Klara Bühl im Trikot der FC Bayern Frauen
Bild: Sven Beyrich / @el_loko_foto

Verletzungspech rund um Klara Bühl: Welche Optionen hat der FC Bayern?

Justin 04.03.2026

Wer sich die Werte von Klara Bühl beim FC Bayern München anschaut, könnte mit kleinen Abstrichen das Fazit ziehen, dass an ihr Erfolg und Misserfolg hängen.

Die meisten Torbeteiligungen, die meisten wichtigen Pässe, die meisten Dribblings, der größte Einfluss auf das Offensivspiel des FCB – aktuelle Daten dazu hat Miasanrot bereits in der Meldung gesammelt, die für die Münchnerinnen ein Schock gewesen sein muss. Bühl fällt vorerst verletzt aus.

Von mehreren Wochen war die Rede in der Pressemitteilung. Über die exakte Schwere ihrer Muskelverletzung ist wenig bekannt. Klar ist aber, dass José Barcala ein Problem hat. Denn die Abhängigkeit von Bühl ist enorm – und weitere Offensivspielerinnen fehlen ihm in den nächsten Spielen.

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Der FC Bayern ist in dieser Saison wie Zelda: Sehr Link(s)-Lastig. 17,5 aller Angriffe laufen laut Wyscout in dieser Saison über die linke Seite. 13 laufen durchs Zentrum und weniger als elf über den rechten Flügel. Bühl hat im Schnitt fast neun erfolgreiche Offensivaktionen pro 90 Minuten. Im Bayern-Kader folgen Barbara Dunst mit noch sehr wenig Einsatzzeit (3,7) und Pernille Harder (3,4).

Ein Abstand, der verdeutlicht, wie wichtig Bühl für die Bayern ist. Die kurze Antwort auf die Frage, wie man sie ersetzen kann, ist deshalb: Gar nicht. Erst recht nicht, wenn sie in der Champions League gegen Manchester United ausfallen sollte. Es geht nur über das Kollektiv, eine Anpassung in der Spielweise und in den Duellen mit Top-Teams braucht es das Quäntchen Glück.

Barcala wird nun auf der Suche nach dem besten Kompromiss sein. Ein weiteres Problem könnte dabei der Gesundheitszustand von Jovana Damnjanović sein. Die Serbin musste die Länderspielpause ebenfalls abbrechen. Überbelastungssymptome in der Wade. Wie schlimm es wirklich ist, bleibt abzuwarten.

Jovana Damnjanović war Barcalas erste Wahl

Zuletzt war die Stürmerin erste Wahl, wenn Bühl nicht spielte. Gegen Jena stand sie beispielsweise in der Startelf. Auch in Leverkusen beackerte Damnjanović den linken Flügel, ehe Barcala in der zweiten Halbzeit umstellte und sie kurze Zeit später auswechselte.

Damnjanović kommt eher über Wucht und Physis als über Tempo und Dribblings. Sie kann mit Tiefenläufen und in beiden Umschaltsituationen wichtig für das Team sein, hat aber gerade gegen tiefer verteidigende Teams ihre Schwierigkeiten damit, dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken.

Kommt sie in gute Abschlusspositionen, ist sie aber eine der gefährlichsten Spielerinnen des Kaders. 32 Prozent ihrer Schüsse gehen ins Tor. Nur Giulia Gwinn ist unter den Vielspielerinnen etwas besser (rund 33 Prozent). Was sie aber auch zu einer größeren Waffe im Zentrum macht. Auf dem Flügel ist der Weg zum Tor oft zu weit für sie.

Schafft Barbara Dunst jetzt den Durchbruch beim FC Bayern?

Eine weitere Option wäre Dunst. Die Österreicherin ist mittlerweile auch eher in zentraleren Räumen zu Hause, ist technisch aber etwas sauberer als Damnjanović und schlägt zumindest sehr gute Flanken. Ihr Abschluss aus der zweiten Reihe und ein gutes Kombinationsspiel qualifizieren sie für diese Aufgabe.

Auch Dunst zählt jedoch nicht zu den schnellsten Spielerinnen. Außerdem scheint sie nach wie vor Zeit zu brauchen, um sich bestmöglich in das Team zu integrieren. Angesichts der Personalsituation könnte jetzt aber ihre große Chance gekommen sein.

Denn Barcala fehlen im Moment auch Momoko Tanikawa (Asien Cup) und Alara (Kreuzbandverletzung). Beide könnten im Zentrum eine wichtige Rolle einnehmen, um das Spiel etwas mehr dorthin zu verlagern. Ihre Ausfälle führen dazu, dass das Trainerteam Damnjanović womöglich eher dort braucht als auf dem Flügel.

