FC Bayern siegt spät beim SC Freiburg
Beim FC Bayern gab es im Vergleich zum Kantersieg gegen Union Berlin eine umfassende personelle Zäsur, da die Münchner gleich auf fünf Positionen rotierten. Das geschah natürlich im Hinblick auf das Spiel in Madrid am Dienstag.
Neben dem verletzten Kane musste der Rekordmeister auch auf Jackson verzichten, der wegen seines Platzverweises beim Remis in Leverkusen zum Zuschauen gezwungen war. So kehrte der inzwischen 40-jährige Kapitän Manuel Neuer für Urbig in den Kasten zurück, während Tah nach abgesessener Sperre gemeinsam mit Bischof, Guerreiro und Luis Diaz die Startelf komplettierte.
Für Laimer, Upamecano und Olise blieb dagegen zunächst nur der Platz auf der Bank, während Rückkehrer Pavlovic immerhin wieder ein Teil des Aufgebots war.
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Die Münchner standen vor dem Spiel bei 97 Treffern in der Liga und waren somit auf Kurs den Rekord aus der Saison 1971/72 zu brechen.
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Der Spielverlauf
FC Bayern gehemmt in der ersten Halbzeit
Obwohl der FC Bayern München die erste Halbzeit mit satten 68 % Ballbesitz und einer Passquote von 91 % statistisch dominierte, tat sich der Rekordmeister sichtlich schwer mit der Freiburger Intensität. Das Spiel der Münchner wirkte phasenweise gehemmt, da die Breisgauer den Spielaufbau durch extremes Pressing und giftige Zweikämpfe immer wieder unterbrachen.
Dass es zur Pause beim 0:0 blieb, verdankten die Bayern vor allem Manuel Neuer, der unter anderem gegen Lucas Höler (27.) und bei einem, wenn auch wohl abseitsverdächtigen, Kopfball von Lienhart (33.) mit Weltklassereflexen rettete.
Offensiv brauchte die Mannschaft von der Säbener Straße lange, um wirklich zwingend zu werden. Zwar gab es durch Kimmich und Gnabry Annäherungen, doch die beste Torszene des Meisters resultierte erst kurz vor dem Pausenpfiff aus einer chaotischen Situation (42.): Nach Ballgewinn von Gnabry (an Manzambi) und Vorarbeit von Lennart Karl folgte ein missglückter Rückzieher von Díaz, dann aber vergab Tom Bischof aus kurzer Distanz die Chance zur Führung, als er den Ball über das Tor jagte.
Trotz einer optischen Überlegenheit und eines xG-Werts von 0,79 (Freiburg 0,77) ging der FCB mit einem schmeichelhaften Remis in die Kabine, da der SC Freiburg bei den klaren Chancen ein deutliches Plus verzeichnete.
Spektakuläre zweite Halbzeit
Die zweite Halbzeit im Europa-Park Stadion begann für den FC Bayern mit einem regelrechten Kaltstart: Bereits in der 46. Minute gerieten die Münchner durch einen Distanzschuss von Manzambi in Rückstand, nachdem man den Ball im Aufbau leichtfertig verloren hatte. Da die Mannschaft defensiv kaum Zugriff fand und Freiburg weitere Großchancen durch Höler zuließ, reagierte Vincent Kompany in der 55. Minute mit einem riskanten Dreierwechsel und brachte unter anderem Michael Olise.
Olise belebte das Offensivspiel sofort, vergab jedoch nur eine Minute nach seiner Einwechslung freistehend den Ausgleich. In einer Phase, in der Bayern zwar drückender wurde, aber oft die entscheidende Lücke in der tiefstehenden Freiburger Abwehr vermissen ließ, folgte der nächste Rückschlag: Nach einer Ecke konnte Manuel Neuer den Ball nicht entscheidend klären, sodass Höler in der 71. Minute zum 2:0 für den SCF traf.
In der Schlussphase warfen die Bayern alles nach vorne. Nachdem Luis Diaz noch am glänzend parierenden Noah Atubolu gescheitert war, keimte in der 81. Minute wieder Hoffnung auf, als Tom Bischof per Distanzschuss den 2:1-Anschlusstreffer erzielte. Und Bischof schlug dann sogar erneut zu! In der 92. Minute markierte er mit einem Fernschuss das 2:2.
Doch das war noch nicht das Ende, der Druck wurde immer größer und nach einem überragenden Pass von Kimmich auf Davies vollendete Karl zum 3:2 Sieg in der letzten Minute des Spiels. Was für einen Rückkehr nach dem 2:0-Rückstand.
Vier Dinge, die auffielen
Bayern unkonzentriert: Aggressives Pressing des Gegners wirkt
Der SC Freiburg unterstrich seine mutige Ausrichtung durch ein bemerkenswert aggressives Pressing, das die Bayern zu Beginn gar nicht erst zur Entfaltung kommen ließ. Exemplarisch dafür stand eine Szene aus der vierten Minute: Dass die Breisgauer selbst einen Manuel Neuer extrem hoch anliefen, glich bei dessen spielerischer Klasse normalerweise einem schweren Unterfangen, doch die Risikobereitschaft zahlte sich aus, als Lucas Höler den Ball tief in der gegnerischen Hälfte erzwang.
