Aller guten Dingert sind drei: FC Bayern punktet in Leverkusen
Nach dem fulminanten CL-Erfolg in Italien wechselte Vincent Kompany nur auf zwei Positionen: Karl ersetzte Gnabry und Ulreich durfte für Urbig ran. Der ehemalige Kölner hatte sich in der letzten Aktion gegen Atalanta eine Gehirnerschütterung zugezogen.
Und so ging es mit fast voller Kapelle gegen Leverkusen. Wahrscheinlich kalkulierte das Trainerteam der Münchner bereits mit einer intensiven Rotation im Rückspiel am Mittwoch.
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Auch die Gastgeber hatten unter der Woche auf dem Feld gestanden. Gegen Arsenal landeten sie ein 1:1-Unentschieden mit spätem Gegentor. Trotzdem befinden sich die Rheinländer nicht in der allerbesten Form – zuletzt gab es Punktverluste gegen Union, Mainz und Freiburg.
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FC Bayern verschlafen und gleichzeitig übermotiviert?
In den Anfangsminuten ließ Leverkusen sich tief fallen, ohne den Aufbau der Bayern großartig zu stören. Doch das konnte der FC Bayern nicht in wirkliche Durchschlagskraft umwandeln.
Stattdessen machte sich Leverkusen die Anfangsnachlässigkeit der Bayern zunutze: Luis Díaz verließ sich auf die Pfeife des Schiedsrichters, als Culbreath ihn von hinten attackierte. Doch der Pfiff kam nicht, stattdessen konnte die Pharma-Werkself mit Dynamik auf das Bayern-Tor zulaufen.
Am Ende konnte Aleix García in den Strafraum ziehen und die Kugel unter freundlicher Mithilfe von Jonathan Tahs Zehen ins Tor befördern. Ulreich war ohne Chance beim ersten Abschluss der Leverkusener.
In der Folge war der FC Bayern bemüht das Spiel unter Kontrolle zu bringen. Doch der Schlendrian war noch nicht ganz ausgetrieben. Immer wieder unterliefen ihnen – vor allem im Mittelfelddrittel – unnötige Ballverluste, die Leverkusen immer mit dynamischen Konterangriffen beantwortete.
Auf der anderen Seite fiel es schwer, durch das 5-3-2 durchzubrechen. Einerseits lag das an einer disziplinierten Staffelung der 04er, andererseits aber auch an einer fehlenden Dynamik der Bayern mit und ohne Ball.
Das änderte sich nach ungefähr 22 Minuten, als die Dynamik vor allem gegen den Ball ins Spiel des FCB einkehrte. Plötzlich konnte sich Leverkusen nicht mehr stressfrei aus der eigenen Hälfte rausspielen und Bayern kam immer wieder zu Chancen nach hohen Ballgewinnen.
Es war dann ein Standard in dieser Phase, der den Ausgleich brachte: Die Flanke von Kimmich wurschtelte ausgerechnet Jonathan Tah irgendwie in Blaswichs Kasten – leider beinhaltete das ‚irgendwie‘ auch seinen verbotenen Ellenbogen. Das Tor wurde aberkannt.
Danach übernahm der FC Bayern aber trotzdem immer mehr die Kontrolle, auch wenn sie die gefährlichen Konter in schwarz-rot nicht vollständig verhindern konnten. So lief das Spiel etwas ereignisarm bis fast zur Halbzeit.
Dann traf Nicolas Jackson Terrier mit offener Sohle weit unten am Knöchel. Nachdem er erst Gelb gezeigt hatte, korrigierte Schiedsrichter Dingert nach Ansicht der Bilder auf Platzverweis. Man merkte dem senegalesischen Nationalspieler an, dass er aus seinen Einsätzen während der Kane-Auszeit alles rausholen wollte. Hier ging er zu weit.
Es ging also zu zehnt und in Rückstand in die Halbzeit.
FC Bayern zu zehnt zu gut, Dingert verteilt Handicap
Die zweite Hälfte begann ohne Bayern-Wechsel. Die Überzahl Leverkusens war dann kaum zu erkennen. Der FC Bayern konnte das Spiel kontrollieren und selbst auch immer wieder Gefahr ausstrahlen. Vor allem in Person von Luis Díaz, der im Strafraum vor dem Abschluss abrutschte und den Ball so nicht aufs Tor bringen konnte.
Doch in Minute 55 sagte doch jemand Bescheid, dass Leverkusen die Überzahl auch zu ihrem Vorteil nutzen durfte. Gerade bei Kontern hatte der FC Bayern zweimal Glück, dass weder Tillman (58.) noch Schick (59.) vor dem Tor kalt blieben.
