Manuel Neuer springt hoch und faustet den Ball. Um ihn herum stehen Spieler des FC Bayern und des BVB.
Bild: Adam Pretty/Getty Images

Drei Dinge, die für den FC Bayern gegen den BVB entscheidend werden

Justin 28.02.2026



Für den BVB könnte die Saison am Wochenende bereits vorbei sein. Eine Niederlage gegen den FC Bayern München und Borussia Dortmund hat keine echte Titelchance mehr. Selbst ein Unentschieden würde die Chancen sehr klein halten. In der Champions League schieden die Schwarzgelben unter der Woche gegen den kommenden Bayern-Gegner Atalanta aus.

Im DFB-Pokal war bereits letztes Jahr gegen Bayer Leverkusen Schluss – ebenfalls nächster Bayern-Gegner im Wettbewerb. Und in der Bundesliga hätte man bei einer Niederlage elf Punkte Rückstand. Um das Minimalziel der Qualifikation für die Champions League zu verpassen, müsste in den letzten Wochen schon einiges passieren.

Wenn Dortmund allerdings das Heimspiel gegen den FCB gewinnt, dann wäre die Bundesliga zumindest nochmal etwas enger in den kommenden Wochen und der BVB kann sich ohne Pokalwettbewerbe voll auf das Tagesgeschäft konzentrieren. Die Mittel, um den Rekordmeister zu schlagen, hat die Borussia allemal. Miasanrot hat drei Aspekte des Spiels analysiert, die im wohl wichtigsten Bundesliga-Spiel der Rückrunde entscheidend werden können.

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Auch ohne Julian Ryerson: Flanken und Standardsituationen machen den BVB stark

Oberste Priorität muss die Analyse von Standardsituationen genießen. Borussia Dortmund erzielte zuletzt zahlreiche Tore nach ruhendem Ball und ist in der Bundesliga laut WhoScored mit 15 Standardtreffern das beste Team. Interessant: Vor dem FC Bayern, der auf 14 Treffer aus Standardsituationen kommt. Nicht dabei: Elfmeter.

Der BVB hat seinen Standardtrainer im Winter gewechselt. Mit Erfolg. Bei Ecken machen die Dortmunder das, was der FC Arsenal und andere Teams im internationalen Fußball bereits seit Monaten tun: Blocken, was das Zeug hält und auch den Torhüter bedrängen. Eine Ausreizung des aktuellen Regelwerks, die wohl bald auch zu noch heftigeren Diskussionen über Regelanpassungen führen wird.

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Gegen RB Leipzig positionierten sich sechs Dortmunder im gegnerischen Strafraum. Vier davon direkt vorm Tor, zwei am zweiten Pfosten, aber alle im Fünfmeterraum. Zwei weitere Dortmunder lauerten an der Strafraumgrenze auf zweite Bälle. Julian Ryerson ist derjenige, der vor allem für Gefahr sorgte in diesem Jahr. Er tritt seine Standards scharf und präzise in Richtung Tor.

Eine Variante – und so traf Julian Brandt per Kopf gegen Wolfsburg – ist, dass der vorderste Spieler Schritte nach vorn macht und dem Ball entgegengeht. Kommt die Flanke auf den kurzen Pfosten, kann verlängert oder direkt der Abschluss gesucht werden. Manchmal läuft der BVB-Spieler hier auch aggressiv der Flanke entgegen und stoppt dann kurz ab, um den Gegenspieler abzuschütteln.

Bayern mit Problemen bei Standards

Dortmund macht das insgesamt clever. Mal sind es kreuzende Laufwege, mal simple Positionswechsel, aber die vielen Spieler direkt vorm Torwart machen es schwer, die scharfen Flanken zu verteidigen. Hier und da gibt es auch mal einen Block, aber grundsätzlich spielt der BVB dahingehend etwas körperloser als Arsenal – und trotzdem erfolgreich.

Für den FC Bayern könnten solche Situationen auch deshalb entscheidend werden, weil sie im Verteidigen von Standards Probleme haben – wie Miasanrot jüngst analysiert hatte. Vor allem Freistöße von der Außenbahn machen den Münchnern zu schaffen und auch hier war der BVB zuletzt sehr gefährlich.

Aufpassen muss der FC Bayern vor allem bei den Richtungswechseln der Spieler im Strafraum. Oft täuschen sie einen Laufweg an, um sich dann doch entgegengesetzt zu befreien. Ein Klassiker bei Standards. Viele Teams haben den BVB zuletzt mit Manndeckung verteidigt, vor allem auch um den eigenen Torhüter bei Ecken zu schützen. Vielleicht könnte es sinnvoll sein, zumindest partiell auf eine Raumdeckung zu setzen.

