FCKölnvsFCBayern

1. FC Köln – FC Bayern München 0:2 (0:1)

Christopher Trenner 27.09.2014

Falls ihr es verpasst habt:

Der FC Bayern München veränderte im Vergleich zum souveränen Auftritt gegen den SC Paderborn seine Aufstellung nur auf zwei Positionen. Bernat ersetzte Dante in der Abwehr und Rafinha kam für Rode in die Mannschaft. Dadurch ergaben sich einige taktisch spezielle Situatioen, da mit Boateng nur ein gelernter Innenverteidiger auf dem Platz stand. Ein 3-3-3-1 System war mit der Aufstellung durchaus denkbar. Im Spiel selbst sprach vieles für ein 4-4-2 bzw. 4-2-4 System. Dabei kam Alonso eine besondere Rolle zu. Er ließ sich in die Innenverteidigung zurückfallen, Alaba rückte auf die Linksverteidigerposition und Rafinha auf die Rechtsverteidigerposition. Je nachdem, wohin die Befreiungsschläge vom 1. FC Köln flogen. Im Mittelfeld regierten Lahm, Rafinha, Alonso, Bernat und die zurückfallenden Götze und Müller quasi nach belieben. Der 1. FC Köln machte sich mit einer sehr destruktiven Spielweise das Leben selbst schwer. Ein äußerst passives 4-5-1 System in der Defensive – mit dem Versuch lange Bälle auf Ujah zu spielen – bildete das taktische Grundgerüst. Im Falle eines Ballgewinns kam oftmals überhastet der lange Pass, meist ins Leere. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der FC Bayern von Beginn an viele Chancen hatte. Bereits in den ersten 10. Minuten hätte es Elfmeter nach einem Foul gegen Robben geben müssen. Gut 10 Minuten später brachte erneut Mario Götze den FC Bayern auf die Siegerstraße. Nach einem Ballgewinn von Rafinha gelangte der Ball zu Müller, der wiederum flach in die Mitte auf den völlig alleinstehenden Götze flankte. Ein paar Minuten darauf folgte erneut ein schöner Pass von Lewandowski auf Götze, der mit einem feinen Chip auf Müller verlängerte. Doch Müller scheiterte am glänzend aufgelegten Kölner Schlussmann Horn. Im Nachgang gab es noch einige weitere Halbchancen, doch diese wurden nicht genutzt. So kam der FC kurz vor Ende der ersten Halbzeit zu der einen Konterchance, auf die die Mannschaft lange wartete. Nach einem Konter über den Zielspieler Ujah, landete dessen Flanke bei Matuschyk, der aber aus fünf Meter an Neuer scheiterte.

In der zweiten Halbzeit versuchte Köln fünf bis acht Meter höher zu stehen, war allerdings immer noch sehr passiv. Allerdings konnte der FC Bayern sich nicht mehr in der Form Chancen erspielen wie in der ersten Halbzeit. So reagierte Pep Guardiola früh und brachte mit Benatia und Dante für Boateng und Müller etwas mehr defensive Stabilität auf den Platz (55.). Vor allem Benatia konnte wertvolle Spielminuten sammeln und gewann alle seine Zweikämpfe. Die Entscheidung fiel in der 66. Minute. Götze legte den Ball in den Rücken der Abwehr, wo Halfar von Alaba stark bedrängt wurde, so dass er das Eigentor nicht mehr verhindern konnte (66.). Danach passierte nicht mehr viel Alonso und Bernat hatten in der Schlussphase noch Chancen das Ergebnis höher zu gestalten. Am Ende standen 21:8 Torschüsse für den FC Bayern bei 78% Ballbesitz und ein verdienter 1. Auswärtssieg der Saison.

3 Dinge, die auffielen:

1. Gegenpressing – Ballgewinne leicht gemacht

Es lief die 19. Spielminute, als Rafinha Hector am gegnerischen Strafraumeck solange bedrängte, dass dieser sich nach (zu langem) zögern doch für den Befreiungsschlag entschied, welchen Rafinha jedoch irgendwie abfangen konnte. Der Weg zum wichtigen 1:0 war frei. Pressing wie aus dem Lehrbuch. Der FC Bayern spielte fast über 90 Minuten überragend in der Defensive. Wurde der Ball in der Offensive verloren, lief die offensive Reihe – unterstützt von den Außenverteidigern immer wieder die Verteidiger vom 1. FC Köln an. Diesem blieb oftmals nur der Befreiungsschlag. Somit landete fast jeder lange Ball landete bei Boateng, Dante oder Alaba. So wurden die Kölner trotz 56% gewonnener Zweikämpfe deutlich dominiert. Köln wurde einfach gezwungen die langen Bälle zu spielen – doch diese kamen nur zu 37% zum Mitspieler. Dem FC Bayern wurde es so sehr einfach gemacht. Dabei wurde vor allem der Mut belohnt, vor allem Bernat & Rafinha gingen die Gegenspieler auf dem kompletten Platz an – unabhängig von irgendeinem Positionsdenken. Zugegebenermaßen macht es aber der 1.FC Köln dem FC Bayern auch sehr einfach. Meist ging nur Ujah wirklich über die Mittelfeldlinie. Daher war es selbst nach einem langen Ball für die Münchner einfach wieder in eine defensive Grundordnung zu kommen. Die Folge: Dauerhafte Unterzahl in der Offensive für den 1. FC Köln. Somit spielte es keine Rolle, dass Boateng nur 33% gewonnene Zweikämpfe hatte – Dante nach seiner Einwechslung sogar 0%, da der FC meist ohne jegliche Kreativität agierte.

