Dušan Vlahović vs. Anthony Gordon: Wer passt besser zum FC Bayern?
In München bleiben nach einer fußballerisch überzeugenden Saison nur wenige Problemzonen im Kader. Doch wenn ein Thema die Diskussionen rund um die Mannschaft des FC Bayern bestimmt, dann ist es die Kadertiefe.
Ein Problem, das sich ohne Investorengeld nur schwer lösen lässt. Gesucht werden Spieler, die bereit sind, in eine Top-Mannschaft zu kommen, ohne automatisch die erste Geige zu spielen, oder zumindest einen offenen Konkurrenzkampf annehmen würden.
- Werbung: Das neue Bayern-Trikot und 50 Prozent auf Klassiker sparen – JETZT bei Kitbag (Affiliate-Link)
- Werbung: Das WM-Trikot der Nationalmannschaft – jetzt im offiziellen DFB-Fanshop! (Affiliate-Link)
Passend dazu werden aktuell zwei Namen konkreter: Anthony Gordon von Newcastle United sowie Dušan Vlahović, der momentan noch bei Juventus Turin unter Vertrag steht. Zwei Spieler, die unterschiedliche Rollen und Voraussetzungen mitbringen. Aber wer passt besser zum FCB?
Weitere Artikel zum FC Bayern München:
- Abschiedsparty für Goretzka, FCB nah am Europa-Rekord
- Alphonso Davies und der FC Bayern: Eine Zukunft mit Fragezeichen
- FC Bayern: Wie geht es weiter mit Klara Bühl?
Anthony Gordon im Check: Vielseitiges Profil für den FC Bayern?
Gordon gilt aktuell als eines der Top-Transferziele für den kommenden Sommer. Laut Berichten soll es bereits positive Signale des Spielers in Richtung eines Wechsels an die Isar geben. Der Knackpunkt bleibt jedoch die Ablösesumme. Newcastle fordert wohl deutlich über 90 Millionen Euro, eine Summe, die man in München nicht bezahlen möchte.
Die Qualitäten des Engländers sind aber so groß, dass der Rekordmeister angeblich bereit sein soll, bis zu 70 Millionen Euro auf den Tisch zu legen. Problematisch könnte werden, dass die Konkurrenz auf dem Markt riesig ist, auch andere Topklubs sind interessiert. Mit einem Transfer würde Bayern ein Profil hinzufügen, das aktuell kaum vorhanden ist. Gleichzeitig könnte man Luis Díaz deutlich mehr Pausen ermöglichen.
Während die Münchner offensiv aktuell überwiegend mit inversen Flügelspielern arbeiten, bringt Gordon deutlich mehr klassische Aktionen entlang der Außenbahn mit. Laut Daten von DataMB liegt er im 84. Perzentil für erfolgreiche Flanken auf dem linken Flügel, während Díaz dort lediglich im 34. Perzentil liegt. Neben den individuellen Profilen dürfte hier aber auch die generelle Spielweise unter den jeweiligen Trainern entscheidend sein. Bayerns Spiel ist insgesamt nicht allzu sehr auf Flanken ausgelegt.
Eine seiner größten Stärken bleibt jedoch das Dribbling. Innerhalb der Premier League gehört er im Bereich erfolgreicher Dribblings zum 94. Perzentil. Eine herausragende Quote, die zeigt, wie gut der Flügelspieler Eins-gegen-eins-Situationen lösen kann, ähnlich wie Michael Olise.
Der neue Kingsley Coman?
Wobei sein Stil etwas weniger technisch geprägt ist und mehr auf seiner herausragenden Geschwindigkeit und Handlungsschnelligkeit beruht. Gordons Trademark-Bewegung ist es, den Ball an der Außenlinie mit dem linken Fuß zu kontrollieren und ihn dann mit dem rechten Fuß direkt am auf ihn zustürmenden Verteidiger vorbeizuspielen. Anschließend versucht er, den Ball zu ersprinten und seinen Tempovorteil auszuspielen. Ein bisschen vergleichbar mit Kingsley Coman.
Trotzdem ist der 25-Jährige auch technisch sehr stark und vor allem gut darin, sich in Strafraumnähe mit schnellen, kleinteiligen Bewegungen eine gute Abschlusssituation zu verschaffen. Eine Gradlinigkeit, die es im Bayern-Spiel sonst nur durch Díaz gibt. Gordon fackelt nicht lange und spielt sehr zielstrebig. Das betrifft auch die Tiefenläufe. Ähnlich wie Díaz versucht Gordon oft, die Schnittstellen der Abwehr zu attackieren. Etwas, was dem ansonsten hervorragenden Offensivspiel der Münchner manchmal fehlt.
Das betrifft auch das Tempo im Offensivspiel. Lennart Karl, Olise und Díaz bewegen sich alle im Bereich zwischen 33 und 34 km/h, für Flügelspieler auf Top-Niveau keine herausragenden Werte. Gordon dagegen gehört zu den schnellsten Spielern Europas. Der Engländer knackte in dieser Saison unter anderem die Marke von 38 km/h und zählt damit zu den explosivsten Spielern im Weltfußball.
