Bayern Munich's French midfielder Franck Ribery (R) and Anderlecht's Romanian forward Alecandru Chipciu vie for the ball during the Champions League group B match between Bayern Munich and RSC Anderlecht in Munich, southern Germany, on September 12, 2017. / AFP PHOTO / GUENTER SCHIFFMANN (Photo credit should read GUENTER SCHIFFMANN/AFP/Getty Images)

FC Bayern vs. RSC Anderlecht 3:0

Christopher Trenner 12.09.2017

Über weite Strecken konnte Anderlecht das Spiel in Unterzahl aber offener gestalten, als es das Ergebnis ausdrückt.

Falls Ihr es verpasst habt:

Carlo Ancelotti veränderte seine Startelf auf vier Positionen. Hummels, Rudy, Müller und Coman blieben draußen. Neu dabei waren Süle, Ribery, Robben und James. Taktisch ergab sich dadurch ein 4-2-3-1. Tolisso und Thiago teilten sich die Sechserpositionen. James versuchte als klarer Spielmacher, ein besseres Bindeglied zu sein als Thomas Müller in Hoffenheim.

FC Bayern München - RSC Anderlecht, Champions-League-Hinspiel, GrundformationenFCB vs. Anderlecht, Grundformationen

Anderlechts Trainer René Weiler, der in der belgischen Liga einen holprigen Start erwischte und sich aktuell nur auf Platz Zehn wiederfindet, tauschte nach dem 3:2-Sieg über Lokeren ebenfalls auf vier Positionen: Sels, Chipciu, Kums und Stanciu spielten für Boeckx, Obradović, Bruno und Onyenkuru.

Die erste Szene prägte fortan das komplette Spiel. Tolisso spielte aus der Zentrale einen hohen, weiten Ball auf Lewandowski. Der Pole ging mit Vorsprung ins Laufduell gegen den Defensivmann Kums. Der Spieler von Anderlecht wusste sich nur mit einem Foulspiel zu helfen. Tagliavento aus Italien zückte die rote Karte und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Wie so oft in der Vergangenheit galt auch hier der Satz: “Der gefoulte verwandelt selbst.” Lewandowski hatte wenig Mühe, Sels zu verladen. Die frühe 1:0-Führung für die Bayern (12.).

Anschließend fehlte dem FC Bayern allerdings der ganz klare Zug zum zweiten Tor. Die Bayern versuchten es mit vielen vertikalen Pässen und kamen durch zwei Freistöße von Lewandowski und James zu weiteren Abschlüssen. Weilers Anderlecht blieb derweil seiner Grundausrichtung treu und verteidigte in Unterzahl relativ hoch in einem 4-4-1-System. Die zwei Viererketten verdichteten das Spielfeld ordentlich.

Anderlecht stieß über Konter immer wieder gefährlich vor. Dendoncker ging in der 39. Minute auf links unbedrängt bis zur Grundlinie durch und durfte den Ball dann nach hinten zu Stanciu durchbringen. Dieser war mit der Situation leicht überfordert und konnte die Kugel nicht verarbeiten. Das hätte der Ausgleich sein können.

Das Münchner Spiel war zunehmend geprägt von zu vielen Einzelaktionen. Durch schlechte Laufwege bzw. Positionierungen und unpräzise Pässe konnten die Münchner kaum Kapital aus der Überzahl schlagen und hatten viele einfache Ballverluste in unnötigen Eins-gegen-Eins-Duellen zu verzeichnen. Somit ging es mit einer 1:0-Führung für die Münchner in die Kabine.

Ancelotti reagierte zur Halbzeit noch nicht. Bayern verbuchte wieder viel Ballbesitz, doch die größeren Chancen hatte zunächst Anderlecht. Nach einem Abschlag schaltete der RSC blitzschnell um, während alle Bayern-Spieler nicht in die Zweikämpfe kamen. Teodorczyk band sowohl Martínez als auch Kimmich am Fünfer und schaffte so Platz für Chipciu. Bei freier Schussbahn traf dieser jedoch nur den linken Pfosten. Erneut Glück für die Bayern.

Nach der Chance des Gegners war der FC Bayern um mehr Souveränität bemüht. Über längere Ballstafetten im Mittelfeld gewannen die Münchner mehr Kontrolle über die Partie und kamen immer wieder zu Halbchancen. In der 64. Minute war eine lange Kombinationskette der Ausgangspunkt für das 2:0. Tolisso verlagerte aus dem Zentrum heraus das Spiel schnell auf die rechte Seite, dort hatte Kimmich Platz, um nach innen zu spielen. Thiago stieß in den Strafraum nach und hatte am zweiten Pfosten wenig Mühe, den Ball im Tor unterzubingen.

In der 90. Minute erzielte Kimmich noch das 3:0. Boateng spielte einen Steilpass genau in die Schnittstelle der Abwehr. Kimmich sah sich somit nur noch mit Sels konfrontiert, den er gekonnt auswackelte und zum Endstand einschob.

Am Ende siegte der FC Bayern souverän mit 3:0 gegen nicht chancenlose Anderlechter, die ihrerseits durchaus Möglichkeiten hatten, es dem FC Bayern noch schwerer zu machen. Bereits am nächsten Champions-League-Spieltag könnte es zu einem vorentscheidenden Spiel kommen. Dann treten die Münchner in Paris an.

