Paul Wanner im Trikot der PSV Eindhoven. Am Mittwoch trifft er auf den FC Bayern.
Bild: Lars Baron/Getty Images

Paul Wanner und die 2005er-Talente des FC Bayern: Große Träume, getrennte Wege

Andreas 28.01.2026

Der Jahrgang 2005 des FC Bayern war einst das große Versprechen für die Zukunft. Heute, im Frühjahr 2026, sind die drei prominentesten Vertreter Kenan Yildiz, Paul Wanner und Arijon Ibrahimović in ganz Europa verstreut.

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Für Wanner (20) markiert der kommende Mittwoch ein emotionales Karriere-Highlight: Mit der PSV Eindhoven trifft er in der Champions League auf seinen Ex-Klub aus München.

Es ist ein Wiedersehen mit Symbolcharakter, denn während Wanner auf der ganz großen Bühne gegen die alte Liebe antritt, scheint die Tür an der Säbener Straße für seine einstigen Weggefährten Yildiz und Ibrahimović wohl eher geschlossen zu sein.

Paul Wanner: Der „neue“ Österreicher fordert den FC Bayern heraus

Wanner wechselte im vergangenen Sommer für 15 Millionen Euro nach Eindhoven und hat sich viel für das Duell gegen den FCB vorgenommen.

Wer den schmächtigen Techniker von früher erwartet, wird sich wundern. Wanner hat eine bemerkenswerte physische Wandlung vollzogen. Durch eine Ernährungsumstellung und einen privaten Fitnesscoach hat er laut tz sieben Kilogramm Muskelmasse aufgebaut und seinen Körperfettanteil drastisch reduziert.

Diese neue Robustheit hilft ihm auf seiner überraschenden neuen Position: PSV-Trainer Peter Bosz setzt das Offensiv-Juwel inzwischen etwas tiefer im zentralen Mittelfeld ein. Auch nationalstaatlich sind die Würfel offenbar gefallen.

Nachdem Wanner zuletzt bei der deutschen U21 fehlte, verdichten sich die Informationen, dass er sich für den ÖFB entschieden hat. Sein großes Ziel ist die WM im kommenden Sommer. Das ist ein Traum, den er sich mit Österreich wohl schneller erfüllen kann als im dichten Gedränge des DFB-Mittelfelds.

Saisondaten von Wanner zeigen positive Entwicklung

In der laufenden Saison 2025/26 hat sich Wanner beim niederländischen Spitzenreiter PSV Eindhoven als ernstzunehmende Alternative im Mittelfeld etabliert, ohne jedoch den Status eines unverzichtbaren Stammspielers zu erreichen.

In einem extrem dominanten Team kommt der 20-Jährige auf eine Einsatzquote von 50 Prozent: Er absolvierte 10 der bisherigen 20 Ligaspiele (auch verletzungsbedingt), stand dabei siebenmal in der Startelf und sammelte insgesamt 609 Spielminuten. Diese Zahlen belegen seine Rolle als geschätzter Rotationsspieler, der regelmäßig Entlastung für Dauerbrenner wie Joey Veerman oder Guus Til bietet. Zuletzt kam er zuletzt regelmäßig zum Einsatz, da Ismail Saibari aufgrund des Afrika-Cups fehlte.

Offensiv zeigt Wanner ein interessantes Profil, das mehr durch Zielstrebigkeit als durch klassische Spielmacher-Qualitäten geprägt ist. Bisher hat er zwei Saisontore für die PSV erzielt.

Wo für Wanner noch Verbesserungsbedarf besteht

Allerdings offenbaren die Daten von fbref auch Entwicklungsbedarf im kreativen Bereich: In einer Mannschaft, die bereits 61 Saisontore erzielt hat, steht Wanner noch bei null Assists. Im direkten Vergleich mit Konkurrenten wie Ismael Saibari (vier Assists), Joey Vermaan (zehn Assists) oder Ivan Perišić (sieben Assists) fehlt ihm noch der letzte Pass, um sich als primärer Vorbereiter auszuzeichnen.

Zusammenfassend spielt Wanner eine ordentliche Entwicklungssaison, in der er physisch und im Abschluss mithält, aber noch an seiner Konstanz und Kreativität arbeiten muss, um an der starken internen Konkurrenz vorbeizuziehen.

Dank seiner neu gewonnenen körperlichen Entwicklung und Vielseitigkeit bleibt es absolut denkbar, dass der FC Bayern in der mittleren Zukunft auf seine Rückkaufoption zurückzugreifen könnte, der Vertrag in Eindhoven läuft noch bis 2030.

Arijon Ibrahimović mit guter Entwicklung in Heidenheim

Auch für Ibrahimović geht es nach vielen Jahren der Stagnation langsam bergauf. Der noch bis 2027 an den FC Bayern gebundene Offensivspieler ist derzeit an den 1. FC Heidenheim verliehen. Wenn es nach ihm geht, soll das auch seine letzte Station als Leiharbeiter sein. Nach Wanderjahren durch Italien (Frosinone, Lazio) sehnt sich Ibrahimović nach Stabilität.

„Ich möchte nicht nochmal verliehen werden. Ich würde schon gerne einen festen Verein haben“, betonte er kürzlich in einem Interview mit der AZ. Anders als bei seinen Stationen in der Serie A fühle er sich in Heidenheim aber „extrem wohl“.

In einer für den 1. FC Heidenheim sportlich prekären Saison 2025/26, die den Verein nach 19 Spieltagen auf dem 18. Tabellenplatz sieht, hat sich der erst 20-jährige Ibrahimović zu einer unverzichtbaren Säule im Spiel von Trainer Frank Schmidt entwickelt.

