Linda Dallmann im Zweikampf beim Spiel zwischen den FC Bayern Frauen und dem SC Freiburg.
Bild: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

FC Bayern Frauen in Freiburg: Eine starke rechte Seite und ein kurzer Kontrollverlust

Justin 08.02.2026



Mit einem 4:1-Auswärtssieg fuhr der FC Bayern München am Freitagabend aus Freiburg wieder nach Hause. Ein wichtiger Sieg, weil er ein weiteres traditionell schwieriges Auswärtsspiel aus dem Kalender streicht.

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Der FCB zementiert damit seine Tabellenführung und zeigt im Breisgau über weite Strecken eine sehr starke Leistung. Ein Grund dafür war die rechte Außenbahn, die in diesem Spiel so stark wie lange nicht mehr war. Dennoch gab es eine Phase, die das Trainerteam zwingend analysieren muss. Rund um die Halbzeitpause hatten die Münchnerinnen Probleme.

Mit Franziska Kett bekommt zudem eine Spielerin ein Sonderlob, die in Freiburg zwar nicht unbedingt zu den Allerbesten zählte, jedoch abermals bewies, wie wichtig und gut sie ist. Hier kommen drei weitere Dinge, die auffielen und unsere Teilanalyse der Partie.

FC Bayern Frauen: Plötzlich auch rechts stark

Wie stark die Bayern diesmal über rechts waren, zeigt ein Blick auf die Daten von Wyscout. Erst zum zweiten Mal überhaupt in dieser Saison haben sich die FC Bayern Frauen über die rechte Seite mehr als ein erwartbares Tor aus dem offenen Spiel heraus erspielt. Hierbei geht es um Angriffe, die aus dem strukturierten Ballbesitz heraus entstanden sind – also ohne Konter.

Von Wyscout

Elf solcher Angriffe hatten die Bayern, daraus entstanden 1,02 xG – 77 Prozent des Gesamt-xG-Werts aus dieser Art Angriffen. Nur gegen den HSV hatte man vor einigen Wochen mit 1,07 xG aus 20 Angriffen etwas mehr. Giulia Gwinn erwischte gegen ihren Ex-Klub einen guten Abend, hatte bei all ihren Aktionen, egal ob offensiv oder defensiv, eine Erfolgsquote von 84 Prozent. Mit sechs erfolgreichen Offensivaktionen hatte sie die zweitmeisten hinter Bühl und 0,77 erwartbare Assists sind ebenfalls der zweitbeste Wert.

Auf dem rechten Flügel lief sich Gwinn immer wieder frei, gab dem Spiel Breite und zog damit das Tempo des Spiels an. Eine große Hilfe war dabei Linda Dallmann, die den Flügel immer wieder mit ihren nach innen kippenden Bewegungen öffnete. Dallmann fungierte zentral als wichtige Anspielstation, ließ sich unter Druck anspielen und verteilte die Bälle dann klug in die Räume weiter, die sich dadurch geöffnet haben.

In dieser Szene positionierte sich die Offensivspielerin im Halbraum. Als Bayerns Innenverteidigung den Ball hatte, ließ sie sich fallen und zog so die Linksverteidigerin der Freiburgerinnen aus ihrer Position. Gwinn wurde rechts angespielt und hatte extrem viel Platz. Weil der Pass nicht perfekt in den Lauf kam, musste sie kurz warten, weshalb Leela Egli noch in den Zweikampf kam.

Gwinn dribbelte sie aus, schlug eine etwas unkontrollierte Flanke, die nochmal abgewehrt werden konnte. Dallmann tauchte jedoch schon wieder im Strafraum auf und nutzte den Abpraller für den Assist zum 1:0 durch Pernille Harder. Insgesamt ein starker Spielzug der Bayern. Gwinn bekam dafür einen Preassist zugesprochen. Mit diesen Abläufen und den beiden FCB-Spielerinnen in Topform könnte die rechte Seite unerwartet doch noch zur Waffe werden.

