FC Bayern – Hannover 96 2:0 (0:0)

Steffen Trenner 15.09.2013

Nach der Pause wirkte die Guardiola-Elf wesentlich engagierter und zielstrebiger und verstand es nun besser, die Überlegenheit in ordentlich bis gute Abschlussmöglichkeiten umzumünzen. Mandzukic traf nach einer herrlichen Vorarbeit von Robben und Kroos in der 51. Minute zum 1:0. Ribéry erhöhte nach 64. Minuten auf 2:0. Am Ende hätte Robben sogar noch das 3:0 erzielen können.

Insgesamt war es nicht gerade ein großer Schritt nach vorne, aber doch die souveräne Erfüllung einer Pflichtaufgabe.

3 Dinge, die auffielen:

1. Denkpause für Dante

Es hatte sich in den vergangenen Wochen ein wenig angedeutet. Dante bekam von Guardiola gegen Hannover eine dringend benötigte Denkpause. Der Brasilianer, der in der Triple-Saison fraglos eine wichtige Stütze war, aber auch dort bereits gegen Ende der Saison ein wenig überspielt wirkte, startete unglücklich in die Saison. Sein Eigentor gegen Mönchengladbach zum Saisonauftakt, sein beinahe folgenschwerer Ausrutscher im Supercup gegen den FC Chelsea. Ein paar unnötige Abspielfehler zu viel und eine spürbar fehlende Spritzigkeit, sorgten dafür, dass es in den vergangenen Wochen häufig Jerome Boateng war, der den deutlich stabileren Part in der Innenverteidigung bildete. Dass Dante mit einigen Startschwierigkeiten kämpft, kommt nach einer langen Saison in drei Wettbewerben und Confed-Cup und einer kurzen Sommerpause nicht überraschend. Gerade im Hinblick auf die kommenden englischen Wochen sind Möglichkeiten zur Regeneration für den Linksfuß wichtig.

Der 29-Jährige hat auch spielerisch deutliche Anpassungsschwierigkeiten an die neuen Anforderungen Guardiolas. Auch hier mag der späte Einstieg in die Vorbereitung und somit weniger Trainingszeit eine Rolle spielen. Guardiola erwartet von seinen Innenverteidigern, dass sie aktiv aus dem Zentrum herausrücken, um im Konter die offenen Halbräume neben der alleinigen 6 proaktiv zu besetzen und das direkte eins-gegen-eins zu suchen. Während die Innenverteidiger unter Heynckes vor allem bei langen Bällen auf die häufig einzige Spitze gefordert waren und ansonsten eher als zusätzliche Absicherung hinter den beiden Sechsern abwartend agierten, erwartet Guardiola mehr Risiko und frühes antizipieren.

Ein Gewinner der ersten Wochen unter Guardiola ist auch deshalb Dantes etatmäßiger Nebenmann Boateng. Der gebürtige Berliner ist inzwischen auch in der Nationalmannschaft unumstritten und das völlig zurecht. Während Dante in der laufenden Saison nur 46 Prozent seiner Zweikämpfe am Boden gewinnt, geht Boateng in 68 Prozent der Duelle als Sieger hervor. Boateng wirkt austrainiert wie noch nie. Seine herausragende Schnelligkeit, gepaart mit einem kompromisslosen Zweikampfverhalten, bemerkenswerten antizipativen Fähigkeiten und einem soliden Aufbauspiel, machen ihn zur Zeit zu einem kompletten Innenverteidiger. Trotzdem werden auch für den 25-Jährigen die kommenden Wochen zu einer Bewährungsprobe. Zum ersten Mal in seiner Karriere ist Boateng unumstritten. Er, der immer gegen Vorurteile und sein „Sicherheits-Risiko“-Image ankämpfen musste, überzeugt inzwischen auch seine schärfsten Kritiker. Die Lethargie früherer Jahre ist verschwunden auch weil Boateng aus der Kritik zusätzliche Motivation schöpfte. Er wirkt auf dem Platz voll involviert. Er ist nach harten Foulspielen gegen einen Mitspieler häufig der Erste, der sich verbal und körperlich ins Gedränge wirft und Gegenspielern klar macht: „So nicht!“. Auf einmal ist er es an dem sich Mitspieler wie Dante, van Buyten oder Per Mertesacker aufrichten. In den kommenden Wochen gilt es für Boateng seine neue Rolle als echte Säule in der Innenverteidigung des FC Bayern und der Nationalmannschaft zu bestätigen.

