Atalanta vs. FC Bayern: Drei Dinge, die das Hinspiel entscheiden können
Für den FC Bayern München steht am Dienstagabend das Hinspiel des Achtelfinals in der Champions League auf dem Programm. Es ist der Auftakt in die entscheidende Saisonphase.
Mit Atalanta haben die Münchner zwar keinen Gegner aus der europäischen Fußballelite bekommen, dafür aber einen, der sehr unangenehm werden kann. Eintracht Frankfurt und der BVB bekamen das in dieser Saison schon zu spüren. Beide verloren gegen die Italiener.
Für den Klub aus der Serie A ist es die Chance, eine bisher durchwachsene Saison endgültig in die richtige Richtung zu drehen. In der heimischen Liga stehen sie derzeit nur auf dem siebten Rang und bangen somit ums internationale Geschäft. Unterschätzen sollten die Bayern ihren Achtelfinalgegner aber keinesfalls.
Hier kommen drei Dinge, die das Duell mit Atalanta entscheiden könnten.
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Atalanta vs. FC Bayern: Wer presst effizienter und wer befreit sich besser?
Spannend wird in erster Linie, wie viele Pressingerfolge beide Teams erzielen. Sowohl Atalanta als auch die Bayern spielen in vielen Phasen mannorientiert gegen den Ball. Die Italiener beherrschen grundsätzlich aber von der tiefen Verteidigung bis zum höheren Anlaufen nahezu alles und es ist erwartbar, dass sie nicht ausschließlich vorne anlaufen, sondern auch mal tiefer verteidigen. Unter ihrem neuen Trainer Raffaele Palladino haben sie in 26 Partien nur 25 Gegentore kassiert.
Am stärksten ist Atalanta aber, wenn sie nach vorn schieben und Druck auf den Gegner ausüben können. Dortmund haben sie immer wieder im Aufbau so ins Zentrum locken können, dass der eine oder andere gute Ballgewinn dabei herauskam.
Und auch der FC Bayern sieht in der Regel dann am stärksten aus, wenn er ins hohe Pressing kommt und dort die Bälle schnell erobern kann. Insofern kann man den Spieß auch umdrehen: Wer umgeht das gegnerische Pressing besser? Dortmund ließ sich im Rückspiel gegen Atalanta auch deshalb überrumpeln, weil sie die Italiener in ihr Kombinationsspiel ließen.
Atalanta hat eine enorme fußballerische Qualität und versteht es gut, Abwehrspieler aus ihren Positionen zu ziehen und dann mit wenigen Kontakten in die Räume zu kommen, die sich offensiv ergeben. Bayerns Außenpositionen waren dahingehend in den letzten Wochen anfällig. Hier wird Atalanta versuchen, immer wieder in die Tiefe zu kommen und dann von den Flügeln aus Gefahr zu erzeugen.
Bayern wiederum hat mit Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic einerseits und Harry Kane andererseits die perfekte Achse, um Atalantas Pressing ins Leere laufen zu lassen. Erstgenannte sind hauptverantwortlich dafür, dass der Gegner viel läuft, ohne sich mit Ballgewinnen zu belohnen und dafür, dass die eigenen Flügelspieler nicht so leicht zu pressen sind. Denn läuft der Ball über sie, kann Atalanta die Flügel nicht so leicht zustellen, weil sie sich auf das Zentrum konzentrieren müssen.
Kane wird wichtig sein, um die Innenverteidiger zu beschäftigen. Isak Hien ist ein sehr aggressiver Abwehrspieler, der es bevorzugt, immer in Kontakt mit dem Stürmer zu sein. Im Schnitt kommt er laut Wyscout in dieser Saison auf rund 14 Balleroberungen pro 90 Minuten – fast 20 Prozent davon in der gegnerischen Hälfte. Der Schwede ist zweikampfstark, aber nicht fehlerfrei beim Herausrücken. Die Chance für Kane, Lücken in die Abwehrkette zu reißen, die die restlichen Offensivspieler belaufen könnten. Vielleicht DAS Mittel, um die Italiener zu knacken.
