Testspiel: CD Guadalajara – FC Bayern München 0:1 (0:1)

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag war es soweit. Der FC Bayern trat im Rahmen der USA Werbetour gegen CD Guadalajara im Stadion der New York Red Bulls aus der Major League Soccer an. Der Club Deportivo Guadalajara (Spitzname: Chivas) ist ein Verein aus Guadalajara der zweitgrößten Stadt Mexikos. Mit elf Titeln ist Deportivo Guadalajara Rekordmeister der mexikanischen Primera División. Die erfolgreichste Zeit durchlebte der Klub zuletzt in den Jahren 2005 bis 2010. Es gelang den Chivas sich drei mal fürs Halbfinale für die südamerikanische Variante der Champions League, der Copa Libertadores zu qualifizieren. Im Jahre 2010 ging der Weg sogar bis ins Finale. Der CD Guadalajara setzt dabei traditionell auf einheimische, also mexikanische Spieler. Die Stars im Team sind daher für Europa eher unbekannte Spieler: Aldo de Nigris und Ángel Reyna.

Der FC Bayern musste weiterhin auf seine Weltmeister, sowie Dante und Robben verzichten. Daher wurde der Kader für die USA Reise mit einigen A-Jugend Spielern, den bekannten Gesichter Gaudino & Scholl, sowie Spielern von den Amateuren, unter anderem mit Tobias Schweinsteiger, Oikonomou, Zingerle, Lucic, Sieghart und Sallahi ‘aufgefüllt’. Im Vergleich zum Telekom Cup (gegen Wolfsburg und Gladbach) gab es daher keine großen Änderungen in der Startelf. Die Vorzeichen für die Partie waren klar: Der FC Bayern ist der Favorit, dies stellte Pep Guardiola gleich bei der Ankunft in den USA klar:

Wir sind nicht hier, um Spaß zu haben
Pep Guardiola, kicker.de

Pep Guardiola nutzt auch dieses Testspiel, um wieder in punkto Dreierkette einiges einzustudieren und an den Feinjustierung zu schrauben.

Audi Football Summit-Notizen:

