Mario Götze – Spitzenspieler ohne feste Position

Jan Trenner 18.03.2014

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1.76m klein, beidfüßig, wendig, schnell und mit fast perfekter Körperbeherrschung ausgestattet dürfte Mario Götze zu den besten Spielern im offensiven Mittelfeld gehören und dabei beinahe jede Position besetzen können. Die Kollegen von Spielverlagerung.de stecken ihn in die Kategorie »Nadelspieler«, wo er neben Luka Modric, David Silva oder Samir Nasri unter anderem wegen seiner technischen Stärke, Beweglichkeit, Dynamik, Passpräzision und Spielfeldorientierung gelobt wird. Die genannten Aspekte sind besonders für Coach Pep Guardiola wichtig, denn ein fluides Positionsspiel gepaart mit absolutem Ballbesitz ist sein Steckenpferd.

Blicken wir einmal auf Mario Götze in Dortmund zurück – dort agierte er oftmals hinter den Spitzen auf der “10”. Hier glänzte er vor allem als Vorlagengeber – meist mit zielgenauen Zuspielen in die Nahtstellen. Die Abnehmer dort waren Reus, Kuba oder auch Lewandowski. Meist ging das Spiel beim BVB durch die Mitte, aber er machte nicht nur Vorlagen, sondern durch gezielte Doppelpässte kreierte Götze häufig seine eigenen Torabschlüsse selbst. So entstanden letztes Jahr in 28 Spielen 10 Tore und 12 Assists – alleine in der Bundesliga. Fast noch wertvoller waren seine Auftritte in der Champions League. Hier kam Götze auf 7 Assists in 11 Spielen. Ein weiterer Pluspunkt ist natürlich sein relativ gutes Pressingspiel – der BVB konnte im Vorjahr viele Ballgewinne bzw. Chancen schon im gegnerischen Angriffsdrittel erzwingen. Aber auch durch das schnelle Umschaltspiel hatte Götze häufig viel leere Wiese vor sich. In München findet er beides eher selten vor.

Das Experiment »falsche Neun« mit Mario Götze im roten Trikot hat keine überragenden Ergebnisse eingebracht, aber vermutlich wird man hier in Zukunft noch einmal testen. Derzeit ist ein großer Stümer, der als Zielspieler für Flanken dient oder Zweikampf um Zweikampf gewinnt, eine wichtige Stütze des Bayernspiels. Götze war in der zentralen, aber sehr häufig auch linken Mittelfeldposition zu sehen. Dort ersetzte er Franck Ribery, der mit Rückenproblemen und einem Bluterguss zu Beginn des Jahres 2014 mehrere Wochen ausfiel. Und dort? Ich muss sagen, dass Götze mir dort nie besonders gut gefallen hat. Oftmals, besonders aus der Stadionperspektive beobachtet, wirkte er etwas verloren bzw. allein gelassen. Auf der Außenbahn muss er für die nötige Breite auf dem Spielfeld sorgen oder über lange Sprints in Richtung gegnerischen Strafraum kommen. Mit David Alaba hatte er dabei zwar meist einen hervorragenden Hintermann, aber seine Fähigkeiten kommen in einer zentralen Position meiner Meinung nach besser zur Geltung. Im Kicker wird Götze im Durchschnitt mit 2.43 benotet.

Mittig vor dem gegnerischen Strafraum kann er auf engstem Raum mit seinen Mitspielern kombinieren. Dort, wo er nur den Platz eines DHL-Paketscheins braucht, um sich von den Verteidigern zu befreien und in höchster Bedrängnis jemanden freizuspielen oder selbst zum Abschluss zu kommen. Vermutlich ist es nicht nur eine Frage der Position sondern auch der Qualität des Nebenmanns, denn solide Leistungen können viele Spieler im Kader des FC Bayern erzielen. Wirklich großartige Momente kennen wir auf den Außenbahnen nur von Franck Ribéry und Arjen Robben. Ich stelle hier eine (gewagte) These auf: Xherdan Shaqiri hätte Mario Götze in den letzten Wochen auch auf der Außenbahn vertreten können. Aus Leistungs- und Qualitätssicht hätten wir vermutlich keinen großen Unterschied gesehen. Zu oft taucht Götze ab und spielt unauffällig.

Es bleibt abzuwarten, ob Mario Götze in Zukunft nicht wegen der Möglichkeit auf allen Offensivpositionen zu spielen eingesetzt wird, sondern endlich in die Zentrale rücken darf. Gemeinsam mit dem flinken und teilweise genialen Thiago oder einem ballsicheren Toni Kroos könnte er Konstanz erreichen und seine Möglichkeiten voll ausspielen. Derzeit überzeugen mich seine Auftritte zu selten. Höhepunkte wie gegen Frankfurt und Gladbach wechseln sich noch zu oft mit durchschnittlichen Leistungen ab. Ein genialer Fußballer, der in jungen Jahren schon mitbringt was andere kaum erreichen, bleibt er dennoch. Nur seinen Platz muss er in München noch einnehmen – die nötige Zeit dafür wird er bekommen.

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