Auch Jonas Urbig könnte wieder mal eine Rolle spielen. Seine langen Bälle wären ein gutes Mittel gegen die hohen Pressingphasen von Atalanta. Allerdings müssen die Momente gut gewählt sein. Zu viele lange Bälle führen auch zu einigen Ballverlusten und letztlich dazu, dass der Gegner zu hohe Spielanteile bekommt.
Das richtige Risikomanagement beim FC Bayern
Und auch generell haben die Bayern einige technisch starke Spieler, die mit Einzelaktionen und Dribblings die Mannorientierungen aushebeln können. Die große Frage ist nur, wie viel Risiko man im Hinspiel bereits gehen will. Ein enger Spielverlauf gepaart mit wenigen Chancen, aber andererseits viel Kontrolle ist sicherlich zu priorisieren, wenn die Alternative ein wildes Spiel mit einem offenen Schlagabtausch darstellt.
Bayern hat eine enorme Offensivqualität, ist hinten aber auch anfällig, wenn sie nicht entsprechend sortiert sind. Im Zweifelsfall nicht aufs Ganze zu gehen, sondern lieber nochmal quer zu spielen, kann sinnvoll sein. Gleichzeitig darf das Spiel nicht erlahmen. Denn das bringt Atalanta womöglich dazu, doch Druck ausüben zu können, weil die vertikalen Entlastungen fehlen.
Es braucht also die richtige Balance im Spiel nach vorn. Je häufiger man Atalanta an deren Strafraum binden kann, desto besser für den FCB. Das würde auch die voraussichtlich hitzige Atmosphäre im Stadion abkühlen. Dass Effizienz vor dem Tor derweil in solchen Spielen eine große Rolle spielt, ist ohnehin klar.
Standardsituationen und Flanken
Eine große Rolle werden auch wieder die Standardsituationen und Flanken spielen. Es wird mittlerweile langweilig, immer wieder auf dieselben Punkte hinweisen zu müssen, aber eine signifikante Verbesserung gab es beim FC Bayern dahingehend nicht.
Atalanta ist gut bei Standardsituationen, wenn auch nicht herausragend. Sie haben viele kopfballstarke Spieler in ihren Reihen und wissen vor allem, wie sie sich Freistöße im vorderen Drittel erarbeiten können. Die Italiener werden die Schwächen der Bayern zudem klar analysiert haben. Was immer wieder auffällt, ist eine hohe Statik im Verteidigungsverhalten.
Als Nico Schlotterbeck das 1:0 für den BVB erzielte, gingen nahezu alle Schwarzgelben der Flanke schon entgegen, bevor der Ball den Fuß des Freistoßschützen verlassen hatte. Die Bayern wiederum reagierten erst sehr spät. Es ist grundsätzlich einfacher, einen Kopfball zu drücken, wenn man dem Ball entgegengehen kann. Natürlich ist es wichtig, die Positionen zu halten und keine großen Lücken aufzureißen. Aus dem Stand heraus verlieren die Münchner aber zu viele Duelle.
Bei Flanken im laufenden Spiel gibt es zwei Dinge, die zuletzt nicht optimal gepasst haben: Erstens ging die Zuordnung wie beispielsweise beim zweiten BVB-Tor zu häufig verloren. Dort orientierte sich Dayot Upamecano zum falschen Gegenspieler, weil der sich klug zwischen dem Franzosen und Jonathan Tah positionierte. Und zweitens muss es gelingen, den Flankengeber aggressiv zu stören.
Gut für die Bayern ist, dass mit Charles De Ketelaere der wichtigste Spielmacher nach wie vor ausfällt. Der Belgier kann sehr präzise Flanken und Pässe in den Strafraum spielen. Aber auch Lazar Samardrzic ist nicht zu unterschätzen. Gegen Dortmund positionierte er sich immer wieder klug in den Zwischräumen und spielte starke Verlagerungen oder Bälle in die Tiefe. Als Flankengeber bringt er ebenfalls die Präzision mit, um dem FCB Kopfschmerzen zu bereiten.
Es ist davon auszugehen, dass Atalanta gerade in der Anfangsphase viel Druck machen wird, um die Atmosphäre zu nutzen. Bereits hier könnte sich entscheiden, wie spannend die Bayern dieses Duell machen. Mit Blick auf das Rückspiel in der eigenen Arena sollten sie aber aufpassen, nicht zu überdrehen.