  • Der FC Bayern begann mit einer sehr offensiven Dreierketten Formation. Javi Martinez als zentraler Innenverteidiger, flankiert von Alaba links und Rafinha rechts. Die Abstimmung klappte dabei überraschend gut, was vor allem an Javi Martinez lag. Dieser überzeugte durch Antrittschnelligkeit und gutes Stellungsspiel. So schob er in einigen Szenen immer wieder geschickt nach vorne und verknappte so den Raum für die Chivas, die in der ersten Halbzeit nur eine Halbchance hatten. Martínez kann seine Stärken auf der zentralen Position der Dreierkette insgesamt besser zur Geltung bringen, als auf der Halbverteidigerposition. Das wurde auch gegen Guadalajara deutlich.
  • Der FC Bayern agierte in der offensive im mittlerweile bekannten 3-4-3 System, wobei dieses sehr asymetrisch interpretiert wurde. Die meisten Aktionen liefen über die linke Außenbahn. Erst durch die Hereinnahme von Shaqiri konnte die Mitte bzw. die rechte Außenbahn belebt werden.
  • In der Defensive spielte der FC Bayern mit einer 5-3-2 Formation. Rafinha, Martinez, Alaba, Højbjerg und Bernat spielten dabei geschickt auf einer Linie. Rode und Gaudino standen im kurzen Abstand davor und verengten so das Aufbauspiel von Guadalajara. Die Chivas hatten nur eine Szene in der 81. Minute, als sie geschickt das Pressing der Bayern umspielten. Martinez und Rafinha waren weit aufgerückt und wurden durch eine feine Kombination ausgespielt. Alaba verschätzte sich bei der Flanke, aber Tom Starke sammelte Pluspunkte und rettete gegen den völlig freien Carlos Fierr.
  • Im Vergleich zu den beiden Telekom Cup-Partien, konnte Gaudino das Spiel nicht in der Form gestalten. Dies lag am geschickten Mittelfeleldpressing des Gegners, welches ihm spürbar zu schaffen machte. Gaudino zog sich dadurch situativ weit zurück und bildete fast den vierten Innenverteidiger, wodurch der Spielaufbau in einigen Sitautionen spürbar litt, da er einem Innenverteidiger (meist Martinez) fast auf dem Fuß stand. In der zweiten Halbzeit konnte er sich besser in Szene setzen, weil er deutlich mehr Platz hatte und seine gutes Auge einsetzte und einige gut gespielte vertikale Pässe an den Mitspieler bringen konnte.
  • Der teilweise inkonsequente Spielaufbau lag aber auch daran, dass die beiden Außenverteidiger Bernat und Højbjerg nicht dermaßen in das Pass- und Kombinationsspiel einbezogen wurden. Hier fehlte an einigen Stellen die Abstimmung. So stimmte oftmals die Abstände zwischen Bernat und Alaba bzw. Rafinha und Højbjerg nicht. Was zur Folge hatte, dass die Halbräume nicht durchgängig besetzt waren und dem ballführenden Spieler hin und wieder die ‘offensive’ Anspielstation fehlte.
  • Allgemein sah man weniger Ballstafetten, sondern viele Einzelaktionen. Die beste Kombination in der ersten Halbzeit zwischen Rode, Ribery und Bernat führte prompt zu einem Eckball, den der FC Bayern durch Pizarro zum 1:0 verwerten konnte.
  • Wie auch schon im Telekom Cup konnte Rode im zentralen Mittelfeld viele Bälle antizipieren und erobern. Rode versteht es nach diesen Ballgewinnen das Spiel schnell zu machen und die offenen Räume zu bespielen. In einer Kontersituation versprang dabei Lewandowski der Ball, sonst hätte deutlich mehr aus diesen Szenen entstehen können.
  • Lewandowski konnte sich nicht in der Art durchsetzen, wie zuletzt gegen Wolfsburg. Die Chivas setzen dem Polen körperlich stark zu und raubten ihm sichtlich den Spaß am Spiel. Allerdings blitzte in einigen Situationen sein Spielverständis auf. So wich er vor allem in der zweiten Halbzeit immer wieder auf die Flügel aus oder ließ sich geschickt ins Mittelfeld fallen, was dem Spielaufbau sichtlich zu Gute kam. Darüber hinaus band er durch seine körperliche Präszenz mehrere Gegenspieler und schaffte so Freiräume für die anderen Spieler. Pizarro verstand es diesen zu nutzen und kam mehrfach zum Torabschluss.
  • Insgesamt eine sehr souveräne Leistung des deutschen Rekordmeisters, allerdings ohne große Torchancen. Folglich enstand das Siegtor aus einer Standardsituation. Im Anbetracht der Tatsache, dass der ein oder andere Spieler  unter Jetlag zu leiden hatte, ein guter Test. Vor allem defensiv wurde wenig zugelassen. Beim nächsten Test gegen eine MLS Auswahl in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hat Pep Guardiola dann alle Spieler an Bord. Es wird das letzte Test sein vor dem ersten Pflichtspiel dem Supercup gegen Borussia Dortmund.
Audi Football Summit: Club Deportivo Guadalajara – FC Bayern München – 0:1 (0:1)
FC BayernStarke – Rafinha, Martínez (88. Rafinha), Alaba – Højbjerg, Gaudino, Rode (53. Badstuber), Bernat – Pizarro (57. Shaqiri) – Lewandowski (83. L. Scholl), Ribéry (83. Contento)
BankZingerle, Lucic, Walter, T. Schweinsteiger, Oikonomou, Eberwein, Green
Club Deportivo GuadalajaraA. Rodriguez (71. Michel) – Pereira (46. Vidrio), Salcido, Araujo – Sanchez, Arce (71. Toledo), Castro (62. Enriquez), G. Rodriguez (62. Solis) – Bravo (71. Napoles), De Nigris (62. Fierro), Reyna
Tore0:1 Pizzaro (10.)
KartenMartínez / Pereira, Sanchez, Solis
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Leserkommentare
  1. Ein »Spiel ohne viele Highlights«, trifft es das? Habe gerade ein wenig in Zusammenfassung und die Halbzeiten reingeschaut. Ran.de hat Halbzeit 1 und Halbzeit 2 komplett auf der Webseite. In Anbetracht des Jetlags wohl verständlich.