Die Einsatzstatistiken belegen seinen Status als unumstrittener Stammspieler: Ibrahimović stand in allen 19 bisherigen Ligaspielen auf dem Rasen, davon 16-mal in der Startelf. Mit insgesamt 1.396 Einsatzminuten gehört er zum absoluten Kern der Mannschaft und rangiert in der internen Dauerbrenner-Liste direkt hinter den Routiniers Mainka, Ramaj und Föhrenbach.

Auf dem Platz interpretiert Ibrahimović seine Rolle als offensiver Motor und Hauptinitiator von Angriffen, wobei seine Leistungsdaten sinnbildlich für das aktuelle Heidenheimer Dilemma stehen: Der Aufwand ist enorm, der Ertrag jedoch unglücklich. Er ist dabei der mit Abstand abschlussfreudigste Akteur des Kaders und gab in der laufenden Saison bereits 30 Torschüsse ab. Das sind mehr als jeder Stürmer im Team.

Ibrahimović noch ohne Tor: Fehlendes Spielglück oder mangelnde Effizienz?

Dass aus diesen 30 Versuchen (davon 14 direkt auf das Tor) noch kein eigener Treffer resultierte, deutet auf eine Mischung aus fehlendem Spielglück und mangelnder Effizienz im Abschluss hin. Die 3.53 xG unterstreichen die Mängel im Abschluss. Dennoch bleibt er gefährlich: Mit zwei Assists und 85 geschlagenen Flanken (Platz 2 im Team) ist er einer der wenigen Kreativposten, der konstant Bälle in die Gefahrenzone bringt.

Abgerundet wird sein Profil durch eine disziplinierte Spielweise und Sprintstärke. Er arbeitet zuverlässig gegen den Ball (elf abgefangene Pässe, zehn Tacklings laut fbref) und ist durch seine Dribblingstärke ein wichtiger Faktor für Entlastung, da er Gegner oft zu Fouls zwingt (14 gezogene Fouls). Zusätzlich ist er in der Bundesliga der Spieler mit den meisten Sprints und damit vor Spielern wie Michael Olise (Platz vier) und Luis Díaz (Platz sieben).

Zusammenfassend ist Ibrahimović in dieser schwierigen Saison der taktische Lichtblick der Heidenheimer Offensive, dem aktuell nur das erste Saisontor fehlt, um seine starken Leistungen zu krönen.

Da er sich nach Stabilität sehnt und das Modell der ständigen Leihen ablehnt, deutet alles auf einen endgültigen Abschied vom FC Bayern und einen festen Transfer hin. Denn auch wenn seine Entwicklung erfreulich ist, fehlt ihm im Moment zu viel, um eine echte Option im FCB-Kader zu sein.

Kenan Yildiz: Der Entrückte

Während Wanner und Ibrahimović noch an ihrem endgültigen Durchbruch im Profifußball feilen, spielt Kenan Yildiz (20) in dieser Hinsicht bereits in einer eigenen Liga. Bei Juventus Turin ist er mit einem Marktwert von 75 Millionen Euro und zwölf Scorerpunkten in der laufenden Saison ein unumstrittener Star. Für den FC Bayern bleibt er das schmerzhafte Mahnmal eines verlorenen Talents, das man im Zuge des Rassismusvorfalls verlor.

„Wir wollen hier nicht ins Detail gehen“, sagte Berater Hector Peris 2024 im Interview mit Sky, um dann doch noch so konkret zu werden, wie es ihm möglich war: „Aber während Kenans Aufenthalt bei Bayern gab es unangenehme Momente. Es gab Leute, die ihn, aus welchen Gründen auch immer, nicht richtig fördern wollten. Deshalb sind die korrekten Berichte über Kenan nicht in der richtigen Art und Weise bei der Vereinsspitze angekommen. Kenan hat schwierige Zeiten durchgemacht, und all das hat dazu geführt, dass einige Leute den Verein danach verlassen haben. Aber das ist jetzt Vergangenheit.“

Seine Rolle unter Thiago Motta ist mittlerweile die eines Dauerbrenners: Mit 1.747 Einsatzminuten steht er im internen Ranking der Feldspieler auf Platz drei, lediglich übertroffen von den Defensivspezialisten Pierre Kalulu und Manuel Locatelli. In 21 von 22 möglichen Ligaspielen kam er zum Einsatz, dabei stand er 20-mal in der Startelf und blieb durchschnittlich 83 Minuten auf dem Platz, was ein Beleg für seine physische Robustheit und das enorme Vertrauen des Trainerteams ist.

Yildiz ist in der Saison 2025/26 das Gesicht der Juventus-Offensive. Er hat teure Stars wie Vlahović oder David statistisch in den Schatten gestellt und führt die internen Ranglisten bei Toren, Schüssen und gezogenen Fouls an. Mit gerade einmal 20 Jahren agiert er bemerkenswert konstant und effizient, was ihn neben Abwehrchef Bremer und Stratege Locatelli zum vielleicht wichtigsten Feldspieler der Turiner macht.

Seine Präsenz zahlt sich vor allem in nackten Zahlen aus, denn Yildiz fungiert aktuell als effektivste Offensivkraft der „Bianconeri“. Kein anderer Spieler im Kader sucht so oft den Abschluss wie er. Mit 62 Torschüssen, von denen 27 direkt auf den Kasten gingen, ist er der mit Abstand abschlussfreudigste Akteur im Team.

Eine Rückkehr zum FC Bayern ist aufgrund seines Marktwerts von 75 Millionen Euro und der Geschichte des Spielers in München wohl eher ausgeschlossen. Dennoch ist festzuhalten, dass Yildiz unter dem Dreigespann der vielversprechenden 2005er den bisher erfolgreichsten Weg ging.

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