Vorschau: Eintracht Frankfurt – FC Bayern München

Wenn der FC Bayern nach Frankfurt fährt, um gegen die Eintracht anzutreten, werden die Vorzeichen häufig positiver zugunsten des Rekordmeisters dargestellt, als sie eigentlich sind. Ein Blick auf die Bilanz führt dazu, dass der durchschnittliche Bayern-Fan sich die Augen reibt.

Zehn Punkte Vorsprung hat Frankfurt auf den Relegationsplatz. Derzeit steht die Mannschaft von Niko Kovac punktgleich mit Borussia Dortmund auf Platz 8. Ein Ergebnis, das für Zufriedenheit bei der SGE sorgt.

(Foto: Stanley Chou / Getty Images for ICC)

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass der Lieblingsgegner am Wochenende in die Commerzbank-Arena kommt, ist die Situation für die Hessen noch angenehmer. In 68 Heimspielen verlor die Eintracht nur 17 Mal. 19 Unentschieden und 32 Siege komplettieren eine positive Heimbilanz gegen den Serienmeister aus München.

Begründet ist diese Bilanz nicht etwa allein durch eine glorreiche Vergangenheit der Frankfurter, sondern auch durch die Aktualität. In den letzten beiden Heimspielen erreichten sie als klarer Underdog jeweils ein Unentschieden.

Allerdings liegt der letzte Heimsieg gegen die Bayern mittlerweile schon über sieben Jahre zurück. Im März 2010 gewannen sie mit 2:1. Es lohnt sich trotzdem zu analysieren, weshalb es für die Münchner dort traditionell so schwer ist.

Gegnervorschau

Kovac hat seit seiner Übernahme Grundwerte reaktiviert. In der Arbeit gegen den Ball ist die SGE seitdem deutlich organisierter und stärker in den Zweikämpfen. Aus einer gut sortierten Grundordnung heraus agieren die Frankfurter sehr diszipliniert, aber auch aggressiv. Damit hat der FC Bayern in den letzten Jahren die größten Probleme gehabt.

Mit Niko Kovac ist in Frankfurt eine Konstanz eingekehrt, die den Hessen Ruhe und Erfolg einbrachte.
(Foto: Matthias Kern / Bongarts / Getty Images)

Gegen den FC Bayern wird Kovac sehr wahrscheinlich auf eine Fünferkette setzen. Die Anordnung davor wird stark davon abhängen, wem er vertraut und wie die Münchner in die Partie starten. Es wäre nicht überraschend, wenn Frankfurts Trainer nach der Anfangsphase seine Mittelfeldkonstellation anpasst. Das tat er in dieser Saison schon häufiger und das mit Erfolg.

Die Ziele sind aber unabhängig von der Grundausrichtung klar. Frankfurt wird mit viel Intensität versuchen, das Zentrum zu verdichten. Mit ihrer Fünferkette haben sie dann auf den Außenpositionen genügend Spieler, um mit Breite gegen Coman und Co. zu verteidigen. Viel wird davon abhängen, wie konsequent die SGE über 90 Minuten verschieben kann und ob die Münchner sie müde spielen können.

Bei Ballgewinnen wird die Kovac-Elf nicht lange fackeln. Lange Bälle sind ein probates Mittel der Hessen und so wird sich der FC Bayern auch in der zweiten und dritten Reihe beim Gegenpressing gut aufstellen müssen. 18% ihrer Zuspiele sind lange Schläge nach vorn. Dort wartet vor allem mit Haller ein sehr schneller Spieler, der bereits fünf Tore und zwei Vorlagen für offensiv eher durchschnittliche Frankfurter verbuchen konnte.

Auch Rebic (4 Tore) ist sicherlich nicht zu unterschätzen, wenngleich die Durchschlagskraft nach vorn häufig abgeht. Gegen die Bayern kann sich die SGE allerdings ausschließlich aufs Kontern beschränken, was ihnen durchaus entgegen kommt. Für die Münchner ist es deshalb wichtig, bei Ballverlusten direkt gut positioniert zu sein und den Frankfurtern keine keine zielgenauen Mittelfeldüberbrückungen zu erlauben.

