Ein herrlicher Tag im Olympiastadion – Mainz 05 versucht Punkte zu erschleichen

Christopher Trenner 20.10.2013

FC Bayern gegen Mainz 05 aus der Südkurve

Partien nach der Länderspielpause sind oftmals zäh. Die Bayern-Spieler kommen aus den verschiedensten Ecken der Welt zurück. Oftmals sind sie in ihrer Mannschaft die absoluten Leistungsträger. Was wäre Frankreich zum Beispiel ohne Franck Ribery, Österreich ohne David Alaba oder die Schweiz ohne Xherdan Shaqiri? Für die genannten Spieler sind Länderspiele keine Kaffeefahrten und man erwartet für die heimische Nation Wunderdinge von ihren Schützlingen. Die besagten drei Bayernspieler (2 ½ Stammspieler) fielen für die Partie gegen Mainz aus bzw. wurden im Fall von David Alaba geschont. Am schlimmsten hat es wohl Xherdan Shaqiri erwischt. Er brachte vom Länderspiel einen Muskelriss mit, was in seinem Fall wohl seinen Körper in zwei Hälften zerteilte. Für ihn ist die Hinrunde gelaufen. Franck Ribery verletzte sich leicht beim Abschlusstraining und verfolgte das Geschehen aus der Loge.

Viele Fans hätten sich auch gewünscht, das Spiel in der ersten Halbzeit in der Loge zu verfolgen, schließlich bieten sich dort jede Menge Ablenkungsmöglichkeiten. Diese waren auch bitter nötig, es sei denn, man zählt sich selbst zur Taktik-Nerd-Fraktion. Diese sah, dass Mainz mit einer 5er-Kette in der Abwehr agierte und davor noch mal mit einer 3-2er Kette auflief. In der Summe eine Art Tannenbaumsystem. Dies hatte zur Folge, dass Mainz die Mitte gut dicht halten konnte. Das wurde noch dadurch begünstigt, dass Schweinsteiger und Toni Kroos nicht ihre besten Partien spielten. Gerade Toni Kroos erwischte wieder einen dieser Toni-Kroos-Tage. An diesen Tagen ist sein Spiel geprägt von haarsträubenden Fehlpässen und einer defensiven Lustlosigkeit.

Mainz wendete diese Taktik schon im vergangenen Jahr an, doch damals konnte sie der FC Bayern durch tolle Diagonalpässe und einem ansehnlichen Flügelspiel knacken. Von diesem war in der ersten Halbzeit nichts zu sehen. Dies lag zum einen an der Ungenauigkeit der Flankenwechsel, aber auch an der Fähigkeit sich mal im 1:1 Duell durchzusetzen. Zugegeben dies war schwierig, da Müller/Robben oftmals in 2:1 oder 3:1 Duelle geschickt wurden – mit den besten Wünschen der Mitspieler. Gerade von Rafinha und Contento kam zu wenig offensive Unterstützung für die Flügelspieler. So plätscherte das Spiel bis zur 40 Minuten dahin und die meisten Fans haben wohl schon Pläne für den Versorgungstresen geschmiedet, bis es zu einer Verkettung von mehreren individuellen Fehlern kam. Den Anfang machte eine Flanke aus dem Halbfeld von Rafinha, welche bei schlechter Ausführung dazu führen, dass gleich mehrere Verteidigungslinien leicht ausgespielt werden können – wie auch in diesem Fall. Die Kugel gelangte zu Baumgartlinger, der von Contento eher zum Herbstspaziergang eingeladen wurde, als wirklich zum Zweikampf herausgefordert zu werden. So konnte der besagte Österreicher in Seelenruhe einen vertikalen Pass spielen – der Boateng ins 1:1 mit Parker schickte. Durch das fehlende Pressing von Contento gelang es Mainz mit nur zwei Pässen nach Balleroberung, die komplette Bayernabwehr auszuhebeln. Das Boateng dann den ungenauen Pass noch versuchte wie ein Kugelstoßer im Ballerina Kostüm abzufangen, führte zum ersten Rückstand in dieser Saison.

