Malard und Terland wollen gegen den FC Bayern für Furore sorgen. Hier jubeln sie Arm in Arm im Trikot von Manchester United.
Bild: Ben Roberts Photo/Getty Images

Champions League: Was erwartet den FC Bayern gegen Manchester United?

Justin 23.03.2026



Für die FC Bayern Frauen stehen zwei richtungsweisende Wochen an. In den beiden Duellen mit Manchester United wird sich zeigen, ob das Team unter José Barcala wirklich nochmal einen entscheidenden Schritt nach vorn machen konnte – oder ob wieder frühe Ernüchterung in der Champions League erfolgt.

Im Viertelfinale der Königinnenklasse geht es für den FCB nicht nur darum, erstmals seit 2021 wieder in ein Halbfinale einzuziehen. Es geht auch darum, sich und den Spielerinnen, die in naher Zukunft eine Entscheidung über ihren Verbleib treffen müssen, zu beweisen, dass man international ebenfalls erfolgreich sein kann.

Manchester United zählt derweil nicht zu den absoluten Topklubs, hat sich in den letzten Jahren aber verstärkt und spielt eine gute Saison. Ähnlich wie die Bayern wollen die Red Devils nach ganz oben vorstoßen und investieren dafür viel Geld.

Einen klaren Favoriten gibt es in dieser Viertelfinalpaarung nicht. Die Münchnerinnen sollten dennoch optimistisch und selbstbewusst in beide Spiele gehen. Miasanrot hat die große Vorschau mit allen wichtigen Informationen.

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FC Bayern Frauen vs. Manchester United: Wann und wo finden die Spiele statt?

Am Mittwoch, den 25. März, müssen die Bayern in Manchester zum Hinspiel antreten. Anpfiff ist um 21.00 Uhr. Das Rückspiel findet am 1. April in München statt – wieder Mittwoch, diesmal allerdings schon um 18.45 Uhr.

Beide Partien finden auf der großen Bühne statt. United empfängt den FCB im Old Trafford, die Bayern wollen wiederum in der Allianz Arena den Einzug ins Halbfinale perfekt machen. Für das Rückspiel sind bereits über 15.000 Tickets verkauft (Stand: 23. März). In München hofft man noch auf deutlich mehr Verkäufe.

Wie viele Fans in Manchester ins Stadion kommen, ist indes noch unklar. Im November 2023 erreichten die Engländerinnen im Manchester-Derby mal 43.615 Zuschauer*innen im Old Trafford. Der diesjährige Rekord liegt bei 8.665 gegen den FC Arsenal – ein Allzeit-Rekord in der eigentlichen Heimspielstätte Leigh Sports Village.

Wer überträgt die Partie zwischen den FC Bayern Frauen und Manchester United?

Beide Spiele werden in Deutschland nicht frei empfangbar sein. Um die Duelle live zu streamen, braucht man ein Abo bei Disney+, die wiederum die Produktion von ESPN nutzen. Das ZDF hätte mit Sublizenzen der UEFA in dieser Saison Spiele übertragen können, hat aber darauf verzichtet. Im Sommer hieß es, dass man wohl ab dem Halbfinale Gebrauch davon machen werde.

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Wie gut ist Manchester United bei den Frauen?

Bleibt die Frage, was den FC Bayern sportlich erwartet. Manchester United zählt in England zu den besten vier Klubs. Letztmals Meister wurden sie 2019 – allerdings in der Women’s Super League 2. Es war zugleich der erste und einzige Ligatitel in der Vereinsgeschichte, denn gegründet wurde die Abteilung im Mai 2018.

Zumindest offiziell – denn in den 1970er Jahren gab es mit den Manchester United Supporters Club Ladies ein inoffizielles Team. Später etablierte man sich unter dem Namen Manchester United Ladies FC und stieg unter anderem in die höchste Spielklasse auf. Anfang der 2000er Jahre gab es sogar eine offizielle Eingliederung in den Klub. Doch schon 2005 begründete Manchester United die rasche Ausgliederung mit wirtschaftlichen Gründen.

Nach 2018 und dem Aufstieg in die Women’s Super League war die schlechteste Ligaplatzierung im englischen Oberhaus ein fünfter Platz (2023/24). Darüber hinaus haben die Red Devils eine Dauerkarte für den vierten Platz. Mit Ausnahme der Saison 2023/24 (dritter) lief United immer auf Platz vier ein.

Entsprechend haben sie bisher auch erst einmal an der Champions League teilgenommen: 2023/24 war schon vor der Gruppenphase Schluss. Man stieg damals in der zweiten Qualifikationsrunde ein und scheiterte direkt mit 2:4 an Paris Saint-Germain. Entsprechend ist der Viertelfinaleinzug bereits der größte Erfolg in der Champions League.

