FC Bayern – VfL Wolfsburg 1:0 (0:0)

Steffen Trenner 29.09.2013

3 Dinge, die auffielen:

1. Glanzlose Siege sind glanzlos

Nach den beeindruckenden Auftritten der Guardiola-Elf gegen Moskau, Schalke und unter der Woche gegen Hannover war in den vergangenen Tagen so etwas wie Euphorie ausgebrochen, um einen spielerisch erneuerten FC Bayern. In der Tat war gerade der Auftritt gegen Schalke ab der 20. Minute spielerisch ein echter Schritt nach Vorn. Das maue Spiel gegen den VfL Wolfsburg deshalb als Rückschritt zu bezeichnen, hielte ich dennoch für falsch. Natürlich war der Auftritt am Samstag über weite Strecken zäh. Über 50 Fehlpässe im Offensivdrittel standen nach dem Abpfiff zu Buche. Allein Franck Ribéry und Thomas Müller kamen zusammen auf über 20 Fehlpässe und Ballverluste. Erschwerend hinzu kam, dass Schiedsrichter Dankert das harte Wolfsburger Spiel über weite Strecken duldete und trotz insgesamt 25 Fouls nur eine gelbe Karte gegen die Hecking-Elf verhängte. Auch die vielen Fouls störten den Münchener Spielfluss enorm. 

Es sind Spiele wie diese, die am Ende einer Saison auch darüber entscheiden können, ob der Deutsche Meister FC Bayern heißt oder nicht. Denn Spiele wie diese gibt es in jeder Saison. Auch im Vorjahr beim müden 1:0 in Hoffenheim, beim 1:1 in Nürnberg oder beim 2:0 gegen Fürth war Bayerns Spiel über weite Strecken träge. Es sind Spiele, die am Ende nicht nur über Qualität entschieden werden, sondern auch und vor allem über Charakter und Einsatzwillen. Die Tugenden also, die Matthias Sammer vor kurzem in seiner vielbeachteten Mahnung an die Mannschaft einforderte.

Die Mannschaft reagierte am Samstag vor allem zwischen der 50. und 70. Minute. Wie immer gegen tiefstehende Gegner, entstanden Chancen vor allem dann wenn Bayern abgewehrte oder verlorene Bälle schnell zurückgewinnt und den Druck auf die gegnerische Mannschaft so aufrecht erhält. Das hat weniger mit individueller Klasse, als mit kollektiver Laufbereitschaft zu tun. Bayern erarbeitete sich rund um den Führungstreffer mit einigen frühen Ballgewinnen genau diesen Druck, der am Ende auch zum Siegtreffer führte. Das sollte für die Mannschaft genau so ein Lerneffekt sein, wie die wackelige Schlussviertelstunde, die für mich im Übrigen ein viel größeres Ärgernis war, als der zähe Auftritt zuvor.

Dass am Mittwoch gegen Manchester und vor allem am kommenden Samstag gegen bärenstarke Leverkusener eine andere Leistung erforderlich ist, wird jedem in der Mannschaft klar sein. Glanzlose Spiele sind glanzlos. Aber glanzlose 3 Punkte sind 3 Punkte und darauf kommt es an Nachmittagen wie diesen an.

2. Guardiolas überraschende Wechsel

Ich halte es für eine der unterschätzten Fähigkeiten eines Trainers durch proaktive und geschickte Einwechslungen Einfluss auf den Spielverlauf zu nehmen. Pep Guardiola ist beim FC Bayern bisher eher durch konservative Wechsel aufgefallen. Am Samstag wechselte der Katalane bereits in der 62. Minute – so früh wie noch nie in dieser Saison. Mit Shaqiri und Kroos kamen zwei logische Offensiv-Optionen. Dass für sie Schweinsteiger und Robben weichen mussten, kam dafür doch sehr überraschend. Persönlich hatte ich eher mit den bis dato erschreckend schwachen Franck Ribéry und Thomas Müller als Wechsel-Kandidaten gerechnet. Dass Müller eine Minute nach dem Wechsel auf Vorlage von Shaqiri und Ribéry den Siegtreffer erzielte, war der Lohn für diese überraschende Wechsel.

Spätestens wenn Götze und Thiago wieder zurück und fit sind, sollte Guardiola die enormen Einflussmöglichkeiten von der Bank nutzen, denn Wolfsburg wird nicht der letzte unangenehme Gegner gewesen sein, der gegen Bayern lange ein 0:0 halten kann.

3. Müller fremdelt auf der 8

Die Personalie Thomas Müller ist momentan wohl die komplizierteste im Bayern-Kader. Der Siegtreffer gegen Wolfsburg, zwei Treffer und ein Assist am Mittwoch im Pokal gegen Hannover sind eine hervorragende Bilanz und unterstreichen den Wert des Nationalspielers für diese Mannschaft nach einem für ihn persönlich eher durchwachsenen Saisonstart. Es ist dabei kein Zufall, dass Müller diese Statistiken jetzt auf dem rechten Flügel auflegte. Auch gegen Wolfsburg fiel der Treffer erst als Guardiola ihn in der 62. Minute aus dem Zentrum nach rechts beorderte. Es ist durchaus paradox, dass ausgerechnet der Freigeist Müller Schwierigkeiten hat die Anforderungen Guardiolas an eine weitgehende Anarchie der drei zentralen Mittelfeldspieler zu erfüllen. Die erste Wahl auf diesen Positionen scheinen zur Zeit Lahm, Schweinsteiger und Kroos zu sein, die diese Anarchie gerade gegen Schalke bereits nahe der Perfektion interpretierten.

Auch gegen Wolfsburg war Müller zwar viel unterwegs und hatte die höchste Laufleistung aller Bayern-Spieler, dafür fehlte seinem Spiel lange Zeit die Effektivität, die ihn sonst auszeichnet. Immer wieder wich Müller aus dem Zentrum nach rechts außen aus und stand Robben dort regelmäßig auf den Füßen. Müllers Passquote bewegte sich in der ersten Hälfte bei nur knapp über 50 Prozent. Missverständnisse und Abspielfehler wechselten sich über weite Strecken ab. Insgesamt spielte Müller 13 Fehlpässe – schlechtester Wert aller Spieler auf dem Platz. Er fremdelt auf der 8 – das war auch gegen Wolfsburg nicht zu übersehen.

Es dürfte deshalb nicht überraschen, wenn schon am Mittwoch in Manchester die offene Frage in der Bayern-Startelf nicht mehr Kroos oder Müller, sondern Müller oder Robben lautet.

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