. Es ist ja nicht so, dass sie diese Talente alleine erkennen würden. Dembele, Sancho, Haaland, Bellingham etc. waren auf dem Radar von vielen Teams, aber der BVB bekam den Zuschlag, weil sich die Spieler und ihre Berater dort die besten Chancen ausrechnen.

      5. WillytheGreat, du hast genau die passenden Beispiele gebracht – ein Sancho mit 17 hinter einem Robben, Ribery, Costa, Coman. Ein Haaland hinter Lewandowski – wieviel Spielanteile die beiden wohl beim FCB bekommen hätten?
        Auch ein Aubamejang hat sich genau wie Miktarjan, Dembele oder Pulisic in dem Moment auf den Weg gemacht, als es ein passendes Angebot gab.
        Und bis dahin die Zeit genutzt, zu zeigen, was sie drauf haben.

      6. @willy das sind ja gute Beispiele für meine These: Für 30-50 Mio kriegen andere Klubs schon richtig Qualität. Bei Dortmund wird es schnell dünn. Sie kriegen beispielsweise für Dembele oder jetzt bald Sancho richtig Asche, aber einen Ersatz zu verpflichten, ist schwer. Weil a) ganz Europa weiß, dass du richtig Kohle zur Verfügung hast, der Preis wird also schön gestreckt, wenn es der Vertrag des Spielers zulässt und b) du in der Geldkategorie nicht mal eben das oberste Regel kriegst, sondern tendenziell stärker ins Risiko gehst als andere Klubs. Und dieses Risiko muss erstmal aufgehen. Passiert das nicht und hast du noch mehr von den Immobiles, Schürrles und Co., dann kann das auf Dauer schon sehr schädigend werden und du bist schnell in einer Abwärtsspirale.

  2. Da du schon die Saison 2018/19 ansprichst, lt. einer der obigen Statistiken war ja ausgerechnet diese Saison, die mit der höchsten Gewinnwahrscheinlichkeit einer Meisterschaft in den letzten 6 Jahren. Kovac-Masterclass.

    Ich glaube der Abstieg der “Traditionsmannschaften” kann nicht losgelöst von der Finanzlage gesehen werden. Wenn in den letzten Jahren Bayern mal nicht Meister wurde kam es in der Sommerpause immer zu einer großen Einkaufstour. Für mich am präsentesten ist da gerade die Sommerpause vor der Saison 2007/08, in der der FC Bayern lt. Transfermarkt.de 93,20 Millionen € ausgegeben hat (zur Einordnung: Der Transferrekord für einen einzigen Spieler lag damals bei 77,50 Millionen € [Zidane zu Real]). Mit diesen Ausgaben konnte der amtierende Meister Stuttgart natürlich nicht mithalten. Stuttgart hat vor der Saison 2007/08 insgesamt 10,7 Millionen € ausgegeben. Möchte aber jetzt ein Team wirklich mit den Bayern mithalten, müssten eigentlich die Transferausgaben auch in etwa angepasst werden. Sitzt dann mal ein Transfer nicht, dann Gerät man schnell in eine Abwärtsspirale. Ein VFL Wolfsburg kann aber gleichzeitig einen 50-Mann Kader fahren (und gegen den Abstieg spielen), wird dann aber durch den Sponsor rausgeboxt und kann auch im nächsten Jahr Gehaltstechnisch größere Brötchen backen, als 75% der anderen Bundesligisten.

    Ich möchte hiermit gar nicht das Geld an sich verteufeln. Und VW hatte vielleicht im Gegensatz zu anderen Vereinen auch ein Quäntchen Glück, dass die Relegation überstanden werden konnte. Wäre das nicht gekommen würde man Wolfsburg wahrscheinlich auch anders behandeln. Manchmal beneide ich trotzdem die Amerikaner um ihr System mit Draft und Salarycap. Aber ich glaube eine solche Betrachtung könnte fast einen ganzen Artikel hergeben.

    Antwortsymbol7 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Das ist aber sehr einfach gedacht.
      Wenn es so wäre, dann dürften Mannschaften wie der SC Freiburg oder Union niemals in der 1. Liga spielen und da stehen, wo sie stehen.
      Hätte der SC Freiburg da Geld zur Verfügung, was die sogenannten Traditionsvereine HSV und S04 in den letzten Jahren verbraten haben, dann wären sie jedes Jahr mit ganz oben.

      Das Mißmanagement bei manchen Vereinen und vor allem bei dem ein oder anderen schon fast größenwahnsinnigen Präsidenten sorgt für solche Schieflagen – nicht die Transferausgaben.
      Wie man mit vernünftigem Management etwas aufbauen kann, bekommt man doch vorgeführt.
      Ein BVB stand dank Missmanagement 2005 vor der Insolvenz. Und heute? Ein SC Freiburg schreibt trotz Corona schwarze Zahlen und ein S04 hat mittlerweile über 200 Mio Schulden.
      Ein HSV kommt trotz all seiner Mittel seit Jahren nicht aus der 2. Liga raus.
      Von Vereinen wie dem FCK, dem KSC oder 1860 wollen wir besser gar nicht reden.
      Nicht die Transferkosten sondern das Missmanagement ist das größte Übel.