Bayerns Probleme zu Beginn der zweiten Halbzeit

Etwas weniger freudig analysieren wird das Trainerteam, was nach der Halbzeitpause passierte. Freiburg schaffte es in dieser Phase, Bayern gehörig unter Druck zu setzen. Das zeigen auch die Daten. In der ersten Halbzeit konnten die Münchnerinnen im Schnitt fast 47 Pässe spielen, ehe eine Defensivaktion des Sportclubs erfolgte. In der gesamten zweiten Hälfte waren es nur noch rund zwölf. Und im Gegenzug sank auch die Erfolgsquote der Bayern in der Arbeit gegen den Ball – wenn auch auf ein immer noch gutes Grundniveau.

Von Wyscout

Freiburg erhöhte den Druck und lief mutiger an. Das führte zu einigen viel zu einfachen Ballverlusten. In der 48. Minute ließ sich Georgia Stanway bei einem kurz ausgeführten Freistoß viel zu leicht unter Druck setzen. Grund dafür war eine schlechte Vororientierung. Wie in der Fahrschule ist der Schulterblick auch auf dem Fußballplatz unerlässlich.

Neben der schwachen Vororientierung muss auch Stine Ballisager in die Pflicht genommen werden. Denn die Innenverteidigerin läuft Stanway anschließend entgegen, statt sich sofort fallen zu lassen und das Spiel vertikal in die Länge zu ziehen. Damit nimmt sie sich selbst für einen Rückpass aus dem Spiel. Offensiv hat Stanway nämlich keine Optionen und das muss die Spielerin sehen, die den Freistoß ausführt.

Solche Nachlässigkeiten gab es in der Folge noch häufiger. In der 50. Minute war es wieder Stanway, die bei einem eigentlich simplen Diagonalflachpass eine Freiburgerin anspielte und einen Konter ermöglichte. In der 66. Minute zwang Freiburg mit sehr hohem Pressing Ballisager zu einem langen Ball. Das sind nur einige weitere Beispiele von vielen.

Freiburgs Pressing zeigte Wirkung. Dass die Bayern die Qualität haben, so ein Pressing aufzulösen, zeigten sie vor dem 2:1-Führungstreffer, als eine engräumige Kombination dazu führte, dass Harder viele Meter machen kann.

Franziska Kett spielt beeindruckend souverän

Obwohl die rechte Seite in dieser Partie etwas gefährlicher war als die linke, hat Franziska Kett abermals ein sehr starkes Spiel gemacht. Die 21-Jährige muss dabei gar nicht mit großen Highlights punkten. Ihre Souveränität und Abgezocktheit macht sie so besonders. Egal, ob sie nun rechts oder links spielt, Kett liefert ab.

Dabei profitiert sie von der Fähigkeit, ein Spiel intuitiv richtig lesen zu können. Ein Beispiel: In der 34. Minute spielen die Bayern einen langen Ball nach vorn auf Bühl. Kett hätte als Außenverteidigerin auch deutlich langsamer nachrücken können, zieht aber einen kurzen intensiven Lauf nach vorn an, wodurch sie sich einen Vorteil gegen eine Freiburgerin verschafft und den zweiten Ball gewinnt.

In der 55. Minute schleicht sie sich im Rücken ihrer Gegenspielerin davon und bietet sich im Zwischenraum für einen Pass von Bühl an. Sie dribbelt kurz an und sieht dann trotz Druck von drei Gegenspielerinnen, dass eine Lücke im Rückraum für Dallmann offen ist. Der Pass kommt perfekt an und Dallmann hat einen geblockten Schuss.

Kett verfügt über technisch herausragende Fähigkeiten und macht kaum gravierende Fehler. Im Schnitt kommt sie diese Saison auf 3,11 Dribblings pro 90 Minuten, 66 Prozent davon erfolgreich. Defensiv führt sie pro 90 Minuten fast sieben Zweikämpfe und gewinnt starke 71,4 Prozent – auch wenn Zweikampfquoten selten die ganze Wahrheit erzählen, fiel vor allem in den Champions-League-Spielen auf, dass Kett eine hervorragende Zweikämpferin ist.

Mit mehr als neun Balleroberungen pro 90 Minuten und fast vier in der gegnerischen Hälfte ist sie zudem eine wertvolle Pressingspielerin. Kett hat jetzt schon eine große Bedeutung fürs Bayern-Spiel. Wenn sie bald im Angriffsdrittel noch torgefährlicher in Form von Assists und Toren wird, ist sie vielleicht eine der komplettesten Außenverteidigerinnen Europas.

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