„Spielen Betroffene gegeneinander aus“: Südkurve München bezieht Stellung zur Kollektivstrafe der UEFA und des FC Bayern
„Wir sind immer hier, die Kurve das sind wir“, war am Mittwochabend vor Anpfiff auf einem Spruchband zu lesen. Der FC Bayern München spielte in der Champions League gegen Union Saint-Gilloise vor einer leeren Südkurve – zumindest im Unterrang.
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Fast 10.000 Plätze blieben dort frei. Grund dafür war die von der UEFA ausgesprochene Strafe wegen des Einsatzes von Pyrotechnik beim letzten Heimspiel der Münchner. Der europäische Fußballverband sperrte 4.800 Plätze, doch der FCB verdoppelte die Strafe aus freien Stücken und gab an, dies aus technischen Gründen zu tun.
„Da bei Heimspielen des FC Bayern im Unterrang der Südkurve keine blockweise Ticketvergabe erfolgt und alle 9.336 Tickets für die Blöcke 109 bis 117 gültig sind, ist es dem Klub technisch nicht möglich, ausschließlich die 4.800 Tickets für die Blöcke 111 bis 114 gezielt zu stornieren“, hieß es in einer Mitteilung.
Trotzdem schafften es zahlreiche Ultras in die Arena. Aus der Südkurve wurde kurzer Hand eine Süd-Ost-Kurve im Oberrang, die für Stimmung sorgte. Außerdem veröffentlichte die organisierte Fanszene der Münchner ein Statement auf ihren Kanälen.
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Südkurve München: „Haben bewiesen, dass Kollektivstrafen ins Leere laufen“
„Wir haben bewiesen, dass Kollektivstrafen ins Leere laufen und die Strafenpolitik des Verbands und unseres Vereins jederzeit ad absurdum geführt werden kann“, heißt es darin. Das Vorgehen von UEFA und FCB sei „ein beispielloser Präzedenzfall, der nicht unwidersprochen bleiben darf“.
Kollektivstrafen wären „nicht mit dem Rechtsgedanken einer freiheitlichen Gesellschaft vereinbar, auch im Teilbereich des Sports. Sie spielen die Betroffenen gegeneinander aus und nehmen Unbeteiligte in Sippenhaft“.
Die Südkurve München fordere „alle Vereine und insbesondere den FC Bayern dazu auf, sich für seine Fans und Mitglieder einzusetzen und das unverhältnismäßige Rechtsverständnis der UEFA kritisch zu hinterfragen“. Kollektivstrafen werde man „niemals akzeptieren“.
FC Bayern: Aktionen der Ultras sorgen für kontroverse Diskussionen
In sozialen Netzwerken und beispielsweise auch in der Miasanrot-Kurve wurde in den vergangenen Tagen und Wochen hitzig über das Vorgehen und den Einsatz von Pyrotechnik diskutiert. „Ich kann ja verstehen, wenn jemand diese Pyrobilder als ästhetisch oder stimmungsvoll empfindet. Aber eine 10-minütige-Spielunterbrechung ist der größte Stimmungskiller überhaupt“, schrieb beispielsweise der User „Gut_Kick“ in unserer Kurve in Bezug auf die Pyroaktion der Kölner Fans jüngst beim Spiel gegen die Bayern.
Tatsächlich war vor allem rund um die Verkündung der Strafe viel Unmut in Richtung der Südkurve zu lesen. Während sich andere genervt davon zeigten, dass die Ultragruppierungen als homogene Maße kollektiv abgewertet und als dem Verein schädlich beschrieben werden.
Die Südkurve selbst äußerte am 11. Januar den Wunsch nach „konstruktivem und respektvollem Austausch“ und appellierte „an alle, gegensätzliche Meinungen zu akzeptieren“: „Wir wissen, dass dieses Thema aktuell für viele Fans ein hoch emotionales Thema ist und es vollkommen legitimerweise unterschiedlichste Sichtweisen darauf gibt.“
Für sie sei Pyrotechnik „ein wichtiges Element von Fankultur, das besondere Momente und Atmosphäre schafft“. Die Aktion im Heimspiel gegen Sporting habe „primär den Zweck“ gehabt, „uns nicht der von der UEFA gegen den FC Bayern verhängten Bewährungsstrafe zu beugen, auch wenn dafür Konsequenzen drohen“.
„Dürfen uns nicht auseinanderbringen lassen“
„In den nationalen Wettbewerben finden Kollektivstrafen nach langen Diskussionen und Kämpfen der Fans aktuell keine Anwendung“, so heißt es in dem Statement weiter: „Wir haben in Deutschland aktuell eine Fankultur und eine Stadionatmosphäre, um die uns viele in anderen europäischen Ländern beneiden und die die Attraktivität des Fußballs bei uns entscheidend ausmacht.“
Grundsätzlich sei es aber „egal wie ihr Pyrotechnik im Stadion seht, wir dürfen uns nicht durch Kollektivstrafen auseinanderbringen lassen. Heute trifft sie uns wegen Pyrotechnik, morgen wegen kritischen Spruchbändern“.
Eine einfache Lösung des Interessenkonflikts scheint indes nicht in Sicht zu sein. Ohne Kollektivstrafen bräuchte es aus Sicht der Verbände bessere Werkzeuge der individuellen Verfolgung – auch gegen solche Maßnahmen gibt es aber berechtigte Einwände und Ablehnung von Seiten vieler Fans.
Noch mehr zum Thema: Zwischen Lichtermeer und leeren Rängen: Die Debatte um die Pyro-Show der Bayern-Fans
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