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Worauf die Bayern achten müssen

Die Kompaktheit im Pressing ging den Münchnern zuletzt mehrmals abhanden, wenn auch nur phasenweise. Gründe dafür sind in der Müdigkeit zu suchen. Langsam wird der Kader aber wieder breiter und Heynckes kann rotieren. Es ist wahrscheinlich, dass Martínez, Vidal, Müller und wohl auch Boateng in die Startelf zurückkehren. Coman war nach dem Duell mit Paris angeschlagen, soll nach Angaben des Klubs aber wieder fit sein.

Interessant ist dann die Besetzung im Zentrum. Vidal und Martínez brauchen mindestens einen kreativen Partner. Es kann nicht das Ziel sein, sich gegen kompakte Frankfurter auf die Flügel drängen zu lassen.

Coman wird, sollte er auflaufen, in Frankfurt einen schweren Stand haben. Dort kann er erstmals seit längerer Zeit unter Beweis stellen, dass er auch gegen sehr gut organisierte und tiefstehende Gegner kreative Ansätze liefern kann. Frankfurts Fünferkette mit der kompakten Mittelfeldreihe davor wird ihm phasenweise sogar mit drei Gegenspielern auf den Füßen stehen.

Zumal es denkbar ist, dass Müller für Ribéry kommt und der Fokus auf Coman somit einfacher umzusetzen wäre. Umso wichtiger ist also Kreativität aus der Zentrale, um den Franzosen dann doch mal zu isolieren.

Hier kann James seinen Einfluss intensivieren, wenn er denn beginnen darf. Gemeinsam mit Müller und Coman gilt es nicht nur flexibel aufzutreten, sondern auch die Schnittstellen nach vorne zu finden und gleichzeitig Anspielstationen für das Münchner Aufbauspiel zu liefern.

Wenn es nämlich noch eine große taktische Baustelle unter Jupp Heynckes und Peter Hermann gibt, dann ist es der Spielaufbau. Zu oft lassen sich die Münchner an die Flügel drücken. Zu häufig werden Pässe gespielt, die den Passempfänger in eine schwer zu lösende Situation bringen.

Gegen Frankfurt gilt es deshalb, die zentralen Wege vor die Abwehr zu finden. Ein Blick auf das Duell der U19 gegen Paris würde sich da lohnen. Die haben unter der Woche viele spannende Wege in den Zwischenlinienraum gefunden und sich dem Druck durch ein sehr gutes Positionsspiel entzogen. Von hinten ging es dann immer zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners. Die engen Situationen wurden schließlich aufgelöst, indem die nun deutlich freieren Halbräume bespielt wurden.

Natürlich wird Frankfurt nicht so hoch attackieren wie die U19 von Paris. Ein noch besseres Positionsspiel ist aber auch bei den Profis von Nöten, um den entscheidenden Schritt zu machen. An dieser Stelle kann man auch wieder die Kiste der Kaderplanung aufmachen.

Diese Vorschau schließt deshalb mit der These, dass der FC Bayern sich am Saisonende von einem aus Vidal und Tolisso trennen und dafür einen kreativeren Spieler holen sollte. Meine Tendenz für eine Trennung ginge da ganz klar in Richtung des Spielers, der taktisch undisziplinierter, technisch weniger stark und deutlich schwerer zu entwickeln ist, obwohl er zumindest aktuell (noch!) der bessere ist.

Erklärung zum Expertentipp: So Leid es mir tut, muss ich den Expertentipp demnächst erstmal herausnehmen. Das hat vor allem zeitliche Gründe. Ich schaffe es leider nicht, jede Woche rechtzeitig jemanden für den Tipp zu kontaktieren und das Warten auf die Antworten ist bisweilen auch sehr anstrengend gewesen. An Stelle des Tipp-Duells wird es zumindest bis zur Winterpause erstmal jeweils nur eine persönliche Einschätzung von mir geben. Was danach passiert, überlegen wir uns gemeinsam im Winter. Gerne könnt ihr in den Kommentaren auch Feedback und Vorschläge zum bisherigen Format des Expertentipps geben und diskutieren, ob er zurückkehren soll, sobald ich wieder die Zeit habe, das richtig zu organisieren.

