Kriegt Can in Leverkusen die Kurve?

Steffen Trenner 09.02.2014

Can hat in Leverkusen eine ordentliche Entwicklung hinter sich. 16 Spiele machte der 20-Jährige in Bundesliga und Champions League in dieser Saison bereits von Anfang an. 6 davon im Zentrum und 9 auf der ungewohnten Linksverteidiger-Position. Gerade hier zeigte Can in den vergangenen Woche starke Partien. Beim 1:0-Erfolg gegen Dortmund Anfang Dezember verdiente sich der Ex-Münchener auf dieser Position Bestnoten. Auch das Spiel gegen Mönchengladbach am Freitag-Abend war da keine Ausnahme. Besonders positiv fällt dabei Cans Lauffreudigkeit auf. Während er in München, gerade bei den Amateuren oft ein wenig lustlos wirkte, scheint die Aussicht auf einen Stammplatz in einem Bundesliga-Team Can zu beflügeln. 26 Sprints, 11,1 km Laufdistanz – Werte, die im oberen Drittel der Leverkusener angesiedelt sind. Dass Can als Linksverteidiger am Freitag-Abend die meisten Flanken und die meisten Torschüsse der gesamten Bayer-Mannschaft abgab, unterstreicht seine Vielseitigkeit. Can gewinnt über die Saison gesehen fast 55 Prozent seiner Zweikämpfe – ein ordentlicher Wer, der sich auch im Vergleich zu Lars Bender oder Simon Rolfes (beide ebenfalls 55 Prozent) sehen lassen kann.

Ich habe schon in der Vorsaison immer wieder gesagt, dass Can in München zumindest mittelfristig nur auf einer der vier Positionen in der Abwehr eine realistische Perspektive hat. Dass selbst Javi Martínez in dieser Saison Schwierigkeiten auf einen Platz im zentralen Mittelfeld hat, unterstreicht diese These. In der Abwehr gibt es dagegen Optionen. Auf rechts verteidigt Rafinha ordentlich – ein Backup (jenseits von Philipp Lahm) fehlt zur Zeit aber völlig. Auf Links ist David Alaba gesetzt – dahinter gäbe es aber durchaus Möglichkeiten. Vor einem Diego Contento muss sich Can schon jetzt nicht verstecken. Und auch in der Innenverteidigung sehe ich durchaus Möglichkeiten für Can. Daniel van Buyten wurde unter der Woche 36 und auch Dante hat die 30er Marke bereits geknackt. Warum sollte nicht Can ab 2015 hier eine der mit Sicherheit frei werdenden Planstellen übernehmen. Auch David Alaba hat es zum Durchbruch verholfen seine vermeintliche Idealposition im Mittelfeldzentrum aufzugeben.

Es wird spannend wie sich Cans Rolle in Leverkusen in den kommenden Wochen entwickelt. Leverkusen hat den mexikanischen Nationalspieler Andres Guardado vom FC Valencia ausgeliehen, um die Dauerbaustelle auf der linken Außenverteidigerposition endlich zu schließen. Can war hier wie beschrieben eine sehr gute Alternative, aber Guardado soll wohl kurz- und mittelfristig übernehmen. Can muss erneut kämpfen, wenn er sich Spielzeit erarbeiten will. Im Mittelfeldzentrum ist der Konkurrenzkampf auch in Leverkusen sehr groß. Die Ausleihe war für Emre Can eine große Chance. Bisher hat er diese exzellent genutzt. Er ist dabei die Kurve zu kriegen und sich zu einem sehr guten Bundesliga-Spieler zu entwickeln. Setzt er diese Entwicklung fort, wird auch eine Rückkehr nach München durchaus realistisch.

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