Joshua Kimmich, Harry Kane (FC Bayern)
Bild: Sebastian Widmann/Getty Images

Der FC Bayern verspielt eine Führung und die ungeschlagene Saison

Jonathan 24.01.2026

Nach der Qualifikation für das CL-Achtelfinale am Mittwoch hieß es nun wieder guten alten 15:30-Bundesligalltag gegen den guten alten FC Augsburg. Dabei änderte Kompany die Startelf drei Mal: Goretzka durfte für Kimmich ran und beide Außenverteidigerpositionen wurden neu besetzt.

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Auf rechts spielte Davies statt Guerrero und links Ito statt Bischof. Die Tatsache, dass hier vier Namen von Linksfüßen genannt werden, spricht Bände über die personelle Situation für die rechte Verteidigungsseite in München.

Ein Sieg war natürlich trotzdem die Erwartung gegen eine Mannschaft aus Augsburg, die nach einem anfänglichen Erfolg unter Manuel Baum keins der letzten fünf Spiele gewinnen konnte.

Was der FC Bayern vom Arsenal-Spiel gelernt hat.

Das Spiel begann zwar mit Balldominanz der Bayern, aber mit wenigen zwingenden Toraktionen. Die meiste Aktivität brachten Pavlović und Díaz, die auch verantwortlich für die größte Chance der ersten zehn Minuten waren: Pavlović schickt den Kolumbianer auf der rechten Seite mit einem langen Ball. Díaz zieht dann mit einem tollen Dribbling in den Strafraum und kommt zum Abschluss.

In der Folge plätscherte das Spiel aber etwas vor sich hin. Bayern hatte viel den Ball ohne durchzukommen, aber auch ohne viel zuzulassen. Einmal konnte Augsburg die hohe Positionierung der Münchener Außenverteidiger mit Ball für einen vielversprechenden Konter nutzen – dem entsprang im Endeffekt aber nur eine harmlose Ecke.

Von harmlosen Ecken hat Michale Olise im Gegensatz dazu noch nie was gehört. In der 23. Minute schlug der Franzose eine Ecke Arsenalesque eng vor das Tor, wo Hiroki Ito zur Führung einköpfen konnte. Das ist damit Olises 22. Assist in allen Wettbewerben – damit fehlen ihm noch acht Stück, um Messis Rekord aus der Saison 2011/2012 zu knacken.

Das Tor war ein Startschuss für eine kurze Feuerphase der Bayern: In Person von Karl und zwei Mal Díaz gab es direkt drei gute Chancen in den folgenden sechs Minuten. Doch bevor der FCB das zweite Tor drauflegen konnte, gelang es den Fuggerstädtern wieder mehr Ruhe in die Partie zu bringen.

Und so schien die Halbzeit zu Ende zu gehen, bevor beide Mannschaften direkt vor dem Pfiff nochmal zu Chancen kamen: Zuerst konnte Luis Díaz – der an vielen Aktionen in der ersten Hälfte beteiligt war – eine gefährliche Hereingabe nicht an den Mann bringen und Harry Kanes Schuss kurz darauf wurde geblockt. Auf der anderen Seite hämmerte Robin Fellhauer den Ball aus spitzem Winkel an die Latte.

Blutleere zweite Halbzeit gegen nerviges Augsburg zu wenig.

Nachdem der FC Bayern sich in den vergangenen Wochen oft dadurch ausgezeichnet hatte, mit mehr Feuer aus der Pause zu kommen und Spiele in der zweiten Halbzeit an sich zu reißen. Das gelang gegen den FCA nicht.

Stattdessen wurden die Gäste im Verlauf des zweiten Durchgangs immer stärker und fassten den Mut auch mal früh zu stören. Dadurch kamen sie immer wieder zu Halbchancen und erzwangen eine dunkelgelbe Karte für Jonathan Tah, der, nachdem er von Fabian Rieder ausgedribbelt worden war, den Ball nur noch mit der Hand zu stoppen wusste – und das als fast-letzter Mann.

Den folgenden Freistoß konnte Jonas Urbig noch knapp um den Pfosten lenken. Doch bei der Ecke sah der junge Schlussmann dann schlecht aus. Urbig kam raus, um die Kugel runterzupflücken. Die Aktion war jedoch nicht von Erfolg gekrönt und so segelte der Ball auf den Kopf von Arthur Chaves und von dort ins Tor.

Und statt einer energischen Reaktion der Münchner, setzten die Augsburger fünf Minuten später noch einen drauf. Giannoulis hat gegen Kimmich leichtes Spiel, seine Athletik zu nutzen, und gibt überlegt in die Mitte zu Massengo, der von Musiala unzureichend gedeckt einnetzt. Spiel gedreht.