Ich glaube, dass der FC Bayern sich gegen Frankfurt erneut sehr schwer tun wird. Die Kovac-Elf wird von Beginn an kompakt und diszipliniert stehen, aber auch eine Aggressivität mitbringen, die es dem Mittelfeld der Münchner schwer macht. Vieles wird davon abhängen, welche Form Martínez und Vidal im Spielaufbau erwischen und wie der dritte Partner drauf ist. Lassen sich die Bayern zu sehr auf die Flügel drücken, was ich vermute, dann wird es ein zäher Nachmittag. Ich tippe dennoch ein 2:1 für den Rekordmeister, weil alleine die individuelle Klasse und der Trend für den FCB sprechen. Ein Sieg in Frankfurt wäre, unabhängig davon wie ansprechend die spielerische Leistung ist, ein wichtiger Schritt.

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Leserkommentare
  1. Florian

    Einen Vorschlag hätte ich zur Lösung des Problems mit dem Expertentipp.

    Statt eines Expertentipps macht doch ein Fantipp daraus. Sucht jede Woche im Voraus einen Fan von euren Seiten (Facebook, Miasanrot) der gegen euch antritt und seine Meinung zum kommenden Gegner abgibt. Dies hätte gleich mehrere Vorteile, zum einen müsstet Ihr nicht so lange auf eine Antwort warten da jeder Fan eurer Seite gern mal in einem eurer Artikel erscheinen würde und daher prompt antwortet. Zum Anderen würde dies eine gewisse Fannähe bringen die etwas besonderes ist als bei anderen Plattformen dieser Art.

    Hoffe dieser Vorschlag findet bei euch Anklang.

    1. Ich finde, dass das ein guter Vorschlag ist. Ich werde mir das durch den Kopf gehen lassen. Danke!

      1. Jo

        Auf den Expertentipp könnte ich problemlos verzichten.
        Was mir sehr gut gefallen hat, waren die ausführlicheren Gespräche/Interviews mit Fans anderer Vereine. Das hat oft authentische Einblicke in die “Eingeweide” der jeweilige Fan-Seele gegeben, die man in den übrigen Medien nur selten so unverfälscht findet.
        Ich weiß natürlich, dass das die Zeitproblematik nur noch verschärfen würde. Aber vielleicht klappt’s mal ab zu.
        Tausche 4 Expertentipps gegen ein Interview ((-;

      2. Tatsächlich ist das unabhängig voneinander. Sobald ich wieder Zeit habe, kommen auch mehr Interviews. Versprochen.

  2. Manche historische Vergleiche sollte man nicht hinzuziehen.

    “Wenn man jetzt noch bedenkt, dass der Lieblingsgegner(!!!) am Wochenende in die Commerzbank-Arena kommt, ist die Situation für die Hessen noch angenehmer. In 68 Heimspielen verlor die Eintracht nur 17 Mal. 19 Unentschieden und 32 Siege komplettieren eine positive Heimbilanz gegen den Serienmeister aus München.

    Begründet ist diese Bilanz nicht etwa allein durch eine glorreiche Vergangenheit der Frankfurter, sondern auch durch die Aktualität. In den letzten beiden Heimspielen erreichten sie als klarer Underdog jeweils ein Unentschieden.”

    Diese so exzellente Heim-Bilanz der Eintracht gegen Bayern stammt vor allem aus Oberliga-Zeiten und den Anfangsjahren der Bundesliga. Der FCB sollte schon sehr lange kein “Lieblingsgegner” der Frankfurter mehr sein.