Wobei auch Edna Imade eine Option für den linken Flügel sein könnte. Die 25-Jährige ist schnell, durchsetzungsfähig und hatte im Zentrum noch ein paar Probleme, wenn sie unter Druck gesetzt wurde. Vielleicht sind die Räume, die sich auf der Außenbahn ergeben, genau das Richtige für sie. Auch wenn es nicht ihre Stammposition ist, hat sie in der Vergangenheit zumindest schon auf dem rechten Flügel gespielt.

Franziska Kett ist Bühl noch am ähnlichsten

Wenn das Trainerteam Dunst noch nicht weit genug sieht, wäre auch Franziska Kett eine Option. Die Außenverteidigerin ist gelernte Offensivspielerin und hat im Team nach Bühl die zweitmeisten Dribblings unter den Vielspielerinnen. Auch ihre Erfolgsquote von fast 68 Prozent ist beeindruckend.

Kett bringt Tempo, Spielintelligenz und Technik mit – und damit fast alles, was es auf dieser Position braucht. Barcala könnte so auch Katharina Naschenweng nochmal mehr Spielzeit geben. Der einzige Nachteil ist, dass Kett bisher nicht mit sonderlich großem Output in der Offensive auffiel. In 22 Einsätzen kommt sie in dieser Saison auf zwei Tore und fünf Vorlagen.

Vielleicht würde sich das ändern, wenn sie offensiver eingesetzt wird. Allerdings hat sie im Angriffsdrittel hier und da noch Schwierigkeiten, sich in die entsprechenden Situationen zu bringen. Schaut man sich allerdings an, wie konstant und souverän Kett in dieser Saison spielt, dürfte es kaum Zweifel daran geben, dass sie in diese Rolle hereinwachsen kann. Mit ihr müsste Barcala das System zumindest kaum verändern.

Pernille Harder und Linda Dallmann im Fokus

Das wäre bei Dunst oder Damnjanović anders. Beide zieht es eher in zentralere Räume. Das würde bedeuten, dass der linke Flügel taktisch eher wie der rechte bespielt würde. Also mit der Linksverteidigerin als hohe Breitengeberin. Auf der rechten Seite läuft häufig Linda Dallmann auf, die weit in die Mitte zieht.

Via Wyscout

Die durchschnittlichen Positionen gegen den VfL Wolfsburg verdeutlichen diesen Ablauf. Die weiß hinterlegten Punkte sind die Spielerinnen aus der Startelf. Auf der rechten Seite war quasi nur Gwinn unterwegs. Entsprechend fokussierte sich das Spiel auf den linken Flügel und die Mitte, wo Dallmann immer wieder auftauchte.

Via Wyscout

Agiert die linke Seite jetzt wie die rechte, wäre das Zentrum überladen und es gäbe vermutlich kaum Raumgewinne. Denn wo das Spiel engmaschig ist, braucht es Entlastung über Verlagerungen in die Räume, die sich dadurch öffnen.

Ein nicht unwesentlicher Aspekt ist zudem, dass Bühl in dieser Saison nochmal mehr von Gegenspielerinnen in die Mangel genommen wird. Teilweise wird sie von bis zu drei Verteidigerinnen attackiert. Das gibt anderen Spielerinnen wie Harder oder Dallmann die Räume, die sie für ihre gefährlichen Aktionen benötigen. Räume, die nun wegfallen könnten.

Knifflige Wochen für José Barcala

Vor allem auf Harder lastet nun noch mehr Druck. Die Dänin ist im Ballvortrag extrem wichtig für die Bayern und viel zwischen den Linien unterwegs. Neben ihrer Torgefahr muss sie nun auch noch stärker dafür sorgen, dass die Münchnerinnen mit Qualität ins Angriffsdrittel kommen und die Räume dort entsprechend nutzen.

Auch Dallmann trägt nun noch mehr Verantwortung. Sie spielt eine gute Saison, könnte aber vor allem bei den Torbeteiligungen noch besser werden. Das Problem ist weniger die Chancenverwertung an sich, als sich in gefährliche Abschluss- und Passsituationen zu bringen. Hier muss Dallmann jetzt noch aktiver werden. Die Qualität dazu hat sie, aber 1,8 erfolgreiche Angriffssituationen pro 90 Minuten sind zu wenig – und auch nur Rang 14 im Kader.

Für Barcala stehen jetzt knifflige Wochen an. Immerhin: Auf dem Papier meint es der Spielplan erstmal gut mit den Bayern. Im Pokal beim HSV, in Köln und in Essen sollte bei aller Qualität dieser Teams der Anspruch da sein, auch mit einem dezimierten Kader erfolgreich zu sein. Auch der große Abstand in der Bundesliga hilft.

Schon am 25. März steht aber das Hinspiel bei Manchester United auf dem Programm. Spätestens dann sollte sich eine Lösung gefunden haben, wenn Bühl nicht doch schneller wieder fit wird, als sich derzeit vermuten lässt.

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