Lille zu Gast: Torgala mit Störgeräuschen

Mittwochabend, Temperaturen um die 5 Grad im positiven Bereich und die Allianz Arena ruft zur Champions League. Nach dem knappen Auswärtserfolg in Lille erwarteten wir die Franzosen im heimischen Stadion und sie sollten ihr rotes Wunder erleben. Vier Tore in den ersten 30 Minuten, zwei weitere für den FC Bayern München im Verlauf des Spiels und der 6:1 Endstand sagen alles. Die Zuschauer haben eine Torgala gegen einen überforderten Gegner mit einer hochklassigen Mannschaftsleistung und überragenden Einzelakteuren gesehen. Wir auch, aber dieses Mal aus dem Oberrang mit ungewohnter Perspektive.

FC Bayern Champions League Panorama

Geschlossene Mannschaftsleistung mit Prädikat »grandios«

Einem Bayernfan ist der inflationäre Gebrauch des Superlativs wohl angeboren, aber für die Leistung gestern Abend ist »grandios« absolut passend.

Unsere Abwehrreihe stand sehr gut und sicher. Zeichen dafür sind sehr hohe Passquoten und ein homogenes Zusammenspiel. Dante stach wieder als Anführer heraus und seine dirigierende Art gefällt mir sehr. Er bildet zusammen mit Boateng und Martínez als defensivem Mittelfeldspieler ein Bollwerk, welches sowohl Alaba als auch Lahm Sicherheit für Vorstöße nach vorn bieten kann.

SpielerPässeerfolgreiche Pässe
Alaba8085%
Dante9092%
Boateng6191%
Lahm6596%
Daten via WhoScored.com

Zum Vergleich: Die Viererkette der Franzosen spielte ca. 15-20% mehr Fehlpässe und kam nicht über 50% gewonnene Kopfballduelle hinaus. Der Innenverteidiger Marko Basa gewann sogar nur jeden vierten Luftkampf.

Philipp Lahm spielte drei Pässe die zu Toren führten und sprintete so oft aus der eigenen Hälfte vor den gegnerischen Strafraum, dass er sich für mich die Rolle »Spieler des Abends« mit Claudio Pizarro teilen darf. Der sorgte nämlich wieder für dreimaliges »hinter-sich-greifen« des französischen Torhüters Landrea. Packt man zu diesen beiden jetzt noch Franck Ribery (+ seinen Hintermann David Alaba), Arjen Robben und einen starken Bastian Schweinsteiger wird klar wie viel Qualität wir eigentlich auf dem Platz hatten. Wenn dann auch die nötigen Tore entstehen ist die Welt in Ordnung.

Javi Martínez machte für mich sein bisher bestes Spiel für den FC Bayern. Die frühen und reichlichen Torerfolge lassen einem im Stadion dann doch einmal die Möglichkeit in Ruhe einzelne Spieler genauer zu beobachten, statt nur dem Ball hinterher zu schauen. Martínez erkämpfte viele Bälle, bewegte sich sehr geschickt und stellte Räume zu. Er klärte mehrere Situationen und fing Vorstöße der Franzosen ab. Er steigert sich von Einsatz zu Einsatz und spätestens ab 2013 werden wir öfters sehr viel Freude am jungen Basken haben.

Als letzten Punkt der Spielbetrachtung möchte ich unsere Einwechselspieler erwähnen. Während ich im DFB Pokal noch das Gefühl hatte, Tymoshchuck bewegt sich wie ein Fremdkörper kam er gestern gut ins Spiel, zeigte seine Defensivfähigkeiten und konnte auch bei Angriffsbemühungen sehr überzeugen. Toni Kroos kam und erzielte in kürzester Zeit ein Tor. Da ist kein weiteres Kommentar notwendig und auch Shaqiri durfte mal wieder auf dem Platz wirbeln und sorgte für ordentlich Unruhe beim Gegner. Es gibt keine erste und zweite Mannschaft mehr, sondern ein großes Team aus Spielern die allesamt den Erfolg des FC Bayern herbeiführen können. Das ist wohl der größte Unterschied zu den letzten Jahren.

FCB OSC LilleFCB OSC Lille

Störgeräusche: Protest der Südkurve

Wie im Fernsehen und in der Arena zu sehen und besonders auch zu hören war, fand gestern ein Protest der Südkurve gegen die Einlasskontrollen bei UEFA Champions League Spielen statt. Die Stehplätze in den Blöcken 112/113 blieben größtenteils leer und die Fans verteilten sich auf ihre eigentlichen Sitzplätze im Stadion. Eine kleine Gruppe bildete sich im Oberrang und konnte von da aus etwas Stimmung anzetteln. Leider funktioniert in der Königsklasse wohl nur »Steht auf wenn ihr Bayern seid« und die Laola-Welle. Schade.

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In diesem Beitrag kann ich keinesfalls so weit gehen und die Aktion als ein Protest von »Egomanen« bezeichnen. Das ist meiner Meinung nach falsch. Dennoch: ein Protest ist kein Anfang, sondern ein Statement. Wichtig ist nun das aufeinander Zugehen und die gemeinsame Arbeit an Lösungen und einem Kompromiss. Das Fernbleiben hat ein Zeichen gesetzt, aber grundsätzlich noch kein Problem gelöst. Das diese wesentlich tiefer als bei der Einlasskontrolle liegen ist klar. Ich hoffe dass Verein und Fans an einer Lösung arbeiten und sie finden werden.