    Von den letzten 14 BL-Heimspielen (seit 1999) hat die Eintracht ganze zwei gegen Bayern gewonnen, bei 4 Unentschieden und satten 8 Niederlagen. BL-Heimbilanz gesamt aus Frankfurt-Sicht: 18S – 19U – 12N … aber die Tendenz ist nun ganz klar.

    Der FC Bayern ist wohl augenblicklich auch keine Bestia Negra mehr für RMA, wenn man die letzten 2 Heimspiele heranzieht. ;-)

    Trotzdem wird es morgen in Frankfurt sicherlich kein Spaziergang für die Bayern, das sollte klar sein …

    1. Es war zu erwarten, dass Du darauf anspringst ;)

      Kannst dir ja die letzten 10 Duelle in Frankfurt ansehen. Viele lockere Siege des FCB wirst du nicht finden. Und das obwohl die SGE nicht zur Spitze der Liga zählt, teilweise sogar gegen den Abstieg spielte. Dafür sind 4U und 2S gar nicht so schlecht. „Lieblingsgegner“ ist ganz sicher mit einem Augenzwinkern zu verstehen, aber die Eintracht freut sich jedes Jahr drauf. Das sollte klar sein.

      1. “Viele lockere Siege des FCB wirst du nicht finden.”

        Das ist das Anspruchsdenken von euch jüngeren Jahrgängen. ;-)

        Wirkliche “Angstgegner” der Bayern waren früher mal die Lauterer. Da ging es jedesmal nur darum, nicht zu verlieren oder gar mit einer Klatsche nach Hause zu fahren, obwohl die Bayern i.d.R. in der Tabelle – weit – vor K´lautern lagen.
        Als man Anfang der 1980er Jahre endlich mal auf dem Betze gewonnen hatte, und das in für den FC Bayern abartigen “Brazil-Trikots” forderte der Breitner Paul, dass man zukünftig regelmäßig in diesem “Aufzug” antreten sollte.
        (Man stelle sich das mal heute vor, wo fast ausschließlich rot(weiß)e Trikots gefordert werden ;-) )

        Ja, die Heimteams freuen sich meistens in der BL auf die Bayern: Die Spieler, weil sie eigentlich nichts zu verlieren haben (im Gegensatz zu den erwähnten früheren Zeiten) und die “Schatzmeister” (Neudeutsch: Finanzvorstände), weil die Kasse immer am lautesten klingelt, wenn die Bayern anrücken …. ;-)

      2. Und deshalb diskutiere ich nie mit dir. „Anspruchsdenken von euch jüngeren Jahrgängen“ – man muss nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen und erst recht nicht diese furchtbare Generationenkeule auspacken. Meine Erwartungshaltung ist ein Sieg – egal wie. Hättest du meinen Text zu Ende gelesen, wüsstest du das. Meine Aussage war lediglich, dass Frankfurt es den Bayern regelmäßig schwerer macht als andere Mannschaften. Dabei belasse ich es jetzt auch.

  3. Osrig

    Ich denke auch, wenn uns nicht ein schnelles Tor in der Anfangsphase gelingt, dann müssen wir uns auf ein zähes Spiel gegen einen aufopferungsvoll kämpfenden Gegner einstellen, der hinten dicht macht und vor auf Konter setzt – so, wie so viele unserer Gegner.
    Ich bin aber zuversichtlich, dass wir am Ende als Sieger den Platz verlassen werden, wenn es unserer Mannschaft gelingt, beweglich zu sein, die Positionen zu besetzen und den Ball schnell über Pass-Stafetten laufen zu lassen. Dann werden die Jungs die Abwehr der Mainstädter, mag sie auch noch so kompakt sein, überspielen können und Tore erzielen.

    Das bringt mich zum Gedanken:
    Wie kann es sein, dass Kovac ernsthaft als Nachfolger von Jupp ins Spiel gebracht wird, wo er doch geradezu als Paradebeispiel für einen defensiv orientierten Trainer steht, für den Fünferkette, Zweikampfhärte und schnelle Gegenstöße das Grundgerüst seiner Systemausrichtung darstellen? Das kann nur Aufmerksamkeitsheische der Medien sein!
    Jedenfalls kann und darf solch ein System nicht der Anspruch unseres FCB sein!! Und damit fällt Kovac für mich ganz klar aus dem Rennen, wenn er denn je wirklich in Betracht gezogen wird!

