Die Zukunft von Miasanrot: Transparenzbericht und Umfrage zur Monetarisierung unseres Projekts
Liebe Leser*innen und Hörer*innen,
heute geht es um die Zukunft von Miasanrot. Und zwar konkret darum, wie ich dieses Projekt in den kommenden Jahren tragen und finanzieren soll. Mit Hilfe derer, die uns regelmäßig finanziell unterstützen, ist der Blog für mich zu einem von vier wesentlichen Eckpfeilern meiner freiberuflichen Tätigkeit geworden.
Hier geht es direkt zur Umfrage
Das ist super und gibt mir ein bisschen Sicherheit. Aber ich bin ambitioniert und ich will zumindest teilweise raus aus dem Hamsterrad Online-Sportjournalismus. Ich bin die Themen satt, um die sich tagtäglich alles dreht und ich will mit Miasanrot zeigen, dass eine andere Berichterstattung möglich ist. Leute, die uns regelmäßig verfolgen, wissen, dass wir anders sind als die meisten Medien.
Doch ich muss auch ehrlich sein: Dieser Sonderweg ist mühsam und er ist beschwerlich. Denn Menschen geben ungern Geld aus und schon gar nicht für etwas, das frei im Internet verfügbar ist. Hinzu kommt bei uns eine extreme Konkurrenzsituation. Dazu gleich mehr. Für alle, die wenig Interesse an langen Ausführungen haben, komme ich direkt auf den Punkt: Ich denke darüber nach, mit einem meiner Grundsätze zu brechen und mich mit Werbung auf der Seite auseinanderzusetzen.
Es könnte ein notwendiger Schritt sein, um in Zukunft mehr Geld zu verdienen und damit auch mehr Zeit für Miasanrot freischaufeln zu können. Und nur mit mehr Zeit wird es möglich sein, auch inhaltlich weitere Schritte nach vorn zu gehen. Aber das Thema ist sensibel. Es gibt gute Gründe, sich gegen Werbung zu entscheiden. Unsere Arbeit zeichnet sich auch dadurch aus, dass wir in enger Abstimmung mit unserer Community agieren. Deshalb haben wir eine Umfrage ins Leben gerufen.
Bitte nehmt euch die 5-10 Minuten und füllt das Formular möglichst gewissenhaft und ehrlich aus. Euer Meinungsbild ist uns wichtig.
Lest aber auch gern erstmal weiter, was ich noch zu erzählen habe.
Miasanrot stößt mit dem jetzigen Konzept an Grenzen
Zurück zum langatmigeren Teil: Die Konkurrenzsituation ist erdrückend. Große Medien haben mehrere entscheidende Vorteile: Sie haben Profis in ihren Reihen. Profis für die SEO-Optimierung, um bei Google höher zu ranken. Profis, die bezahlt werden, um exakt die Artikel möglichst schnell zu schreiben, die es braucht. Profis, die sich mit den Dingen hinter den Artikeln beschäftigen: Websitedesign, Communitymanagement, Social Media und vieles mehr. Im Moment sind wir da chancenlos. Wenn ein Artikel über die Google-Algorithmen mal sehr viele Klicks erhält, spielen Zufälle eine große Rolle.
In den letzten Jahren sind viele Menschen zu Miasanrot gekommen und wieder gegangen. Einige sind bis heute stärker involviert, andere wurden nach einer gewissen Zeit wieder inaktiv. Einen Vorwurf mache ich da niemandem. Ich kann diese Menschen nicht bezahlen. Ich kann nur darauf hoffen, dass ich Leute finde, die sich mit dem Projekt nur halb so sehr identifizieren, wie ich es tue. Weil sie daran glauben, dass das gut ist und es irgendwann noch besser wird. Es gibt ein paar dieser Menschen. Dafür bin ich unendlich dankbar.
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Und doch bleibt der Großteil der Arbeit und Organisation an mir hängen. Neben meinem Privatleben und der Notwendigkeit, für andere Medien zu arbeiten. Es gibt Phasen, da wird es mir zu viel und dann leidet der Blog darunter. Ich nehme mir Auszeiten und es erscheinen auch mal zwei, drei Tage keine Artikel oder anderer Content. Und jede Phase, in der wir wenig aktiv sind, schadet unserer Reichweite enorm. Das zeigen die Statistiken.
Artikel zum FC Bayern München
- Chávez, Fernández, Ličina und Co.: Bayerns Transfers sind ein Kompliment für den Campus
- Was die Verpflichtung von Michael Wiesinger für den Campus bedeutet
- Traumeinstand: Edna Imade trifft mit dem ersten Kontakt
Ich glaube nach wie vor daran, dass in einer idealen Welt der bestmögliche Finanzierungsweg der durch die Community ist. Denn nur dadurch behält man seine Unabhängigkeit, hält die Seite clean und schön und hat die volle Kontrolle darüber, was dort steht und was nicht. Man läuft nicht Gefahr, Werbung für Dinge zu schalten, mit denen man sich nicht identifizieren kann oder die nicht zu den eigenen Werten passen.
Aber nach nun etwas mehr als zwei Jahren lautet mein ernüchterndes Fazit: Projekte wie der Rasenfunk sind eine Utopie – weil die Personen dahinter vieles richtig machen und außergewöhnlich gut sind. Vielleicht bin ich das nicht. Weil ich die Dinge nicht richtig angehe und es am Ende einfach nicht reicht. Vielleicht aber auch einfach, weil die Konkurrenzsituation so ist, wie ich sie beschrieben habe. Wer etwas zum FC Bayern lesen oder hören möchte, wird damit im Internet überschüttet.
