Die gescheiterte Transferpolitik junger deutscher Talente. Oder die nie sterbende Hoffnung: »Einer kommt durch«

Jan Trenner 21.01.2013

Zum einen sind es die Medien die bestimmte Spieler mögen oder aufgrund von geschickten Vermarktern/Beratern lieben gelernt haben. Auf der anderen Seite stehen natürlich die Fans, die gerade beim FC Bayern nur den Erfolg sehen wollen. Sie bezahlen im Regelfall den Eintritt in der Allianz Arena (+Erlebniswelt & Fan Shop) nicht, um »Talente« zu sehen. Sie wollen offensiv-attraktiven Fußball – möglichst von den besten Spielern der Welt. Die Entwicklung von jungen Talenten wird äußert kritisch begleitet. Fehler sind verboten – sonst kommt die öffentliche Demontage. Man erinnere sich zum Beispiel an die »öffentliche Anprangerung« von David Alaba nach seinen beiden Fehlern gegen Eintracht Frankfurt im Jahr 2010. Oder die Talente Jan Schlaudraff oder Alexander Baumjohan. Sie konnten in ihren ersten Spielen nicht überzeugen und waren zum Teil harter Kritik ausgesetzt. Auf diese Weise können junge Fußballer schnell verbrannt werden, denn sie werden auch für den Trainer zum Risiko.

Warum holt der FC Bayern dann dennoch immer wieder Talente von anderen Vereinen? Böse Zungen würden an dieser Stellen behaupten: »Um die Konkurrenz zu schwächen«. Das mag sicherlich ein Grund sein, aber nicht mal der FC Bayern hat soviel Kleingeld, um den Ligabetrieb ‚künstlich’ auf Sparflamme zu halten.

Ich denke man holt junge talentierte Spieler, um eine Signalwirkung zu senden. Eine Signalwirkung an die TOP-Talente der U-Nationalmannschaften. Wir müssen U-14 bis U-16 Spielern zeigen, dass sie eine reelle Chance haben sich durchzusetzen. Aktuell haben wir viele Beispiele im Kader, aber wir müssen auch Sorge tragen, dass es so bleibt.

Mit Top-Talenten meine ich nicht die Perspektivspieler die später einmal in den erweiterten Kreis der Nationalmannschaft landen. Viel mehr habe ich diejenigen im Auge die der KICKER unter der Rubrik »Weltklasse« oder »internationale Klasse« verbucht. Da gibt es in Deutschland/Europa mittlerweile einige vielversprechende Talente. Diese Spieler – da muss man realistisch sein, bekommt ein FC Bayern in naher/mittelfristiger Zukunft nicht ohne weiteres Zutun, schon gar nicht wenn sie gestandene Profis sind. Die Transfersummen für Fußballer steigen ins astronomische, deshalb verlegen viele Vereine sich zunehmend auf Verpflichtungen von jungen Spielern bei denen die Entwicklung noch nicht vollends absehbar ist.

Wir sind auch darauf angewiesen mit Spielern wie Thomas Müller, David Alaba, Holger Badstuber, Diego Contento unseren Kader regional/national aufzustellen, aber zugleich auch eigene Topspieler selbst auszubilden, sonst wären Transferausgaben für Kracher der Preisklasse Javier Martínez, Mario Gomez oder Arjen Robben nicht möglich.
In diesem Umfeld befindet sich der Verein: Perspektivisches Arbeiten vs. kurzfristiger Erfolg zugunsten der Fans und Medien. Ein Grundgedanke hat diesen Konflikt in den letzten Jahren zunehmend beeinflusst: Der Vorstand hätte gerne einen »FC Bayern DEUTSCHLAND«. Im Zweifelsfall soll ein deutscher Nationalspieler den Stammplatz begleiten.

Allerdings gibt es für junge Spieler kaum Entwicklungsmöglichkeiten. Gerade Jupp Heynckes setzte in den letzten zwei Jahren eher auf die Karte ‚Sicherheit’. Das zeigt das halbherzige Einsetzen für Talente wie Emre Can oder Mitchell Weiser. Aber auch die Integration von David Alaba. Dessen Entwicklung nur möglich war, weil der Wechsel von Phillip Lahm auf Links nicht funktioniert hat, da die potenziellen Rechtsverteidiger sich nicht durchsetzen konnten.

Somit stellt sich natürlich erst recht die Frage wie sich ein Jan Kirchoff bei uns weiter entwickeln kann. Mit der Rückkehr von Holger Badstuber dürften seine Einsatzzeiten sehr gering ausfallen. Dies trifft auch auf die weiteren Transferkandidaten zu: Sebastian Rode, Sebastian Jung oder Leon Goretzka. Sie haben auf ihren jeweiligen Positionen viel Konkurrenz. Aktuell kann man die Hoffnung tragen, dass im Sommer ein Trainer geholt wird der es besser versteht junge Talente einzubinden. Sonst muss man sich weiter an die Hoffnung klammern: »Einer kommt durch«.


Vielen Dank an Christopher Ramm (@rammc) für seinen Gastbeitrag über deutsche Talente beim FC Bayern! Wenn Du auch etwas schreiben möchtest melde Dich.

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