Aleksandar Pavlović und Tom Bischof (DFB-Team)
Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images

DFB-Team schlägt Serbien mit 2:0: Bayern-Duo brilliert

Daniel • 02.10.2026 •

Endlich. Nach dem im Ergebnis glücklichen, aber eigentlich völlig unverdienten Unentschieden in Amsterdam und der berechtigten Niederlage gegen Griechenland, hat die deutsche Männer-Fußballnationalmannschaft unter Jürgen Klopp ihren ersten Sieg eingefahren. Höchste Zeit, immerhin rangierten die Leistungen in den ersten beiden Nations-League-Spielen irgendwo zwischen “ziemlich mies” und “absolute Vollkatastrophe”.

Nominell zwar nie als “zweite Mannschaft” bezeichnet, ist der zweite Kader schon genau das. Florian Wirtz und Aleksandar Pavlović mal ausgeklammert ist nicht mehr viel vom ersten Anzug übrig. Die Aufstellung las sich deshalb auch eher abenteuerlich:

Urbig – Treu, Thiaw, Anton, Mittelstädt – Pavlović, Bischof, Wirtz – Gnabry, Scherhant – Woltemade

In der Leistung spiegelte sich das ganze nicht wieder, es war die reifste, dominanteste, erdrückendste und schlicht beste Leistung unter Jürgen Klopp, zugegeben allerdings auch gegen den schwächsten Gegner.

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Bayerns Mittelfeld-Duo brilliert – Aber Kimmich wird zurückkehren

83 Ballaktionen hatte heute Tom Bischof, sein Partner Pavlović fast doppelt so viele. Es war weitgehend eine Galavorstellung der beiden Münchener, die im Verein so selten gemeinsam im Mittelfeld spielen dürfen.

Jürgen Klopps 4-3-3 ist wie gemacht für die beiden. Als tiefe Ankersechs kann Pavlović das Metronom im Spiel sein: Viel horizontal spielen, das Spiel beruhigen, es situativ beschleunigen und dabei muss er nicht selber nach vorne stoßen und kann so seine eher mangelnden Offensivqualitäten kaschieren, wobei er heute trotzdem zu zwei ordentlichen Abschlüssen kam.

Aleksandar Pavlović ist die geborene Holding Six, die Thomas Tuchel damals beim FC Bayern wollte. Der Typ Busquets oder Rodri. Weniger Xavi, Modrić oder Iniesta. Dieser Spielertyp ist schon viel mehr Joshua Kimmich, weshalb die alleinige Tiefe Sechs ihm auch nicht so sehr liegt, wie eine raumgreifendere, offensivere Position.

Er kann diese Ankersechs gewiss spielen, aber seine beste Position ist sie nicht. Auch daher kamen seine Probleme in den ersten beiden Nations-League-Spielen und auch deshalb waren seine besten Spiele für den FC Bayern stets neben einem spielerisch starken Partner wie eben Pavlović oder vor Jahren Thiago, die jeweils mehr die Aufgaben einer klassischen Ankersechs übernahmen, sei es in einem echten 4-3-3 oder im Bayern-typischen 4-2-3-1.

Seine Zeit ist also ganz gewiss nicht vorbei, wie so manch Reporter nun sensationslüstern herbeifantasiert, denn noch immer gilt die simple Devise: Bei den anhaltenden Formproblemen Musialas und Wirtz’ ist Joshua Kimmich der beste deutsche Fußballspieler.

Eine Rolle als halbrechte “Acht” ist wie maßgeschneidert für ihn, so kann er ganz natürlich aus den Halbräumen chippen und auch mal auf den Flügel ausweichen und Flanken.

Die Ankersechs Pavlović und ein spielstarker Achter wie Kimmich oder heute Bischof befreien aber auch einen anderen Spieler. Felix Nmecha kann somit endlich auf seine stärkste Position: Die Ersatzbank.

Bischofs (erster) Durchbruch

Tom Bischof hat mit einer tollen Leistung heute endlich seinen ersten kleineren Durchbruch in der Nationalmannschaft gefeiert, nachdem er ja schon vor über einem Jahr debütiert und sich dann stets im Dunstkreis befand. Er ist wie gemacht als Ersatz für Kimmich oder wenn Klopp tatsächlich die kontrollierendste Lösung forciert und auf der offensiven Acht nicht Florian Wirtz oder Jamal Musiala, sondern ihn aufstellt.

