SC Freiburg – FC Bayern München 1:2 (1:1)

Christopher Trenner 20.01.2017

Der FC Bayern verbrachte die Pause erneut in Katar und absolvierte am letzten Wochenende ein Kurzturnier in Düsseldorf, welches mit zwei Siegen gegen Düsseldorf und Mainz erfolgreich bestritten werden konnte.

Einen Wermutstropfen hatte das Trainingslager: Thiago zog sich eine nicht näher kommunizierte Muskelverletzung zu und fällt bis auf Weiteres aus.

Falls ihr es verpasst habt:

Carlo Ancelotti beantwortet die Frage 4-3-3 oder 4-2-3-1 vor dem Spiel eindeutig mit 4-2-3-1. Thomas Müller rückt auf die 10er Position, die Thiago vor Weihnachten so exzellent begleitet hat. Die restliche Aufstellung von Ancelotti liest sich dann erwartungsgemäß: die Viererkette mit Alaba, Hummels, Martínez und Lahm, davor Alonso und Vidal. Auf den Flügelpositionen agieren Robben und etwas überraschend Costa, der den Vorzug vor Ribéry bekommt. Im Sturm spielt natürlich Robert Lewandowski.

SC Freiburg gegen Bayern München, AufstellungSC Freiburg gegen Bayern München, 20.01.2017, Grundformationen.

Christian Streich hat ebenfalls nur wenige Überraschungen parat. Eine 4-4-2 Grundformation mit Grifo und Philipp auf den Flügelpositionen und Haberer und Niederlechner im Sturm. Frantz und Höfler begleiten die Doppelsechs. In der Abwehr Torrejon und Guide im Zentrum. Günter und Stenzel auf den Außenverteidigerpositionen.

Die Partie beginnt mit extremem Pressing von Freiburg, die gezielt den Bayernaufbau unterbinden. Hummels und Martínez finden in den ersten Minuten keinen Weg, um sich aus der Umklammerung zu befreien.

In der vierten Minute gibt es Einwurf für den FC Bayern. Alaba wirft auf Lewandowski, der von drei Gegnern zugestellt ist. Der zweite Ball landet bei den Freiburgern, die mit Tempo auf die Abwehr zulaufen können. Grifo bedient Hummels, dieser kann nicht ausreichend genug klären und erlaubt Grifo eine zweite Chance; diesmal findet er Haberer, der in die Schnittstelle startet und Neuer aus halbrechter Position mit einem Rechtsschuss überwindet. Das 1:0 für Freiburg in der 4. Minute.

Freiburg nutzt diese starke Phase und übt weiter hohen Druck aus. In der Folge hat Niederlechner nach einem weiteren Fehler im Bayernaufbau eine Schusschance (6.).

Nur Sekunden später flankt Philipp, doch Torschütze Haberer kann den Ball nur unzureichend verarbeiten, sonst hätte sich womöglich abermals eine Möglichkeit für die Hausherren ergeben.

Die ersten 15 Minuten bestimmen klar die Hausherren das Spielgeschehen, lediglich einen Konter über Robben kann der FC Bayern halbwegs sauber vortragen. Viele Abspielfehler und fehlerhafte Positionierungen der Münchner machen es den Freiburgern zunächst sehr einfach.
Nach nicht mal ganz 20 Minuten hat die Freiburger Mannschaft bereits über vier Kilometer mehr abgespult als ihre Gegner. Dieser Wert alleine zeigt die unterschiedliche Intensität, mit der beide Mannschaften die Partie angehen.

Mitte der ersten Hälfte beginnt die Partie dann aber zu kippen und der FC Bayern bekommt mehr Kontrolle. Vidal spielt wesentlich zentraler und Lewandowski lässt sich stärker ins Mittelfeld fallen. Dadurch ergibt sich mehr Kontrolle im Zentrum für die Mannschaft von Ancelotti, begünstigt natürlich durch das nachlassende Pressing der Freiburger.

Die erste ernstzunehmende Chance haben die Münchner dann in der 28. Minute. Nach einer Flanke und grenzwertigem Einsatz von Costa kommt Vidal im halblinken Strafraumeck zum Abschluss. Der Schuss hat viel Effet, kann aber von Schwolow pariert werden.

Die Bayern ziehen weiter das Tempo an. Die Pässe werden sicherer und die Seitenverlagerungen flotter vorgetragen. Die Folge: Costa kann in der 35. Minute scharf ins Zentrum flanken, Lewandowski nimmt den Ball mit dem Rücken zum Tor an, sein Drehschuss wird aber abgeblockt.

