8 Kilometer und 3 Tore Unterschied – Dortmund zu Gast in München

Felix Trenner 13.04.2014

Bayern gegen Dortmund in München

Die Aufstellungen zeigten: Beide Parteien nahmen die Partie ernster, als vorher zugegeben. Bei den Bayern konnte man von einer Bestbesetzung sprechen, beim BVB saß mit Lewandowski nur ein Leistungsträger auf der Bank. Womöglich auch wegen seiner Zukunft. Die Partie begann eigentlich gut aus Bayern-Sicht, mit einem schönen Pass auf Götze und einer guten Freistoßchance durch Alaba – dann jedoch wurde der Strafraum der Dortmunder mehr und mehr zur Sperrzone. In der 20. Minute zeigte sich dann, warum das Triple in diesem Jahr auch schnell zur Wunschvorstellung werden kann. Dante, für den der Begriff „schwarzer Tag“ noch eine freundliche Umschreibung seiner Leistung ist, klärte vollkommen unmotiviert zu einem Einwurf 20 Meter vor der Grundlinie und während die Roten noch damit beschäftigt waren, sich in Richtung Ball zu bewegen, hatte Hofmann schon eingeworfen, Reus wurde von Lahm (am eigenen Strafraum!) nur ein wenig verfolgt und Rafinha deckte den freien Raum, jedoch nicht den heranstürmenden Mkhitaryan, der zum 1:0 einnetzte. In der Folge kam der BVB immer wieder mit guten Kontersituationen – und Mandzukic auf der Gegenseite mit der einzigen, wirklichen Großchance in der ersten Halbzeit.

Es war unglaublich zu sehen, wie Peps System von den Dortmundern überrumpelt wurde, die das extrem frühe Pressing, teilweise mit sieben Mann in der Hälfte der Bayern bei gegnerischem Ballbesitz, gut 70 Minuten zu 100 Prozent durchhielten. Dass sie sich danach auch weiter zurückziehen konnten, lag in erster Linie daran, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits 3:0 führten. In der 49. Minute hatte Reus erhöht, auch hier zeigt sich wieder: Wenn nicht jeder der elf Spieler defensiv alles gibt, entstehen große Freiräume für den Gegner. Und dass Dortmund zu den besten Kontermannschaften gehört, muss eigentlich nicht noch einmal erwähnt werden. Lukas Raeder, in der Halbzeit für den angeschlagenen Neuer gekommen, war die Nervosität anzumerken – gerade in diesen Situationen wäre es an Dante oder Martinez gewesen, den jungen Keeper zu unterstützen. Die Unterstützung sah leider so aus, als dass der Spanier sich an der Mittellinie nach einem Zweikampf reklamierend auf den Boden warf, anstatt mit Hofmann mitzugehen und dessen Abschluss zum dritten Gegentreffer zu verhindern. Eine bittere Erfahrung für die Fans, zum ersten Mal seit 2009 lagen die Münchner im eigenen Stadion mit 0:3 zurück. Positiver umstimmen konnte da auch nicht mehr eine Drangphase nach der 70. Minute, als Götze zwei Mal schön durchsteckte und Mandzukic zu Unrecht ein Tor aberkannt wurde.

Im gesamten Spiel gab es einige Dinge, die Erkenntnisse aus den letzten Wochen bestätigen. Zum einen fiel auf, wie schwach Dante und Martinez im Spielaufbau agierten. Sicherlich gingen die extrem laufstarken Dortmunder sehr früh drauf, die beiden Innenverteidiger können aber nicht über 90 Minuten lang angelaufen werden, von keiner Mannschaft auf der Welt. Hier fehlt vielleicht die Qualität eines Holger Badstuber, gerade Dante sollte wieder ernsthafter agieren. Zudem lief über 90 Minuten kaum ein gefährlicher Angriff über die linke Seite, bei Ribery kann man langsam von einem Formtief sprechen. Bezeichnend sein technischer Fehler am gegnerischen Strafraum, mit dem er das 0:2 quasi einleitete. Man merkt gerade in Spielen, wo es nicht läuft, wie sehr der Franzose fehlt. An Alaba lag es am Samstagabend weniger, er rückte des Öfteren gut ein, bekam jedoch keine Zuspiele. Und auch die Einstellung war eigentlich nur bei einem Spieler vorbildlich: Arjen Robben rannte und ackerte mehr als das restliche Mittelfeld zusammen – Schweinsteiger und Lahm eingenommen. Ohne den Holländer wären die letzten Spiele womöglich noch fataler verloren gegangen. Insgesamt kam die Niederlage vor allem durch fehlende Einstellung und Laufstärke zu Stande. Der BVB rannte knapp acht Kilometer vor – selten beschrieb eine Statistik ein Spiel besser.

Die Südkurve glänzte an diesem Samstagabend bei eigentlich recht freundlichen Temperaturen ebenfalls nicht. Und das Wetter ist sowieso keine Entschuldigung. Es hat mitunter sehr genervt, dass man sich lieber selbst feierte als die Mannschaft zu unterstützen. Natürlich sind wir Europapokalsieger, natürlich sind wir auch bereits Deutscher Meister, aber die Saison nimmt eine bittere Wendung, wenn wir nicht weiter konzentriert und mit vollem Einsatz vorgehen. Die Mannschaft auf dem Platz und die Fans in der Südkurve (sowie im Rest des Stadions). Das sollten auch endlich die Südkurven-Eventbesucher einsehen, die wie so viele andere Bayernfans am Montagmorgen in aller Herrgottsfrühe (6.15 Uhr) an den Computern saßen, um eines der Freiverkaufstickets zu ergattern. Es liegt an uns allen sie mitzureißen, zu begeistern und zu animieren. Gegen Borussia Dortmund haben wir das nicht geschafft – eine weitere bittere Erkenntnis.

Es ist eine selten dumme und unnötige Niederlage. Denn zum einen darf man sich nun das Gemauschel über die Krise anhören, die erschreckenderweise keine reine Ergebnis- sondern eine Systemkrise ist. Zum anderen ist es gut möglich, dass man noch einmal auf den BVB trifft. Im DFB-Pokalfinale läge der psychologische Vorteil nun wieder bei den Dortmundern. Und im Vergleich zur Bundesliga wäre dann eine Niederlage wahrhaft schwer zu verkraften.

FC Bayern München – Borussia Dortmund 0:3 (0:1)
FC Bayern Neuer (46. Raeder) – Rafinha, Martínez, Dante – Alaba – Lahm, Schweinsteiger – Robben (69. Kroos), Götze, Ribéry (60. Müller) – Mandzukic
Bank Boateng, Van Buyten, Hojbjerg, Pizarro
Dortmund Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Hummels (70. Friedrich), Durm – Kehl, Sahin – Hofmann (62. Lewandowski), Mkhitaryan, Aubameyang (76. Jojic) – Reus
Bank Langerak, Kirch, Piszczek, Schieber
Tore 0:1 Mkhitaryan (20.) , 0:2 Reus (49.), 0:3 Hofmann (56.)
Karten Gelb: Martínez, Kroos / Hofmann, Mkhitaryan; Rot: Rafinha (90.+2)

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