Vielleicht wären wir als Blog zu einem kleineren Verein erfolgreicher, was die Monetarisierung anbelangt. Weil die Fans anderer Vereine es noch mehr wertschätzen können, wenn überhaupt über ihren Klub berichtet wird. Ich habe keine klaren Antworten darauf. Unter dem Strich stehen wir aber bei weniger als 2.000 Euro pro Monat durch unsere Community. Und das reicht nicht.
Bedenkt man, wie viele Stunden Arbeit in dieses Projekt pro Woche fließen und wie viel Freizeit ich dafür opfere, dann ist absehbar, dass der aktuelle Weg zwangsläufig irgendwann dazu führt, dass mir Spaß und Leidenschaft nicht mehr reichen werden, um motiviert zu bleiben.
Das Dilemma mit Werbung
Gleichzeitig möchte ich betonen, dass dieser Punkt noch nicht da ist. Miasanrot wird nicht dieses Jahr und auch nicht nächstes Jahr einfach verschwinden. Ich bin nach wie vor voller Zuversicht, den Hebel irgendwann doch noch zu finden. Aber ich kann aufgrund meiner Erfahrungen nicht mehr darauf vertrauen, dass die Unterstützung aus der Community irgendwann reichen wird.
Und hier wird es tricky. Werbung ist hässlich, sie ist nervig, sie ist schon deshalb ein großes Problem in der Berichterstattung, weil sie die Notwendigkeit erfordert, viel Content zu produzieren, um viele Klicks zu generieren. Viel Content wiederum bedeutet meist auch Qualitätsverlust. Mein Versprechen an dieser Stelle: Sollten wir diesen Schritt jemals gehen, werde ich in aller Regelmäßigkeit hinterfragen, ob der Content weiterhin unseren Qualitätsstandards entspricht.
Wir werden in der Redaktion ein Leitbild erarbeiten und wollen unsere inhaltlichen Ziele weiterhin verfolgen: Vor allem jenes, die Berichterstattung anders, inhaltlich fokussierter und weniger sensationsgetrieben zu gestalten. Lieber scheitere ich mit dem Projekt, als mich vollends den Mechanismen zu ergeben, die dem Sportjournalismus aus meiner Sicht nicht geholfen haben.
Die Umfrageziele
Trotzdem würde ein solcher Schritt zu unangenehmen Kompromissen führen. Für mich als jemand, der eine Abneigung gegen Werbung hat. Für euch sowieso. Das muss ich nicht erklären. Einfach durchdrücken wollen wir das aber nicht. Und deshalb erkläre ich mich auch so ausführlich.
Mit der Umfrage wollen wir vor allem drei Dinge herausfinden:
- Wie reagieren unsere Unterstützer*innen auf Werbung?
- Was ist euch inhaltlich wichtig?
- Lohnt sich der Aufwand oder verlieren wir auf der Community-Ebene dadurch zu viel Geld?
Fakt ist: Werbung wird mich bei unserer Reichweite weder reich machen, noch wird sie all die genannten Probleme sofort lösen. Aber sie kann uns allen Zielen ein Stück weit näher bringen. Vor allem dann, wenn jene sie mittragen, die uns aktuell finanziell unterstützen. Wenn Werbung bei uns eine zusätzliche Säule sein kann und sie nicht die bestehende ersetzt, kann sie eine Option für uns sein.
Jetzt an der Umfrage teilnehmen.
Miasanrot arbeitet ab sofort mit Wyscout
Am Ende möchte ich noch eine mehr oder weniger erfreuliche Nachricht mit euch teilen: Nach dem Wegfall von Advanced Stats bei FBref habe ich mich dazu entschieden, nach Alternativen zu suchen. Daten sind extrem teuer. Opta oder StatsBomb sind für mich derart außer Reichweite, dass sie gar keine Option darstellen. Da sprechen wir von fünfstelligen Summen im Jahr.
Mit Wyscout haben wir jetzt aber einen seriösen, kompetenten und im Profibereich verankerten Anbieter gefunden, der für mich bezahlbar ist. Wir sprechen hier immer noch über eine Summe im mittleren vierstelligen Bereich und ich finanziere das durch Einnahmen aus anderen Bereichen quer, aber ich halte den Datenumfang für unerlässlich, um Miasanrot wieder stärker in den Nischen auszurichten, in denen wir schon immer gut waren: Taktik- und Datenanalysen.
Mit Wyscout bekomme ich umfassendes Videomaterial aus Deutschland und Advanced Stats nahezu aller Wettbewerbe auf der Welt, die man sich nur vorstellen kann – im Männer- und Frauenbereich, teilweise auch im Jugendbereich. Taktik- und Szenenanalysen zum FC Bayern werden so deutlich weniger zeitintensiv und machen auch mehr Spaß. Ich hoffe, hier jetzt deutlich regelmäßiger Analysen anbieten zu können, wie ihr sie in den letzten Tagen bereits gesehen habt – auch wieder mehr zu den Frauen:
- El Pressico? Das Duell mit der TSG Hoffenheim in der Analyse
- Das Pressing des FC Bayern in der Analyse: Evolution und Probleme
- Warum das Ballbesitzspiel des FC Bayern derzeit Sorgen macht
- Serge Gnabry bleibt bis 2028: Die richtige Entscheidung des FCB?
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. Und vielen Dank an alle, die unseren Weg schon so lange begleiten und uns auf diesem unterstützen. Wegen euch ist Miasanrot das, was es ist.
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