Aber nein, so gut wie Kimmich ist er noch nicht. Es sind ja keine weichen Gründe bezüglich der Hierarchie, die Kompany im Verein Kimmich vor Bischof aufstellen lassen. Er ist einfach der komplettere Weltklassespieler.

Dazu ist für die Position des halbrechten Achters seine Linksfüßigkeit nicht ganz ideal, auch heute hat er in einigen wenigen Situation zurückgezuckt um den Ball mit dem linken Fuß zu spielen. Hier bekommt es ihm weniger, dass beide prädestinierten Spieler für die offensive Acht, Wirtz und Musiala, den Weg aus dem linken Halbraum bevorzugen.

Back to the roots: Wirtz und Gnabrys Rollen

Florian Wirtz hatte seine stärkste Zeit in Leverkusen auf der Zehn. Serge Gnabry gewann auf dem Flügel mit dem FC Bayern alle Titel. Und doch wurden im Herbst des letzten Jahres ihre Rollen in der Nationalmannschaft getauscht.

Um Wirtz aus der Schusslinie zu nehmen und ihm nicht die Bürde des gesamten deutschen Angriffsspiels aufzulasten, stellte Julian Nagelsmann Wirtz auf den linken Flügel, von wo er konsequent einrückte, stattdessen spielte zentral wie seit Beginn der damaligen Saison Serge Gnabry.

Eine Maßnahme, die in der WM-Qualifikation Früchte trug, Wirtz zeigte in der Nationalmannschaft konsequent eher stärkere Spiele als bei Liverpool und Gnabry überzeugte auch beim DFB. Sein Fehlen bei der WM war eine sehr unterschätzte Schwächung für die Nationalmannschaft und Wirtz konnte weiterhin auf der linken Seite seine teils wirklich starken Vorbereitungsspiele nicht bestätigen.

Jürgen Klopp macht nun die Rolle rückwärts: Rekonvaleszent Gnabry war nun wieder auf dem rechten Flügel, während Florian Wirtz das Zentrum gebührte. Halblinks, weil es ein 4-3-3 war, aber doch klar zentral. Gnabry zeigte sich auf dem rechten Flügel tatsächlich oft klebend, ein eher unauffälliges Spiel bis eine Abschlusssituation, wo er – wie viele seiner Mitspieler – den Keeper abschoss und einem sehr gelungenen Ballgewinn direkt vor den Augen des Bundestrainers, der diesen auch frenetisch feierte.

Florian Wirtz indes zeigte mal wieder ein Spiel der Marke: “In Gewisser Weise großartig – aber der kann viel mehr!” Das 1:0 bereitete er unfreiwillig vor, als er als erster deutscher Schütze tatsächlich mal auf die Ecke zielte und so mit seinem Pfostenschuss Bischof den Weg bereitete. Das 2:0 fällt, weil er mit einer unglaublichen Ballannahme seinen Gegenspieler direkt ausschaltet. Diese Technik hat sonst höchstens Musiala noch im Kader.

Auch fernab der beiden Scorer waren ein paar wirklich starke Aktionen dabei und doch kam man auch bei diesem Spiel nicht vom Gefühl ab, hier einen mit seiner Form kämpfenden Florian Witz zu sehen. Er riss das Spiel keinesfalls komplett an sich, es waren schwere Ballverluste dabei. Florian Wirtz kann deutlich mehr und deutlich konstanter Fußball spielen.

Die neue alte Position allerdings scheint ihm zu helfen.

Klopps bewährtes Rezept: Das Gegenpressing

Jürgen Klopp: Ich habe noch nie eine Mannschaft schlecht spielen gesehen, wenn das Gegenpressing durch die Decke ging. Und heute ging das Gegenpressing durch die Decke.

Jürgen Klopp und das Gegenpressing. Wenige Trainer sind so sehr mit einem taktischen Wort verbunden, wie der neue Bundestrainer und das gar nicht mehr so geheime Geheimnis seines Erfolgs. In Deutschland salonfähig gemacht, nach England geführt und das meist sogar in seiner deutschen Form ohne Anglisierung.

Und tatsächlich war das heute eine wirklich starke Vorstellung gegen den Ball. Man spielte tatsächlich recht viele Fehlpässe, aber das war eigentlich auch völlig egal, denn sobald der Ball weg war, gewann man ihn sofort wieder. In der ersten Halbzeit schafften es die Serben nur zu einem halbwegs brauchbaren Angriff als Kostić aus abseitsverdächtiger Position zu einem langen Sprint ansetzte.

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