Die anschließende Ecke bringt den Ausgleich für die Münchner. Costa zieht die Ecke weg vom Tor und findet halbhoch Lewandowski, der nimmt den Ball Volley und trifft diesmal ins lange Eck (35.).

Unverändert kommen beide Mannschaften aus der Kabine. Der FC Bayern kann sofort an die langen Ballbesitzphasen anknüpfen. Es entwickelt sich der logische Spielverlauf: Der FC Bayern agiert und Freiburg versucht; über Konter zum Erfolg zu kommen. In den ersten Minuten gibt es durchaus gute Möglichkeiten. Müller hat zwei Szenen im Strafraum und Robben einen guten Abschluss außerhalb des Sechzehners. Auch Mats Hummels kommt per Kopfball zu einem Eintrag im Statistikbuch. Ab der 60. Minute verliert der FC Bayern aber merklich an Zug, das 4-4-2 der Freiburger steht stabiler. Den Bayern gelingen immer seltener Durchbrüche auf den Außenbahnen.

Zwangsläufig reagiert Ancelotti in der 70. Minute mit einem Doppelwechsel: Ribéry und Bernat kommen für Costa und Alaba. Im Gegensatz zur ersten Halbzeit beginnt Freiburg erst in der Schlussviertelstunde mit intensivem Pressing, welches die Münchner erneut vor Probleme stellt. Der Spielaufbau von Abwehr- ins Mittelfelddrittel geht durchaus schwerer von der Hand.

In der 82. Minute hat der FC Bayern die große Chance zur Führung. Schwolow läuft Frantz bei einer Münchner Ecke in den Rücken und legt Robben den Ball auf. Dieser versucht den Kunstschuss, kann das leere Tor aber nicht treffen.

Auf der Gegenseite hat Freiburg nach gelungen Kontern über Philipp und Petersen zwei Möglichkeiten auf den Sieg. Die Bayern versuchen es verstärkt mit Vertikalität durchs Zentrum. Eine Idee, die aufgrund der starken Staffelung der Freiburger schon im Keim erstickt wird.

Als sich alle Beteiligten bereits auf Unentschieden geeinigt haben, sind es Franck Ribéry und Robert Lewandowski. Ribéry, dem nach seiner Einwechselung wenig bis nichts gelingt, schleppt den Ball ins letzte Drittel und flankt auf Lewandowski, der Pole pflückt den Ball entgegen aller Gesetze der Schwerkraft runter, jongliert und schiebt ihn ins lange Eck. Ein unglaubliches Tor.

Der FC Bayern gewinnt das letzte Spiel der Hinserie, das zugleich erste Spiel des Jahres 2017 ist, glücklich. Die Freiburger hätten sich aufgrund der couragierten Leistung einen Punkt verdient gehabt. Bemerkenswert war überdies der erneut holprige Start, bedingt durch das starke Pressing der Freiburger. Auch in Mainz hatten die Münchner ähnliche Probleme.

Drei Dinge die auffielen

1. Müller ist kein Thiago

Thiago krönte gegen Leipzig seine überragende Hinserie. Er war der beste Spieler der bisherigen Saison, weil er seine Leistungen konstant abgerufen hat – umso bitterer jetzt sein Ausfall. Gegen Freiburg wurde er von Thomas Müller ersetzt, der gegenwärtig eher am anderen Ende der Erfolgsskala steht. Seine bisherige Saison ist durchaus als Enttäuschung zu bewerten. Umso interessanter war der Quervergleich Thiago gegen Müller. Es war deutlich zu sehen, dass Müllers Spiel ein anderes ist: nur 31 Ballaktionen hatte Müller in den ersten 45 Minuten, und das, obwohl der FC Bayern 76% Ballbesitz hatte. Die Interpretation der 10er Rolle war eine gänzlich andere als bei Thiago. Während der Spanier den Raum proaktiv durch sein Pass- und Positionsspiel versucht zu gestalten, ist es bei Müller eher das Raumdeutungsspiel. Sein Spiel ist wesentlich passiver, da er eher versucht, durch Läufe seine Mitspieler in Szene zu setzen.

Das hat gegen Freiburg aber nur bedingt funktioniert, da die Freiburger zunächst mit aggressivem Pressing aufliefen und dann mit zunehmendem Spielverlauf passiver wurden. Als Freiburg sich am Ende der ersten Halbzeit mehr zurückzog, lief fast alles über die linke Seite. Müller unterstütze hier nur wenig und so gingen die ersten 45 Minuten spurlos an ihm vorbei.

