Die Dunkle Seite der Macht – Actovegin & Behandlung von Ribéry durch Müller-Wohlfahrt

Christopher Trenner 14.06.2014

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Kein Wunder, dass um Europas Fußballer des Jahres nun eine Diskussion entbrannt, weshalb er am Turnier in Brasilien nicht teilnehmen kann. Im Mittelpunkt dabei stehen diesmal die Ärzte. Der französische Teamarzt Franck Le Gall beschuldigte indirekt bzw. direkt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Dieser hätte als Teamarzt des FC Bayern alle Verletzungen mit Spritzen gelöst. (Statement vom Teamarzt – im Video.)

Franck Le Gall beschreibt die Behandlungen von Ribéry in München folgendermaßen:

Franck spielt bei einem Klub, bei dem alle Probleme, egal welches es sind, mit Spritzen behandelt werden”, sagte der Mediziner. Es könnten “10, 20, 25, 40 pro Problem, pro Jahr sein. Wir hätten auch so vorgehen können, aber wir haben es nicht getan.

Das Echo aus München ließ nicht lange auf sich warten. Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt stellt klar, dass »im Falle einer Behandlung durch ihn eine WM-Teilnahme möglich gewesen wäre«. Dieses Statement ließ er über die Medienanwaltskanzlei Schertz Bergmann ausrichten. Zudem hätte Ribéry keine panische Angst vor Spritzen – er lehnte lediglich die Behandlung mit Kortison ab. Interessanter am Statement von Bergmann bzw. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist, dass dieser öffentlich zugibt Ribéry mit Actovegin zu behandeln. Actovegin ist ein Ultrafiltrat aus Kälberblutserum. Das Medikament soll ähnlich wie Insulin den zellulären Stoffwechsel anregen, sich positiv auf den Blutkreislauf auswirken und Wundheilungsprozesse, auch nach schweren Operationen, beschleunigen und unterstützen. Zudem wird Actovegin häufig bei Muskelverletzungen eingesetzt – und ist somit ein Renner in der Sportmedizin. Die Wirkung des Mittels ist dabei in der Forschung bzw. Medizin wie häufig umstritten. Allerdings schwört Müller-Wohlfahrt seit langem auf dieses Präparat.

Interessant ist die Frage, ob Actovegin ein Dopingpräperat ist. (Vollständig zu lesen auf: Cycling4Fans). Das IOC setzte das Mittel 2001 auf die Dopingliste, strich es aber schon 2 Monate später wieder von selbiger. Dies ist insofern überraschend, da dem Mittel immer wieder eine leistungssteigernde Wirkung nachgesagt wird. So soll es die Sauerstoffaufnahmekapazität des Blutes erhöhen ohne dass die Anzahl der Erythrozyten zunimmt. Um die Jahrtausendwende wurde das Mittel häufig eingesetzt, um die Wirkung von EPO zu verlängern. Gut 10 Jahre später sind sich die Doping-Experten allerdings nicht einig bzw. verneinen eine leistungssteigernde Wirkung von Actovegin.

Mittlerweile gibts es von Seiten der WADA (World Anti-Doping Agency) einige Auflagen bezüglich des Präparats. So darf nur noch eine bestimmte Menge intravenös verabreicht werden.

Schon das Recherche Team von »Der Westen« griff den problematischen Einsatz von Actovegin durch Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in seinem Recherche Blog auf. Schon damals stand der von Müller-Wohlfahrt massive Einsatz von Spritzen bzw. Actovegin, den er in medizinischen Studien öffentlich zugibt, in der Kritik. Eine pikante Randnotiz – beim Streit zwischen Pep Guardiola und Müller-Wohlfahrt am Anfang der Saison, konnte sich der Arzt damit rechtfertigen, dass die Spieler des FC Bayern nur selten Muskelverletzungen erleiden. Dies konnte er mit Hilfe einer UEFA Studie nachweisen. In wie weit dies im Zusammenhang steht, ist eine Frage für die Mediziner.

De facto zeigt das Beispiel Franck Ribéry die dunkle Seite des Sports. Es wird mit allen legalen (und illegalen?) Mitteln gearbeitet und der Graubereich des Sportrechts vollkommen ausgeschöpft. Die Spieler sollen fit und Einsatzbereit sein. Ob der massive Einsatz medizinisch und sportethisch gerechtfertigt ist, spielt scheinbar keine Rolle mehr. Seitens des FC Bayern wünscht man sich als Fan eine klarere Positionierung gegen Doping und übertriebenen Medikamenten Einsatz. Angesichts der Zunahme der Spiele und körperlichen Belastung für die Spieler, wohl ein einsamer Wunsch.

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