Diese Szene war kein Zufall, sondern das Ergebnis einer konsequenten Mannorientierung. Freiburg agierte gallig, blieb stets eng am Gegenspieler und erstickte den Spielfluss der Gäste durch schiere Intensität und Bissigkeit bereits im Keim.
Immer wieder kam es zu hohen Ballgewinnen, was die Bayern nicht wirklich in den Griff bekamen. Das 1:0 kurz nach Beginn der zweiten Hälfte war dann auch die Folge mehrerer für dieses Spiel typischer Fehler, wie die mangelhafte Restverteidigung. Freiburg provozierte durch hohes Pressing einen Ballverlust, und da die Bayern-Sechser in dieser Phase zu weit aufgerückt waren, konnte Manzambi aus 25 Metern völlig unbedrängt abschließen. Hier fehlte die Kompaktheit vor der Abwehrkette komplett.
Da viele Stammspieler geschont wurden, sollte das vor dem Spiel in Madrid zwar nicht für allzu große Sorgenfalten sorgen, trotzdem wirkte das Spiel teilweise zu unsauber und unkonzentriert. Im Bernabéu darf nichts von der Spielweise vor dem 2:1 Anschlusstreffer übrig bleiben.
Manuel Neuer zwischen Leichtsinn und Topform
Die Anfangsphase der Partie im Europa-Park Stadion war für Manuel Neuer von zwei gegensätzlichen Momenten geprägt. In der 5. Minute leistete sich der Kapitän einen Unsicherheitsfaktor, als er am eigenen Sechzehner den Ball an Lucas Höler verlor, was jedoch ohne Folgen blieb. Im Anschluss stabilisierte sich Neuer und rückte mit mehreren Paraden in den Fokus: In der 27. Minute entschärfte er einen Flachschuss von Beste souverän, bevor er nur eine Minute später einen Volleyschuss von Höler stark abwehrte.
Seinen auffälligsten Moment verzeichnete der 40-Jährige in der 34. Minute, als er einen Kopfball von Lienhart aus kurzer Distanz mit einem Reflex parierte. Bemerkenswert ist, wie schnell Neuer in zwei dieser Szenen (28. und 34. Minute) zur Stelle war. Neuer zeigte, dass er auf der Linie zur Zeit noch immer absolut souverän agiert, der Leichtsinn aus den Anfangsminuten gab vor dem Spiel in Madrid aber auch Anlass zur Sorge. Denn auch beim 2:0 durch Freiburg nach einer Ecke wirkte Neuer unsicher und nicht als stabiler Faktor.
Welcher Neuer zur Zeit der wahre Neuer ist, muss sich in den Duellen gegen Real zeigen, wenn denn nicht Urbig im Kasten stehen sollte.
Riskante aber erfolgreiche Brechstange bei den Einwechslungen
Der radikale Dreierwechsel in der 55. Minute markierte den strategischen Wendepunkt der Partie, als Vincent Kompany durch die Herausnahme von Jonathan Tah zugunsten des polyvalenteren Konrad Laimer der Defensive ihren physischen Anker entzog. Dieses riskante Vabanquespiel opferte die gewohnte Statik des Spiels einer totalen Offensive, was sich umgehend als zweischneidiges Schwert erwies:
Zwar zündete der „Faktor Olise“ sofort und sorgte für neuen Schwung sowie eine erste Großchance, doch der Preis für diese Belebung war eine gefährliche Anfälligkeit im Zentrum. In der Folge verlor Bayern die defensive Balance, wodurch Freiburg fast ungehindert zu mehreren Abschlüssen im Strafraum kam.
Die Münchner verfielen in eine Art „Alibi-Dominanz“. Da sich zu viele Spieler auf engstem Raum am gegnerischen Strafraum festsetzten, fehlten die notwendigen Tiefenläufe, um die kompakte Freiburger Kette auseinanderzuziehen, eine räumliche Enge, die den Hausherren defensiv in die Karten spielte. Diese schwindende Konzentration und die taktische Unordnung gipfelten schließlich beim 2:0 in der 71. Minute.
Allerdings spricht das Endergebnis für die Taktik von Kompany und das sollte vor Dienstag genug Selbstvertrauen geben.
Tom Bischof ist angekommen
Zum späten Retter avancierte Tom Bischof, der mit einem Doppelpack innerhalb von elf Minuten den Weg zu Sieg sicherte. Nachdem er in der 81. Minute zunächst mit einem präzisen Rechtsschuss seinen Premierentreffer für den FC Bayern in der Bundesliga markiert hatte, bewies der Youngster in der Nachspielzeit (90’+2) erneut seine Kaltschnäuzigkeit aus der Distanz:
Nach einer kurz ausgeführten Ecke von Olise und der Ablage von Laimer versenkte er den Ball diesmal mit dem linken Fuß flach im rechten Eck zum 2:2. Damit brachte Bischof den Bayern in einer dramatischen Schlussphase mit purer Effizienz aus der zweiten Reihe in Richtung Sieg. Markiert das seine finale Ankunft im Team des FC Bayern?


