FC Bayern – 1. FC Kaiserslautern 5:1 (2:0)

Steffen Trenner 16.04.2014

Falls Ihr es verpasst habt: Der Druck war groß vor dem DFB-Pokalhalbfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern. Bayern hielt wie schon so häufig in seiner langen Geschichte stand. 5:1 (2:0). Insgesamt ungefährdet und doch mit Blick auf noch viel größere Aufgaben in dieser Saison nicht zu 100 Prozent überzeugend, wie auch Matthias Sammer nach dem Schlusspfiff befand.

Guardiola ließ Götze, Martínez und Rafinha draußen und agierte in einem sehr klassischen 4-2-3-1, mit Kroos und Schweinsteiger als Doppelsechs. Raeder, der nicht geprüft wurde, aber durchaus eine gute Ausstrahlung besitzt, stand wie erwartet für den angeschlagenen Manuel Neuer im Tor. Kaiserslautern zeigte gerade zu Beginn ein sehr passables Pressing und zwang Bayern zu einigen langen Bällen. Außer einem abgefälschten Kopfball von Müller an die Latte, passierte in den ersten 20 Minuten nicht viel. Dann war es einmal mehr Bastian Schweinsteiger, der nach einer Ecke per Kopf zur Stelle war und den befreienden Führungstreffer erzielte (23.). Die Bayern danach sicherer, ruhiger, besser. Kroos erhöhte nach schöner Vorarbeit von Robben auf 2:0 (32.).

Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild. Bayern insgesamt abgeklärt, Kaiserslautern mit einigen vorzeigbaren Offensivaktionen. Nach Müllers Strafstoß-Treffer antworteten die Lauterer mit dem zwischenzeitlichen 1:3 durch Zoller (60.). Der Titelverteidiger zog danach noch einmal an und erhöhte in den Schlussminuten durch Mandzukic (78.) und Götze (90.) auf 5:1. Auch im Pokal ist somit die Pflicht erfüllt. Die Kür kommt Ende Mai im schwerstmöglichen Finale gegen Borussia Dortmund.

3 Dinge, die auffielen:

1. Der Wert einer frühen Führung

Der Hype um zwei Bundesliga-Niederlagen in Folge war genauso übertrieben wie der Hype, um die angeblich unschlagbaren Bayern zu Rückrundenbeginn. Dennoch sind einige Probleme in Bayerns Spiel in den vergangenen Wochen durchaus handfest. Trotz des sehr souveränen Sieges am Mittwoch-Abend ist Bayern noch ein Stück entfernt von der Selbstverständlichkeit und Klarheit der vergangenen Monate. Das zeigte sich vor allem so lange es noch 0:0 stand. Es brauchte (nicht zum ersten Mal in dieser Saison) eine Standardsituation, um das Eis zu brechen. Bis zu Schweinsteigers Kopfballtreffer hatte Bayern durchaus Probleme mit Kaiserslautern gutem Pressing und den schnell vorgetragenen flügellastigen Angriffen. Vor allem der Übergang vom Aufbau im Mittelfeld ins letzte Drittel stockte und dauerte häufig zu lang. Die Münchener sind zur Zeit auch gegen einen Zweitligisten nicht in der Lage einem Spiel von der ersten Minute an mit aller Konsequenz Torchancen herauszuspielen und dem Spiel den eigenen Stempel aufzudrücken. 

Mit dem 1:0 änderte sich das schlagartig. Es wurde erneut deutlich wie sehr Bayern in dieser Saisonphase eine möglichst frühe 1:0-Führung braucht, um sich mit der eigenen Spielweise wohl fühlen können. Seit Anfang März gelang diese frühe Führung nur gegen Schalke 04 (5:1) und Hertha BSC Berlin (3:1). Die Siege in diesen beiden Partien waren hinreichend klar und sicher. Auch gegen Kaiserslautern war die Führung der viel zitierte Dosenöffner.

Die Erklärung fällt nicht ganz leicht. Klar ist: Durch das 1:0 entfällt die unbedingte Notwendigkeit ein Tor zu erzielen. Bayerns eher auf Balance ausgerichtetes Spiel wird dadurch begünstigt und wurde zumindest gegen Kaiserslautern ab der 23. Minute deutlich weniger umständlich und ausrechenbar. Die Selbstverständlichkeit, die Bayern über 1 1/2 Jahre auszeichnete kehrte so Stück für Stück zurück. Dass der Gegner seinen eigenen Plan nach einem 0:1 ändern muss und vielleicht sogar zusätzliche Räume bietet, kommt erleichternd hinzu. Seit 2010 verlor Bayern in weit über 100 Pflichtspielen nur drei Mal nach einer 1:0-Führung. Lange war dieses 1:0 nicht mehr so wichtig wie in dieser schwierigen Saisonphase. 