In der Ligaphase besiegte United unter anderem Atlético Madrid (1:0), PSG (2:1) und Juventus Turin (1:0), verlor aber auch jeweils deutlich mit 2:5 in Wolfsburg und mit 0:3 gegen OL Lyonnes. Erneut gegen Atlético Madrid gelangen in den Playoffs dann zwei souveräne Siege (2:0 und 3:0). In den nationalen Pokalwettbewerben war zweimal gegen Chelsea Schluss (1:2 im FA Cup und 0:2 im League-Cup-Finale).

Taktisch flexibel: Manchester United in der Analyse

Allein die Ergebnisse zeigen, dass Manchester United ein gutes Team ist. Sie zeigen aber auch, dass zur europäischen Spitze noch einiges fehlt. Und dass sie damit zum Gradmesser für den FC Bayern werden, wo man im Vergleich zu den Topklubs wirklich steht.

Taktisch dürfte sich sowohl auswärts als auch daheim eine relativ klare Rollenverteilung ergeben: United sucht seine Chancen in der Regel in den Umschaltbewegungen. Ihren höchsten Ballbesitzwert hatten sie laut Wyscout zum Auftakt der Ligaphase gegen Valerenga (69 Prozent). In den restlichen Partien liegt der Schnitt bei unter 50 Prozent.

Das bedeutet aber nicht, dass Manchester sich hinten reinstellen wird. Wenn die Bayern es technisch sauber und gut spielen, wird es solche Phasen geben. Grundsätzlich ist es aber das Ziel der Engländerinnen, aus ihrem Mittelfeldpressing heraus aggressive Momente des Vorschiebens zu haben. Im Schnitt erlauben sie ihren Gegnern in der Champions League 10,5 Pässe in deren ersten 60 Prozent des Spielfelds, ehe eine Defensivaktion erfolgt.

Gegen Atlético (Ligaphase, 17 Pässe), PSG (15,2 Pässe) und Lyon (16 Pässe) gelang ihnen das höhere Pressing weniger gut. Sonst lagen sie immer bei unter zehn Pässen, was für ein gut organisiertes Pressing spricht. Die Bayern kommen derweil auf 11 zugelassene Pässe, ehe eine Defensivaktion erfolgt. Auch die Münchnerinnen sind kein Team, das dauerhaft Angriffspressing spielt, sondern auf die richtigen Momente dafür lauert. Insofern sind beide Teams hier gut miteinander vergleichbar.

In Ballbesitz ist damit zu rechnen, dass sich United um ein schnelles Spiel nach vorn bemühen wird – bevorzugt im Kurzpassspiel. 37 lange Bälle pro Spiel und eine Quote von zehn Prozent sind nicht außergewöhnlich viel. Hier und da werden sie sich dazu gezwungen sehen, wenn die Bayern mal hoch anlaufen und es auch als taktische Variante nutzen, meist bevorzugen sie aber das flache Spiel von hinten heraus.

Wer sind die Schlüsselspielerinnen bei Manchester United?

Aus der Viererkettenformation heraus agiert Manchester United flexibel. Sowohl in der Arbeit gegen als auch in jener mit dem Ball sind verschiedene Formationen Alltag für die Spielerinnen. Mal laufen sie im 4-4-2 an, mal im hohen 4-3-3 oder im 4-2-3-1. Gegen Bayern ist damit zu rechnen, dass sie auf Geschwindigkeit und Umschaltsituationen setzen. Ein System mit zwei schnellen Stürmerinnen wäre hier denkbar.

Richtigen Topspeed hat United im offensiven Zentrum aber nicht. Dafür zwei sehr spielintelligente Mittelstürmerinnen mit hohen technischen Qualitäten. Elisabeth Terland kommt in dieser Saison auf 14 Tore und zwei Vorlagen in 30 Einsätzen. Die 24-Jährige hat ein intelligentes Positionsspiel und schafft es immer wieder, Verteidigerinnen aus ihren Positionen zu ziehen, um damit Raum für ihre schnellen Mitspielerinnen zu öffnen.

Hier ist vor allem Melvine Malard zu nennen. Die Französin hat 18 Torbeteiligungen in 33 Partien gesammelt und wird mit ihrem Tempo und ihrer Durchsetzungsfähigkeit eine echte Probe für die Innen- und Außenverteidigerinnen der Bayern darstellen. Bei offensiven Umschaltsituationen wird sie eine wichtige Zielspielerin sein. Die zweite spielintelligente Stürmerin ist in München bestens bekannt: Lea Schüller.

