1:2! Bayerns Restkader verliert trotz Führung gegen Gladbach

Christopher Trenner 07.01.2022

Knapp drei Wochen ist der FC Bayern zurück im Alltag. Die Bundesliga läuft wieder und auch die Corona-Pandemie hat die Münchner wieder. Neun krankheitsbedingte Ausfälle hatte Julian Nagelsmann zu beklagen. Neuer, Coman, Davies, Hernández, Nianzou, Richards, Sané, Tolisso und Upamecano fehlten.

Falls ihr es verpasst habt:

Die Aufstellung

Wie zu vermuten ist, musste Julian Nagelsmann improvisieren. Er entschied sich für ein bekanntes System. Sabitzer, Süle, Kimmich und Pavard bildeten die Kette. Davor (wie schon in den letzten Wochen) Roca und Musiala. Gnabry, Müller und Tillman sollten für offensive Gefahr sorgen – natürlich unterstützt von Robert Lewandowski. Auf der Bank war jede Menge Platz für Amateur- und Jugendspieler – u. a. Ibrahimović, Wanner, Copado und Motika, die besonders im Fokus standen.

Adi Hütter wechselte im Vergleich zum 5:0-Pokalsieg auf fünf Positionen. Auch Gladbach musste vier Corona-Ausfälle kompensieren. Der Trainer von Gladbach entschied sich für eine Dreierkette, aber für ein klares 3-5-2-System. Stindl und Embolo sollten mit extremem Pressing Druck auf die nicht eingespielte Bayern-Abwehrkette machen.

Die 1. Halbzeit

Im Schneetreiben von München begannen die Bayern sehr konzentriert und hatten im Mittelfeld einige gute Ballgewinne. Ein Freistoß von Sabitzer und ein Nachschuss von Gnabry (8.) sorgten für erste Gefahr.

Knapp zehn Minuten später ging der FC Bayern mit 1:0 in Führung. Süle spielt eine gute Seitenverlagerung auf Gnabry, der auf Müller und dessen Pass fand Robert Lewandowski, der sich mit einer Körpertäuschung an Elvedi vorbei mogelte und ins kurze Eck traf.

Mit dem ersten passablen Angriff kamen die Gladbacher zum Ausgleich. Die Bayern verlieren einige leichte Bälle im Mittelfeld und standen ungeordnet bzw. hatten Unterzahl im Mittelfeld. In der Folge kann Lainer unbedrängt Flanken, da Sabitzer zu weit eingerückt ist. Er hatte von Tillman wenig Unterstützung. Im Zentrum können Süle und Kimmich den Ball nicht klären und Neuhaus kommt unbedrängt zum Abschluss (27.).

Wenig später ging Gladbach sogar in Führung. Nach einem Eckball von Netz köpfte Lainer unbedrängt ein. Ulreich hatte bei beiden Gegentoren beinahe noch eine Chance gehabt, aber eben nur fast. In der 45. Minute parierte er aber glänzend gegen Embolo.

Auf der Gegenseite hatte Lewandowski die Chance auf den Ausgleich, doch er scheiterte aus sehr spitzem Winkel am Pfosten (45.+1). Müllers Nachschuss wurde von Ginter auf der Linie geklärt.

Die 2. Halbzeit

Ohne personelle Wechsel ging es weiter. Nagelsmann hielt weiter an seiner Mannschaft fest. Die Bayern brauchten gute zehn Minuten, bis sie sich die erste Torchance erspielten. Aus der Abwehr heraus kombinieren sich die Bayern durchs Zentrum. Musiala kam an der Strafraumkante zum Abschluss. Sommer war auf dem Posten. Wenig später verpasste Müller eine Lewandowski Flanke nur knapp (58.). Der Flankengeber scheitere nur drei Minuten später an der Latte (61.). Es war die beste Phase der Bayern.

In der 74. Minute wechselte Julian Nagelsmann erstmalig und brachte Wanner und Copado für Tillman und Roca. Wanner ist der jüngste Debütant bei den Bayern aller Zeiten – mit 16 Jahren und 15 Tagen. Er löst Musiala ab.

Nagelsmann stellte mit dem Doppelwechsel auf Dreierkette um. Die Bayern bekamen wieder etwas mehr Spielanteile. Paul Wanner hatte einige gelungene Aktionen im Aufbauspiel. Für den Ausgleich reichte es am Ende nicht mehr. Dafür war das Spiel auch von den gestandenen Spielern zu unsauber. Gerade Kimmich merkte man den Substanzverlust in den letzten Minuten an.

Die Bayern verlieren gegen Gladbach mit 1:2, weil sie in der Phase von der 30 – 45. Minute zu einfache Fehler machten. In der zweiten Halbzeit scheiterten sie an der eigenen Chancenverwertung. Trotz 1,86 – 1,1 Expected Goals gewinnen die Bayern auch die dritte Partie in der Saison gegen Gladbach nicht.

