Michael Olise beim FC Bayern: Was ihm zu „Robbéry“ noch fehlt
Lediglich 34 Minuten benötigte Michael Olise, um das völlig offene Spitzenspiel des FC Bayern am Samstag in Leipzig in eine klare Angelegenheit zu verwandeln. Der Franzose riss die Partie nach seiner Einwechslung komplett an sich und war mit drei Vorlagen und einem Tor (fast) allein dafür verantwortlich, dass der Rekordmeister sogar noch einen Kantersieg einfuhr.
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Der 24-Jährige, macht also genau da weiter, womit er seit seiner Ankunft in München eigentlich nie aufgehört hat. Die Lobeshymnen für den Flügelspieler überschlagen sich ohnehin schon seit Wochen. Selbst die umstrittene Rangliste vom kicker kam nicht daran vorbei, Olise das Prädikat „Weltklasse“ zu verleihen.
Anlass genug, um Olises bisherige Zeit beim FC Bayern Revue passieren zu lassen und einzuordnen: Was macht ihn so stark? Was sagen die Zahlen? Und was fehlt ihm noch, um in Sphären von Arjen Robben und Franck Ribéry vorzudringen?
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Michael Olise zum FC Bayern: ein Glücksgriff
Ohne Frage kann der Transfer des Offensivspielers von Crystal Palace im Sommer 2024 als Max Eberls bisher größte Errungenschaft beim FCB bezeichnet werden. Der damals 22-jährige Franzose schlug ohne irgendwelche Anlaufschwierigkeiten ein wie ein Komet und war auf Anhieb ein unverzichtbarer Baustein der Offensive und ein Schlüsselspieler bei der Rückeroberung der Deutschen Meisterschaft.
Die anfangs teuer klingenden 53 Millionen Euro können aus heutiger Sicht fast als Schnäppchen bezeichnet werden. Allein der Blick auf die reinen Zahlen genügt hierfür eigentlich schon: In seiner Debütsaison kam der Flügelspieler bereits auf 43 Scorerpunkte (20 Tore und 23 Assists), wodurch er alle 89 Minuten an einem Tor der Bayern beteiligt war.
In der laufenden Spielzeit ist er mit 13 Toren und 20 Assists sogar noch über 20 Minuten schneller als in der vorherigen, was die starke Entwicklung unterstreicht, die mit seinen immer noch jungen 24 Lebensjahren noch nicht am Ende ist. Nicht ohne Grund steht sein Marktwert (laut transfermarkt) bei 130 Millionen Euro, womit er zu zehn teuersten Spielern der Welt zählt.
Michael Olise: Stärken abseits von Toren und Vorlagen
Doch die wahre Stärke des Franzosen ist nicht seine hohe Anzahl an Torbeteiligungen, sondern sein Einfluss auf den Spielfluss. Olise ist kein klassischer Flügelspieler, der Tempodribbling um Tempodribbling probiert. Sein Antritt ist nämlich im Verhältnis zu anderen Außenstürmern allenfalls durchschnittlich, auch seine Endgeschwindigkeit ist nicht überragend.
Aber sein (linker) Fuß und seine Spielintelligenz sind es. Sein erster Kontakt ist exzellent, seine Entscheidungsfindung bemerkenswert reif, wodurch er regelmäßig schwierige Dinge einfach aussehen lässt. Olise ist deswegen mehr Spielmacher als Tempodribbler. Er spielt Steckpässe, schießt aus der Distanz, bringt sich selbst in gute Abschlusspositionen und kommt eher über kurze als über lange Dribblings.
Ähnlich wie Jamal Musiala fühlt er sich dabei in engen Räumen wohl, findet meist gute Lösungen. 6,58 Aktionen (laut FBref) von ihm führen pro 90 Minuten zu einem Abschluss – Bestwert beim FC Bayern. Auch im internationalen Vergleich befindet er sich damit im 99. Perzentil aller Flügelspieler und liegt damit beispielsweise sogar vor einem Khvicha Kvaratskhelia oder einem Lamine Yamal.
Und das bei deutlich mehr Einsatzzeit. Eine weitere wichtige Qualität von Olise, die er zahlreichen früheren Flügelspielern des Rekordmeisters voraus hat, ist seine permanente Verfügbarkeit. Gegen Wolfsburg absolvierte der Franzose bereits sein 50. Bundesligaspiel für den FCB.
„Availability is the best ability”, wie es Football-Coach Bill Parcells einst so kurz und prägnant auf den Punkt brachte. Im internen Ranking der Bayern standen seit Olises Ankunft in München nur Harry Kane und Joshua Kimmich mehr Minuten auf dem Platz als der Außenstürmer.