2. Die Leichtigkeit des Arjen Robben

Nicht wenige rechneten im Frühjahr damit, dass die Ankunft von Pep Guardiola bei FC Bayern auch das Ende der Ära Arjen Robben in München einläuten könnte. Wie sollte der häufig als one-trick-pony verschriene Individualist in die Kollektiv-Ausrichtung des Katalanen hinein passen? Wer den Niederländer in den Anfangswochen der neuen Saison spielen sah, muss konstatieren: Es passt ziemlich gut.

Es ist ein anderer Arjen Robben, der im Moment die rechte Offensivseite des FC Bayern beackert. Robben wirkt nach der Triple-Saison befreit. Robben, der oftmals verbissen, gerade zu besessen wirkte es allen zu zeigen. Robben, der nach seinem 2:1-Treffen gegen Borussia Dortmund im Champions League-Finale seine aufgestaute Wut und Aggression in die Kurve brüllte. Robben, der sich schon mal wie ein E-Jugendlicher, um die Ausführung eines Freistoßes stritt. Er wirkt heuer leichtfüßiger, bescheidener, lockerer. Und trotzdem gelingt es ihm nach wie vor fast jedem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Es kommt nicht ganz von ungefähr, dass Bayern vor zwei Wochen gegen Freiburg ohne Robben Punkte ließ. Gegen Mönchengladbach und Nürnberg traf der Niederländer in dieser Saison bereits selbst. Gegen Hannover leitete Robben das 1:0 durch einen schönen Diagonallauf ein und bereitet das 2:0 durch Ribéry durch einen abgewehrten Schuss vor. Mit ein wenig mehr Konsequenz im Abschluss hätte er in der Schlussviertelstunde freistehend das 3:0 nachlegen können.

Robben präsentiert sich gereift und ist im Moment ziemlich unumstritten beim Rekordmeister. Auch weil er, anders als in der Vergangenheit fit ist, während andere wie Thiago oder Götze ausfallen. Nicht nur er selbst wird hoffen, dass das so bleibt.

3. Einen rausgesammert

Matthias Sammer hat zum Auftakt der englischen Wochen ein glanzloses Spiel der Guardiola-Elf genutzt, um mal wieder einen rauszusammern. Auch wenn seine Empörung über den „lethargischen Dienst nach Vorschrift“ der Bayern-Elf in der Saisonanfangsphase etwas aufgesetzt und berechnend klang – in der Sache hat der Münchener Sportdirektor nicht ganz unrecht. Der Guardiola-Hype in München kann einigen in der Mannschaft durchaus eine willkommene Gelegenheit geben, sich etwas im Rücken des neuen Trainers ein wenig zu verstecken. Die zum Teil zähen Auftritte der Münchener in der Bundesliga wurden öffentlich vor allem an Guardiola festgemacht. An Seiner Systemänderung, seiner Rotation oder seinem Risiko in der Spielanlage. Matthias Sammer tut gut daran alles dafür zu tun, um hier gegenzusteuern.

Es ist menschlich allzu verständlich, dass Spiele gegen Freiburg oder Hannover den Münchenern im Moment nicht die gleiche Emotionalität verleihen wie die entscheidenden Spiele der Saison 2012/2013. Natürliche machen Erfolge satt und der Saisonstart des FC Bayern mit vier Siegen und einem Unentschieden kann sich vor diesem Hintergrund durchaus sehen lassen. Ich persönlich kann mit diesen Arbeitssiegen im Moment auch sehr gut leben. Nicht jede Saison muss eine Rekordsaison werden und so lange der FC Bayern die Chance wahrt im Frühjahr 2014 um in allen Wettbewerben um Titel zu spielen ist alles in Ordnung. Trotzdem hat Sammer Recht wenn er die „fehlenden 3, 4 Prozent“ jetzt einfordert, gerade weil Auswärtsspiele in Gelsenkirchen und Leverkusen vor der Tür stehen.

Sammer muss nur aufpassen, dass sich seine Rolle als Mahner nicht abnutzt, wenn der warnende Zeigefinger allzu durchschaubar herauskommt. Aber Sammer muss sich nicht verstellen, wenn er auch nach einer Triple-Saison 100 Prozent von seinen Spielern verlangt. Vergangenes ist für ihn „etwas, das in ein paar Jahren in Büchern nachzulesen ist und kein Wert an sich“ – das hat er in seiner Karriere immer wieder betont. Für ihn zählt die Gegenwart und die Zukunft. Von daher ist sein Vorstoß zu diesem Zeitpunkt absolut legitim.

Dass Uli Hoeneß Sammer am Montag im Kicker öffentlich wiederspricht schafft auf den ersten Blick eine unnötige Baustelle. Auf den zweiten Blick lenkt es den Fokus der öffentlichen Debatte zumindest für einen Moment weg von Guardiola. Falls das so geplant war, ist es ziemlich genial.

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