Eiskalte Bayern lassen VFL Wolfsburg bei 8:1-Sieg keine Chance!
Nachdem Vincent Kompany in Salzburg am Montag (wie bei einem Test üblich) seine Mannschaft noch ordentlich durchgemischt hatte, schickte der Belgier gegen den VFL Wolfsburg wieder seine beste Elf auf den Platz – zumindest aus den zur Verfügung stehenden Spielern. Für das erste Pflichtspiel des Jahres sollte schließlich ein Sieg her.
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Manuel Neuer kehrte also ins Tor zurück, der Bayerns übliche Viererkette der Hinrunde bestehend aus Laimer, Upamecano, Tah und Stanišić vor sich hatte. Auch in der Offensive brachte Kompany mit Kane, Díaz, Olise und Karl seine (zurzeit) besten vier Angreifer.
Eine Überraschung gab es dennoch: Aufgrund Joshua Kimmichs (verletzungsbedingter) Abwesenheit bekam Tom Bischof gegenüber Leon Goretzka den Vorzug und durfte neben Aleks Pavlović auf der Doppelsechs starten. Das Spiel in der Miasanrot-Analyse.
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FC Bayern – VFL Wolfsburg: Der Spielverlauf
Mit dem ersten Angriff kamen die Bayern zur früheren Führung: Luis Díaz brachte den Ball nach einem guten Tiefenlauf von links scharf in die Mitte und erzwang so das Eigentor von Kilian Fischer (5). Wirklich Kontrolle bekamen die Münchner jedoch nicht in das wilde Spiel, sodass Dženan Pejčinović nach einem Steckpass von Majer allein vor Neuer zum Ausgleich einschob (13.).
Auch in der Folge ließen die Gäste den FCB mit ihrem aggressiven Auftreten nicht zur erwarteten Dominanz kommen. Ein zerfahrenes Spiel war die Folge. Doch fast aus dem Nichts köpfte Díaz die Heimelf nach einer Olise-Flanke nach einer halben Stunde wieder zur Führung. In der Folge kam der Rekordmeister zwar ein wenig besser ins Spiel, ein Tor sollte jedoch bis zum Pausentee nicht mehr gelingen.
Dafür kamen die Bayern mit viel Schwung aus der Kabine und kreierten eine Großchance nach der anderen. Eine davon nutzte Olise zum 3:1 (50.) mit einem wunderschönen Schlenzer à la Arjen Robben von rechts ins lange Eck. Zwei Minuten später war es wieder der Franzose, der mit einem starken Dribbling und scharfem Pass in die Mitte das nächste Eigentor (von Moritz Jenz, 53.) erzwang.
Die Partie war damit entschieden. Doch die Bayern waren noch lange nicht fertig mit den Wölfen: Raphaël Guerreiro (68.), Harry Kane mit einem Traumtor (69.), erneut Olise (76.) und Leon Goretzka (88.) schraubten das Ergebnis noch auf ein knackiges 8:1 in die Höhe, sodass mit Felipe Chávez sogar noch ein Youngster aus dem Bayern-Campus sein Bundesligadebüt feiern durfte.
FC Bayern – VFL Wolfsburg: Vier Dinge, die auffielen
Erste Halbzeit: viele Bayern noch im Winterschlaf
Bei einem 8:1-Sieg sollte es eigentlich wenig zu beanstanden geben. Trotz Kantersieg und Machtdemonstration nach der Pause kann allerdings zumindest die erste Hälfte wohl als eine der schwächeren der bisherigen Saison bezeichnet werden. Das aggressive Pressing der Gäste bereitete den Münchnern immer wieder Probleme, sodass sie das Spiel kaum unter Kontrolle bekamen. Nur 46 Prozent der Zweikämpfe gingen in Halbzeit eins an den Rekordmeister.
Zudem waren einige Münchner zu Beginn etwas von ihrer Normalform entfernt. Konrad Laimer ließ sich beispielsweise ungewöhnlich oft von Gegenspieler Wimmer düpieren und hatte auch am Gegentor einige Aktien, als er den Steckpass von Majer passieren ließ. Auch der sich eigentlich im Formhoch befindende Lennart Karl kam kaum zur Geltung in Hälfte eins. Zudem dürfte das Fehlen von Regisseur Kimmich ebenso eine Rolle gespielt haben.
