Manchester City vs. FC Bayern München – Das WIR gewinnt

Der FC Bayern wird gerne auf seine Einzelspieler bzw. Einzelleistungen reduziert. Da werden Personen wie Ribery und Robben für ihre magischen Momente gefeiert, den Unterschied gestern in Manchester machte aber ein Verteidiger – Jerome Boateng.
Es war zwar erst der zweite Spieltag der diesjährigen Champions League Saison, aber nach den ersten beiden Partien war klar: Heute geht es um den Gruppensieg. Zumindest aus bayerischer Sicht, wenn man das Spiel in Manchester nicht verliert.

Manchester City - FC Bayern München Choreo

Vor dem Beginn konnte man eigentlich die Schalke Elf erwarten, da sich das Experiment mit Müller auf der »8« gegen Wolfsburg keineswegs bewährt hat. Man konnte von folgender Aufstellung ausgehen: Lahm, Schweinsteiger und Kroos im Mittelfeld und Ribery, Robben und Mandzukic in der Spitze, doch Pep Guardiola entschied sich überraschend für Thomas Müller als Stürmer. Das war insofern außergewöhnlich, da Manchester City als physisch stärker bewertet werden kann. Pep gab also bewusst einen Spieler auf, dessen Kernkompetenz Kopfbälle sind.

Dabei spielte Müller keineswegs als falsche Neun, sondern er agierte viel häufiger vertikal – zwischen den Linien. Er sorgte im Sturm für permanente Unruhe und konnte einige Bälle gut behaupten, weiterleiten und schaffte durch seine Laufwege viel Freiraum für Ribery und Robben.

Der Büchsenöffner im Spiel war das frühe Tor durch Ribery (7.) – ein schöner Diagonalpass von Rafinha öffnete den Raum für den Franzosen, der zog ähnlich wie gegen Chelsea im Super-Cup aus 26 Metern ab und traf ins kurze Eck. Joe Hart im Tor von Manchester City hinterlies einen sehr britischen Eindruck.

Der Schlüssel Nummer 1 im fortlaufenden Spiel war, dass man das hochgelobte Mittelfeld von Manchester City mit den »Stieren« Yaya Touré und Fernandinho ausbremsen konnte. Dies gelang mit einem simplen Torero-Trick – man vermied einfach den Zweikampf mit dem Stier. Dabei erwiesen sich Kroos (74 von 76), Lahm (66 von 72) und Schweinsteiger (69 von 73) als überaus Passsicher und resistent gegenüber dem Mittelfeld Pressing von Manchester City. Erleichtert wurde die Hase-und-Igel-Methode durch einrückende Außenverteidiger. Bayern hatte kurzum fast immer eine Überzahl im Mittelfeld und spielte City müde.

Die Feldüberlegenheit wurde aber erst in der zweiten Halbzeit mit einem weiteren Treffer belohnt. Dante spielte einen Diagonalpass auf den vertikal starteten Müller. Mit einem Pass waren 20 Mann(!) ausgespielt – Müller stand alleine vor Hart und verwandelte ganz typisch (56.).

Nur zwei Minuten später zahlte sich der Schlüssel Nummer 2 aus. Das Pressing der Bayern-Elf war überragend. Manchester City konnte sich meist nur mit langen Bällen befreien, da sie nach dem Ballgewinn sofort zugestellt bzw. unter Druck gesetzt wurden. Dadurch wurden viele einfache Zweikämpfe geführt, die überwiegend von Bayern-Spieler gewonnen wurden (57% insgesamt). So war es auch beim 3:0, Kroos eroberte im Mittelfeld den Ball – spielte auf Robben, der dank seiner neuen orthopädischen Eilagen jetzt einen rechten Fuß hat und trocken ins kurze Eck verwandeln konnte (59.). Anschließend entwickelte sich wohl die besten 10-15 Minuten Fußball, die man von einer Bayern-Elf je gesehen hat. Man lies Ball und Gegner laufen und ergötzte sich am eigenen Dasein. Einige Chancen wurden nach dem 40-50ten Pass erspielt, leider wurden die Chancen nicht in weitere Tore umgemünzt. Die größten Möglichkeiten vergaben Robben und Müller. Dennoch schien das Spiel zu diesem Zeitpunkt entschieden.