2. Kroos und Schweinsteiger lassen Tore sprechen

Es ist wahrscheinlich das falscheste Spiel, um diesen Punkt anzubringen, weil Schweinsteiger und Kroos mit ihren Treffern den Finaleinzug einleiteten, aber es bleibt dabei: Kroos und Schweinsteiger sind für mich nicht die ideale Kombination auf der Doppelsechs. Ich kann verstehen, warum Guardiola sich mit dieser Variante sehr wohl fühlt. Beide sind extrem passsicher und können gemeinsam mit Philipp Lahm als Rechtsverteidiger den kompletten Spielaufbau auch gegen starke Pressingteams von hinten heraus bestmöglich organisieren. Gleichzeitig wird so ein Platz für einen zusätzlichen torgefährlichen Spieler (in diesem Fall Müller) frei. So weit so gut.

Was dieser Kombination aber eindeutig fehlt ist der Biss im Gegenpressing und generell die Fähigkeit frühe Ballgewinne zu erzwingen. Auch dem Tabellenvierten der 2. Bundesliga gelang es zumindest über 60-70 Minuten einige Male bis an den Strafraum vorzudringen und gerade die Innenverteidiger in Zweikämpfe zu verwickeln. All das wirkt ein wenig wie die Rückkehr in die Prä-Luiz Gustavo-Ära.

Die Transfers von Gustavo und später Martínez sollten genau diese Lücke füllen, die Kroos, Schweinsteiger, van Bommel, Zé Roberto oder Tymoschchuk in der Zentrale lange Zeit nicht optimal abdecken konnten. Zweikampfstärke, Physis, Ballgewinne. Der stabilisierende Einfluss von Martínez in der historischen Saison 2012/2013 ist bekannt. Frühe Ballgewinne bedeuten immer auch einen kürzeren Weg zum gegnerischen Tor. Im Moment verzichtet Guardiola auf diese Qualität. Auch der im Gegenpressing exzellente Lahm scheint in den großen Spielen eher als Außenverteidiger eingeplant zu sein. Gerade im Hinblick auf die Duelle gegen Real Madrid ist mir nicht ganz wohl bei dem Gedanken, dass die Kombination Kroos und Schweinsteiger Spieler wie Modric oder Isco so aufhalten können, wie es im Vorjahr Schweinsteiger und Martínez mit Xavi und Iniesta gelang. Es ist vielleicht die wichtigste Personalentscheidung, die Guardiola für die verbleibenden ganz großen Spiele in der Champions League und im DFB-Pokalfinale treffen muss. Kroos und Schweinsteiger machten gegen Kaiserslautern mit ihren Toren sicher Werbung in eigener Sache. Restzweifel bleiben trotzdem.

3. Robben geht voran

Es gab statistisch gesehen sicherlich schon spektakulärere Saisons in der Karriere von Arjen Robben. Dennoch ist die Spielzeit 2013/2014 wohl die konstanteste und vielleicht auch die insgesamt beste, die der inzwischen 30-Jährige je gespielt hat. Robben könnte zum ersten Mal im Bayern-Trikot über eine ganze Saison gesund bleiben. Wie schon im Rückspiel gegen Manchester United hatte er entscheidenden Anteil am Sieg der Bayern gegen Kaiserslautern. Robben wirkte von der ersten Minute an entschlossen und risikobereit. Der Niederländer leitete die drei ersten Treffer seiner Mannschaft ein. 17 Pflichtspieltreffer und 12 Assists stehen nun insgesamt für den Nationalspieler zu Buche. Wie gesagt: Statistisch gab es gewiss schon auffälligere Spielzeiten in der langen Karriere des Arjen Robben und trotzdem ist er in dieser Form ein ganz entscheidender Faktor. Er bringt häufig die individuelle Inspiration, die dem Kollektiv des Rekordmeisters zur Zeit ein wenig fehlt. Er geht voran. Auch und gerade in dieser kritischen Saisonphase.

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