    1. Olorin

      Danke!! Ich dachte schon ich steh allein mit dieser Meinung. Von allen Bundesligisten ist in meinen Augen Kovacs Frankfurt die extremste Antithese zu uns (seit die Bolzmannschaft aus Darmstadt sich verabschiedet hat). Fünferkette, Mannorientierungen, Konter, Befreiungsschläge und Zweikampfhärte, die teilweise weit über das Erlaubte hinaus geht. Frankfurt war letzte Saison abgeschlagener Letzter der Fairplay-Tabelle mit sage und schreibe 83 gelben (zehn mehr als der vorletzte) und 5 roten Karten. Frankfurt ist DAS Symbol für den im Pressing ganz guten Bundesliga-Standardfußball, der aber keinerlei Plan im Offensivspiel hat. Ist das wirklich der Fußball, den wir in München sehen wollen?

      1. Tschemp

        Natürlich nicht, und darum ist jedes Wort auch zu viel bei dem Thema. Man konnte die Uhr danach stellen, dass das Kovac-zu-Bayern Thema pünktlich zum Frankfurtspiel von den Medien rausgeholt wird. So vorhersehbar, wie langweilig.

        Wie schon vor der Jupp-Rückkehr gilt: die Medien wissen einen Scheiß über unsere Pläne.

    2. wipf1953

      Nun, mein lieber OSRIG, weil es “unverbesserliche” Bayernfans wie mich gibt, für die ein moderner Catenaccio nach wie vor den Inbegriff (auch) des modernen Fußballs darstellt. Oder, um es bewusst provokativ zu formulieren: Wie oft waren Guardiola oder mit seinem Spiel vergleichbare Teams in den letzten fünf Jahren (= sechs Bewerbe, seit 2012) im CL Finale, und wie oft waren es verteidigende Teams wie Juve, Chelsea (unter di Matteo) oder Atletico?

      Heynckes sehe ich übrigens als absolut ideologiefreien, ganzheitlichen Trainer, der dann, wenn es drauf ankommen könnte, auch mal dem Gegner den Ball überlässt.

      Kovac halte ich derzeit allerdings auch für verfrüht.

      1. Baldi

        “Wie oft waren Guardiola oder mit seinem Spiel vergleichbare Teams […]”

        Wie viele Teams gibt es überhaupt auf die darunter fallen, bzw. wie viele nahmen in diesem Jahr an der CL teil?

        Und warum über Kovac sprechen, wenn der Scholli alles sagt, was der Uli schon immer hören wollte? ;)

      2. Osrig

        So, wie ich auch schon in früheren Beiträgen schrieb: Ich habe nichts dagegen, auch mal dem Gegner den Ball zu überlassen, so, wie es Jupp jetzt gegen PSG gemacht hat. Das nenne ich taktische Flexibilität und ist für mich ein Aspekt der Weiterentwicklung des Dominanzsystems, dessen Schwachstelle natürlich eine höhere Konteranfälligkeit ist.
        Es ist für mich aber etwas völlig anderes, ein System auf Schnelles Umschalten oder gar “Defensiv-Bollwerk” a la Frankfurt einzustellen, denn dazu gehört viel mehr, als “nur” die eigene Spielorganisation in die eigene Hälfte zurück zu verschieben und bevorzugt Spielertypen wie Vidal auflaufen zu lassen, wenn es gilt, in erster Linie den Aufbau des Gegners zu stören, anstatt eine Spielzüge zu entwickeln. Es sind für mich zwei verschiedene Fussball-Welten, die zwar Überschneidungen aufweisen, aber nicht beliebig austauschbar sind. Unser FCB muss sich entscheiden, auf welche dieser Welten er die Entwicklung ausrichten will! Ich weiß jedenfalls, welche davon nicht meine ist!
        Ohne Frage werde ich, selbst wenn der FCB in den nächsten Jahren zum Schnellen-Umschalter werden wird, dem Verein- wenn auch mit skeptischem Blick – die Treue halten!

