FC Bayern München – SC Paderborn 4:0 (2:0)

Christopher Trenner 23.09.2014

Falls ihr es verpasst habt: Der FC Bayern veränderte im Vergleich zum Auswärtsspiel gegen den Hamburger SV die Mannschaft auf fünf Positionen. In der Abwehr spielte Rode als Rechtsverteidiger für Rafinha. Xabi Alonso durfte anstelle des jungen Dänen Höjbjerg den zentralen Mann im Mittelfeld geben. Götze rückte für Bernat nominell auf den linken Flügel, Robben spielte rechts für Shaqiri und Lewandowski ersetzte Pizarro. Somit war auf dem Papier wohl die derzeit bestmögliche Aufstellung aktiv.

Der SC Paderborn begann in den ersten fünf Minuten sehr druckvoll und bedrängte die Bayern im Abwehrdrittel der Münchner. Fast zwangsläufig hatten die Gäste durch einen Seitfallzieher von Kachunga die erste Chance des Spiels. Nur wenig später bekam der FC Bayern aber immer mehr Tempo in die Partie. Vor allem in der Zentrale und über die rechte Angriffsseite zeigten sie sich äußerst variabel. Durch einen Steilpass von Robben in die Spitze gelangte der Ball zu Müller, dieser legte mit der Hacke auf Götze, der wiederum schlenzte aus acht Metern den Ball ins Tor (8.). Nur fünf Minuten später erneut ein Steilpass – fast aus dem Zentrum, diesmal jedoch von Alonso auf Lahm. Der hatte ein Auge für Lewandowski (im Abseits). Der Stürmer fackelt am Strafraumeck nicht lange und verwandelt trocken, aber doch glücklich zum 2:0 (14.). Im Anschluss an den zweiten Treffer hatte der FC Bayern seine beste Phase. Paderborn gab die Pressingstrategie auf und wechselte auf ein 5-4-1 System in der Defensive, welches sie bis zum Schlusspfiff auch nicht mehr aufgaben. Dabei versuchte die Elf von André Breitenreiter das Spielfeld eng zu gestalten, was allerdings überhaupt nicht gelang. Vor allem Rode überlagerte immer wieder durch seine Vorstöße die rechte Seite. Die beiden Innenverteidiger Boateng und Dante rückten bis zur Mittellinie auf. Da Götze und Müller ebenfalls sehr weit einrückten war das Angriffsspiel äußerst variabel, gleichzeitig aber auch sehr konteranfällig. Vor allem Alonso musste nach Ballverlusten des öfteren einen Steilpass abfangen. Allerdings funktionierte das Gegenpressing der Bayern meist sehr gut und hatte phasenweise zu tornahe Ballgewinne zur Folge. Besonders Lewandowski, Götze und Müller setzten dem Aufsteiger immer wieder zu. In der Phase nach dem 2:0 verpasste es allerdings der FC Bayern weitere Tore nachzulegen. Lewandowski (16. und 18.), Götze (29.) und Robben (32.) vergaben gute Gelegenheiten. Somit ging es mit einer verdienten Pausenführung in die Kabine.

Zur Halbzeit stellte der FC Bayern um. Boateng musste das Spielfeld verlassen, für ihn kam Rafinha in die Innenverteidigung (Benatia fehlte aufgrund leichter muskulärer Probleme). Die Münchner schalteten zwei bis drei Gänge zurück und konnten die Partie nicht mehr in der Form der ersten Hälfte dominieren. Paderborn war zudem immer wieder über Konter gefährlich. Der FCB versuchte vor allem über Xabi Alonso Stabilität ins Spiel zu bekommen, bis zu seiner Auswechslung in der 79. Minute kam der Spanier auf 166 Ballkontakte. Der Bundesligarekord – die 185 Kontakte von Thiago – war in greifbarer Nähe. Somit blieb die Partie in der zweiten Halbzeit bis zur 78. Minute relativ ereignisarm. Erst die zweite Luft von Arjen Robben brachte neuen Schwung. Eine seiner zahlreichen Hereingaben landete bei Müller, dieser scheiterte an Kruse, Götze jedoch konnte zum 3:0 abstauben. Fünf Minuten später fast die gleiche Szene, doch dieses Mal konnte Müller die Flanke direkt zum 4:0 verwandeln (85.). Am Ende stand ein verdienter Sieg, der bei konsequenter Chancenausnutzung sogar noch hätte höher ausfallen können. Der SC Paderborn zeigte seine Qualität nur in Ansätzen – und verschenkte gute Kontermöglichkeiten fast kläglich.