    Sehr schön, dass sowohl Højbjerg als auch Gaudino wieder in der Startelf standen. Besonders bei Gaudino ist das inzwischen schon sehr auffällig. Hoffe er wusste das wieder einmal zu nutzen.

    1. Christopher

      Ja – so kann man das Spiel durchaus beschreiben. Ich frage mich ernsthaft wo bei solchen Auftritten der “Werbeeffekt” her kommen soll, wenn das Spiel nahezu 90 Minuten verwaltet wird. Gefühlt schneidet sich der Verein ins eigene Fleisch.

  2. […] Testspiel: CD Guadalajara – FC Bayern München 0:1 (0:1) […]

  3. SP

    Schöner Artikel, der das Spiel sehr gut beschreibt. Das Aufbauspiel fand ich streckenweise wirklich nicht so gut, aber ich denke, dass das auch mit Neuer ganz anders ausgesehen hätte. Ich hatte auch noch in manchen Szenen den Eindruck, dass Shaqiri und Lewandowski ziemlich gut harmonieren.

    1. Christopher

      Absolut. Shaqiri war definitiv eine Belebung für die Offensive. Er hatte auch einige vertikale Läufe. Hier konnte sich Lewandowski geschickt als Anspielstation in Szene setzen und so Gefahr am Strafraum erzeugen.

  4. Sauze7

    Ich stimme euch euch und SP komplett zu, defensiv klappt es schon erstaunlich gut mit 3er/5er-Kette.

    Offensiv in der Zentrale gibt es auch gute Synergien zwischen Gaudino (bisher mein persönlicher Gewinner der Vorbereitung), Rode und Lewandowski.

    Ich bin aber jedoch etwas enttäuscht vom Spielaufbau über die Flügel(verteidiger). Von Bernat war bisher wenig von dem zu sehen, was ihn in den Valencia-Highlight-Videos ausgezeichnet hat (Dynamik, Dribblings, Aggressivität). Auf der anderen Seite bin ich immer wieder erstaunt, das PEH als Wingback spielt, wobei jeder sagt (inklusive ihm selbst nach dem Pokalfinale), dass es nicht seine Position ist und er in der Zentrale als 6er oder 8er spielen “sollte”.

    Doch wie sieht dann der “Plan A” aus für die Wingback-Positionen? Rückt Alaba dann links wieder nach vorn und Rode wird durch die WM-Rückkehrer nach rechts verschoben? Falls das der Plan ist, verwundert mich, dass den Spielern dann aktuell nicht die Möglichkeit gegeben wird sich dort auch einzuspielen. Speziell der Tausch von Rode und PEH wäre ja aktuell schon realisierbar.

    Naja, bleibt nur das alle Motto “Keep calm and trust in Pep”!