      3. wipf1953

        Interessanter Weise wurde dem FC Bayern in der mit Abstand erfolgreichsten Saison 2013 vorgeworfen, nur die “Schnell-Umschalter” des BVB zu kopieren (Klopp: “Chinesen”).

        Dabei hatte Heynckes den Klopp-Stil gerade fortentwickelt. Bayern war damals in der Lage, den Ball in jedem der drei Spielfelddrittel zu erobern und dann schnell nach vorne zu spielen (was auch das Spiel des damaligen Mittelstürmers Gomez war und was auch Lewandowski kann).

        Ich bin ja fußballtaktisch ein einfaches Gemüt. Für mich fängt alles damit an, sich nicht einfach so auskontern zu lassen.

      4. Olorin

        “Bayern war damals in der Lage, den Ball in jedem der drei Spielfelddrittel zu erobern und dann schnell nach vorne zu spielen (was auch das Spiel des damaligen Mittelstürmers Gomez war und was auch Lewandowski kann).”

        Der Mittelstürmer damals hieß Mandzukic, nicht Gomez, der die meiste Zeit auf der Bank saß. Eben weil er spielerisch zu schwach war ;) Ausgekontert werden ist ein Teil des Fußballspiels, das kann man minimieren, aber nicht gänzlich verhindern.

      5. Beobachter

        “Wie oft waren Guardiola oder mit seinem Spiel vergleichbare Teams in den letzten fünf Jahren (= sechs Bewerbe, seit 2012) im CL Finale, und wie oft waren es verteidigende Teams wie Juve, Chelsea (unter di Matteo) oder Atletico?”

        Ja , jedes Jahr. Wie oft haben sie gewonnen? 2012 mit unverschämtem Glück.

        Aber warum nur auf die Zeit seit 2012 schauen? In den Jahren davor waren die “Verteidiger” ja noch ein wenig seltener vorne dabei.

  4. Jo

    Ich sehe dem Spiel gerade mit ziemlich wenig Vorfreude entgegen.

    Wie wird ein wahrscheinliches Szenario sein? Die Frankfurter werden von Beginn an knüppeln bis der Arzt kommt (leider wahrscheinlich wörtlich so), der Schiedsrichter nimmt das freundlich wohlwollend auf. Nach einer halben Stunde zuppelt irgendein Bayernspieler am Trikot und bekommt die absehbare erste gelbe Karte der Partie.

    Der eine oder andere unsere Spieler wird vom Platz humpeln und nach den Diagnosen am Folgetag wird man erst wissen was uns dieser Sieg gekostet hat. Der im übrigen als extrem glücklich beschrieben werden wird, da die Frankfurter doch so wacker dagegen gehalten haben.

    1. Ju

      Realiatisch. Hinzufügen würde ich noch das obligarorische Gurkentor. Wahlweise Sonntagsschuss, Halbfeldflanke oder Standart.

    2. Beobachter

      5 Minuten hat’s mit der Gelben für uns gedauert :O

  5. GS

    Mal ‘ne steile These zum Problem “kreativer Partner im Mittelfeld” – warum eigentlich nicht Ribery? Ich meine mich zu erinnern, das er in seiner Anfangsphase bei Bayern genau da sehr erfolgreich gespielt hat!?