In dieser Phase wurde Harry Kane eingewechselt und hatte sofort Impact: Er presst Blaswich aggressiv, wird angeschossen, den Abpraller gibt Díaz zurück zum Engländer, der nur einschieben muss. Doch wieder meldet sich jemand von nebenan aus Köln, der was erkannt haben will.
Der Ball geht an den angelegten Ellenbogen, allerdings nicht in der direkten Torerzielung. Wie Harry Kane im Pressingmoment Blaswich hätte entgegenspringen sollen, erklärte Christian Dingert in seinem ‚Transparenz‘-Announcement nicht.
Doch der FC Bayern ließ sich an diesem Tage nicht unterkriegen. Sie pressten weiter hoch, Harry Kane schien zeigen zu wollen, dass ihm zwei Spiele Pause richtig gut getan hatten. Und wieder konnten sie sich belohnen.
Robert Andrich spielte einen haarsträubenden Fehlpass, den Olise dankend aufnahm und auf Luis Díaz in den Strafraum weiterleitete. Der Kolumbianer blieb cool und netzte zum verdienten Ausgleich ein.
Danach spielte plötzlich hauptsächlich Leverkusen, Bayern war platt und beschränkte sich aufs Kontern. Einer dieser Konter endete mit Luis Díaz, der frei durch von Blaswich getroffen wurde. Für Christian Dingert klare Sache: Schwalbe und Gelb-Rot für Díaz. Diesmal hatte Köln nichts zu sagen.
Zu neunt hatte Bayern sogar nochmal eine gute Chance, als Stanišić aus spitzem Winkel abschloss (87.). Danach spielte es der FC Bayern in doppelter Unterzahl sehr respektabel zuende und konnte einen Punkt nach München retten.
Am Ende hatte die Kompany-Elf 55% Ballbesitz, 1,94 xG (Lev. 2,12) und fünf Schüsse aufs Tor (Lev. 7). Sie zeigte nach beiden Platzverweisen große Mentalität und verdiente sich diesen Punkt.
FC Bayern vs. Leverkusen: Drei Dinge, die auffielen
Pressing is Life
Der Unterschied im Gesamtauftreten des FC Bayern, wenn ihr hohes Pressing greift, ist wirklich gigantisch. Sowohl in Überzahl als auch in Unterzahl gab es Phasen im Spiel, in denen das Pressing kaum Griff.
Die ersten Minuten waren dadurch kaum dominant und immer wieder führte es in der ersten Halbzeit zu Kontern, die mit einer aktiveren und konsequenteren Pressingleistung in der gegnerischen Hälfte verhindert worden wären.
In Unterzahl ist es natürlich nochmal viel kraftraubender, aber – wenn richtig eingesetzt – noch wichtiger. In der zweiten Halbzeit war es vor allem dann zu sehen, wenn die 10 Spieler mal wieder von einer Schiedsrichterentscheidung oder einer eigenen Chance emotionalisiert waren.
Plötzlich hatten sie richtig Zugriff und erspielten sich immer wieder Chancen. Hoffentlich wird der FCB nicht mehr oft zu zehnt pressen müssen. Das Learning sollte sein, dass sie sich mit gut ausgeführtem Pressing aus jedem Loch rausziehen können.
Sven Ulreich, du Winner.
Es ist eine wunderschöne Geschichte. Dass Sven Ulreich diese Saison in der Startelf stehen kann und dann dem FC Bayern auch noch auf diese Weise einen Punkt rettet, wärmt das Herz. Und es ist wirklich ein großer Luxus, so einen Keeper als dritten Mann im Kader zu haben.
Mehrere Glanzparaden gegen Schick und Maza und ein sattelfestes Spiel mit Ball am Fuß waren genau das, was in so einem Spiel gebraucht wurde. Sven Ulreich war das Auge im Sturm, der Fels in der Brandung. Gerne mehr davon am Mittwoch!
Julian Nagelsmann hat bestimmt heute zugeschaut. Sind wir sicher, dass Ulreich nicht zu den drei besten Torhütern in Deutschland gehört?
Dieses Spiel ist nicht zu bewerten und doch wichtig!
Ein Spiel, das so von teilweise fragwürdigen (und teilweise eklatant falschen) Schiedsrichterentscheidungen geprägt wird, zu bewerten, ist wenig zielführend. Doch gerade mit Blick auf das Rematch im Pokal in fünf Wochen hat es trotzdem große Relevanz.
Leverkusen geht frustriert und vielleicht ein bisschen desillusioniert aus der Partie, beim nächsten Aufeinandertreffen (dann hoffentlich 11 gegen 11) wird es garantiert einen Sieger geben. Nach heute würde ich auf den FC Bayern tippen.