Sehr zu loben ist wieder einmal die Arbeit des Club Nr. 12. Diese haben bereits gestern Vormittag auf die Änderung beim Einlasssystem Block 112/3 hingewiesen und Fans zu einer Diskussion vor dem Spiel eingeladen.

So wurde auf ihrer Webseite folgendes geschrieben:

Da es zu den Aufgaben eines Stadionbetreibers gehört, eine die Sicherheit der Stadionbesucher gefährdende Blocküberfüllung zu verhindern, erscheint diese Maßnahme zunächst einmal sinnvoll. Die Konsequenz dieser nun beschlossenen Änderung der Kontrollen ist jedoch, dass insbesondere der Großteil der jungen Fans, die seit Jahren bei jedem Spiel direkt hinter dem Tor der Südkurve Stimmung machen nun nicht mehr in ihren “angestammten” Block gelangen können. […]
Nachdem in den letzten Tagen auch eine Reihe von Vorschlägen, die dazu geeignet wären, die Konsequenzen für die Fans zumindest abzumildern von der Vereinsführung abgelehnt wurden, herrscht bei vielen Fans aus den Blöcken 112/113 ein großes Maß von Frustration vor.
Wie man mit dieser Frustration umgehen soll dürfte jedoch innerhalb der Südkurve – fast schon traditionell – sehr unterschiedlich bewertet werden.

An der vor dem Spiel stattfindenden Diskussion nahmen »über hundert Fans aus der Südkurve« teil um die aktuelle Situation zu besprechen und das gemeinsame Verhalten am Abend zu koordinieren.

Während der Diskussion wurde deutlich, dass auf der Fanseite großes Verständnis dafür vorherrscht, dass die Vereinsführung eine gefährliche Überfüllung von Blöcken in der Arena verhindern muss. […] Der Großteil der anwesenden Fans vertrat die Auffassung, dass es die Vereinsführung aus nicht erklärbaren Gründen versäumt hat, eine Lösung zu finden, die sowohl die Sicherheitsaspekte, wie auch die Interessen der stimmungswilligen Fans, berücksichtigt. Bei den Fans ist dadurch der Eindruck entstanden, dass die Vereinsführung keinen besonderen Wert auf die in den letzten Jahren in der Südkurve gewachsenen Strukturen legt.

Ich hoffe, dass der Club Nr. 12 den Diskussionsprozess künftig so transparent halten kann wie den Protest gestern Abend. Für viele Zuschauer in der Arena oder am Fernseher war es möglich die Hintergründe zu erfahren und dumme »Was denn da schon wieder los?« Kommentare mit Fakten zu füttern. Die gemeinsame Suche nach einer Lösung wird wichtig sein und solang ein kollektiver Weg dahin führt steht die Mehrheit hinter den Aktionen der Fangruppen. Das ist kein Freibrief sondern eine Bürde, die von vielen freiwilligen Helfern tagtäglich und von Spiel zu Spiel mit Bravour getragen wird. Lasst euch nicht unter bekommen und meldet euch wenn Unterstützung notwendig wird. Das wenigste was man als Blogger oder Twitterer tun kann ist es Aufmerksamkeit und Reichweite für die Belange der Fans zu schaffen. Informationen sorgen für Transparenz und umso mehr Fans des FC Bayern München einbezogen werden umso einheitlicher kann man in einen konstruktiven Diskurs mit der Vereinsführung gehen.

Allianz Arene leer

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Leserkommentare
  1. Miasanmia

    Schöner Bericht und gute Zusammenfassung der Südkurvenproblematik.

    Eine Lösung für das Problem?
    Um ehrlich zu sein sehe ich keine.
    Dafür müsste der Verein einen Schritt in Richtung der Fans machen. Andernfalls (sollten die Fans den Boykott weiter durchziehen) müssen wir uns wohl an Bilder wie gestern gewöhnen.

    Der ClubNr12 hat schon recht. Der Verein übertreibt. Aber kann er sich eine tote Arena auf Dauer leisten? Will er gar keinen Hexenkessel?

    Traurig…

  2. Prinzipiell habe ich ja die Hoffnung dass man sich zusammensetzen und über alte Streitigkeiten hinwegsehen kann um eine Lösung herbeizuführen. Die Frage ist halt auch ob man überhaupt mit geschlossener Stimme sprechen kann, wenn da ein Protest von vllt. 500 Leute existiert und es 65000 andere im Stadion kaum zu interessieren scheint.

    Die Gesetzeslage darf man natürlich ebenso wenig außer Acht lassen. Das mag bei Stehplätzen eventuell noch gehen, aber hört bei Pyro schnell auf.

  3. […] Südkurve blieb beim Spiel gegen Lille teilweise leer. Miasanrot beschreibt den Vorgang und regt zur Diskussion an, auch weil sie nicht konform mit den Duselbayern […]

  4. […] möchte und sich für die Münchner einsetzt, zu sein. Sehr spannend waren die Erläuterungen zur leeren Südkurve in der Champions League und zum offenen Brief an Uli Hoeneß. Auch als regelmäßiger […]

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