Vergleich mit „Robbéry“: Wo Olise schon jetzt besser ist
Bei solchen Qualitäten ist selbst der Vergleich mit Bayernlegenden wie Arjen Robben oder Franck Ribéry eigentlich nicht zu hoch gegriffen, der derzeit ohnehin medial angetrieben wird. Robben wurde im Zuge des Legends Cup am Sonntag in München sogar persönlich auf diese Vergleiche (mit Olise und Luis Díaz) angesprochen, denen er jedoch nicht viel abgewinnen kann: „Jeder Spieler ist einzigartig und hat seine eigene Qualität, Fähigkeit und Persönlichkeit“, so der Niederländer.
Beim Blick auf die reinen Zahlen ist es dennoch erstaunlich, wie nah Olise den beiden Legenden innerhalb von eineinhalb Jahren bereits gekommen ist. Bereits in seiner ersten Saison kam der 24-Jährige mit 38 Torbeteiligungen (ohne Klub-WM) auf einen Wert, den selbst „Robbéry“ nur dreimal geschafft oder übertroffen haben. Und in der laufenden Spielzeit ist Olise ohnehin drauf und dran, sogar die Rekordmarken der beiden Legenden zu pulverisieren.
In der Bundesliga hat Olise beispielsweise mit seinen bisherigen 25 Scorerpunkten bereits zur Halbzeit der Saison Robbens beste Spielzeit (24 Scorerpunkte, 2014/15) übertroffen. Auch der Rekord von Ribéry (33 Scorerpunkte, 2011/12) ist nicht mehr weit und dürfte beim derzeitigen Tempo des gebürtigen Londoners in den nächsten Wochen fällig sein.
Zur Wahrheit dieser Vergleiche gehört selbstverständlich auch, dass sowohl Robben als auch Ribéry in ihrer Zeit in München immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatten und deshalb nicht auf bessere Werte kommen konnten. Gleichzeitig ist eben genau jene Verfügbarkeit eine Qualität von Olise, die er den beiden Legenden in seiner bisherigen Zeit bei den Bayern voraus hat.
Was Olise noch zu den Sphären von Robben und Ribéry fehlt
Dass Olise in eineinhalb Jahren beim FC Bayern noch nicht den Legendenstatus von „Robbéry“ erreichen kann, bedarf keiner weiteren Ausführung. Auf dem Weg dorthin gibt es vor allem noch zwei Schwächen, die der Franzose überwinden muss.
Das betrifft zum einen die Torbeteiligungen und genialen Momente gegen die großen Gegner in der Champions League. Genau in solchen Partien haben Ribéry und Robben nämlich einst ihre ganz großen Momente gehabt und sich ihren Status erarbeitet.
Olise sammelte jedoch 75 Prozent seiner Scorer in der Champions League bisher gegen Dinamo Zagreb, Shakhtar Donezk, Pafos und Sporting. Gegen den FC Barcelona oder Inter Mailand in der vergangenen Saison sowie in Paris und London in der laufenden Spielzeit blieb er jedoch weitestgehend blass und ohne Tor oder Assist.
Zum anderen war der 24-Jährige ausgerechnet in diesen Partien bereits mit Ballverlusten an Gegentoren beteiligt, in denen er ein zu hohes Risiko einging und anschließend nur zaghaft nachsetzte. Vor allem gegen die pressing- und umschaltstarken Teams sah er diesbezüglich einige Male unglücklich aus. In den Top-Spielen gegen Barcelona, Inter Mailand, Paris und Arsenal standen seine Ballverluste und sein anschließend zu zaghaftes Nachsetzen am Anfang mehrerer Gegentore.
Michael Olise beim FC Bayern: Auf dem Weg zum Superstar
Dennoch hat Michael Olise bereits in seiner Premierensaison beim FC Bayern überzeugt und ist in der laufenden Spielzeit auf dem besten Weg, ganz neue Maßstäbe zu setzen, die kaum einem seiner Vorgänger erreichen konnte.
Olise ist DER kreative Fixpunkt im Spiel der Bayern: Ein Spieler, der Partien im Alleingang entscheiden kann. Er bringt bereits alles mit, um einer der prägenden Spieler seiner Generation zu werden: technische Klasse, Konstanz, Verfügbarkeit und ein bemerkenswert reifes Spielverständnis.
Schafft der Franzose es, defensiv etwas smarter zu agieren und in K.o.-Spielen die entscheidenden Momente zu setzen, wird er in den kommenden Jahren DER Anker der Bayern-Offensive sein und damit auch in die Sphären von „Robbéry“ vordringen können.
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