FC Bayern: Drei Gründe für die fehlende Form
Das Jahr 2026 startet zäh für den FC Bayern München. Die Niederlage gegen den FC Augsburg war wohl das sich anbahnende Resultat aus Leistungen, die zuletzt wohl am besten als „schwankend“ bezeichnet werden können.
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Viele Beobachter*innen zeigen sich aktuell überrascht von dieser leichten Schwäche. Klar, die Ergebnisse sind insgesamt immer noch stark, aber seit dem Spätherbst tun sich die Bayern zunehmend schwer damit, Spiele in ihre Richtung zu drücken und dann auch souverän zu entscheiden.
Aber welche Gründe gibt es für die Probleme, die der FCB plötzlich zu haben scheint? Miasanrot wagt sich an ein paar Theorien.
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Grund 1: Auch der FC Bayern hat kein Wundermittel gegen physiologische Regeln
Der erste Grund ist so simpel wie komplext: Form im Leistungssport ist immer eine Bewegung in Wellen. Am besten erklären lässt sich das auf der Ebene von Einzelsportler*innen. Topform ist für Athlet*innen immer nur für einen bestimmten Zeitraum möglich. Denn der Körper pendelt im Leistungssport ununterbrochen zwischen Belastung, Anpassung an diese Belastung und Erholung.
Um eine dauerhaft ansteigende Formkurve zu haben, müsste es gelingen, den Körper ständig maximal zu belasten und immer im genau richtigen Zeitpunkt die entsprechenden Trainingsreize zu setzen. Besonders auffällig ist das in Einzelsportarten wie Radsport oder anderen Ausdauersportarten. Man muss sich das vereinfacht dargestellt so vorstellen, dass jede harte Trainingseinheit die Leistungsfähigkeit des Körpers zunächst senkt, um dann für eine kurze Zeit zu ermöglichen, über dieses Niveau gehen zu können.
Wenn es keinen passenden Trainingsreiz gibt, hält dieses Niveau nur kurz an und dann fällt die Form wieder. Permanent diese harten Reize zu setzen, ist allerdings die eine Schwierigkeit, die zu einer Überbelastung führen würde. Die andere Schwierigkeit ist, dass für absolute Topform eine möglichst maximale Regeneration erfolgen muss, die im Gegensatz zur Belastung steht.
Ohne Regeneration gibt es ein Übertraining, das zu Müdigkeit, Leistungsabfall, geschwächtem Immunsystem und mehr Symptomen führen kann. Deshalb arbeiten Trainer*innen mit Periodisierung. Es wird versucht, Athlet*innen durch gezieltes Training zu einzelnen Saisonhöhepunkten auf ihr Top-Level zu bringen. In anderen, nicht ganz so wichtigen Saisonphasen werden für Regeneration, erneuten Formaufbau und Spezialtraining genutzt.
Fußball ist kein Einzelsport, aber …
Nun ist der Fußball etwas anderes als Einzelsport im Ausdauerbereich. Grundsätzlich wirken hier jedoch ähnliche Mechanismen. Auch Fußballtrainer*innen periodisieren ihr Training, achten in manchen Saisonphasen stärker auf Regeneration als in anderen. Der Januar ist für den FC Bayern extrem eng getaktet. Im Prinzip geht es zwischen den Spielen nur darum, die Belastung der Spieler wieder möglichst stark zu senken. Arbeit an Formaufbau ist hier nur schwer möglich.
Der Vorteil im Mannschaftssport ist, dass ein Team mehrere Einzelsportler*innen hat. Nicht alle sind gleichzeitig in Bestform und nicht alle sind gleichzeitig in schlechter Verfassung. Gemeinsam kann man Tiefen gut auffangen. Und im Fußball geht es auch nicht nur um Physiologie, sondern auch und gerade um mentale Themen oder Dinge wie Spielintelligenz. Gerade Letzteres ist nicht so stark von Belastung abhängig.
Dennoch lässt sich das Thema auch auf andere Bereiche übertragen: Denselben Pass einhundertmal zu Spielen, kann beispielsweise auch zu Prozessen führen, in denen neue Reize sinnvoll wären. Sei es, weil Gegner sich besser darauf einstellen oder weil das, was man eigentlich immer macht, nicht mehr mit voller Begeisterung oder Überzeugung gemacht wird. Damit müssen Trainer*innen entsprechend umgehen. Inwiefern es dem FC Bayern gelingt, ihre Periodisierung in dieser Saison auf den Punkt zu timen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Könnten sich die Münchner aber einen Zeitpunkt für eine nicht ganz perfekte Form aussuchen, würden sie den Dezember und Januar, so wie die beiden Monate bisher aber gelaufen sind, wohl unterschreiben. Im Februar wird wieder mehr Zeit für spezifisches Training sein. Vielleicht auch für entsprechenden Formaufbau. In der aktuellen Phase geht es vor allem um Ergebnisse – und die stimmen trotz der Augsburg-Niederlage noch.
