Alphonso Davies presst die Lippen zusammen. Er trägt das Aufwärmkit des FC Bayern und ein Leibchen darüber.
Bild: Adam Pretty/Getty Images

Alphonso Davies beim FC Bayern: Marina Hegering erklärt „größte Herausforderung“ bei Verletzungen

Justin Florian 18.05.2026



Alphonso Davies fällt mal wieder aus. Wer die Verletzungshistorie auf Plattformen wie transfermarkt ansieht, wird feststellen: Das ist zuletzt die Regelmäßigkeit.

Bis auf einen Kreuzbandriss im Jahr 2025 waren es zwar keine schweren Verletzungen, aber gerade die muskulären Probleme haben beim Kanadier zugenommen. Abseits des Kreuzbandrisses verpasste er seit Dezember 2024 immerhin 25 Pflichtspiele für den FCB.

Eine, die genau weiß, wie es ist, immer wieder Rückschläge zu erfahren, ist Marina Hegering, die in ihrer Karriere zahlreiche Verletzungen erlitten hat. „Ich glaube, mental ist es die größte Herausforderung, weil es ein harter Weg ist, sich zurückzukämpfen“, erklärt die Innenverteidigerin des 1. FC Köln im Gespräch mit Miasanrot: „Körperlich wird es dann anstrengend, wenn man kurz davor ist, wieder auf den Platz zurückzukehren, weil man dann wieder versucht, an die notwendige Fitness heranzukommen.“

Am Anfang sei es immer eine mentale Belastung, erst spät käme die physische Belastung hinzu. Wiederkehrende Verletzungen würden den Umgang damit jedoch nicht zwingend verbessern.

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Marina Hegering über Verletzungen: „Durch die Erfahrung wird man nicht geduldiger“

„Durch die Erfahrung wird man nicht geduldiger oder besser“, sagt die 36-Jährige: „Ich glaube, es macht es einfacher, eine Verletzung zu akzeptieren. Als ich mich neulich an der Schulter verletzt hatte, war es so, dass ich mich operieren lassen musste. Ich war einen Tag lang ultra schlecht drauf und gefrustet und traurig, alle Emotionen waren irgendwie dabei.“

Dann habe sie sich aber gedanklich darauf fokussiert, was sie tun könne, „damit es schnellstmöglich besser wird“. Es gehe darum, einen Zugang zu den Bereichen zu finden, die man selbst kontrollieren und aktiv gestalten könne. „Wie beispielsweise sich komplett auszupowern auf dem Fahrrad, also Dinge zu machen, wozu der Körper in der Lage ist“, so Hegering: „Oder man macht Dinge außerhalb des Sports, um sich abzulenken.“

Druck habe bei ihr derweil nie eine Rolle gespielt. Allerdings unterscheidet sie dabei auch klar zwischen Männer- und Frauenfußball: „Ich weiß es natürlich nicht, wie es bei den Männern ist, am Ende sind die finanziell so gut aufgestellt, dass sie keinen Druck haben müssten. Da geht es dann eher um Transfers und die sportliche Situation.“

Bei Spielerinnen sei das anders: „Den Druck hätten dann eher wir, weil man finanziell davon sehr abhängig ist. Da geht es dann nicht um das Sportliche.“ Hegerings Karriere glich einer Achterbahnfahrt. Als eine der besten deutschen Spielerinnen überhaupt hatte sie mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen.

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Im U-Bereich des DFB wurde sie Weltmeisterin, außerdem holte sie im Profifußball zahlreiche nationale Titel sowie den UEFA Women’s Cup 2009 – der Vorgänger der Champions League. 2011 fiel sie nach einem Wechsel zu Leverkusen mit einer Fersenverletzung aus, ihr Debüt für die Werkself feierte sie erst im April 2013. Es gab Wundheilungsstörungen, die sich nach eigenen Angaben nicht bessern wollten.

Fast sechs Jahre zog sich ihre Leidensgeschichte, zwischendrin gab es ein paar gescheiterte Comebackversuche. „Die Gedanken waren da“, sagt sie heute in Bezug auf ein frühes Karriereende: „Aber ich wollte es damals nicht glauben oder wahrhaben, weil es so eine ‚läpsche‘ Verletzung war im Vergleich zu einem Kreuzbandriss. Dementsprechend wollte ich da die Hoffnung nie aufgeben.“ Zwischen 2020 und 2022 spielte Hegering für den FC Bayern, absolvierte dabei 36 Pflichtspiele für das Profi-Team und kam auf acht Treffer.

Alphonso Davies könnte Heim-WM verpassen

Für Davies ist die Situation im Moment nicht mit dem zu vergleichen, was Hegering einst durchmachte. Weder sportlich, vor allem aber nicht in Bezug auf Karriere und Finanzen. Und doch gab er selbst schon mehrfach zu, wie sehr ihn seine Ausfälle mental belasten.

Ob der Kanadier sich sportpsychologische Hilfe nimmt, ist nicht bekannt. „Sie können eine große Rolle spielen, aber auch gar keine“, findet Hegering: „Das kommt darauf an, ob man mit ihnen arbeiten kann. Ich hatte damals die Möglichkeit und es hat mir geholfen, weil er mir dabei geholfen hat, den Fokus auf etwas anderes, nicht nur die Verletzung zu lenken, sondern auf andere Dinge.“

Man müsse jemanden finden, dem man vertrauen kann. Deshalb sei das Thema komplex. Für Davies ist es das gewiss ebenfalls. In der abgelaufenen Saison fand er nie wirklich in einen Rhythmus. Nun ist sogar fraglich, ob er bei der Heim-WM für Kanada auflaufen kann. Rückschläge, mit denen der Linksverteidiger erstmal umgehen muss – und die in der Öffentlichkeit gern unterschätzt werden.

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