Dinge, die aufgefallen sind

1. Sportlicher Wert?

Der FC Bayern bemühte sich laut der Gladbacher um eine Verlegung, fand aber bei der DFL kein Gehör. Anscheinend will man keinen Präzedenzfall für die nächsten Wochen, die geprägt sein werden von der Omikron-Welle. Der Spielplan soll wie geplant durchgedrückt werden. Dass das Spiel noch im Free-TV und auf dem berühmten internationalen Markt übertragen wurde, hat eine Verschiebung wohl nahezu unmöglich gemacht. Oliver Kahn hat in der Vorberichterstattung seinen Unmut ziemlich deutlich gemacht.

Die Bayern können das Ergebnis gelassen sehen. Noch ist der Vorsprung in der Tabelle groß genug. Der Aufschrei aus Süddeutschland wäre sicherlich größer gewesen, wenn das Rennen um die Bundesligaspitze ein Kopf-an-Kopf-Rennen wäre. Neun Spieler fehlten den Bayern wegen Corona. Hinzu kommen zwei Abstellungen für den Afrika-Cup. Etliche Spieler mussten auf einer ungewohnten Position ran. Auf der Bank waren viele Amateure, die sonst in der Regionalliga Bayern unterwegs sind.

So verkam der Bundesliga-Auftakt zu einem Spiel ohne sportlichen Wert. Ob der Werbeeffekt, den sich die DFL erhofft hat, liegt wohl im Auge des Betrachters.

2. Auf dem Rücken der Spieler

Die Pandemie wird mittlerweile schonungslos auf den Rücken der Spieler ausgetragen. Schon der Spielplan im vergangen Kalenderjahr war eine Marathon-Veranstaltung. Auch 2022 ist aufgrund von WM, Nations League, Bundesliga, Pokal, Champions League und so weiter eine ähnliche Herkulesaufgabe. DFL, DFB, FIFA und UEFA wollen nicht mehr verzichten. Natürlich muss sich jeder Spieler selbst hinterfragen, ob Übersee-Reisen in der Winterpause unbedingt notwendig gewesen sind und ob er die nötige Vorsicht hat walten lassen. Nichtsdestotrotz wächst der Druck auf alle Spieler. Maßnahmen, die noch 2020 und 2021 zum Beispiel während der ersten Welle unternommen wurden, blieben jetzt aus. Die Spieler müssen sich einem Risiko aussetzen. Da die DFL anscheinend nicht bereit ist, Spiele im zweifelsfall zu verschieben, werden Anreize für die Vereine geschaffen, nicht das maximal mögliche an Schutzmaßnahmen zu unternehmen. Es muss anscheinend weiter gehen.

3. Adi Hütter – Nagelsmanns Kryptonit

Julian Nagelsmann tut sich schwer gegen den Gladbach-Trainer. Er hatte in den bisherigen zwei Duellen in dieser Saison keine Idee, wie das Pressing der Fohlen klug umspielt wird.

Ungewollt fand Nagelsmann in dieser Partie zunächst Antwort. Kimmich als Rechtsverteidiger öffnete den Raum für Verlagerungen, Müller lauert im Halbraum, Kimmich läuft durch und bindet dadurch Spieler in der Kette. Roca löste Drucksituationen im MIttelfeld gut auf. Das Pressing der Gladbacher konnte so immer wieder umspielt werden. Die Münchner verlagerten zudem häufig die Seiten und nutzten den Raum auf der ballfernen Seite. War Bayern in Aktion sah dies gut aus, für die personellen Möglichkeiten.

Defensiv war es vor allem von Roca, Musiala und Tillman zu wenig. Zu selten konnten die Bayern wirklich Druck auf Gladbach ausüben bzw. rückten zu spät raus. Dadurch öffnete sich dahinter immer wieder Raum, den die Hütter-Elf immer besser zu spielen wusste. Neuhaus und Stindl bekamen zunehmend einen großen Aktionsradius. Die Restverteidigung der Bayern stand logischerweise nicht perfekt. Gerade Sabitzer hielt seine Position immer schlechter, wodurch Gladbach zu guten Möglichkeiten kam.

4. Süßer Vogel Jugend

Tillman, Wanner, Copado und nicht zu vergessen: Stanišić. Das Fehlen vieler Akteure hat die Tür für einige Talente vom Bayern-Campus geöffnet. Die Investition in Steine zahlt sich langsam aus. Fast zehn Jahre lang ist keinem Talent mehr der Sprung gelungen. Die lange Zeit des Wartens könnte bald vorbei sein. Paul Wanner deutete nach seiner Einwechslung sein Potenzial an. Natürlich ist der Weg für alle noch weit, aber die Ansätze sind da. Gerade das Verletzungspech oder der Mangel an Alternativen haben oft Anschubhilfe geleistet. Die nächsten Wochen werden geben den Campus-Spielern weitere Möglichkeiten.

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