Mit dem Leverkusen-Spiel vor Augen, stellte Pep auf den »Verwalten«-Modus um und brachte Kirchhoff für Schweinsteiger und Shaqiri für Robben (78.). Das Mittelfeldpressing lies nach und durch einen leichten Ballverlust durch Alaba erzielte Negredo durch einen sehenswerten Drehschuss den Ehrentreffer (79.).

Das es beim Ehrentreffer blieb hat man Jerome Boateng zu verdanken. Der Ausdruck für den Schlüssel Nummer 3 ist – das WIR. Dante und Kirchhoff spielten im Mittelfeld Ringelpietz mit Anfassen, leider vergaßen sie dabei den Ball und durch einen Steilpass stand Touré frei vor Neuer. Touré konnte aber nicht mehr abschließen, sondern wurde durch eine Notbremse von Boateng gestoppt. Eine klare rote Karte – die Boateng bewusst in Kauf nahm, um sich für das Team zu opfern. Ein 3:2 hätte fünf Minuten vor Schluss niemand mehr gebraucht. Eine überaus löbliche Aktion des Innenverteidigers. Manchester City hatte im Anschluss noch 1-2 Torchancen, aber es gelang kein weiterer Treffer.

So blieb es am Ende bei 80 Minuten überragenden Fußball, der durch eine Team-Aktion von Boateng, den verdienten Sieger fand. Das WIR gewinnt.

Manchester City – FC Bayern München 1:3 (0:1)
FC BayernNeuer – Rafinha, Boateng, Dante, Alaba – Lahm – Robben (78. Shaqiri), Schweinsteiger (76. Kirchhoff), Kroos, Ribéry (85. Götze) – Müller
BankStarke, Van Buyten, Mandzukic, Contento
Manchester CityHart – Richards, Kompany, Nastasic, Clichy – Touré, Fernandinho – Navas, Agüero (70. Silva), Nasri (70. Lescott) – Dzeko (57. Negredo)
BankPantilimon, Zabaleta, Lescott, Javi Garcia
Tore0:1 Ribéry (7.), 0:2 Müller (56.), 0:3 Robben (59.), 1:3 Negredo (79.)
KartenGelb: Agüero, Nasri, Milner / Kroos; Rot: Boateng (86./Notbremse)
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Leserkommentare
  1. Yannick

    Sehr gut geschrieben! Endlich ein Spielbericht, der Boatengs Aktion richtig einordnet und seine Wichtigkeit zeigt, anstelle ihm unkluges verhalten oder sonstiges vorwirft (was man leider immerwieder von “Sportjournalisten” lesen darf)

  2. Christopher

    Danke Yannick, schaut man sich die Szene wirklich noch mal in Ruhe an, dann wird eigentlich ziemlich schnell klar, dass Boateng die ärmste Sau war. Bleibt nur zu hoffen, dass er als ‘Wiederholungstäter’ trotzdem nur 2 Spiele Sperre bekommt und keine 3.

  3. Ich stimme der Bewertung zu, frage mich aber, was wir heute lesen würden, wäre der Freistoß nach der Notbremse ins Tor gegangen statt an die Latte.

    1. Irgendwie habe ich da das Gefühl, dass sich an den zwei Arten der Berichterstattung auch in diesem Fall wenig verändert hätte. Weite Teile der Sportpresse hätten Boateng weiter als Sündenbock hingestellt, während einige + ein Großteil der Blogger das Thema wohl etwas anders betrachtet hätte. Oder nicht?

  4. […] sieht SPOX, in Anlehnung an den weniger erfolgreichen SPD-Wahlslogan gewinnt laut MiaSanRot das WIR, von Münchner Dominanz berichtet DerBayernBlog. Bei ZonalMarking gibt es die passende […]

  5. […] an. Allerdings stürmte Thomas Müller in vorderster Front bei den beiden besten Saisonspielen (in Manchester und Leverkusen). Zudem hat man noch Mario Götze der die Rolle als “Stürmer” auch ausfüllen […]

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