Grund 2: Gegner passen sich an
Zeit ist auch schon ein weiteres Stichwort: Vergeht Zeit, gibt es mehr Analysematerial vom FC Bayern und womöglich auch mehr Videomaterial von Mannschaften, die dem FCB Paroli bieten konnten. Der Trainer von Union Saint-Gilloise sprach davon, er habe mehrere Tage an der Analyse gesessen mit seinem Team.
Jürgen Klopp erzählte einst als BVB-Trainer davon, dass er seine Herangehensweise alle sieben bis acht Spiele in Details verändern würde, um dem typischen Anpassungsprozess zu entgehen. Gegner bereiten sich besser vor und finden taktische Ansätze, die gut funktionieren. Gegen den FC Bayern scheinen das in den letzten zwei Monaten zwei Mittel zu sein:
- Nicht zu viel Zeit im Spielaufbau verbringen und den Bayern so keine Gelegenheiten zum Angriffspressing geben.
- Im eigenen Pressing versuchen, das Münchner Spiel auf die Flügel zu lenken und dort Überzahl herstellen. Augsburg gewann dort einige vielversprechende Bälle und einige Pässe vom Flügel ins Zentrum sind sehr riskant.
Es liegt am Trainerteam, auf diese Anpassungen wieder eigene Lösungen zu finden.
Grund 3: Die Offensive braucht derzeit einen langen Anlauf
Vor allem im Offensivbereich wird es solche Lösungen brauchen. Das klingt bei acht Toren gegen Wolfsburg, fünf Toren gegen Leipzig, drei Treffern in Köln und zwei gegen Union Saint-Gilloise erstmal paradox, ist aber tatsächlich ein Teil des aktuellen Problems.
Bayern gelang es in der Saisonanfangsphase nicht nur oft, das erste Tor in der ersten Halbzeit zu schießen, sondern auch entsprechend nachzulegen. Sie erspielten sich viele Chancen, übten viel Druck im Angriffsdrittel aus. Aktuell tun sie sich schwer damit, exakt diesen Druck auf den Rasen zu bekommen.
Dazu passt auch, dass das erste Tor aktuell relativ häufig ein Eigentor, ein Standardtor oder eine überragende Einzelaktion wie die von Serge Gnabry in Köln ist. Der Knoten muss hier und da erst mit der Brechstange zum Platzen gebracht werden. Alles scheint den Bayern offensiv etwas schwerer zu fallen.
Leichte Formschwankungen
Statistisch gesehen ist man dahingehend eigentlich auf dem Weg einer Normalisierung – bedeutet konkret: Wer beispielsweise seine xG so deutlich outperformt wie die Bayern es lange Zeit getan haben und immer noch teilweise tun, der wird irgendwann einige Spiele haben, die diesen Abstand korrigieren. Einige Spieler lieferten zwischenzeitlich Werte auf dem Niveau von Lionel Messi in Spitzenform. Dass sie das nicht extrem lange durchhalten würden, war absehbar – zumindest bei den meisten FCB-Profis. Da ist es fast schon absurd, dass die Bayern selbst in dieser vermeintlichen Normalisierungsphase immer noch zahlreiche Tore schießen.
Bei Spielern wie Lennart Karl, Luis Díaz oder eben Gnabry ist jedoch im Saisonverlauf durchaus eine Wellenbewegung zu erkennen. Und auch Harry Kane traf zuletzt etwas weniger als in den ersten Monaten der Saison. Michael Olise zeigt wiederum leichte Formprobleme, ist aber dennoch weiter an vielen Toren direkt beteiligt.
Die Offensive des FC Bayern ist weit entfernt davon, ein echtes Problem zu sein oder in der Krise zu stecken. Gegen Augsburg spiegelten sich die Schwierigkeiten, die man aktuell hat, aber erstmals so richtig auf dem Spielberichtsbogen.
Und falls du es bis zum Ende dieses Artikels geschafft hast, gibt es hier noch einen vierten Grund für die leichten Formprobleme der Bayern: Uli Hoeneß hatte beim FCB-Kader nur teilweise recht
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