    Jedenfalls ist er technisch beschlagen, pressingresistent und zweikampfstark, und er würde definitv nicht zum Sicherheitspass neigen …

    1. Olorin

      Nee, der hat bei Bayern quasi immer links gespielt. Allerdings hat er diese Rolle schon immer einrückend interpretiert, so dass er regelmäßig dennoch zentral aufgetaucht ist. Van Gaal hat ihn mal als Zehner ausprobiert, das hat aber eher weniger gut funktioniert.
      Ob er es grundsätzlich könnte? Das technische Rüstzeug hätte er sicherlich, zudem könnte er seine altersbedingt nachlassende Dynamik und Beschleunigung besser kaschieren, da es darauf in der Zentrale weniger ankommt. Ich bezweifle seine Eignung auf einer taktisch-mentalen Ebene dennoch, da ich seinen Spielstil für zu risikoreich und seine Defensivarbeit für zu schwankend halte. Ribéry hat meinem Eindruck nach inzwischen schon ein paar Ballverluste zu viel drin, da er sich noch nicht ganz damit arrangiert hat, nicht mehr quasi jedem Gegner an Geschwindigkeit überlegen zu sein. Auf seiner jetzigen Position treten derlei Ballverluste zum einen auf dem Flügel (wo man den Gegner dann im Pressing meist isolieren kann) und zum anderen recht weit vorne auf, so dass hinter ihm genug Mitspieler zum Absichern sind. Als Achter musst du ein sehr gutes Gespür haben, wann du Risiko gehen kannst und wann der verhasste “Sicherheitspass” doch die bessere Option ist…und ein solches Gespür zeichnet unsere Nr. 7 meinem Empfinden nach nicht unbedingt aus. Außerdem schwankt Ribérys Defensivarbeit zwischen “hervorragend” und “nicht existent”. Wenn man ihn jetzt auf eine Art Achterrolle setzt führt quasi jeder Ballverlust zu einer gegnerischen Chance und er müsste konstant defensiv mitarbeiten, da das Bayernsystem hier normalerweise Spieler mit hoher defensiver Arbeitsrate vorsieht (Thiago, Vidal, Tolisso, immer mehr auch James, der sich da schon deutlich verbessert hat). Das kann der gute Franck fürchte ich nicht (mehr) über 90 Minuten liefern.

      1. Osrig

        Na ja, als Zehner – gerade, wenn Franck auf dieser Position Eingewöhnungszeit hat – könnte er noch glänzen, weil er gute Voraussetzungen für diese Position mitbringt. Pass-Sicherheit, Schnelligkeit und Kreativität, all das bringt er sicherlich mit. Auf der Acht sehe ich Ribery auch nicht, die Position des Linksaußen ist letztlich seine Paraderolle, und hinsichtlich Spielverständnis kann sich Coman noch immer eine Menge von unserem Monsieur abgucken. Allerdings fände ich es durchaus interessant, beide mal zusammen auf dem Platz zu erleben, und in dem Falle sehe ich Franck auf der 10 ^^

      2. Olorin

        Die guten Voraussetzungen seh ich auch, aber Fakt ist halt, dass das noch nie wirklich funktioniert hat. Und genau diese Eingewöhnungszeit seh ich halt nicht: zum einen ist James auf der 10 von seiner Leistung her inzwischen über Ribéry anzusiedeln (auch mit Eingewöhnungszeit für Franck) und zum anderen lohnt es sich nicht, einen alten und nachlassenden Spieler jetzt noch “umzuschulen”, der inzwischen unabhängig von der Position kaum noch die Kondition für 90 Minuten hat. Zumal sowohl Ribéry als auch Coman verletzungsanfällig sind und wir nur selten in die luxuriöse Situation kommen werden, dass beide zur Verfügung stehen.

  6. pitvonbonn

    Was sind die Frankfurter doch für eine Holzertruppe.
    Und der Schiedsrichter macht mit.
    Noch führen die Bayern.
    Hoffentlich bleibt das so und das ohne weitere Verletzte.
    Ein Trainer, der so spielen läßt, kann natürlich niemals Nachfolger von Heynckes werden.

    1. Pat

      Unfassbar die rote Karte auch noch zurück zu nehmen!!!

  7. […] Woche gab es einen interessanten Vorschlag in den Kommentaren: Einfach mal Leser tippen lassen. Die liefern schneller, weil sie richtig Lust drauf haben und der […]

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