Drei Dinge, die auffielen:

1. Schlechtes Zusammenspiel

Der frühe Platzverweis für Anderlecht half dem FC Bayern nicht. Im Gegenteil. Die Staffelung zwischen Mittelfeld und Angriffsreihe war über weite Strecken der Partie viel zu groß. Selbst der Abstand Mittelfeld zu Abwehr war alles andere als optimal. Dadurch ergaben sich viele einfache Fehler, weil der ballführende Spieler keine Anspielstationen hatte oder nur den Risikopass spielen konnte. Die Münchner hatten am Ende der ersten Halbzeit eine Passquote von unter 90% und nur 49% der Zweikämpfe gewonnen. Eher schlechte Werte für eine Mannschaft in Überzahl. Sie belegen, dass die Pass- und Zweikampfauswahl alles andere als optimal war.

Somit konnte sich die Mannschaft von Ancelotti nur selten gegen das 4-4-1 von Anderlecht durchkombinieren bzw. Gefahr erzeugen. Mit fortlaufender Spielzeit gelang dies besser. Das 2:0 war schlussendlich die Entscheidung. Bis zur 60. Minute allerdings mangelte es dem Spiel des FC Bayern an Abstimmung.

2. James ist bemüht

Der kolumbianische Nationalspieler kam zu seinem Startelfdebüt im Trikot des FC Bayern. Nachdem er kurz nach seiner Ankunft mit einer Muskelverletzung ausfiel und die Länderspielpause einen früheren Einsatz verhinderte, gehörte er in der Champions League erstmals zur ersten Elf. Seine Zahlen lesen sich durchaus ansprechend. 92 Ballkontakte, neun Flanken und vier Key Pässe.

In der 37. Minute steckte James zentral durch auf Robben und nahm so mit einem Pass mehrere Gegenspieler aus der Partie. Diese Szenen sind es, die der FC Bayern von James erwarten kann, erwarten sollte. Er fügt dem Spiel so eine neue Dimension hinzu. Angriffe können auch aus dem Zentrum heraus eingeleitet werden, selbst wenn das Spielfeld eng ist. In der Summe hatte James noch zu wenige Szenen dieser Art.

Er wirkte sichtlich bemüht, dem Spiel Struktur zu geben. Auffällig waren die vielen langen Seitenverlagerungen, die James sehr präzise einstreute. Sieben von neun langen Bällen fanden ihr Ziel. Natürlich gelang nicht alles, gerade den Flanken fehlte es an Präzision.

Dennoch war es ein ordentlicher Auftritt. Das Zusammenspiel mit Thiago und Tolisso war durchaus vielversprechend. Der Zehnerraum war besser besetzt als in der bisherigen Saison. Auch wenn die Abstände noch tendenziell zu groß waren und natürlich aufgrund der Unterzahl von Anderlecht schwer zu bewerten sind.

3. Fehlender Flügelfokus

Der FC Bayern strauchelt in der bisherigen Saison nicht nur in der Zehnerraum-Besetzung, sondern auch auf den Flügelpositionen. In der 60. Minute hatten die Münchner nur drei gewonnene Dribblings zu verbuchen. Zwei auf dem Konto von Ribery und eins auf dem von Thiago. Zu wenig für eine Mannschaft, deren Kernstärke es seit Jahren ist, über die Flügel Angriffe einzuleiten. Ancelotti hat hier noch kein schlüssiges Konzept gefunden in dieser Saison. Zugleich fällt natürlich auf, dass Spieler wie Ribery und Robben nicht jünger werden. Gerade letztgenannter ist sicherlich noch nicht auf dem Niveau, das er in den früheren Jahren hatte. Hier fällt sicherlich die Verletzung vom Saisonbeginn noch ins Gewicht.

Nichtsdestotrotz gelingt es Ancelotti noch nicht eine Formation bzw. Spielzüge einzustudieren, die nach wie vor die Eins-gegen-Eins-Stärken der beiden Altstars in Szene setzen können. Gerade gegen einen Gegner in Unterzahl hätte man hier sicherlich mehr erwarten dürfen, mehr erwarten müssen. Vielleicht weniger von der linken Seite mit Rafinha und Ribery, aber durchaus vom Pärchen Robben und Kimmich – auch wenn Kimmich sich mit zunehmendem Spielverlauf besser durchsetzen konnte. Das Zusammenspiel mit Robben wirkt noch nicht so harmonisch, wie die alte Achse Lahm und Robben oder auch Alaba und Ribery. Hier fehlt es noch an Spielverständnis und an der Feinabstimmung.

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FC Bayern München – RSC Anderlecht
Bayern Neuer – Rafinha, Süle, Martínez (77. Boateng), Kimmich – Thiago, Tolisso – Ribery (78. Müller), James (85. Coman), Robben – Lewandowski
Bank Ulreich, Rudy, Friedl, Hummels
Anderlecht Sels – Najar (26. Appiah), Deschacht, Kums, Spajić, Chipciu – Hanni, Trebel, Dendoncker, Stanciu (59. Onyekuru) – Teodorczyk (Harbaoui (84.)
Bank Gerkens, Boeckx, Obradović, Adjei
Tore 1:0 Lewandowski (12., Foulelfmeter), 2:0 Thiago (65.), 3:0 Kimmich (90.)
Karten Gelb: Ribery (11.), Tolisso (74.) / Trebel (22.), Stanciu (53.); Rot: – / Kums (11.)
Schiedsrichter Paolo Tagliavento (Italien), Filippo Meli (Italien), Alessandro Costanzo (Italien)
Zuschauer 70.000

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