In der zweiten Halbzeit war Müller zunächst besser eingebunden, da er tiefer spielte und gezielt versuchte, in die Spitze zu stoßen und so eine weitere Option im Strafraum war. Der Aktionsradius vergrößerte sich spürbar, und zwei Strafraumszenen in den ersten 10 Minuten waren die Folge. Im Anschluss an diese guten Szenen brach das Spiel der Münchner mehr und mehr ein, Müller konnte keinerlei Akzente mehr setzen. Er konnte die berühmten 50:50 Zweikämpfe nicht mehr für sich gewinnen.

Es wird in der Summe mehr brauchen als nur 10 – 15 gute Minuten, will Müller das Spiel der Bayern wieder entscheidend prägen.Dafür hatte er schlichtweg zu wenig Ballaktionen. Dies gab Müller überaus offen nach dem Spiel vor dem Sky-Mikro auch selbst zu.

2. Comeback

Es war nicht das erste “Comeback” der Saison 2016/17. Späte Siege gegen Hamburg, Darmstadt oder Schalke prägen die bisherige Saison. Den Münchnern reicht häufig die individuelle Klasse und weniger die taktische Finesse, um Spiele für sich zu entscheiden. Auffällig ist, dass sich die Münchner vor allem auswärts schwer damit tun, die nötige Dominanz auf den Rasen zu bringen. Das ist insofern bemerkenswert, als dass für die Münchner in den nächsten vier Partien noch drei weitere Spiele auf fremdem Platz anstehen.

In der Summe konnten sich die Münchner bisher vor allem über ihre individuelle Qualität retten. Lewandowski gegen Schalke und Freiburg, Thiago gegen Hamburg und Costa gegen Darmstadt. Es bedurfte in allen Spielen Weltklasse-Aktionen, um zu gewinnen. Hier muss Carlo Ancelotti in den nächsten Wochen ansetzen. Der FC Bayern kann und sollte nicht darauf vertrauen, jedes Auswärtsspiel durch das außergewöhnliche Können seiner Spieler zu gewinnen.

 Robert Lewandowski erzielte beide Tore gegen Freiburg. (Foto: THOMAS KIENZLE/AFP/Getty Images)
Robert Lewandowski erzielte beide Tore gegen Freiburg.
(Foto: THOMAS KIENZLE/AFP/Getty Images)

3. Robert Lewandowski

Der Miasanrot Spieler des Jahres 2016 sammelt gleich im ersten Spiel neue Argumente für das Jahr 2017. Zwei Szenen reichten dem Stürmer, um das Spiel zugunsten seiner Mannschaft zu drehen. Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob Lewandowski nicht noch mehr zum Spiel hätte beitragen können, wie er es zwischenzeitlich tat. Solange er Spiele in dieser Art und Weise für den FC Bayern entscheidet, genügen lediglich vier Schüsse.

Mit 14 Toren in den ersten 17 Spielen der Saison schickt sich Lewandowski erneut an, die ‘magische 30 Tore Marke’ erneut anzugehen. In Spielen mit ähnlichen Charakteristika wie diesem, scheinen die Münchner ihre Nummer 9 mehr denn je zu brauchen. Waren es vor Jahren noch die Flügelstürmer Ribéry & Robben, schlägt das Pendel zunehmend Richtung Lewandowski aus. Tore wie das 2:1 in der 91. Minute unterstreichen diese These. Umso wichtiger erscheint in diesem Licht die Vertragsverlängerung mit Lewandowski.

SC Freiburg – FC Bayern 1:2 (1:1)
SC Freiburg Schwolow – Stenzel (83. Kübler), Gulde, Torrejón, Günter – Philipp, Höfler, Frantz, Grifo – Haberer (80. Bulut), Niederlechner (70. Petersen)
Bank Gikiewicz – Abrashi, Schuster, Hufnagel
FC Bayern München Neuer – Lahm, Martínez, Hummels, Alaba (71. Bernat) – Alonso, Vidal (55. Kimmich) – Robben, Müller, Costa (71. Ribéry) – Lewandowski
Bank Starke – Rafinha, Sanches, Coman
Tore 1:0 Haberer (4.), 1:1 Lewandowski (36.), 1:2 Lewandowski (90.+1)
Karten Haberer, Schwolow / Alonso, Costa
Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin)
Zuschauer 24.000 (ausverkauft)

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