3 Dinge, die auffielen:

1. Variabilität im Angriffsspiel

Durch Robben kam ein Faktor ins Spiel, der vor allem auf Schalke und gegen den HSV merklich gefehlt hat. Robben dribbelte und trickste, als wäre er nie weg gewesen. Am Ende standen für ihn vier Torschüsse, fünf Torschussvorlagen, eine direkte Torvorlage, 105 Ballkontakte und 55% gewonnene Zweikämpfe. Schnelligkeit und 1:1-Duelle rissen immer wieder Löcher in die Abwehr von Paderborn. Aber nicht nur Robben überzeugte, sondern auch die ständigen Positionswechsel von Götze, Müller und das Ausweichen von Lewandowski erzeugten immer wieder Löcher in der Fünferkette der Ostwestfalen. Die Offensivreihe wurde merklich unterstützt von Rode und Alaba, der wieder auf seiner angestammten Position auf der linken Abwehrseite spielte. Die Folge: Mit 17 Flanken die in dieser Saison mit Abstand meisten Versuche über die Flügel in den Strafraum einzudringen. Dabei sprangen insgesamt 16 Torchancen heraus, ebenfalls ein Höchstwert für diese Spielzeit. Die vielen Chancen führten auch dazu, dass Lewandowski, der nur auf acht Torschüsse in den ersten vier Spielen kam, gegen Paderborn alleine sechs Torschüsse hatte und somit deutlich besser ins Spiel eingebunden wurde als in den vergangen Wochen. Beide Außenverteidiger rückten aber auch immer wieder in die Mittelfeldzentrale, wenn sich Götze und Müller an der Strafraumgrenze aufhielten. Insgesamt war es der beste Auftritt der FC Bayern Offensive in der laufenden Saison.

2. Mario Götze

Mario Götze zeigte nicht nur aufgrund seiner beiden Tore eine herausragende Leistung. Hinter der Spitze konnte er immer wieder den Raum nutzen – meist nach schnellen Ballgewinnen des FC Bayern. Er hatte im gesamten Spiel einen unglaublichen Aktionsradius. Mal unterstütze er das Aufbauspiel von Lahm und Alonso im Mittelfeld, mal ging er wieder in die Spitze und verzeichnete insgesamt sieben Torschüsse – Höchstwert auf Seiten der Bayern. Zudem kam er auf über 100 Ballkontakte und harmonierte über weite Strecken stets gut mit Alaba und Lewandowski. In dieser jungen Saison steht Mario Götze nun bei vier Toren und zwei direkten Torvorlagen für den FC Bayern. Aktuell ist er damit bester Bayernspieler. Wie bereits erwähnt, zeigte Götze auch ein ansprechendes Pressing, das Paderborn immer wieder zu langen Bällen und folglich Abspielfehlern gezwungen hat. Einziges Manko: Seine Zweikampfquote lag bei nur 40%, was auf die vielen verlorenen Kopfballduelle zurückzuführen ist. Insgesamt ist es erfreulich zu sehen, dass nicht alle WM-Fahrer verletzt sind bzw. nicht an ihre normale Form anknüpfen können.

3. Konteranfälligkeit

Das Grundproblem der letzten Saison konnte 2014/15 bisher gut abgestellt werden. Die beiden Gegentore in der Bundesliga entstanden durch Standardsituationen. Gegen Paderborn zahlte der FC Bayern fast den Preis für seine offensive Ausrichtung. Im phasenweise 2-3-3-2 System – verbunden mit dem starken Aufrücken – kam es zu strukturell großen Löchern im Mittelfeld. Vor allem nach leichten Ballverlusten. Hier erwiesen sich die aufgerückten Außenverteidiger als Problem. Das Team von Breitenreiter versuchte gezielt die Seite des aufgerückten Bayernaußenverteidigers zu bespielen. Die größte Chance vergab Paderborn nach einem Ballgewinn im Mittelfeld. Stoppelkamp reichte einen Pass und Ouali war frei vor dem Bayern Tor (24.). In der 58. Minute eine ähnliche Situation. Dieses Mal kam Stoppelkamp über die Flügel. Alonsos Fuß rettete Manuel Neuer, der sich somit erneut über eine Partie ohne Gegentor freuen durfte. Gegen abschlussstärkere Gegner muss allerdings dringend wieder die Balance zwischen Offensive und Defensive gefunden werden.

FC Bayern München – SC Paderborn 4:0 (2:0)
FC Bayern Neuer – Lahm, Boateng (46. Rafinha), Dante, Alaba – Rode, Xabi Alonso (80. Hojbjerg) – Robben. Götze, Müller- Lewandowski (76. Bernat)
Bank Reina, Gaudino, Shaqiri, Pizarro
SC Paderborn Kruse – Heinloth (46. Koc), Strohdiek, Hünemeier, Brückner – Ziegler – Wemmer, Rupp (76. Ducksch), Stoppelkamp, Ouali (62. M. Vrancic) – Kachunga
Tore 1:0 Götze (8.), 2:0 Lewandowski (14.), 3:0 Götze (78.), 4:0 Müller (85.)
Karten – / –
Schiedsrichter Sascha Stegemann (Niederkassel)
Zuschauer 71.000 (ausverkauft)

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