In der zweiten Halbzeit fertigten die Bayern die defensiv desolaten Gäste zwar noch ab (und fügten dem VFL Wolfsburg damit seine höchste Niederlage der Bundesligageschichte zu), dennoch sollten vor allem die Probleme mit dem aggressiven Angriffspressing der Gäste in der ersten halben Stunde auf der To-Do-Liste von Kompany für die kommenden Wochen stehen.
„Oh, Champs-Olise!“
Es gehen einem die Superlative für Michael Olise aus, weshalb ich für diesen Absatz auf das Wortspiel von meinem Kollgen Justin zurückgreifen muss. Der Franzose, der am heutigen Abend bereits sein 50. Bundesligaspiel für den FCB absolvierte, riss nach einem schwachem Start die Partie komplett an sich und war fast allein dafür verantwortlich, dass der Rekordmeister sogar noch einen Kantersieg einfuhr.
Beinahe jeder Angriff lief über die Seite des 24-Jährigen, der mit einer unglaublichen Ballsicherheit, Spielfreude und Kreativität zahlreiche gefährliche Aktionen initiierte oder beendete. Nicht ohne Grund kam selbst die umstrittene Rangliste vom kicker nicht daran vorbei, Olise das Prädikat „Weltklasse“ zu verleihen.
Zwar machten auch Harry Kane und Luis Díaz eine starke Partie, mit zwei Toren und zwei Vorlagen beantwortet sich die Frage nach dem Spieler des Spiels dennoch von selbst.
Tom Bischof: Chance genutzt?
Trotz Leon Goretzkas Formloch berücksichtigte Kompany Tom Bischof wenig bis gar nicht in seiner Mittelfeldrotation und brachte den 20-Jährigen stattdessen hauptsächlich auf der Position des Linksverteidigers. Freilich konnte Bischof auch von dieser Position aus seine Fähigkeiten in der Spielgestaltung einbringen, defensiv hatte er jedoch hin und wieder Probleme mit der ungewohnten Rolle.
Gegen Wolfsburg bekam der Kapitän der U21-Nationalmannschaft von Kompany mal wieder die Chance auf der Sechs – und konnte sie auch (einigermaßen) nutzen. Der Mittelfeldspieler bot sich jedenfalls immer wieder als Anspielstation an und spielte auch den ein oder anderen Ball, den sein Konkurrent derzeit vermissen lässt.
Andererseits bereitete ihm (und vor allem Pavlović) das Pressing des physisch starken Mittelfelds aus Arnold, Svanberg und Majer immer wieder Probleme, sodass er in der ersten Halbzeit noch nicht seine gewohnte Dominanz auf den Platz brachte.
In der zweiten Hälfte kam Bischof jedoch immer besser in Fahrt und trug seinen Teil zum Kantersieg bei. Dass er durchspielen durfte spricht zudem dafür, dass auch Kompany mit der Leistung des 20-Jährigen zufrieden war. Da Kimmich nach eigener Aussage wohl auch das Spiel in Köln noch verletzungsbedingt verpasst, könnte am Mittwoch die nächste Chance auf den Youngster warten.
Race to 101 – Torrekord aus den 70ern in Sicht
Generell dürfte der Belgier mit der Offensivpower seiner Mannschaft vollends zufrieden sein. Mit nun 63 Toren nach 16 Spieltagen ist der Rekordmeister drauf und dran den Torrekord von Udo Latteks Truppe der Saison 1971/1972 zu brechen. Die Mannschaft um Legenden wie Gerd Müller oder Franz Beckenbauer hatte zu diesem Zeitpunkt der Saison nämlich „erst“ 47 Tore auf dem Konto.
Bereits unter Hansi Flick in der Saison 2019/2020 schrammten die Münchner mit 100 Toren bereits haarscharf an dem Rekord vorbei, in diesem Jahr könnte es nun soweit sein. Zwar könnte der wechselnde Fokus der Bayern auf die beiden Pokalwettbewerbe bei einer früh entschiedenen Meisterschaft im Frühjahr den Torhunger noch ein wenig schmälern.
Doch ein Schnitt von knapp über zwei Toren pro Spiel, den der FC Bayern zum Übertreffen des vereinseigenen Rekords benötigen, ist der Mannschaft trotzdem allemal zuzutrauen.
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