Luis Díaz und seine Teamkollegen vom FC Bayern jubeln über ein Tor.
Bild: Christof Koepsel/Getty Images

Müsste man den FC Bayern unter Kompany in einer Szene beschreiben, dann …

Justin 14.03.2026



Vor einigen Wochen wurde über eine Szene im Spiel gegen Eintracht Frankfurt diskutiert, als Joshua Kimmich und Min-jae Kim für ein kurioses Gegentor sorgten. Nur wenige Wochen später gab es in Leverkusen eine vergleichbare Szene – sogar in Unterzahl.

Diesmal entstand einer der schönsten Spielzüge der gesamten bisherigen Saison. Voller Risiko, voller Lust am Zocken und voller Qualität – nur das Tor war den Münchnern nicht vergönnt. Luis Díaz rutschte am Ende aus und schoss sich dabei selbst an.

Es passte zum gesamten Nachmittag, den der Rekordmeister in Leverkusen erlebte. Aber es passte auch zum FC Bayern München unter Kompany, wie sie diese Partie in der zweiten Halbzeit in Unterzahl angegangen sind – und wie sie ins Besondere diesen Angriff ausgespielt haben.

Miasanrot hat den Angriff deshalb von Anfang bis Ende durchanalysiert. So ein Gemälde muss schließlich an die Wand.

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Los ging die Situation mit einem hohen Pressingerfolg der Münchner. Leverkusen schlägt den Ball lang, Dayot Upamecano sichert die Kugel, spielt Aleksandar Pavlović an, der wiederum auf Jonathan Tah klatschen lässt und der orientiert sich aufgrund des aggressiven Gegenpressings der Werkself erstmal nach hinten, wo er Sven Ulreich anspielt.

Im ersten Schritt machen die Innenverteidiger nun das Spiel breit, sodass der Torhüter gegen seinen Gegenspieler zwei Optionen hat. Ulreich wählt den Ball nach außen zu Upamecano, der spielt erstmal auf Josip Stanišić nach außen und macht etwas, was gleich noch sehr relevant wird und was ihn derzeit zu den besten Innenverteidigern der Welt zählen lässt.

Er wartet mit seinem Zuspiel den perfekten Augenblick ab, in dem sein Gegenspieler im vollen Lauf kurz vor ihm ist, um dann die gegenläufige Bewegung an ihm vorbei zu machen. Erst spielt er Josip Stanišić auf dem Flügel an, dann bleibt er direkt in der Situation und läuft sich frei. Man könnte hier auch sagen, dass er die Unterzahl der Bayern in diesem Spielzug ausgleicht.

Dayot Upamecano als Antreiber

Ein Move, den Upamecano häufiger bringt, wenn sich ihm die Gelegenheit bietet. Es wirkt so simpel, aber die Umsetzung ist geknüpft an die Fähigkeit, den weiteren Spielzug ungefähr zu antizipieren. Wenn Upamecano den Ball verliert, hat Leverkusen eine Riesenchance.

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Der Beginn des Angriffs (nur die Spieler dargestellt, die im TV-Bild zu sehen sind).

Stanišić könnte nun klatschen lassen, entscheidet sich stattdessen aber für einen erneuten Rückzug und den Pass zu Ulreich – der nun kaum eine Anspielstation hat. Analog zur Kritik gegen Frankfurt würden manche nun wohl einen langen Ball fordern.

Aber Ulreich spielt zurück in den Druck auf Stanišić und hier geht der Spaß so richtig los – also für alle außer die Leverkusener.

Karl dreht auf, Upamecano bietet sich an und wird angespielt. Der Franzose hat sofort Druck, macht aber einen Haken, der seine Bewegung im ersten Moment entschleunigt, im zweiten Moment aber die Dynamik so verändert, dass er viel mehr Platz hat als vorher und deshalb ruhiger eine Entscheidung für den weiteren Verlauf treffen kann.

Verlagerung und Riesenchance

Nichts ist im Fußball wichtiger als Zeit. Der Unterschied zwischen 0,1 Sekunden Entscheidungszeit und 0,5 Sekunden ist enorm.

Upamecano macht jetzt erneut das, was er mit Stanišić schon zuvor probiert hat: Er spielt Karl an und bleibt sofort drin im Angriff, indem er sich in der Schnittstelle der Leverkusener wieder anbietet. Karl spielt rüber zu Upamecano und plötzlich ist der Raum erstmals da, um sich aus dem Druck zu befreien und die Seite zu verlagern.

Michael Olise bekommt im Zentrum den Ball und noch während all das passiert, macht Luis Díaz etwas, was ihn besonders stark macht: Im Rücken seines Gegenspielers antizipiert er, dass der Raum im Zentrum relevant werden könnte. Er läuft erst mit seinem Gegenspieler nach außen, dreht sich dann aber um, sieht den zentralen Raum und lässt sich dorthin fallen, um möglichst viel Abstand zu seinem Gegenspieler aufzubauen.

Nur so wird der Tiefenpass von Olise möglich. Díaz startet im richtigen Augenblick und ist nur noch ein Eins-gegen-eins von einer Großchance entfernt. Dann schießt er sich selbst an, weil er ausrutscht. Schade, weil dieser Spielzug ein Tor verdient gehabt hätte.

Die Kompany-Bayern: Bock auf Fußball

Müsste man den FC Bayern unter Kompany in einer Szene beschreiben, es wäre wohl diese. Beginnend beim hohen Pressing – in Unterzahl! Weiterführend über das genommene Risiko im Spielaufbau – in Unterzahl! Bis hin zu einem Innenverteidiger, der den Pre-Assist dieser Großchance spielt, weil er mit nach vorn sprintet – in Unterzahl!

Ja, hier und da gibt es immer mal wieder Situationen, in denen sich der eine oder andere Fan den berühmten langen Hafer wünscht. Aber nur weil die Bayern so viel Bock aufs Fußballspielen haben und weil sie so viel Bock darauf haben, in die Offensive zu kommen, entstehen solche wunderschönen Fußballmomente.

Man hätte sich auch zu zehnt am eigenen Strafraum verschanzen können. Aber die Münchner blieben sich treu und spielten beeindruckend nach vorn. Selbst nach dem Ausgleich hörten sie nicht auf und sogar nach dem zweiten Platzverweis suchten sie stets nach Gelegenheiten, um selbst den Lucky Punch zu setzen.

Das zeichnet diesen FC Bayern aus. Ein Schelm, wer es dieser Mannschaft verübelt, dass daraus alle Jubeljahre mal ein Gegentor entsteht. Fußball kann so schön sein. Hängt diesen Spielzug ins Louvrekusen.

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