      1. Ich gebe dir Recht mein Kommentar macht es sich schon einfach. Wahrscheinlich auch zu einfach. Ganz von meiner Meinung abweichen möchte ich aber trotzdem nicht.

        Natürlich sind Union und Freiburg positive Beispiele, dass man auch ohne Geld etwas erreichen kann. Das möchte ich den Vereinen auch absolut nicht absprechen und die gute Arbeit kann man nicht oft genug loben. Jedoch würde ich auch sagen, dass keiner der beiden Vereine in naher Zukunft (10 Jahre) realistische Chancen auf einen Meistertitel hat. Die beiden Vereine müssen aber gleichzeitig (fast) alles richtig machen um derart gute Leistungen zu erbringen. Hamburg konnte lange Zeit in der Bundesliga überleben, trotzdem Sie auch vor dem Abstieg schon katastrophal gearbeitet haben. Und Wolfsburg kann nach 2 Saisons nach der Relegation plötzlich wieder in der CL spielen.
        Ich will ja damit nur ausdrücken, dass viel verfügbares Kapital dazu führt, dass sich Vereine mehr Fehler leisten können, oder siehst du das anders ?

        Die Größenwahnsinnige Präsidenten kommen ja hauptsächlich davon, dass in diesen Vereinen der Verein einzig und allein aufgrund seiner Tradition als größer empfunden wurde als er tatsächlich ist. Das Missmanagement der größte Faktor ist möchte ich auch nicht bestreiten. Aber der HSV wäre ja quasi von den eigenen Anhängern belächelt worden, wenn Sie nicht Europa als Ziel ausgeben.

        Ich finde aktuell ist der BVB ein gutes Beispiel. Der BVB hat einen Kader der zu Corona-Zeiten nicht wirtschaftlich ist. Daraus folgt natürlich, dass Sie entweder die Spieler verkaufen müssen, oder ins Risiko gehen. Wenn Sie sich für das Erstere entscheiden ist die Wahrscheinlichkeit Meister zu werden natürlich etwas geringer, da es nicht einfach ist einen Sancho oder Haaland zu ersetzen. Wenn sie aber ins Risiko gehen und beide Spieler halten, ist die Wahrscheinlichkeit zwar höher Meister zu werden, aber eine Garantie ist das noch immer nicht. Wie ich mich entscheiden würde ? Wahrscheinlich so wie Watzke. Natürlich hat er aber auch den Druck von Fans/Medien, dass der BVB ja eigentlich um den Titel spielen müsste. Aber diese Erwartungshaltung kann er nur mit Risiko erfüllen.

        Ich hoffe du verstehst wie ich auf meine Meinung komme. Als absolut, richtig oder vollständig möchte ich sie aber auf keinen Fall betiteln.

      2. Man muss sich im Profifußball relativ schnell von dem Gedanken des “Vereins” trennen.
        Profivereine sind Wirtschaftsunternehmen und müssen deshalb auch so geführt werden.
        Da hilft der Vorlauf “verdienter Spieler” oder “verdientes Vereinsmitglied” eben nicht wirklich.
        Und überall, wo das nicht passiert, mehren sich die Probleme bis hin zur Insolvenz.
        Und wenn ich – um wieder zum HSV zu kommen – einen Sponsor habe, der mir jedes Jahr 25 Mio übrweist, dann ist das zwar schön, heißt aber noch nicht, dass der auch Ahnung vom Fußball hat. Und wenn der Sponsor mehr zu sagen hat, als der Sportdirektor, dann läuft etwas falsch.
        Und wenn der Herr Präsident den Alleinherrscher gibt und sich deshalb der Verein völlig übernimmt, dann ist das auch nicht förderlich.
        Na dann bauen wir erst mal ein neues Stadion – und anschließend geht man dann in die Insolvenz, weil das eben doch eine Nummer zu groß war. Und dann tritt die Vereinsführung halt zurück – und ist natürlich für nichts verantwortlich.
        Das Spiel kann man dann mehrmals wiederholen, während der Verein immer weiter abstürzt.

      3. Warum immer „ein“?? Ich kapier das nicht. Wie viele BVB gibt’s denn? Ein, zwei, viele? „Ein SC Freiburg“ – was soll diese Marotte? „Ein HSV“ – grauenvoll.

      4. “Ein” steht in dem Fall sprachlich gesehen dafür, dass es ein Beispiel ist, also man könnte auch einen anderen Verein als Freiburg nennen.
        Vielleicht hilft das beim (entspannteren) Lesen.

