FCBB04_2014/2015

FC Bayern München – Bayer 04 Leverkusen 1:0 (0:0)

Christopher Trenner 06.12.2014

Falls Ihr es verpasst habt:

Pep Guardiola änderte vor der Partie die Aufstellung nur auf einer Position: Benatia ersetzte den doch in Berlin sehr fahrig agierenden Dante in der Innenverteidigung. Ansonsten ließ Guardiola die Elf unverändert. Somit sprach zunächst vieles für das gleiche taktische Vorgehen wie gegen Hertha BSC: Robben auf der 10er-Position in einem System mit Raute. Allerdings war es mehr ein klassisches 4-1-4-1-System mit einem Lewandowski auf einer zuweilen sehr ungewöhnlichen Position – als linker Außenstürmer. Auf der anderen Seite wechselten sich Robben und Müller immer wieder ab. Mal war Müller auf der 8er-Position unterwegs mal Robben. Leverkusen brachte wie erwartet Toprak, der nach einer Verletzung wieder in die Mannschaft zurückkehrte. Als linker Außenverteidiger setzte Roger Schmidt auf den defensiv stärkeren Wendell anstelle von Boenisch. Taktisch spannend waren zudem die Rochaden von Spahic und Jedvaj. Die in der ersten Halbzeit viele Zweikämpfe auf den Flügeln gewannen.

Leverkusen begann druckvoll und presste mit bis zu fünf Spielern im letzten Drittel. Durch einen Abstimmungsfehler zwischen Boateng und Alonso konnte Bellarabi frei auf Neuer zulaufen. Sein Chip war aber nicht scharf genug und konnte von Bernant noch klar vor der Torlinie geklärt werden. Zwischen der 10. und 15. Minute bekam der FC Bayern die Partie besser in den Griff, wobei auffällig war, dass Lewandowski sich weit auf die linke Außenbahn fallen ließ und als Aufbauspieler agierte. Auch Ribery spielte sehr tief, teilweise auf Höhe der Mittellinie. Dadurch ergab sich ein häufiges Aufbaumuster von Benatia zu Boateng zu Bernat zu Lewandowski abgelegt auf Ribery. Diese Passsta­fet­te endete häufig in Zweikämpfen auf der Außenbahn – vor allem Jedvaj und Bender bzw. Castro stellten alle Räume zu und so verpufften viele Bayernangriffe schon im Keim. Die größte Bayernchance in der ersten Halbzeit hatte Lewandowski, der bei einer Bernat-Flanke einen Tick zu spät am zweiten Pfosten stand. Auffällig aber schon zu dieser Zeit waren die Eckbälle bzw. Freistöße, die Alonso nicht ungefährlich vors Tor brachte. Ansonsten neutralisierte sich die Partie weitestgehend im Pressing und Gegenpressing, zugegeben ohne die vorher vermutete Vielzahl an Torchancen.

Pep Guardiola reagierte in der zweiten Halbzeit früh und brachte mit dem Pausentee Sebastian Rode für den blassen Götze. Dieser hatte nur eine Passquote von 65 % und eine Zweikampfquote von 17 %. Götze hatte spürbar Probleme, die richtige Rolle im Mittelfeld zu finden, da viele Angriffe über die Flügel vorgetragen wurden. Alonso, der sich durch das massive Pressing Leverkusens häufig in deren Deckungsschatten befand, hatte ähnliche Probleme. Man sah bei der Vierkette der Bayern deutlich die fehlende Anspielstation in der Mitte, die sie mit einer Dreierkette gehabt hätten. Durch die Hereinnahme von Rode wurde die Mitte gestärkt. Die Abstände zwischen Abwehr – Mittelfeld – Angriff wurden so neu sortiert und der FC Bayern konnte sich nun leichter aus dem Pressing befreien. In der 51. Minute holte der eingewechselte Rode geschickt einen Eckeball heraus. Dieser wird kurz ausgeführt, Rafinha flankte aus dem Halbfeld. In der Mitte legt Alonso per Kopf ab auf Ribéry. Dieser verwandelt volley zur Führung. Es war das erste Tor nach 109. Eckbällen in dieser Saison. Zeitgleich war es der 100. Pflichtspieltreffer für Ribery im Trikot des FC Bayern, der nun der Franzose mit den meisten Bundesligapartien ist.

Im Anschluss daran erspielte sich der FC Bayern eine Reihe von Möglichkeiten. Leno lenkte einen Schuss von Müller aus dem kurzen Eck an den Pfosten. Lewandowski scheiterte mit einem schwierigen Drehschuss aus nächster Distanz am völlig leeren Tor. Mit der Hereinnahme von Drmic für Son und Rolfes für Bender stellte Roger Schmidt auf ein 4-4-2-System um. Doch diese Umstellung brachte keinen Erfolg. Leverkusen konnte sich keine Möglichkeit erspielen, während der FC Bayern durch Einwechslungen und durch eine aufmerksame Defensivstaffelung den zweiten 1:0-Sieg in Folge über die Zeit brachte.

3 Punkte, die auffielen:

1. Pressing, Gegenpressing, Gegenpressing, Pressing

Selten wurde eine Partie so aufwendig geführt wie in den ersten 20 bis 30 Minuten. Leverkusen presste früh meist mit Calhanoglu, Bellarabi, Son und Kießling – also mindestens vier Spielern. Dahinter gab es eine zweite Reihe bestehend aus Castro und Bender, die lange Bälle versuchten abzufangen bzw. einen großen Raum in der Mitte abdeckten, aber meist schnelle Angriffe durch die Zentrale vermieden. Durch das zustellen von Alonso und das geschickte Anlaufen drückte Leverkusen das Spiel der Bayern auf die Außenbahn. Hier hatten zunächst Ribery, Bernat und Lewandowski große Probleme ins Spiel zu kommen. Häufig wurden sie in unnötige Zweikämpfe verwickelt, die zuweilen in schlechten Zuspielen bzw. Ballverlusten endeten.