Diese Kombination aus Geschwindigkeit und Dribblingstärke bringt ein Profil, das seit dem Abgang von Coman kaum noch vorhanden ist. Auch sein direkterer Ansatz im Flügelspiel könnte dem Bayern-Spiel eine neue Dimension verleihen. Besonders als Joker oder Rotationsspieler wäre er eine enorme Waffe. Durch seine Flexibilität kann Gordon aber auch im Zentrum eingesetzt werden, was ihm eine echte Perspektive in Sachen Spielzeit geben könnte.
Trotzdem muss erwähnt werden, dass sein Defensivbeitrag nicht zu seinen größten Stärken gehört. Gerade im intensiven Mann-gegen-Mann-System von Vincent Kompany ist das jedoch ein wichtiger Faktor. Ob sich das in München verändern würde, ist unklar. Zuzutrauen ist es aber erstmal jedem Spieler, dass er sich gegen den Ball verbessern kann.
Dušan Vlahović im Check: Eine starke Nummer zwei
Bei Vlahović gab es in der Vergangenheit schon häufiger Gerüchte rund um den FC Bayern. Schon im Sommer 2023 galt er als eine Alternative zu Harry Kane. Die Ausgangslage wäre diesmal allerdings eine andere.
Der Serbe käme klar als Backup hinter Kane – und wäre dabei sogar ablösefrei zu haben. Die Gazetta dello Sport will sogar erfahren haben, dass München das Wunschziel des 26-Jährigen ist. Besonders nach dem Abgang von Nicolas Jackson ist die Position des zweiten Stürmers praktisch unbesetzt. Auch wegen des fortschreitenden Alters des Engländers braucht Bayern dort Qualität und Tiefe.
Vlahović ist ein klassischer Strafraumstürmer. Seine größten Stärken liegen klar im Abschluss und in der Box. Trotz wiederkehrender Verletzungen gehörte er in den vergangenen Jahren bei nahezu allen torrelevanten Statistiken zu den besseren Angreifern der Serie A. In einer seit Jahren dysfunktionalen Mannschaft von Juventus war der serbische Nationalspieler im Schnitt etwa alle 120 Minuten an einem Tor beteiligt – kein Wert auf Kane-Niveau, den Umständen entsprechend aber immer noch gut.
Wie gut ist Vlahovic wirklich?
Das macht ihn theoretisch auch als Backup für den FC Bayern interessant. In einem derart funktionierenden System wäre der talentierte Mittelstürmer gewiss für zahlreiche Torbeteiligungen gut. Zwei seiner größten Qualitäten sind sein beidfüßiger Abschluss sowie seine Fähigkeit, sich gute Abschlusspositionen herauszuarbeiten. In der Saison 2023/24 kam er laut Wyscout auf fast 19 Expected Goals (xG). In der Saison 2021/22 waren es sogar etwas mehr als 21. Werte, die in der Serie A in den vergangenen Jahren nur sehr wenige Stürmer geschafft haben.
Werte, die andeuten, dass er das Zeug zu einem Top-Stürmer hat. Allerdings auch Werte, die von weniger berauschenden Zahlen begleitet werden. In den Saisons 2022/23, 2024/25 und 2025/26 lag sein Bestwert bei „nur“ knapp unter 13. Vlahović gilt zwar nicht als extrem verletzungsanfällig, kleinere Probleme begleiteten ihn aber regelmäßig. Hinzu kam zuletzt eine größere Adduktorenverletzung, die ihn lange außer Gefecht setzte.
Nach einem großen Anfangshype um ihn muss bisher festgehalten werden, dass er sein Potenzial noch nicht komplett ausschöpfen konnte. In einem fluiden und funktionierenden System wie dem des FC Bayern könnte sich seine Situation aber drastisch ändern.
Vlahović in der Szenenanalyse
Denn als Spielertyp bringt er interessante Qualitäten mit, die gut ins System passen könnten. Vlahović versteht es herausragend gut, sich im Rücken seiner Gegenspieler Positionsvorteile zu verschaffen. Ein gutes Beispiel dafür ist sein Tor in der Champions League zum zwischenzeitlichen 2:2 gegen den BVB.

In einer Umschaltbewegung (Ballgewinn im Mittelfeld) reagiert Vlahović sehr schnell, antizipiert den Konter und positioniert sich exakt in der Schnittstelle zwischen Waldemar Anton und Ramy Bensebaini. Der Stürmer hätte hier auch kreuzen, oder gradlinig in die Tiefe laufen können. Stattdessen aber nutzt er den Rücken von Anton und startet von dort aus diagonal in die Tiefe. Nicht zu diagonal, um am Ende eine schlechte Abschlussposition zu haben, aber auch nicht zu nah an Anton, um Distanz im Laufduell aufzubauen.