Pep Guardiola war schon vorher ziemlich unzufrieden und schickte Alaba und Götze etwa ab der 30. Minute zum Aufwärmen – ein bisher einmaliger Vorgang in seiner Amtszeit. Durch die Verletzung von Dante und dem Spielstand in Kombination mit der Spielweise sah sich der Trainer genötigt Mario Götze schon in der Halbzeitpause zu bringen. Auch die Pause von David Alaba war so ziemlich kurz. Besagter Götze war es dann auch, der über die Flügel viel mehr Druck ausüben konnte. Gerade über die rechte Seite ging kurz nach dem Pausentee eine Menge. Man hatte das Gefühl, dass die müden Herbstbeine des Olympiastadions in der Kabine gelassen wurden.

Müller, Robben und Götze kombinierten wie sie wollten und drehten das Spiel in wenigen Minuten. Mario zeigte, warum man ihn für fast 40 Millionen von Borussia Dortmund verpflichtet hat. Der Pass zum 1:1 auf Robben (50.) hebelte die 5er-Kette spielerisch aus. Auch beim 2:1, welches keine 120 Sekunden später fiel, brachte Götze das vermisste Tempo ein und sorgte für Druck über die Flügel. Sein Pass gelang über Robben zu Müller, der das Ding zur 2:1 Führung einmüllerte (52.). Das 3:1, welches in der 69. Minute den Deckel auf die Partie machte, war nahezu eine Kopie des 2:1 – erneut spielten Müller und Götze die Mainzer Abwehr schwindlig. Götze täuschte einen Doppelpass mit Müller an, konnte so dem Mainzer einen Knoten in die Beine spielen und hatte genügend Zeit mit einem »No-Look-Pass« auf Mandzukic die Partie zu entscheiden. Wenig später gab es dann noch einen Strafstoß nach einem Foulchen an Schweinsteiger, welcher von Müller souverän verwandelt wurde (82.).

In der Summe bleibt ein Fortschritt im Vergleich zur Bayer Leverkusen Partie, denn diesmal wurden die wenigen Chancen direkt in Tore umgemünzt. Positiv ist auch, dass es der Mannschaft gelungen ist einen Rückstand trotz bis dato völliger Einöde in der Offensive noch in ein 4:1 zu drehen. Nun geht es weiter mit zwei Heimspielen – zunächst in der Champions League gegen Pilsen – ohne Stamminnenverteidigung, denn Boateng ist gesperrt und Dante wird (Stand Sonntagmittag) definitiv ausfallen. Am Wochenende kommt es dann zum Spitzenspiel – Erster gegen Vierter – der Aufsteiger Hertha BSC wird dann hoffentlich gleich in die Allianz Arena einfahren.

Die Südkurve präsentierte sich gut, aber nicht ganz so lautstark wie zuletzt. Man versuchte mit zwei Vorsängern in der Nähe der Blöcke 111 und 114 an die Seiten zu kommunizieren. Das funktionierte nach links (aus der Hintertorperspektive) recht gut, denn dort beteiligten sich einige Fans an den Gesängen. Auf der Gegenseite war wenig los, sodass der Vorsänger entspannt auf dem Zaun sitzen konnte. Sicherlich wird man in Zukunft weiter experimentieren und die Stimmung kontinuierlich verbessern können. Der Grundstein ist gelegt und nun gilt es das Maximum auszuschöpfen.

FC Bayern München – Mainz 05 4:1 (0:1)
FC Bayern Neuer – Rafinha (46. Götze), Boateng, Dante (42. Alaba), Contento – Lahm – Robben, Kroos, Schweinsteiger, Müller – Mandzukic (75. Kirchhoff)
Bank Starke, Van Buyten, Pizarro
Mainz 05 Wetklo – Pospech, Bell, Svensson (57. Park), Noveski, Diaz – Geis, Baumgartlinger (67. Moritz) – Müller, Choupo-Moting – Parker (79. Saller)
Bank Mathenia, Fathi, Zimling, Okazaki
Tore 0:1 Parker (44.), 1:1 Robben (50.), 2:1 Müller (52.), 3:1 Mandzukic (69.), 4:1 Müller (82. / Foulelfmeter)
Karten Gelb: Kirchhoff / –

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