Die Bayern brauchten eine Weile, um sich nochmal zu sammeln. In der letzten Minute recycelte Olise nochmal eine verteidigte Ecke und zirkelte den Ball in bekannter Manier in Richtung Kasten. Doch die Kugel, die für Bayer Leverkusen vor zwei Jahren wahrscheinlich reingeflogen wäre, klatschte ans Kreuzeck und raus aus dem Strafraum.

Damit stand die erste Bundesliga-Niederlage der Saison.

Dinge, die auffielen

Phonzie Davies ist wieder da! Aber er ist leider kein Rechtsverteidiger.

Der Kanadier stand erstmal seit deiner Verletzung wieder in der Startelf, allerdings auf der ungewohnten rechten Seite der Verteidigung.

Einerseits merkte man ihm vielleicht noch den letzten Rost an, den er ablegen muss. Andererseits konnte man an Alphonso Davies heute ganz klar die Nachteile eines reinen Linksfußes auf der rechten Seite erkennen. In der Offensive tat er sich immer wieder schwer in die richtigen Aktionen zu kommen.

Seine Laufwege waren häufig unpassend und führten ihn in Situationen, in denen er mit einem guten rechten Fuß besser ausgesehen hätte. Gerade in Kombination mit Olise – den es auch immer wieder in die Zentrale zieht – war das eine suboptimale Besetzung des rechten Offensivraumes.

Leon Goretzka und Aleks Pavlović – eine Geschichte zweier Sechsertypen

Vorneweg: Leon Goretzka ist ein guter Fußballspieler. Seine Orientierung nach vorne ohne Ball ist sehr gut und er bietet so eine physische Präsenz in der letzten Linie, die kein anderer Sechser im Münchner Kader bieten kann.

Allerdings hat das Spiel gegen Augsburg exemplarisch gezeigt, warum Aleksandar Pavlović (unter Kompany) so viel besser funktioniert. In fast jeder Ballaktion ist sichtbar, dass die beiden das Spiel grundlegend anders spüren und denken.

Goretzka ist risikoavers und dreht lieber nochmal ab für den Quer- oder Rückpass. Pavlović will den Ball immer näher zum gegnerischen Tor bringen – gerne auch mit etwas Risiko und einem Chip oder einem Ball in einen eng besetzten Raum.

Auch in ihrem Stellungsspiel im Ballbesitz sind klare Unterschiede zu erkennen: Goretzka bietet sich schon an, steht aber auch oft regungslos im Deckungsschatten eines Gegners. Pavlović bietet sich immer an und fordert den Ball. Er sieht sich viel mehr als Spielgestalter. Und auch gegen den Ball ist der vermeintliche Vorteil, den Goretzka durch seine Physis hat, kaum sichtbar.

Es ist klar, dass Kimmich und Pavlović die beste Doppelsechs in München bilden – und Kompany sieht es ja genauso. Nur sind die Beobachtungen zu Goretzka wichtig, wenn es bald wieder um eine Vertragsverlängerung oder eine WM-Nominierung von Goretzka geht.

Ein Februar der Ruhe wartet auf den FC Bayern!

Es war heute erstaunlich leicht für den FC Augsburg, die Münchener Offensive in der zweiten Halbzeit lahmzulegen. Der FC Bayern konnte keine Kontrolle ins Spiel bringen und war auch nach der Einwechslung von Kimmich und Musiala anfällig für energisches Augsburger Pressing.

Es fehlte an Genauigkeit in allen Aufbaupasen und an Spritzigkeit im letzten Drittel. Die Bewegungen im Stellungsspiel mit und gegen den Ball waren deutlich weniger energetisch als gewohnt. Das war schon in der ersten Hälfte sichtbar und war nach dem Pausentee nur noch verstärkt.

Die schlechte Nachricht: Dieses Spiel ist verloren und es wird nochmal intensive Phasen geben – vor allem in der entscheidenden Phase der Saison.

Die gute Nachricht: Dann sind hoffentlich weniger Spieler verletzt und jetzt geht es erstmal in einen ruhigeren Februar. Durch die direkte Qualifikation für das Achtelfinale der Champions League hat der FCB nächste Runde spielfrei. Das bedeutet, dass die einzige englische Woche im Februar durch das Pokalspiel gegen Leipzig kommen wird.

Im März kann man dann hoffentlich auskuriert und besser erholt nochmal voll angreifen und in allen Wettbewerben ganz vorne mit dabei sein.

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