Vlahović zählt in der Abwägung und Entscheidungsfindung bei solchen Läufen zu den besten Stürmern Europas. Anders als beispielsweise Nicolas Jackson ist Vlahović ein deutlich präsenterer Zielspieler. Jackson hat seine Aufgabe gut erledigt, wurde aber selten in seiner Paradedisziplin als Konterstürmer gebraucht. Der Noch-Juve-Stürmer wäre hier eine Alternative, die mehr als Brechstange in wichtigen Spielen taugt und nicht allzu viel Anpassung im Spielstil erfordert.
Auch Vlahović ist kein besonders guter Spielmacher wie Kane, kann den Ball aber festmachen und die Mitspieler damit in Szene setzen. Das gelang Jackson weniger gut. Finanziell wäre das Paket bei Vlahović deutlich einfacher zu stemmen. Auch das Risiko wäre kleiner. Allerdings ist er deutlich weniger flexibel einsetzbar und die Frage wäre, ob es ein derartiges Kaliber hinter Kane wirklich benötigt oder ob dadurch nur weitere Unruhe entsteht.
FC Bayern: Gordon oder Vlahović?
Beide Spieler gelten als offen für einen Wechsel nach München. Doch wie so oft entscheidet am Ende das Finanzielle. Auch bei Vlahović sind vor allem die Gehaltsforderungen ein großes Thema. Aktuell verdient der Serbe in Turin fast so viel wie Kane in München. Für eine derartiges Gehalt wäre er als Backup klar überbezahlt.
Beim physisch starken Vlahović sticht vor allem die günstige Gelegenheit hervor, ihn ablösefrei zu holen. Seine Rolle wäre vermutlich deutlich kleiner als die von Gordon, da er lediglich eine Position abdecken kann und in seinem Skillset eindimensionaler ist als beispielsweise Kane. Gerade die Triple-Saison 2012/13 hat jedoch gezeigt, dass mehrere Top-Stürmer innerhalb eines Kaders sinnvoll sein können, wenn die Chemie passt.
Grundsätzlich scheint Gordon jedoch das priorisierte Transferziel zu sein. Die Signale des Spielers wirken konkreter und sportlich würde er dem Team mehr Dynamik und neue Möglichkeiten geben. Gordon würde dem Kader mehr Facetten geben als Vlahović. Allerdings ist die Konkurrenz groß. Vor allem Vereine aus England sowie Paris Saint-Germain dürften finanziell deutlich aggressiver auftreten können.
Vielleicht doch beide?
Für Bayern wären beide Pakete interessant. Die spannende Frage lautet deshalb: Muss man nur einen von beiden verpflichten? Gerade offensiv könnte der Kader mehr als nur eine Verstärkung gebrauchen. Besonders eine weitere echte Top-Option von der Bank würde das Niveau der Mannschaft spürbar anheben.
Besonders der Fakt, dass man nur für einen der beiden eine Ablösesumme zahlen müsste, eröffnet zusätzliche Möglichkeiten. Die in den Medien kolportierten 80 Millionen Euro, die Max Eberl und Co. zur Verfügung stehen sollen, müssen klug investiert werden. Vertragslose Spieler sind dabei eine sehr gute Möglichkeit, den Sparkurs der Führungsriege einzuhalten. Zudem wird durch zahlreiche Abgänge im Sommer zusätzlich Gehalt frei.
Allerdings bleibt die Offensive nicht die einzige Baustelle. Auch ein neuer Rechtsverteidiger wird immer wieder diskutiert und im zentralen Mittelfeld fehlt nach dem Abgang von Leon Goretzka zunehmend Tiefe. Und es bleibt die Frage, wie so viele Stars auf Spielzeit kommen sollen. Vergangene Kaderanalysen haben gezeigt, dass die optimale Schwelle an eingesetzten Top-Spielern mit relevanter Spielzeit im Angriff beim FC Bayern und bei anderen Top-Teams bei sechs Angreifern liegt. Mit Kane, Karl, Musiala, Díaz, Olise und Gnabry ist diese Schwelle schon jetzt erreicht.
Eine Konsequenz wäre also mit diesen Transfers direkt absehbar: Karl würde es sehr schwer haben, auch nur in die Nähe seiner fast 2.000 Minuten zu kommen. Eine Halbierung wäre mindestens möglich. Will man diesen Rückschritt in der Entwicklung hinnehmen? Wäre es sinnvoll, ihn zu verleihen, obwohl er durchaus starke Phasen in München hatte? Auch Gnabry wäre wohl jemand, der trotz guter Saison nach seiner Verlängerung deutlich an Spielzeit einbüßen müsste.
Deshalb stellt sich berechtigterweise die Frage, ob der Verein wirklich so viele finanzielle Ressourcen ausschließlich in die Offensive investiert oder ob eine ausgewogenere Transferpolitik nicht sinnvoller wäre. Zwei Spieler könnten am Ende zu viel Unruhe erzeugen und trotz ihrer unbestrittenen Qualität eher weitere Probleme öffnen, statt bestehende zu schließen.