Die Deutsche hat in ihrer neuen Heimat noch nicht richtig Fuß fassen können. Bisher kommt sie in 482 Minuten erst auf einen Treffer. Zuletzt gab es drei verschiedene Varianten: Entweder stürmten Terland und Schüller gemeinsam oder eine der beiden gemeinsam mit Malard, die die Rolle sehr weiträumig interpretierte. Taktisch könnte eine Variante mit Malard sinnvoller sein. Schüller und Terland sind gut darin, Bälle festzumachen, während Malard mit Tempo die Tiefe attackieren kann.

Wie kann der FC Bayern gegen Manchester United gewinnen?

Der noch größere Knackpunkt für die Bayern wird aber, wie sie es schaffen, die Defensive von United ins Wanken zu bringen. Ohne Klara Bühl fehlen Tempo und Durchschlagskraft in der Offensive. Momoko Tanikawa spielte am 21. März noch im Finale des Asien Cups, den sie mit Japan gewann. Ein Einsatz am Mittwoch könnte zu früh kommen.

Viel Verantwortung würde dann auf Pernille Harder und Linda Dallmann lasten. In der Champions League spielte Manchester United fünfmal zu Null. Die fünf Tore des VfL Wolfsburg täuschen ein wenig über den Spielverlauf hinweg, weil der eine oder andere Treffer sehr glücklich für die Wölfinnen fiel.

Maya Le Tissier und Dominique Janssen gewinnen mehr als drei Viertel ihrer Zweikämpfe und auch die Japanerin Hinata Miyazawa agiert im Mittelfeld extrem weiträumig und gewinnt fast 77 Prozent ihrer Duelle. Das macht es schwer, im Zentrum überhaupt zum Torerfolg gegen sie zu kommen. Wobei für Miyazawa natürlich dasselbe gilt für Tanikawa: Ein Einsatz ist denkbar, hängt aber davon ab, wie gut erholt sie nach dem Asien Cup bereits sein kann.

Neben der 26-Jährigen, die auch mit dem Ball technisch sehr versiert ist und Pressingsituationen gut auflösen kann, spielt Julia Zigiotti eine starke Saison. Die 28-Jährige ist ebenfalls zweikampfstark und spielt selten spektakulär, aber oft souverän und zuverlässig.

Heimvorteil im Rückspiel: Bayern braucht ein gutes Auswärtsergebnis

United hat nicht die eine Schlüsselspielerin, agiert aber als Mannschaft auf einem guten Niveau. Taktisch sind sie diszipliniert und mit Le Tissier, Janssen, Miyazawa, Malard und Terland verfügen sie über eine eingespielte und erfahrene Achse auf hohem internationalem Niveau.

Bayerns Personalprobleme wiegen derweil schwer. Auf dem Papier haben sie den etwas breiteren Kader, die größere Erfahrung in K.-o.-Duellen und sind letztlich auch etwas eingespielter und länger auf dem Weg in Richtung europäische Spitze. Will man unbedingt eine Favoritinnenrolle vergeben, wäre sie wohl eher beim FCB anzubringen – allerdings nur knapp.

Der Schlüssel der Münchnerinnen wird darin liegen, Uniteds Pressing möglichst oft ins Leere laufen zu lassen und den Gegner mit Ballbesitz defensiv zu binden. Von diesem Punkt aus kann sich ein enges Spiel entwickeln, wenn es nicht gelingt, regelmäßig gefährlich vor das Tor zu kommen. Harders Qualität wird dementsprechend von großer Bedeutung sein.

In jedem Fall kann es ein großer Vorteil sein, dass das Rückspiel in der Allianz Arena stattfindet. In der Vergangenheit wirkte es oft so, dass die Münchnerinnen bei ihren Auftritten vor großem Heimpublikum besonders nervös waren. 2022 mussten sie gegen PSG in München vorlegen und verloren mit 1:2. Auch 2023 legte man vor, gewann diesmal mit 1:0 gegen Arsenal, geriet gegen Ende der Partie aber stark unter Druck. Im Rückspiel gewannen die Gunners mit 2:0.

Ein gutes Hinspiel im Old Trafford könnte den Druck für das Rückspiel etwas nehmen. Zumal immerhin die Bilanz in der großen Arena zuletzt besser wurde. Bis auf die PSG-Niederlage und ein 0:0 gegen Frankfurt konnten alle Spiele dort gewonnen werden – sogar gegen Barcelona und zweimal gegen Arsenal. Zuletzt nach einem 0:2-Rückstand zur Pause gegen die Gunners.

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