2. 206 Ballkontakte – Alter schützt vor Leistung nicht

Zugegeben – es war nicht das beste Spiel von Xabi Alonso, doch der neue Bundesligarekord von 206 Ballkontakten muss erwähnt werden. Schließlich wurde auch in Spanien dieser Wert noch von keinem Spieler erreicht. Der Spanier war erneut der Dreh- und Angelpunkt des Bayernspiels. Und spielte fast 200 Pässe – mit einer Passquote von 89%. Seine 21 Fehlpässe waren allerdings fast 1/3 aller Bayernfehlpässe überhaupt. Das lag aber am erhöhten Risiko, das Alonso häufig einging. Er versuchte oftmals mit langen Pässen die Fünfermittelfeldreihe von Köln zu überspielen. Dies gelang zwar nicht immer, dennoch fand Köln fast kein Mittel gegen den Spanier und ließ ihm relativ viel Platz zu agieren. Alonso war somit phasenweise in zwei Positionen eingebunden. Einmal als erster Spieler im Aufbau, wenn er sich in die Abwehrkette fallen gelassen hat und dann noch als Anspielstation im Mittelfeld – wo er vor allem als Dosenöffner mit 16(!) diagonalen Bällen Einfluss nahm, die immer wieder Löcher in die Kölner Abwehrreihe rissen. Dennoch war der Spanier nicht ganz fehlerfrei. Einmal lies er sich den Ball im Mittelfeld abnehmen, die Konterchance für den FC verpuffte zum Glück. Hinzu kamen ein paar individuelle Fehler in Form von Ausrutschern oder ungeschickten Zweikämpfen, Szenen die man bisher nicht gesehen hatte vom Spanier, aber dennoch seine bisherige Leistung im Gesamtbild nicht schmälern.

3. Die Abhängigkeit von Arjen Robben

Der FC Bayern ist in seiner jetzigen Form mehr den je abhängig vom Feingeist Arjen Robben. Seine Schnelligkeit, seine Dribblings und sein Stärke auch in größter Bedrängnis den Ball zu behaupten, machten gegen die beiden Aufsteiger Paderborn und Köln den Unterschied aus. Auch am Samstagnachmittag gegen Köln wurden beide Tore über die rechte Abwehrseite eingeläutet. Gefährlich wurde es beim FC Bayern meist, wenn die rechte Angriffsseite nach folgendem Muster überlagert wurde: Alonso spielte den langen Ball auf Robben – dieser bindet Rafinha/Lahm mit ein und daraus entsteht ein Pass in den Rücken der Abwehr. Dieses Bewegungsmuster lief nur über die rechte Seite. Robben hat so immer wieder bis zu drei Gegenspieler auf sich gebunden, was vor allem in der Mittelfeldzentrale dem FC Bayern große Räume ermöglichte. Diese wurden aber nicht ausreichend bzw. zu umständlich bespielt. Somit blieb es – wie so häufig – die Aufgabe von Arjen Robben für die wirkliche Torgefahr im Bayernspiel zu sorgen, was man vor dem siegbringenden 2:0 einmal mehr bewundern konnte.

1. FC Köln – FC Bayern München 0:2 (0:1)
1. FC Köln Horn – Brecko, Maroh, Wimmer, Hector – Lehmann – Olkowski, Matuschyk, Gerhardt (59. Risse), Halfar (76. Vogt) – Ujah (88. Finne)
Bank Kessler, Kalas, Mavraj, Peszko
FC Bayern Neuer – Rafinha, Boateng (55. Dante), Alaba – Lahm, Bernat – Xabi Alonso – Robben (76. Shaqiri), Götze – Müller (55. Benatia) – Lewandowski
Bank Reina, Hojbjerg, Pizarro, Rode
Tore 0:1 Götze (19.), 0:2 Halfar (66., Eigentor)
Karten – / –
Schiedsrichter Knut Kircher (Rottenburg)
Zuschauer 50.000 (ausverkauft)

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