Es ist davon auszugehen, dass Dortmund auch ohne den gelbgesperrten Ryerson Personal finden wird, das die Ecken und Freistöße druckvoll in die Gefahrenzone bringt. Und nicht nur das: Der BVB ist auch gut bei Flanken. Ihre Spielweise ist extrem flügellastig und dort hatten die Münchner zuletzt einige Probleme – personalbedingt, aber auch mannschaftstaktisch.

Gut möglich, dass Niko Kovač hier einen Schlüssel für den Erfolg ausmacht. Maximilian Beier ist derzeit in Topform und glänzt mit starken Laufwegen, raumdeuterischen Fähigkeiten und Durchsetzungsfähigkeit. Und auch auf Bayern-Seite fehlt jemand: Manuel Neuer. Jonas Urbig ist zwar ein guter Ersatz, der auf vielen Ebenen gezeigt hat, dass er bedenkenlos in die Startelf rücken kann. Doch wenn es bei ihm noch größeres Verbesserungspotenzial gibt, dann wohl bei der Entscheidungsfindung bei hohen Bällen.

BVB mit Abwehrproblemen: Atalanta zeigt, dass Dortmund anfällig ist

Gut für die Bayern wiederum ist, dass der BVB defensiv durchaus anfällig ist. Das liegt einerseits an den Verletzungen. Andererseits aber auch an der Qualität etablierter Spieler. Gegen Atalanta wurde die Rückkehr von Emre Can noch zusätzlich zum Problem. Der Kapitän hatte klare Abstimmungsprobleme mit Ryerson und Waldemar Anton. Immer wieder konnten sich Spieler zwischen diesen drei BVB-Verteidigern freilaufen.

Kurz vor dem 1:0 von Atalanta gab es am Wochenende eine Szene, in der Beier plötzlich nach vorn trabt und auch Ryerson extrem hoch positioniert war. Auf einmal hatten die Italiener auf dem linken Flügel eine Überzahlsituation gegen Can. Auf der linken BVB-Seite gab es eine Situation, in der drei Dortmunder rund um Ramy Bensebaini sich nicht berufen fühlten, einen frei in den Strafraum dribbelnden Gegenspieler anzugreifen.

Solche Abstimmungsprobleme gab es in den letzten Wochen häufiger. Der von vielen in den vergangenen Spielen gelobte Anton hat massive Probleme, wenn er aus der Kette gezogen wird. Hier können die Bayern Harry Kane ansetzen. In die entstehenden Lücken können dann die drei anderen Offensivspieler starten. Generell ist Anton auch ein Spieler, den man mit viel Tempo attackieren muss, um ihn in Schwierigkeiten zu bringen.

Eine wahrscheinliche Rückkehr von Nico Schlotterbeck wird dem BVB helfen. Aber sie sind bei weitem nicht so defensivstark, wie es beim Blick auf die reinen Zahlen den Anschein macht.

Der FC Bayern braucht auch Lösungen gegen hohes Pressing

Das vielleicht größte Learning aus dem Hinspiel ziehen beide Seiten aber aus der zweiten Halbzeit. Der BVB agierte damals in den ersten 45 Minuten viel zu passiv und ergab sich dem Druck der Bayern. Im zweiten Durchgang passten sie ihre Strategie an, pressten mutig nach vorn – wie wir damals analysierten. Entscheidende Anpassungen waren:

  • Dortmund deckte konsequenter von hinten nach vorn durch. Die Abwehrkette und das zentrale Mittelfeld schoben also stärker mit nach vorn, um Lücken zu füllen.
  • Die drei Offensivspieler pressten aggressiver und kompakter, bildeten meist ein Dreieck, um den zentralen Aufbau der Bayern auszuhebeln.

Der FCB fand damals keine guten Lösungen und hatte am Ende auch ein Quäntchen Glück, dass die Partie gewonnen wurde. Dortmund wird im Rückspiel mindestens ein paar Phasen haben, in denen sie höher anlaufen. Dann braucht es Ballsicherheit und Qualität im Passspiel. 31 ihrer 55 langen Bälle spielten die Bayern damals in der zweiten Halbzeit. Nur 18 davon kamen an.

Wenn sie zu viele lange Bälle spielen, bekommt der Gegner mehr Kontrolle und die Münchner müssen selbst häufiger in intensive Läufe gegen den Ball. Das macht das Spiel offener. Umgehen sie das Pressing hingegen mit spielerischen Lösungen, werden sich Räume im Angriffsspiel ergeben und Dortmund wird defensiver agieren müssen. Ein souveräner Umgang mit dem Pressing der Dortmunder wäre deshalb der wichtigste Schritt auf dem Weg zu einem erfolgreichen Spiel.

Mit einem Sieg könnten sich die Bayern Ruhe in der Liga verschaffen, um in den kommenden englischen Wochen bedenkenlos rotieren zu können. Dortmund die Saison dabei endgültig zu ruinieren, wäre sicher ein Nebeneffekt, den man gern mitnimmt. Unterschätzen sollte man den BVB aber keinesfalls. Das hat das Hinspiel in der Allianz Arena gezeigt.

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