    2. Die Wahrscheinlichkeit, “expected” Meister zu werden, hängt ja immer auch davon ab, wie gut die Mitbewerber in dem Jahr sind. 2015/16 etwa ist mir als eine absolut souveräne Saison in Erinnerung, in der Bayern einen gereiften Pep-Stil auf den Rasen brachte und am Ende mit 88 Punkten nahe an der Rekordmarke lag. Trotzdem wäre das laut Modell die knappste Meisterschaft ausser der jüngsten gewesen. Die Erklärung dafür dürfte sein, dass Dortmund unter Tuchel damals auch eine phantastische Saison gespielt hat, die an das taktische Niveau der Klopp-Ära anknüpfen konnte. Favres Dortmund von 2018/19 hatte auf mich eigentlich auch einen starken Eindruck gemacht – bis auf den Totalkollaps im Entscheidungsspiel – aber muss dann xG-bezogen doch eher mau abgeschnitten haben.

      1. Die niedrige Prozentzahl dieser Saison hat mich auch erstaunt. Neben der guten Saison von Tuchels BVB spielt dabei evtl auch eine Rolle, daß wir in der Rückrunde damals eine Phase hatten, in der wir mit einer Reihe von Fehlentscheidungen gegen uns leben mußten, v.a. wurden uns mehrere reguläre Tore zu Unrecht aberkannt (Wolfsburg, Darmstadt, evtl. noch ein Spiel?), und die Niederlage gegen Mainz, die das direkte Duell gegen den BVB brisanter machte, kam durch ein Abseitstor. Das XGoal-Modell wertet die Chancen, die zu den nicht gegebenen Toren geführt haben, als 0, nehme ich an. Das Abseitstor hingegen geht mit 0,xy ein, und sollte eigentlich als 0 gewertet werden. Das verschiebt die S/U/N-Wahrscheinlichkeiten und damit die Titelwahrscheinlichkeit schon ein wenig, denke ich.

        Ansonsten liefert das XGoal-Modell zwar einen Erwartungswert, aber keine Varianz, wenn ich mich nicht irre. Zumal die Varianz ja auch abhängig davon ist, wie der Erwartungswert zustandegekommen ist: 2 Elfmeter = 1,5 XG, mit geringer Varianz (nie mehr als 2 Tore, fast immer mindestens 1), wohingegen 15 Chancen mit XG jeweils 0,1 denselben Erwartungswert hat, aber eine viel größere Varianz. Auch das hat einen gewissen Einfluß auf die Wahrscheinlichkeiten von S/U/N. Ich nehme an, das ist nicht berücksichtigt, wobei es natürlich sein kann, daß dieser Einfluß über die Saison hinweg vernachlässigbar ist.

  3. @lukas
    Sehr starker Artikel mit vielen guten Übersichten die für sich selbst sprechen.
    Super!
    Bin schon auf den nächsten Teil gespannt

  4. Bemerkenswert ist auch, dass immer wieder mal Klubs relativ unerwartet Meister wurden, ausgerechnet nachdem sich gerade ein/mehrere Topspieler verabschiedet hatte(n):
    – M’gladbach 1974/75 (Jahr zwei nach Günter Netzer)
    – 1. FC Köln 1977/78 (Jahr eins nach Wolfgang Overath)
    – FCB 1979/80 (Jahr eins nach Sepp Maier & Gerd Müller)
    – FCB 1984/85 (Jahr eins nach Kalle Rummenigge/Jahr zwei nach Paul Breitner)
    – SV Werder 1987/88 (Jahr eins nach Rudi Völler)
    – FCB 1988/89 (Jahr eins nach Lothar Matthäus & Andy Brehme)
    – FCB 2002/03 (Jahr eins nach Stefan Effenberg)
    – VfB Stuttgart 2006/07 (Jahr eins nach Andreas Hinkel/Jahr zwei nach Kevin Kuranyi)
    Hat wohl damit zu tun, dass die jeweilige Mannschaft ihr Spielsystem umstellen musste, da der jeweilige Spieler nicht 1:1 ersetzt werden konnte. Dadurch wurde das Team aber für die Konkurrenz auch unberechenbarer.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Interessante Aufzählung. Sie zeigt auch, dass beim Fußball Erfolge auch etwas überraschend kommen können und nicht immer langfristig geplant werden können/ müssen. Unser CL Sieg 2020 oder der von Chelsea 2021 sind Beispiele dafür, dass sich Mannschaften (in beiden Fällen völlig verdient) den Titel holten, denen man es vor der jeweiligen Saison nicht zugetraut hätte und die auch von der eigenen Einschätzung her eher noch in der Entwicklungsphase waren mit dem Ziel ein paar Jahre später um den Titel mitzuspielen.
      Die Meisterschaft des BVB 2011 wäre auch ein Beispiel hierfür.

  5. Kleine Anmerkung:
    Im Abschnitt “Schon wieder Deutscher Fußballmeister” werden in der Grafik “German Bundesliga” dem SV Werder nach 1971 vier Meistertitel zugeschrieben und dem VfB nur zwei. Beide waren in der Zeit aber je dreimal erfolgreich (der Titel 1984 wurde da wohl vertauscht).

  6. […] erwarteten Torvorlagen (siehe hierzu auch die kurze Erklärung von “Expected Goals” aus Teil 1 der Serie). Erwartete Torvorlagen folgen dem selben Muster wie Expected Goals: Flankt etwa Coman auf […]

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