  5. Schöne Zusammenfassung. :)

    Interessant fand ich, dass Rafinha in der Dreierkette agierte und Höjbjerg als Wing Back, hätte es eher andersherum erwartet aufgrund der Größe von Pierre und damit seinem Vorteil in Kopfballduellen gegenüber Rafa. Aber vermutlich wollte Pep den defensivstärkeren Spieler und der ist dann wohl doch noch unser kleiner Brasilianer.
    Was mir auch bei Gaudino und Rode auffiel war, dass Gaudino meistens tiefer agierte als Rode. Taktische Vorgabe oder lag es mehr am Gegner?
    Aber man muss mittlerweile wirklich sagen, dass es extrem auffällig ist, dass Gaudino so oft spielt. Klar haben wir im Mittelfeld aktuell einen Spieler Mangel, aber gestern hätte Pep ja durchaus auch anders aufstellen können. Dass er seine Sache dabei mehr als gut macht, da sind wir uns denke ich einig.
    Er überzeugt durch eine gute Ballbehandlung und Übersicht und was ich für sein Alter für sehr bemerkenswert halte, hat er eine unglaubliche Ruhe am Ball. Bin gespannt, wo er sich nach der Vorbereitung einordnen wird. Kann mir kaum vorstellen, dass er jetzt wieder in die U19 zurückkehren wird.
    Lewandowski hatte einen exrem schweren Stand. Er wurde sehr hart von den Chivas Spielern angegangen und zudem hatten wir eigentlich nur Ribery auf dem Platz, der Chancen kreiren konnte.
    Ansonsten muss ich noch anmerken, dass Alaba mir momentan ein wenig Sorgen macht. Mit der Dreierkette bzw. Fünferkette scheint er mir nicht so richtig zurechtzukommen. Oft rückt er zu stark raus ohne auf seine Absicherung zu achten und wirkte auch sonst in seinem Spiel eher etwas unkonzentriert. Klar ist es nicht seine Position, aber dennoch, erwarte ich von ihm mehr.
    Dass Alaba wieder nicht, oder nur die letzen fünf Minuten, im zentralen Mittelfeld spielen durfte, darf man denke ich aktuell als klare Absage von Guardiola an diesen Wunsch werten.
    Nach dem Wechsel Badstuber für Rode rückte Höjbjerg ins Mittelfeld und nicht Alaba, was ja auch möglich gewesen wäre. Ich denke wir werden Alaba diese Saison nur im äußersten Notfall auf der Sechs oder Acht sehen.

    Ansonsten muss ich zu dem Spiel sagen, dass es so nach Dienst nach Vorschrift und Nachts um Drei geweckt aussah. Wie Christopher schon anmerkte, so sichert man sich eher nicht die Symphatien der amerikanischen Zuschauer und Fans. Vielleicht gab es deswegen auch schon nach zwanzig Minuten Pfiffe.

  6. DS

    Ich hab das Spiel nicht gesehen, mich wundert aber dass du die Antrittsschnelligkeit von Martinez lobst. Diese war letzte Saison in den Spielen, wo er als Innenverteidiger eingesetzt wurde seine wohl größte Schwäche. Hat er sich in der Hinsicht verbessert?

    1. Christopher

      Ja – er hat sich aus meiner Sicht in diesem Punkt verbessert. Kann natürlich sein, dass dieser Effekt gegen einen zweitklassigen Gegner extremer auffällt. Aber wie bereits beschrieben – Martínez rückte gekonnt nach vorne, konnte das Spiel gut lesen und wirkte sehr spritzig. Einer der besten Spieler gestern.

  7. Josef

    Top Zusammenfassung. Ich habe leider nur die erste Halbzeit gesehen. Deshalb würde ich mich freuen wenn noch jemand kurz erläutern kann wie nach Badstuber Einwechslung umgestellt wurde.
    Danke im Voraus!

    1. Christopher

      Da es im Anschluss an die Badstuber Einwechselung ziemlich viele Wechsel und infolgedessen Umstellungen gab, kann ich dies gar nicht richtig bewerten. Unmittelbar nach der Einwechslung rückte Højbjerg in die Mittelfeldzentrale auf die Rode Position und Rafinha übernahm den Part des Dänen. Badstuber rückte dafür in die Innenverteidigung – auf die Position von Rafinha, also RIV.
      Wobei Badstuber & Martinez durchaus auch mal Rollen getautscht haben (siehe gefährliche Chance von Guadalajara). Da war Martinez RIV und Badstuber sicherte die Zentrale ab.

    2. SP

      Badstuber wird als zentraler Verteidiger aufgestellt, Martinez rückt in der Dreierkette nach rechts, Rafinha geht auf den rechten Flügel und Höjbjerg nimmt im Zentrum die Position von Rode ein, der für Badstuber das Feld verlassen hat.

      1. Josef

        Vielen Dank euch beiden!

      2. Christopher

        Danke SP

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