Allerdings konnte auch der FC Bayern selbst wiederum gut aus diesen Situationen heraus ins Gegenpressing kommen und verhinderte in den meisten Fällen genaue Zuspiele von Bayer 04 Leverkusen in die Spitze. Somit neutralisierte sich das Spiel in der ersten Halbzeit oftmals in Presssingsituationen. Nur selten konnte sich der FC Bayern mit diagonalen Pässen befreien. Allein Boateng und Neuer versuchten dieses Stilmittel und hatten meist Erfolg damit. Indes konnte der freie Raum nur schlecht bespielt werden, da die Außenverteidiger in der Defensive gebunden waren und somit die Flügelspieler Ribery, Lewandowski, Robben oder Müller zuweilen in diesen Situationen isoliert waren. In der zweiten Halbzeit konnten die Bayern das nun nicht mehr ganz so aggressive Pressing der Leverkusener besser umspielen. In der Phase von der 50. bis zur 65. Minute sprangen durch die Umstellungen von Guardiola, das Stärken der Mitte und einem stärker abkippenden Alonso mehr Torchancen heraus.

2. WM Müdigkeit?

Das Jahr ist lang und war für alle Spieler körperlich aber auch mental sehr intensiv. Zuletzt zeigte sich die Müdigkeit bei Götze und Müller am deutlichsten. Beide hatten bei beiden 1:0-Siegen, aber auch vorher schon gegen Hoffenheim nicht den besten Tag. Beide Spieler trafen in vielen Situationen die falsche Entscheidung und verloren viele Zweikämpfe, aber auch etliche Laufduelle mit ihren Gegenspielern. Mittlerweile merkt man beiden Spielern die Belastung der letzten Monate an. Nicht ohne Grund wurden sie bereits von Pep Guardiola gegen Manchester City außen vor gelassen. Es ist aber auch spürbar, dass beide durch das Comeback von Ribery deutlich weniger in das Spiel der Bayern eingebunden sind. Vor allem Götze war dies heute anzumerken. Nahezu jeder Angriff lief in der ersten Halbzeit über Ribery bzw. schnelle Balleroberungen über Robben. Dabei konnte Götze sich nicht als Pendelspieler bzw. Anspielstation in Szene setzen, zumal Ribery zu sehr und schnell nach außen zog. Am Ende standen lediglich 19 Ballkontakte für Götze zu Buche. Auch Müller kam im gesamten Spiel nur auf 58 Ballkontakte. Für einen Spieler auf der 8er-Position deutlich zu wenig und mit ein Grund, weshalb der FC Bayern in der ersten Halbzeit sich keinerlei Torchancen erspielen konnte. Pep Guardiola wird hier noch einiges an Abstimmungsarbeit leisten müssen, will er bis zur Winterpause weiterhin auf ein Spielsystem mit fünf Angreifern setzen. Die Offensiven Automatismen und Laufwege müssen dann besser greifen.

3. Benatia oder Dante?

Dante hatte in Berlin keinen glücklichen Auftritt. Schlechte Zuspiele im Aufbau und teilweise abenteuerliche Ballverluste trieben Pep Guardiola in den Wahnsinn. Gegen Leverkusen durfte Benatia wieder in die Startelf rücken, nachdem er sich selbst mit der unnötigen roten Karte gegen Manchester City ins Abseits geschossen hatte. Beide hatten es zuletzt eher Boateng zu verdanken, dass die Defensive in der Summe so sicher stand. Benatia hatte gegen das starke Leverkusener Pressing zunächst keine Probleme, einzig in einer Szene verschätze er sich leicht; wobei Rafinha noch rechtzeitig klären. Ansonsten durfte sich Benatia bei Knut Kircher bedanken. Dieser verwarnte Benatia nach einem harten Einsteigen gegen Kießling nicht. Ab diesem Zeitpunkt fing sich Benatia aber immer mehr und spielte dann mehr als solide. Am Ende standen ’nur’ zwei Fouls, 85 % Passquote, eine Torchance-Vorlage und zwei abgefangene Bälle. Allerdings gewann Benatia nur 42 % seiner Zweikämpfe, was an nur 25% gewonnenen Luftduellen lag (drei verlor er). In der Summe ein durchaus solider Auftritt. Dabei klappte auch die Abstimmung mit Boateng immer besser. In der Summe muss auch er sich weiter steigern, will er nach der Rückkehr von Badstuber seinen Platz im Team dauerhaft behalten.

FC Bayern München – Bayer 04 Leverkusen 1:0 (0:0)
FC Bayern München Neuer – Rafinha, Benatia, Boateng, Bernat – Alonso – Robben, Ribéry – Müller (88. Schweinsteiger), Götze (46. Rode), Lewandowski (90.+2 Hojbjerg)
Bank Zingerle, Dante, Gaudino, Shaqiri
Bayer 04 Leverkusen Leno – Jedvaj, Toprak, Spahic, Wendell – Bender (62. Rolfes), Castro – Bellarabi, Calhanoglu, Son (62. Drmic) – Kießling (75. Kruse)
Bank Kresic (Tor) , Boenisch , Hilbert , Brandt
Tore 1:0 Ribery (51.)
Karten Gelb: – / Son, Castro, Bellarabi
Schiedsrichter Knut Kircher (Rottenburg)
Zuschauer 71.000 (ausverkauft)

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